Die US-Wähler könnten Trump stoppen, aber werden sie?

26. März 2026von 7,8 Minuten Lesezeit

In den USA wendet sich die Öffentliche Meinung gegen Israel. Angefeuert durch die Wut auf Donald Trump. Die Zeitschrift Foreign Policy (FP) ist ein durch und durch transatlantisch und hegemonial ausgerichtetes Medium zur Unterstützung der imperialen Herrschaftsansprüche der USA. Und was schreibt das Blatt? „Die Israel Lobby ist Verantwortlich für den Iran-Krieg.“ Auch die Stimme der Volksseele verändert sich.

„Wer trägt also die Verantwortung? Allen voran Präsident Donald Trump und seine Schar unfähiger und inkompetenter Gefolgsleute. Wie George W. Bush im Jahr 2003 traf er die Entscheidung und trägt die letztendliche Verantwortung für die Folgen. Und natürlich trägt auch Netanjahu, der versucht, die israelische Hegemonie über die gesamte Region zu errichten, aber ohne aktive Unterstützung der USA keine Chance dazu hat, eine direkte Verantwortung. Doch kein Präsident handelt völlig allein – was auch immer Trump uns glauben machen will – und es ist bekannt, dass Trump sich von dem beeinflussen lässt, was er von seinem Umfeld hört. Zu Trumps engstem Kreis gehören viele, die überzeugte Verteidiger Israels sind, langjährige Nutznießer von Wahlkampfspenden für Israel oder beides. Trumps zwei Nahost-Gesandte – Steve Witkoff und Jared Kushner – sind beide glühende Unterstützer Israels, ebenso wie der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee. Rubio, der auch als nationaler Sicherheitsberater fungiert, war während seiner Zeit im Senat ein überzeugter Verfechter der besonderen Beziehung zu Israel und einer der größten Empfänger pro-israelischer Wahlkampfspenden. Die derzeitige Stabschefin des Weißen Hauses, Susie Wiles, arbeitete als Beraterin für Netanjahus Wiederwahlkampagne 2020. Abgesehen von der Direktorin des Nationalen Nachrichtendienstes, Tulsi Gabbard, die vor ihrer MAGA-Ära die übermäßige US-Unterstützung für Israel infrage stellte, fällt es schwer, jemanden in den höchsten Kreisen der Regierung zu finden, der sich öffentlich für eine Distanzierung der Vereinigten Staaten von Israel ausspricht.“

Zweitens habe Trump selbst seine Dankbarkeit gegenüber engagierten pro-israelischen Persönlichkeiten wie dem verstorbenen Sheldon Adelson und seiner Witwe Miriam anerkannt, schreibt das Blatt. Und verweist auf einen kürzlich erschienenen Artikel in „The Nation“, der ausführte, wie Trump in seiner Rede vor der Knesset im Oktober 2025 Miriam Adelson – die größte Einzelspenderin bei den letzten US-Wahlen – hervorhob und sogar spekulierte, sie liebe Israel womöglich mehr als die Vereinigten Staaten. Ähnliche Bedenken erklärten möglicherweise auch, warum einige führende Demokraten sich davor scheuten, Israel für den Kriegsbeginn oder die Trump-Regierung für ihren Kriegseintritt zu kritisieren, und sich stattdessen auf die mangelhafte Kriegsplanung konzentrierten.

Dann kommt der Artikel zum dritten Punkt. Dieser Krieg käme nicht aus dem Nichts. Zwar befänden sich die Vereinigten Staaten und der Iran seit Jahrzehnten in einem Konflikt, und weder Israel noch die israelische Lobby tragen die alleinige Verantwortung für das Misstrauen, mit dem die beiden Länder einander begegnen. Nichtsdestotrotz haben Lobbygruppen wie AIPAC, die Foundation for Defense of Democracies, die Zionist Organization of America und United Against Nuclear Iran über Jahre hinweg daran gearbeitet, den Iran zu dämonisieren, US-Unternehmen an Geschäften dort zu hindern und frühere Versuche der ehemaligen iranischen Präsidenten Akbar Hashemi Rafsanjani und Mohammed Khatami zur Verbesserung der Beziehungen zu torpedieren. Diese Gruppen seien auch Verantwortlich dafür, dass Trump das Atomabkommen JCPOA mit dem Iran brach, nach westlicher lesart „kündigte“.

