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Wirtschaft

VW in Osnabrück: Rüstung statt Cabrio

12 Kommentare 8. September 2026 3 Minuten Lesezeit von Thomas Oysmüller

Im ehemaligen Karmann-Werk von Volkswagen in Osnabrück sollen künftig keine Cabrios mehr vom Band laufen, sondern Komponenten für die Luftverteidigung. Der strauchelnde Autoriese integriert sich damit (zurück) in die Rüstungsindustrie. 

Am Montag unterzeichneten das Land Niedersachsen, der Investor Aurelius Capital und der israelische Staatskonzern Rafael Advanced Defense Systems eine Absichtserklärung. Aus dem Autostandort soll ein „Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungslösungen“ werden. Rafael plant dort Systeme und Komponenten der Luftverteidigung – Berichten zufolge Startgeräte, Fahrzeuge und Generatoren, nicht die Abfangraketen selbst. Der Konzern ist vor allem durch das Raketenabwehrsystem Iron Dome bekannt. Über Verhandlungen hat TKP bereits im März berichtet.

Die Autoproduktion in Osnabrück endet planmäßig im Sommer 2027. Rund 1.800 Menschen arbeiten dort. Betriebsrat und Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo sprechen von einer Perspektive für mehr als 1.200 Beschäftigte, teils abgesichert bis Ende 2029.  Nun soll das Werk teilweise gerettet werden, in dem man für die Kriegsindustrie produziert.

Das nennt man dann „eine Vereinbarung einen wichtigen Schritt für eine neue industrielle Zukunft“ (VW-Chef Oliver Blume). SPD-Ministerpräsident Olaf Lies sprach über „Europas Bedarf an eigener Verteidigungsindustrie“. Ganz vollzogen ist der Plan noch nicht, er steht unter Vorbehalt von weiteren Verträgen und Behördenprüfungen.

Pikant ist auch der Umweg Land und Investor, denn eigentlich war eine direkte VW-Kooperation mit Rafael geplant. Dies dürfte aber an Katar gescheitert sein. Der Staatsfonds Qatar Holding hält 17 Prozent der Stimmrechte. Mit dem Verkauf scheidet VW aus der Kette aus. Katar kann nicht mehr blockieren.

Osnabrück gilt als Testfall, ob überschüssige Autokapazität in die Rüstung wandern kann. Friedensgruppen kritisieren die Militarisierung der Stadt des Westfälischen Friedens; Gewerkschaft und Betriebsrat sehen dagegen eine Alternative zur Schließung. Der Deal fällt in die Konzernkrise um den „Zukunftsplan 2030“ mit Zehntausenden Stellenstreichungen.

Für Volkswagen ist militärische Fertigung alles andere als Neuland. Das 1937 gegründete Werk bei Fallersleben, dem heutigen Wolfsburg, war von Beginn an in die NS-Kriegswirtschaft eingebunden. Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge prduzierten Kübelwägen und reparierten Flugzeuge.

Statt des geplanten KdF-Wagens entstanden dort ab 1940 der Kübelwagen Typ 82 und ab 1942 der schwimmfähige Typ 166. Bis Kriegsende fertigte das Werk nach Konzernangaben 66.285 Fahrzeuge, darunter rund 50.800 Kübelwagen. Hinzu kamen Reparaturen an Junkers-Ju-88-Flugzeugen, Tragflächen, Abwurfbehälter und gegen Kriegsende die Montage der Flugbombe Fi 103, besser bekannt als V1.

Ab Sommer 1940 ersetzte Zwangsarbeit die fehlenden Arbeitskräfte; insgesamt waren rund 20.000 Menschen betroffen, darunter Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge. 1944 stellten sie etwa zwei Drittel der Belegschaft. Nach 1945 blieb VW zivil geprägt, lieferte der Bundeswehr aber wiederholt Geländewagen. Auch später produzierte man immer wieder für die Bundeswehr.

In Osnabrück selbst, seit 1901 Karosseriestandort von Karmann und seit 2010 VW-Tochter, lag der Schwerpunkt auf Cabrios und Kleinserien – nicht auf Waffen. Seit 2026 werden dort Amarok- und Crafter-Prototypen als Militärfahrzeuge gezeigt.


