
Überraschende Ergebnisse bei New Yorker Vorwahlen zum Kongress!
Schon länger zeigen Umfragen in den USA, dass sich die Meinung der Menschen drastisch negativ gegen Israel gewandt hat. Dies seit dem Beginn des vom IGH als möglichen Völkermord bezeichneten Vorgehens in Gaza. Insbesondere unter jungen jüdischen Menschen war der Verfall der Unterstützung katastrophal. Nun zeigen Vorwahlen, dass sich dies auch in der Wählermeinung widerspiegelt. Verliert Israel die USA, wird es gezwungen sein, seine expansiven Kriege einzustellen.
Gestern Nacht erschütterten die Ergebnisse der New Yorker „Democratic Party“ Vorwahlen das politische Establishment der Partei. Alle drei Kandidaten, die vom New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani unterstützt wurden, gewannen ihre Primaries: Claire Valdez im 7. Kongressbezirk, Brad Lander im 10. Bezirk und Darializa Avila Chevalier im 13. Bezirk. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass zwei amtierende Kongressmitglieder ihre Mandate verloren: Der frühere „Finanzminister“ der Stadt, Brad Lander schlug den amtierenden Rep. Dan Goldman mit etwa 66 zu 34 Prozent der Stimmen, während Avila Chevalier den fünfmaligen Amtsinhaber Adriano Espaillat mit rund 49,4 zu 46 Prozent denkbar knapp besiegte.
Pro-palästinensische Kandidaten auf dem Vormarsch
Spendengelder, Zensur und Gesetze reichen nicht mehr. Die Palästina-Frage stand im Mittelpunkt beider Rennen. Der Krieg in Gaza war die trennende Linie zwischen Goldman und Lander – obwohl beide jüdisch sind. Lander griff Goldman dafür an, nicht entschlossen genug gegenüber Israels Militäraktionen gewesen zu sein, und bezeichnete den Konflikt als Genozid, was Goldman bestritten hatte. Im 13. Bezirk stritten Espaillat und Avila Chevalier offen über Gaza, wobei die Herausforderin dem Amtsinhaber vorwarf, AIPAC hörig zu sein.
Das Ergebnis ist eine direkte Niederlage für die Parteiführung: House Minority Leader Hakeem Jeffries hatte Espaillat und Goldman unterstützt und verlor damit seinen Einsatz. Ein anonymer demokratischer Kongressabgeordneter bezeichnete die Ergebnisse als „Erdbeben“ und als „große Niederlage“ für die Parteiführung.
Vorläufer: Die Sonderwahl in New Jersey (April 2026)
Bereits im April gab es ein Signal in diese Richtung. Analilia Mejía gewann am 16. April 2026 eine Sonderwahl für den 11. Kongressbezirk in New Jersey, nachdem sie im Februar die Demokratische Vorwahl gewonnen hatte. Sie ist ehemalige Chefin der Working Families Alliance, wurde von Senator Bernie Sanders unterstützt und hat Israel vorgeworfen, in Gaza Genozid zu begehen. Die Wahl hatte noch eine pikante Note: AIPAC hatte im Primärwahlkampf 2,3 Millionen Dollar gegen den „moderaten“ Kandidaten Tom Malinowski ausgegeben, nachdem dieser Bedingungen für US-Militärhilfe an Israel gefordert hatte.
Der Effekt kehrte sich scheinbar um: Die AIPAC-Attacken steigerten Mejías Profil, die ihrerseits weit kritischere Positionen vertrat als Malinowski.
Pennsylvania: Sieg im Kongressbezirk Philadelphia (Mai 2026)
Einen Monat früher gewann auch in Pennsylvania ein erklärter Israel-Kritiker eine Vorwahl. Chris Rabb, progressiver Staatspolitiker aus Philadelphia, gewann die Demokratische Vorwahl im 3. Kongressbezirk und wird dort aller Wahrscheinlichkeit nach in den Kongress einziehen, da keine republikanische Gegenkandidatur vorliegt. Er hatte Israels Kritik und den Kampf gegen AIPAC zum zentralen Wahlkampfthema gemacht und wurde von Alexandria Ocasio-Cortez, Ilhan Omar, Rashida Tlaib und Ro Khanna unterstützt.
Ist das ein Trend?