„Indem die Lobby es demokratischen wie republikanischen Präsidenten nahezu unmöglich gemacht hat, wirksamen Druck auf Israel auszuüben, hat sie Netanjahu ermöglicht, in der gesamten Region rücksichtslos zu agieren – sei es in Israels anhaltenden Bemühungen, die palästinensischen Bürger zu unterdrücken, oder in seinen wiederholten Angriffen auf Gaza, Libanon, Jemen, Syrien, Iran und sogar Katar. Zwar hat Steven Simon Recht, wenn er sagt, dass Israel die USA nicht in diesen jüngsten Krieg ‚gezwungen‘ hat – die Trump-Regierung griff freiwillig und mit Begeisterung ein –, doch die Rolle der Lobby bei der Verteidigung der ‚Sonderbeziehung‘ und der Ermöglichung israelischer Friedensstörungen trägt dazu bei, zu verstehen, warum sich Amerikaner immer wieder in kostspieligen Konflikten fernab der Heimat wiederfinden.“

Das sind vollkommen ungewohnte Töne in US-Mainstreammedien. Bis sie nach Deutschland kommen, wird es erfahrungsgemäß noch ein paar Monate dauern. Aber sie spiegeln die zunehmende Frustration in der Bevölkerung wieder. Die neuesten Umfragen zur Haltung der US-Bevölkerung zeigen ein klares Bild: Die Unterstützung für Israel ist auf einem historischen Tiefstand, der laufende Irankrieg wird von der Mehrheit abgelehnt und die Zustimmung zu Donald Trumps Regierungsführung ist stark gesunken.

Sicht auf Israel in den USA

Die positive Sicht auf Israel ist trotz Zensur, bewusstem Narrativframing fast aller großen Medien, in den USA deutlich zurückgegangen. Laut einer NBC-News-Umfrage vom 16. März 2026 sehen 39 % der registrierten Wähler Israel negativ und nur 32 % positiv – ein starker Rückgang gegenüber November 2023 (damals 47 % positiv, 24 % negativ). Besonders bei Demokraten und Unabhängigen ist die negative Bewertung gestiegen. Bei der Frage, mit wem man mehr sympathisiert, liegen Israelis (40 %) und Palästinenser inzwischen (39 %) fast gleichauf. Und das, obwohl immer wieder versucht wird, Palästinenser und Islamisten in einen Topf zu werfen.

Eine Gallup-Umfrage vom 27. Februar 2026 bestätigt diesen Trend: Erstmals seit 25 Jahren sympathisieren mehr Amerikaner mit den Palästinensern (41 %) als mit den Israelis (36 %). Die Sympathie für Israel ist besonders bei jüngeren Wählern und Demokraten eingebrochen. Die generelle positive Bewertung Israels liegt bei 46 %, die der palästinensischen Gebiete bei einem Rekordhoch von 37 %. Der erzwungene Verkauf von TicToc war letztlich darauf zurück zu führen, dass junge Wähler ihre Unmut über Israel dort besonders deutlich zum Ausdruck gebracht hatten.

Haltung zum Irankrieg

Die US-Bevölkerung lehnt diesen Krieg mehrheitlich ab. Eine Pew-Research-Umfrage vom 25. März 2026 zeigt: 61 % der Amerikaner missbilligen Trumps Umgang mit dem Konflikt, 59 % halten den anfänglichen Militärschlag für falsch und 45 % finden, dass der Krieg schlecht läuft. Nur 25 % sehen ihn positiv.

Eine Umfrage des IMEU Policy Project / Data For Progress vom 19. März 2026 ergab zudem: 56 % glauben, dass der Krieg Israel mehr nutzt als den USA (nur 29 % sehen Vorteile für Amerika). 53 % lehnen Trumps Angriffe ab, und eine Mehrheit fordert eine War Powers Resolution des Kongresses, um Trump zu bremsen.