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12 Kommentare

  1. 1150
    Antworten

    vor einigen jahrzehnten hatte eine freundin einen sekretärinnen porsche aus osnabrück
    in der cabrio ausführung.
    leider ist dieser wegen mangelnder aufmerksamkeit und zuwendung rapide oxydiert

  2. Glass Steagall Act
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    Noch ein Ort, auf den nun russische Raketen gerichtet werden können! Sagt danke in Osnabrück!

  3. Jan
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    Was Willi und Adi nicht gelang, wird Fritz gelingen: Das Zerkrümeln der Russen! Die Altparteien schämen sich nicht einmal.

  4. cwsuisse
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    Hinter der geplanten Transition steht die Vision des Dauerkrieges mit der „Achse des Bösen“ (C-RU-IR-NK). Für diese Vision sollte sich niemand hergeben. Die Versuche Deutschland zur neuen Ukraine zu machen dürfen nicht erfolgreich sein.

    1. 1150
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      dabei waren die achsenmächte schon 1918 beim brotfrieden in kiew und der ukraine ….

  5. MDGerlach
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    Das ist ein Spiel mit dem Feuer 🔥…Fertigung von Kriegsmaterial ist endlich…und die Treffer des Gegners sind sehr genau…das sollte man sich immer vor Augen halten…

  6. Der Zivilist
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    Kapitalistische Logik, zuerst produziert man Nützliches (wenn alles kaputt ist, nach dem Krieg, Wirtschaftswunder), dann Luxus und dann Waffen. Und nach dem Krieg fängt man dann wieder mit Nützlichem an u.s.w. Nach dem Krieg ist vor dem Krieg.

    1. OMS
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      VW war schon einmal Nutznießer!
      Volkswagen wurde 1937 als nationalsozialistisches Staatsunternehmen gegründet, um mit dem „KdF-Wagen“ (Kraft durch Freude) ein billiges Volksauto für die Bevölkerung zu bauen und gleichzeitig Rüstungsgüter zu produzieren. (KI – Antwort)

      1. 1150

        die idee vom VorwärtsWurschtler, zentralrohrrahmen mit luftgekühlten boxermotor im heck, wurde eigentlich von hans ledwinka’s entwickelten und gebauten 1921 tatra 11 abgekupfert

  7. VerarmterAdel
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    „Der strauchelnde Autoriese integriert sich damit (zurück) in die Rüstungsindustrie.“

    Und ausgerechnet ISrahell, der mit Abstand gefährlichste Terror- und Verbrecherstaat, der seit Gründung und sogar schon vorher die gesamte Region terrorisiert und unzählige Morde und Anschläge verübt hat, dessen Militär lachend und voller Stolz einen Genozid verübt und die ganze Welt via Video daran teilhaben lässt, was zeigt wie unfassbar durchgeknallt diese Irren sind, will dort nun Waffen bauen, die das Land vermutlich schon bald gegen alle einsetzen wird, die sich nicht diesen Psychopathen unterwerfen wollen, Stichwort Noahide Laws.

    Wieso kann dieses Land machen, was es will? Ganz einfach: weil es die ganze Welt unterwandert hat und gegen alle wichtigen Leute etwas in der Hand hat, und so erklärt sich auch, dass der Schutz dieses ewigen Opfers, der in Wahrheit der ewige Täter ist, Teil der Staatsräson des Klimagottesstaates Saublödistan ist.

    Fk you, ISrahell, fk you.

  8. sisp01
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    Das Deutschland noch einmal so „billig“ davon kommt wie 1945, wage ich zu bezweifeln.

    1. VerarmterAdel
      Antworten

      Die Leute sind so unfassbar blöde in der Pannebirne, dass sie es drauf anlegen, dass das Land auch den Dritten (und letzten) sog. Weltkrieg verlieren und danach von der Landkarte verschwinden wird. Die Idiotie dieser ferngesteuerten Nullchecker tut mir körperlich weh.

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