Ja – aber mit wichtigen Einschränkungen. Auf der strukturellen Ebene ist eine klare Verschiebung erkennbar. Die 2026er Wahlen könnten der erste Wahlzyklus werden, in dem Palästina als strukturiertes Wahlkampfthema in Erscheinung tritt. Es spiegelt eine breitere ideologische Verschiebung in der US-Politik wider, mit wachsenden Spaltungen innerhalb der Demokratischen Partei über die Israel-Politik und zunehmender Bedeutung von Gaza unter Primary-Wählern, zu denen natürlich auch weibliche Wähler zählen.
Die Gegenmacht AIPAC scheint ihren Zenit überschritten zu haben. Mehrere von AIPAC unterstützte Kandidaten haben in Vorwahlen verloren, was signalisiert, dass die einflussreiche Lobbyorganisation an politischem Glanz verloren hat und ihr Ruf sich in linken wie rechten Kreisen verschlechtert hat. Keiner der potenziellen demokratischen Präsidentschaftskandidaten für 2028 hat AIPAC lobend erwähnt. Zeitgleich entstanden mit dem PAL PAC und dem Super PAC American Priorities erstmals schlagkräftige Gegenspieler mit Millionenbudgets.
Auf der personellen Ebene ist der Trend eng mit dem Phänomen Mamdani verknüpft. Bürgermeister Mamdani fungiert als politische Lokomotive mit eigenem Mobilisierungsapparat – seine Wahlnacht-Aussage, sein eigener Sieg als Bürgermeister vor einem Jahr sei „kein Anomalie, sondern ein Anfang“ gewesen, beschreibt das Selbstverständnis dieser Bewegung und natürlich auch ein gewisses Wunschdenken. Allerdings gelang es Mamdanis Netzwerk nicht überall: Im Bronx gewann Rep. Ritchie Torres – einer der dezidiertesten Israel-Unterstützer unter den Demokraten – klar gegen einen Mamdani-nahen Herausforderer.
Die Gegenmaßnahmen bei den Republikanern
Thomas Massie gilt seit Jahren als einer der profiliertesten Kritiker von AIPAC (American Israel Public Affairs Committee) innerhalb der Republikanischen Partei. Er stimmte regelmäßig gegen Auslandshilfen – auch für Israel – und brachte Gesetzesentwürfe ein, um AIPAC-Lobbyisten zur Registrierung als „ausländische Agenten“ zu zwingen. m Mai 2026 unterlag Thomas Massie in der republikanischen Vorwahl (Primary) in Kentucky seinem parteiinternen Herausforderer Ed Gallrein, einem ehemaligen Elite-Soldaten. Damit scheidet Massie nach 14 Jahren im Repräsentantenhaus aus dem US-Kongress aus und kann bei den Zwischenwahlen (Midterms) im November 2026 nicht mehr für die Republikaner antreten.
Laut Massie haben „Babysitter“ von AIPAC die privaten Handynummern der Politiker, treffen sich regelmäßig zum Mittagessen mit ihnen und stellen sicher, dass die Abgeordneten bei Abstimmungen stets im Sinne der pro-israelischen Lobbyorganisation agieren. Abgeordnete würden oft sagen: „Ich muss erst mit meinem AIPAC-Typen sprechen“, um beispielsweise politische Werbeinvestitionen oder ihr Stimmverhalten abzustimmen.
Im November wird sich zeigen, ob der Völkermord in Gaza ein politisches Erdbeben auslöst
Der eigentliche Trendindikator für November 2026 sind die allgemeinen Midterm-Wahlen. Die Vorwahlen zeigen, wie sich demokratische Basis-Wählerinnen und -Wähler positionieren. Ob das breite Allgemeinelektorat mitgeht, bleibt eine offene Frage – in New York City, wo diese Primaries stattfanden, ist der Wählerkreis strukturell linker als im nationalen Durchschnitt.
Bild: Screenshot von Medienberichten über den Wählertrend
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Und so wird auch verständlich, warum bei Präsidentschaftswahlen die Dems ganz auf Vorwahlen verzichten (oder deren Ergebnisse negieren, seit mind 10 Jahren).
Wer diese USA noch mit einer Demokratie verwechselt, der hat mein tiefstes Mitgefühl…..
New York wird zu einer Art DDR.
Wenn die Reps sich besonders eifrig an AIPAC verkaufen… Was sagt es übrigens über die USA aus, wenn Wahlspenden praktisch entscheiden?
Hoffentlich passiert es, bisher hält AIPAC den Wirt fest im Griff. Etwa in Bronx, wie der Artikel erwähnt. Ob der heute hier zitierte Bericht der UN-Untersuchungskommission die Schwerpunkte weiter verschiebt?