
Hans-Eckardt Wenzel: Der schleichende Staatsstreich im Westen
Der Philosoph und Künstler Hans-Eckardt Wenzel hat in einem Gespräch mit Patrik Baab eine ungeschminkte Analyse der gegenwärtigen Lage in Deutschland und Europa vorgelegt. Unter dem Titel „Das Ende der Vernunft: Warum wir sehenden Auges in den Abgrund steuern“ beschreibt er eine Gesellschaft, die sich bereits mitten in einem modernen Staatsstreich befindet – ohne dass Panzer rollen oder offene Gewalt angewendet wird.
Der deutsche Philosoph Hans-Eckardt Wenzel, der die Hälfte seines Lebens in der DDR und die andere Hälfte im vereinigten Deutschland verbrachte, stellt eine vernichtende Diagnose. Wir befinden uns bereits mitten in einem raffinierten Staatsstreich, der Rechte abbaut und Opposition zum Schweigen bringt, ohne dass auch nur eine einzige Pistole gezogen wird. Dieselbe Öffentlichkeit, die einst die Macht hinterfragte, akzeptiert nun Spaltung, Angst und Redeverbote als normales Hintergrundrauschen, während die lange Vorherrschaft des Westens unter ihrer eigenen Arroganz zusammenbricht. Warum wehrt sich niemand?
Ein Coup ohne sichtbare Gewalt
Im Zentrum steht die Beobachtung, dass klassische Staatsstreiche heute nicht mehr nötig sind. Stattdessen werden Opposition und abweichende Meinungen durch Sonderregelungen, Sanktionen und Denkverbote systematisch ausgeschaltet. Was während der Corona-Zeit als Ausnahmezustand begann, wurde später auf die Ukraine-Politik übertragen. Kritik an der Regierungslinie gilt schnell als unerwünscht oder gar als moralisch fragwürdig.
Wenzel sieht darin eine Fortsetzung älterer Muster – nur technisch raffinierter und juristisch besser abgesichert. Auf EU-Ebene werden Sanktionen und politischer Druck eingesetzt, um Andersdenkende zu isolieren. Das Grundgesetz wird für bestimmte Gruppen faktisch eingeschränkt, ohne dass dies offen als solches benannt wird.
Besonders schwer wiegt für ihn, dass Deutschland und die EU seit Kriegsbeginn keine ernsthaften Versuche unternommen haben, eine diplomatische Lösung herbeizuführen. Stattdessen wird der Konflikt als Dauerzustand verwaltet.
Der Staatsstreich 2.0 in Aktion
Wenzel beschreibt einen Staatsstreich mit charmanten modernen Zügen: keine Panzer auf den Straßen, keine gewaltsame Machtübernahme, sondern lediglich die geschickte Blockade von Nachzählungen der Opposition und Sonderverordnungen, die abweichende Meinungen ausgrenzen.
Auf EU-Ebene werden Sanktionen als Waffe gegen jeden eingesetzt, der eine andere Meinung vertritt, wodurch das Grundgesetz für diejenigen, die sich weigern, sich anzupassen, faktisch außer Kraft gesetzt wird.
Es handelt sich um aktualisierte Versionen der Sonderbestimmungen aus den 1930er Jahren, die geschickter umgesetzt werden, sodass sie fast legal wirken, während gleichzeitig verfassungsrechtliche Schutzmechanismen ausgehöhlt werden.
Das Drehbuch wurde während der Corona-Politik einstudiert und dann mit dem Ukraine-Krieg eskaliert, in dem Deutschland und die EU keinerlei ernsthafte Friedensinitiativen auf den Weg gebracht haben.
Ein weiteres zentrales Element ist die systematische Spaltung der Gesellschaft. Während der Pandemie wurde die Bevölkerung in „gehorsam“ und „ungehorsam“ geteilt – eine Spaltung, die bis heute nachwirkt. Dieselbe Technik wird nun auf die Frage nach Krieg und Frieden angewendet. Wer Verhandlungen fordert oder die offizielle Darstellung hinterfragt, riskiert, als „Feindbegünstiger“ oder unzuverlässig eingestuft zu werden.
Das Ergebnis ist ein permanenter Staatsstreich, der sich vor aller Augen abspielt, doch für eine Bevölkerung, die darauf trainiert ist, ihn nicht zu sehen, unsichtbar bleibt. Es gibt eine weit verbreitete Selbstzensur. Viele Menschen schweigen, obwohl sie intern andere Positionen vertreten. Wenzel beschreibt eine Gesellschaft, die gelernt hat, Schweigen mit Stabilität zu verwechseln und Widerstand als größere Gefahr zu betrachten als die bestehenden Zustände.
Das Rätsel der massenhaften Passivität
Der Protest wurde durch „Teile-und-herrsche“-Taktiken, die während der Pandemie perfektioniert wurden, systematisch diskreditiert und zersplittert. Die Gesellschaft wurde in Gehorsame und Ungehorsame gespalten, wodurch Familien, Vertrauen und die Möglichkeit eines gemeinsamen Widerstands zerstört wurden.
Angst wird geschürt, indem die Geister der Vergangenheit wiederbelebt werden, während neue Denkverbote jede kritische Frage zum Krieg als Sympathie für den Feind brandmarken.
Selbst diejenigen, die schon früh wussten, dass der Konflikt hätte verhindert werden können, schweigen, weil es sich jetzt gefährlich oder tabu anfühlt, die Stimme zu erheben.
Die Menschen wurden darauf trainiert, den Widerstand selbst als die größere Bedrohung anzusehen, wodurch der Staatsstreich unangefochten bleibt und die Öffentlichkeit seltsam ruhig ist.
Der Niedergang des Westens – Hybris am kulturellen Ende
Wenzel verortet die Ursache nicht allein in der aktuellen Politik, sondern in einer tieferen kulturellen Entwicklung. Die westliche Zivilisation habe sich seit der Renaissance eine Hybris zugelegt – den Glauben an die eigene Überlegenheit und das Recht auf globale Dominanz. Diese Arroganz habe den Westen blind für seinen eigenen Verfall gemacht.
Während Europa und die USA in internen Konflikten und Realitätsverlust versinken, verlagere sich das tatsächliche Momentum zunehmend in Richtung der BRICS-Staaten, Afrikas, Indiens und Chinas.
Die wahre Katastrophe besteht, wie Walter Benjamin feststellte, nicht darin, dass das Unglück plötzlich hereinbricht, sondern darin, dass alles wie bisher weitergeht, während das Gemetzel unbemerkt bleibt.
Fazit
Wenzel zeigt eine Gesellschaft, die an den Toren der Hölle steht und sich dennoch einredet, sie befinde sich im Paradies – absichtlich gespalten, ihrer Sprache beraubt und in der Überzeugung, dass nichts getan werden könne.
So enden Zivilisationen: nicht mit einem Knall, sondern mit der stillen Kapitulation derer, denen beigebracht wurde, ihr eigenes Schweigen mit Frieden zu verwechseln.
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