Wenn die USA kreativ und diplomatisch klug sind, dann könnte sei die EU dazu bringen, Russlands beschlagnahmtes Vermögen freizugeben. Das wäre ein großer Schritt zur Entspannung.
Der polnische Außenminister Radek Sikorski erklärte auf dem Warschauer Sicherheitsforum dramatisch, Russlands eingefrorene Vermögenswerte in Europa würden nur „über unsere Leichen“ zurückgegeben. Parallel dazu berichtete die Financial Times, die USA erwögen die Freigabe eines Teils der russischen Assets, um die Ukraine-Friedensgespräche wieder in Gang zu bringen. Trumps Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner sollen in der Woche zuvor vorgeschlagen haben, die Mittel in ein neues, von Washington kontrolliertes Sonderfinanzvehikel zu überführen.
Trotz des europäischen Widerstands ließe sich das mit kreativer Energiediplomatie erreichen. Bereits im April 2025 wurde dargelegt, wie Gaspipelines und beschlagnahmte russische Vermögenswerte den USA erheblichen Hebel über die EU verschaffen könnten. Russland könnte das rechtliche Eigentum an seinen in Europa eingefrorenen Assets – ganz oder teilweise – an die USA übertragen. Das könnte als Gegenleistung für große Boeing-Käufe dienen (wie seinerzeit diskutiert) und/oder dafür, dass die USA die Mittel an Russland zurückgeben – im Tausch gegen Beteiligungen an russischen Pipelines und/oder Energieunternehmen.
Alle drei Varianten sind für Trump 2.0 attraktiv, besonders die letzten beiden. Die USA treiben ihre seit Langem verhandelte, ressourcenorientierte strategische Partnerschaft mit Russland voran, wie der Diesel-Deal zeigt. Neueste Meldungen, wonach die USA eine Beteiligung an Nord Stream anstreben (später möglicherweise auch an Yamal und/oder Druschka), passen zu Berichten über ein großes Energieabkommen als Teil eines Kompromisses zur Beendigung des Ukrainekonflikts.
Im Kern geht es darum, dass russische Pipelineexporte nach Europa wieder aufgenommen werden könnten, um die schrumpfende Wirtschaft des Blocks anzukurbeln – und damit dessen Kaufkraft für US-Waren und -Dienstleistungen zu stärken –, solange die USA Beteiligungen an diesen Projekten halten und so dauerhaften Einfluss auf die russisch-europäischen Beziehungen nach dem Krieg behalten. Diese Beteiligungen ließen sich über die Rückgabe der russischen eingefrorenen Mittel realisieren, sobald Russland das Eigentum daran an die USA überträgt und diese die Mittel im Gegenzug an Russland zurückgeben.
Ebenso könnten Zelenskys fortgesetzte Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur – trotz Trumps Aufforderung, sie einzustellen – durch US-Beteiligungen an den großen Energieunternehmen abgeschreckt werden. Alternativ könnten die USA dann den Abbruch von Waffen- und Geheimdienstlieferungen an die Ukraine rechtfertigen, weil angegriffen würde, was dann buchstäblich amerikanische Investitionen wären. Der Konflikt würde in jedem Fall bald enden. Dafür braucht es jedoch den politischen Willen Washingtons, die EU zur Freigabe der dann hypothetisch amerikanischen Mittel zu zwingen.
Schon die Androhung von massiven Zöllen und/oder dem Abzug eines erheblichen Teils der US-Streitkräfte aus Europa dürfte genügen, um den Block zur Freigabe zu bewegen. Anschließend könnten die Mittel große russische Käufe in den USA finanzieren oder US-Beteiligungen an der russischen Energieindustrie ermöglichen. Die EU steckt wirtschaftlich in der Krise, und ihre Eliten haben eine pathologische Angst vor Russland – die Kombination dieser Drohungen sollte ausreichen, um den Block zu Trumps Kurs zu bringen.
Das extremste Szenario – vollständiger Abbruch der Unterstützung für die Ukraine, falls Zelensky die Angriffe auf die dann amerikanischen Energieinvestitionen fortsetzt, gepaart mit lähmenden Zöllen gegen die EU und einem massiven Truppenabzug – ist nicht nachhaltig. Die Ukraine würde rasch zusammenbrechen, und die EU würde auf ihre Weise folgen. Trump muss lediglich den politischen Willen aufbringen, solche Drohungen glaubwürdig zu machen – dann endet der Ukrainekonflikt bald.
Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Andrew Korybko ist ein in Moskau ansässiger amerikanischer politischer Analyst, der sich auf den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat. Er veröffentlicht auf Englisch auf seinem Substack-Blog. Auf Deutsch exklusiv bei TKP.
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