Weitere Umfragen (Quinnipiac, AP-NORC, CBS/YouGov) bestätigen: Über 50 % halten die Militäraktion für übertrieben, 74 % lehnen den Einsatz von US-Bodentruppen strikt ab, und die Mehrheit erwartet einen langen Konflikt mit steigenden Benzinpreisen.

Haltung zu Donald Trumps Regierungsführung

Trumps Zustimmungsraten sind im März 2026 auf neue Tiefststände gefallen – maßgeblich wegen des Irankriegs und steigender Benzinpreise. Laut Reuters/Ipsos (20.–23. März 2026) billigen nur 36 % der Amerikaner seine Amtsführung, 62 % missbilligen sie. Das ist der niedrigste Wert seiner zweiten Amtszeit. Der CNN-Poll-of-Polls (Durchschnitt März 2026) liegt bei etwa 38–41 % Zustimmung und 56–60 % Ablehnung. Auch NBC News (März 2026) und Economist/YouGov melden Werte um die 38–44 % Zustimmung. Besonders die Wirtschaftspolitik und der Umgang mit dem Iran-Konflikt drücken die Werte.

Jeder Tag, den der Krieg andauert, vergrößter die Wahrscheinlichkeit, dass bei den Zwischenwahlen Ende des Jahres, die Demokraten [Fehler korrigiert] eine Mehrheit gewinnen könnten, durch welche sie potentiell in der Lage wären, ein Amtsenthebungsverfahren auf den Weg zu bringen, und vielleicht sogar vor Ende der Amtszeit noch durchzusetzen. Aber trotz der generellen Stimmungsveränderung gibt es auf dem Weg ein Problem:

Die MAGA-Basis bleibt unbeeindruckt

Während sich einige Unterstützer Trumps aus dem Lager der Intellektuellen sich schaudernd von ihm abwandten, scheint die Masse der Trump-Wähler weiter unbeeindruckt zu sein. Eine Politico – Umfrage Mitte März ergab: Unter Trump-Wählern von 2024 unterstützen 81 % der selbstidentifizierten MAGA-Wähler die US-Militärschläge gegen den Iran. Bei nicht-MAGA-Trump-Wählern sind es 61 %. Viele begründen die Unterstützung mit dem Vertrauen in Trump persönlich und der Annahme, dass Iran Atomwaffen entwickelt, was die Indoktrination durch die Medien beweist.

NBC meldet auch im März: 90 % der MAGA-zugerechneten Republikaner halten die US-Schläge für richtig (nur 5 % dagegen). Die Umfrage hebt hervor, dass die MAGA-Basis „unerschüttert“ hinter Trump steht, auch im Vergleich zu früheren Militäraktionen. Auch CBS, YouGov und Fox-News bestätigen in Umfragen diese unerschütterliche Treue.

Offensichtlich ist noch nicht bei der Basis angekommen, was einige ehemalige Meinungsbildner und Unterstützer bereits begriffen: Donald Trumps Politik ist das Gegenteil einer „USA zuerst„- Politik. Aber mit steigenden Benzinpreise und den ersten größeren Heldenehrungen im Falle einer Bodeninvasion, wird vermutlich auch diese Gruppe der Hardcore-Unterstützer erodieren lassen.

Fazit

1500 Milliarden Rüstungsbudget, ohne die Kosten des Irankrieges zu berücksichtigen, explodierende weitere Verschuldung ohne Ausstiegsszenario, marode Infrastruktur, wachsender Kampf des Mittelstandes, um nicht sozial abzurutschen. Zwar ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass die USA keine Demokratie, sondern eine Oligarchie sind, aber auch in dieser Gesellschaftsform ist es wichtig, die Massen zufrieden zu stellen. Sollte Trump das nicht gelingen, und dann auch noch die Zinsen auf die Verschuldung des Staates die Bewegungsmöglichkeiten der Regierung immer weiter einschränken, könnten sich die imperialen Ambitionen der Oligarchen bald in Luft auflösen. Die Frage ist, wie viel Tod und Verderben sie bis dahin noch über die Welt bringen werden.


