„Islamische NATO“ gegründet

7. August 2026von 3,5 Minuten Lesezeit

Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan haben das geplante Verteidigungsabkommen, das als „islamische NATO“ bezeichnet wird, am Freitag in Mekka unterzeichnet.

Am Freitag haben Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan ein für die Welt bedeutendes Verteidigungsabkommen unterzeichnet. Die Staats- und Regierungschefs hatten sich in der Stadt Mekka in Saudi-Arabien versammelt. Das Abkommen soll die gemeinsame Abschreckung stärken und die Verteidigungskooperation ausweiten, berichtete die saudische Nachrichtenagentur SPA. Entscheidend: Es legt fest und formalisiert, dass ein bewaffneter Angriff auf eines der Länder als Angriff gegen alle betrachtet wird – ähnlich dem NATO-Artikel 5.Offiziell heißt es Mekka-Gemeinsames-Verteidigungsabkommen und „spiegelt das Engagement der drei Nationen wider, ihre kollektive Sicherheit zu stärken und Frieden, Sicherheit und Stabilität in der Region und der weiteren Welt zu fördern“, so die SPA.

Die geschätzte Gesamtbevölkerung dieser mehrheitlich muslimischen Länder beträgt 380 Millionen Menschen, nach höheren Schätzungen nähert sie sich sogar 400 Millionen.

Al Jazeera kommentiert die Bedeutung des historischen Pakts wie folgt:

Das ist mehr als ein diplomatisches Treffen und die Unterzeichnung eines Abkommens.

Das bringt im Wesentlichen drei der größten muslimischen Bevölkerungen auf den Weg zu gemeinsamem Frieden, zur Abschreckung jeglicher Aggression gegen sie, dazu, dass sie bei der Geheimdienstzusammenarbeit, der Sammlung aller erforderlichen Informationen und auch bei der Vertiefung der Kooperation in allen möglichen Bereichen – ob Energie, Verteidigungsausgaben oder Produktion und anderem – aufeinander abgestimmt sind.

Pakistan bringt selbstverständlich sein Nukleararsenal mit, eine kampferprobte Armee und Munition, die es geliefert hat. Die Türkei verfügt über fortschrittliche Drohnen- und Munitionssysteme und ist NATO-Mitglied, kombiniert mit der Wirtschaftsmacht Saudi-Arabiens.

Zusammen bilden die drei nun eine Kraft, die diese Region zu einer anderen Sicherheitsarchitektur führen wird als derjenigen, die in den vergangenen Jahrzehnten geherrscht hat – besonders im Zuge des Iran-Kriegs.

Konkret wird damit ein nuklearer Schutzschirm für Saudi-Arabien, das über keine Atomwaffen verfügt, formalisiert. Die Türkei stationiert als NATO-Staat US-Atomwaffen und unterhält die zweitgrößte Streitmacht innerhalb der NATO-Allianz hinter den Vereinigten Staaten.

Pakistan und Saudi-Arabien haben bereits ein bilaterales Verteidigungsabkommen, das vor einiger Zeit geschlossen wurde. In dessen Rahmen hat Islamabad in letzter Zeit 8000 Soldaten, eine Staffel Kampfflugzeuge und ein Luftabwehrsystem nach Saudi-Arabien entsandt. Saudi-Arabien ist am Iran-Krieg beteiligt, hat selbst zahlreiche nicht öffentlich gemachte Angriffe auf den Iran unternommen und war „Vergeltungsangriffen“ aus dem Iran ausgesetzt. Außerdem befindet man sich im de-facto-Krieg mit dem Jemen.

Eines der Mitglieder befindet sich also an der Frontlinie im aktuellen Konflikt. Die Saudis gelten für viele als US-Marionetten, das Abkommen widerspricht dem allerdings konkret. Außerdem ist das Land bereits länger BRICS-Mitglied. Nun baut Riad eine eigenständige Sicherheitsarchitektur auf, die auf kollektiver Abschreckung mit der Türkei und Pakistan beruht – einschließlich eines faktischen nuklearen Schutzschirms aus Islamabad und türkischer Drohnen- und Rüstungstechnologie. Die Türkei ist gegen Trumps Iran-Feldzug und ein lauter Gegner Israels, wodurch das Abkommen bedeutet, dass sich Riad von Israel entfernt und eigene Interessen gegenüber US-Vorgaben priorisiert.

Ob das Abkommen unmittelbare Auswirkungen hat, wird sich erst zeigen, doch das Eskalationsrisiko wächst. Durch die Klausel, dass ein Angriff auf eines der drei Länder als Angriff auf alle gilt, entsteht faktisch ein erweiterter Schutzschirm, der Pakistans Nukleararsenal und die türkischen Streitkräfte – einschließlich moderner Drohnen und der zweitgrößten NATO-Armee – einbezieht. Angriffe auf die Saudis aus dem Jemen oder dem Iran könnten nun auch zu pakistanischen und türkischen Reaktionen führen.

Die NATO schweigt indes. Es gibt keine offizielle Reaktion der NATO oder ihres Generalsekretärs auf das Mekka-Abkommen. Türkische Regierungsvertreter haben jedoch bereits klar positioniert: Das Abkommen sei kein alternatives Bündnis zu den NATO-Verpflichtungen, sondern eine komplementäre regionale Ergänzung. Man werde die Verpflichtungen innerhalb der NATO weiterhin voll erfüllen, heißt es aus Ankara.


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Ein Kommentar

  1. Jakob 7. August 2026 um 17:36 Uhr - Antworten

    Ich sehe da eine (fast) komplette Einkreisung des Iran.
    Ob das gut geht?

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