Vier Jahre nach dem Erscheinen der Studie wurde die Arbeit zurückgezogen. Die Daten, mit denen behauptet wurde, dass die COVID-Impfung eine breite Immunantwort auslösen würde, waren gefälscht.
Am 14. Oktober 2022 erschien in der Fachzeitschrift Science Translational Medicine eine Arbeit mit dem Titel „SARS-CoV-2 S2–targeted vaccination elicits broadly neutralizing antibodies“. Die Studie zur COVID-Impfung behauptete, dass eine Impfung gegen einen bestimmten Teil des Spike-Proteins (S2) bei Mäusen breit neutralisierende Antikörper gegen verschiedene Virusvarianten erzeugt. Vier Jahre später wurde das Paper zurückgezogen. Der Autor hatte Daten und Bilder gefälscht, wie das Francis Crick Institute in London feststellte.
Laut der Rückzugsnotiz des Journals und einer Stellungnahme des Crick Institute wurden Daten in zwei Abbildungen verändert. Zudem entsprachen die repräsentativen Bilder in der ergänzenden Abbildung S6 in den meisten Fällen nicht den Viren, die in der Legende angegeben waren.
Der Erstautor Kevin W. Ng, damals Doktorand am Crick Institute, räumte die Verantwortung ein. Die Fälschungen werfen zudem Zweifel an weiteren Experimenten auf, da Primärdaten und Proben für eine nachträgliche Überprüfung fehlen.
Es ist bereits die zweite Retraktion von Ng im Jahr 2026. Im Januar zog Nature eine Arbeit zurück, in der Ng ebenfalls Erstautor war. Darin ging es um die Empfindlichkeit von Lungenkrebs gegenüber Immuntherapien. Auch hier fand das Crick Institute manipulierte Daten, für die allein Ng verantwortlich gemacht wurde; andere Autoren wurden nicht belastet.
Besonders relevant ist die Impfstoffarbeit. Sie wurde 83-mal zitiert und gehört nun zu den über 700 zurückgezogenen COVID-19-Papieren, die Retraction Watch dokumentiert hat. Dabei handelte es sich meist um Datenprobleme, methodische Mängel oder Fehlinterpretationen. Oft wurden Studien zurückgezogen, die die Impfstoffsicherheit infrage stellten. Hier handelt es sich um eine positive Forschung – ihr Rückzug kommt vier Jahre später.
Fragen zur wissenschaftlichen Sorgfalt bleiben: Konnte ein Doktorand allein für zentrale Abbildungen verantwortlich zeichnen, ohne dass Seniorautoren die Primärdaten prüften? Ng ist inzwischen nicht mehr in der Forschung tätig. Er schreibt nun über klassische Musik und veröffentlichte unter anderem 2026 einen Beitrag zur Oper „Turandot“ in der New York Times.
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