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5 Kommentare

  1. joseph53 26. März 2026 um 18:11 Uhr - Antworten

    Die Wähler könnten Trump vielleicht irgendwann stoppen – aber keinesfalls rechtzeitig.
    Und ich sah vor kurzem auf BBC ein
    US-cabinet-meeting – deplazierteste ausgelassenste Stimmung – dort sitzt niemand, der ihn stoppen wollte.

    Die USA brauchen ein Höchstgericht oder irgendeine andere Institution, die Trump unverzüglich (noch vor dem kommenden Wochenende) stoppt !!!

    Es ist Gefahr in Verzug für tausende US-
    Soldaten und für 100-tausende
    Menschen im Iran und im restlichen Nah-Mittel-Ost-Gebiet.
    Die USA hat genügend erfahrene höchstrangige Militärs und sicher auch einige Politiker, die diese Gefahr schon erkannt hatten – sie müssen endlich die Absetzung Trumps aktiv einleiten.

    Und in Israel ist die Situation – speziell für das eigene Volk und alle Menschen rundherum – noch prekarer.
    Netanjahu konnte die Atomraketen sogar noch unkontrollierter zum Abschuß bringen, was wohl eine globale Katastrophe bedeuten würde.

    • Varus 27. März 2026 um 7:11 Uhr - Antworten

      Es ist Gefahr in Verzug für tausende US-
      Soldaten

      Die haben sich freiwillig in die imperialen Legionen gemeldet. Je mehr davon die Iraner zum Wotan befördern, desto eher bekommen Amis Aha-Effekte.

  2. weirdo 26. März 2026 um 13:53 Uhr - Antworten

    Die ganze Welt ist doch eine Oligarchie, Herr Mitschka. Sie berichten selbst immer wieder sehr gut darüber, was hinter all den Geschehnissen steckt. Egal ob die Drahtzieher jetzt in Israel oder USA sitzen. Sie sind sicher auch schön über den ganzen Globus verteilt. Auch der Iran ist Mitglied der WHO und hat bei der Plandemie schön mitgespielt. Ja, sie machen sich jetzt gegenseitig die Sandburgen kaputt und Opfer sind die Menschen, die nicht „part of the game“ sind, egal ob Arme, dumme, gierige Handlanger oder Menschen, die einfach nur in Ruhe ihr Leben leben wollen. Verlieren wir nie das big picture und lassen wir uns nicht von tausend stories verwirren und ablenken. Das digitale grid wird kontinuierlich aufgebaut. Millionen KI Kameras hängen schon, digitale IDs werden überall verpflichtend, kaputt gebombte Länder bekommen die perfekte digitale Infrastruktur (bestes Beispeil Smart Meter Zähler), gesteuerte Migrationsströme und pöse Pornodarsteller in social medias, die unbedingt verpflichtende digitale Internetzugänge notwendig machen, um die armen Kinder zu schützen. Die Menschen sitzen abgelenkt wie die Mäuse in der Käsefalle und grübeln, ob der Feind jetzt der Flüchtling aus Afghanistan, der Israeli in Tel Aviv, der Orangene in den USA oder vielleicht doch nur der Nachbarnazi ist. WACHT DOCH ENDLICH AUF.

    • Daisy 26. März 2026 um 14:52 Uhr - Antworten

      Sitzt, passt und hat Luft. Viva la libertà!

  3. Jan 26. März 2026 um 13:48 Uhr - Antworten

    Die amerikanischen Juden unterstützen Bibi finanziell, aber sie schicken ihre Söhne so ungern in den Krieg. Sterben sollen andere! Man warte auf die ersten Toten und die Diskussion wird aufbrechen.

    Nachdem sie zuvor noch die Wahl zwischen Pest und Cholera hatten, landen die Amis heute bei jeder Wahl bei den Epstein-Buddies. Blöd gelaufen!

    Vermutlich wird das langfristig die Bundesebene schwächen. Das muss nicht das Schlechteste sein.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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