Wäre der Öxit wie der Brexit?

23. Juni 2026von 5,8 Minuten Lesezeit

Am 23. Juni 2016 haben die Briten für den EU-Austritt Großbritanniens (kurz „Brexit“) gestimmt. 10 Jahre danach stellen sich nun mehrere Fragen. 1. Warum wurde ein Großteil der Brexit-Versprechen gebrochen? 2. Könnten diese Versprechen doch noch eingelöst werden? 3. Wie könnte man im es im Falle eines Öxit besser machen?

Auf der Suche nach Antworten stößt man zunächst auf die Tatsache, dass der frühere konservative Premierminister David Cameron unter dessen Regierung die Brexit-Volksbefragung beschlossen wurde, ein Brexit-Gegner war. Die EU-Mitgliedschaft war im Vereinigten Königreich umstritten, die konservative Parteibasis war in der Frage gespalten, die Partei drohte massiv Stimmen an die Brexit-Befürworter-Partei UKIP zu verloren. Wohl aus diesen Gründen entschloss sich der Cameron im Vorfeld der Parlamentswahlen im 2015 zu einem Wahlversprechen: „wenn wir gewählt werden, dann werden wir eine Brexit-Volksbefragung abhalten“. Er rechnete wohl einerseits damit, dass ihm das die Stimmen der Brexit-Befürworter einbringen würde und andererseits damit, dass das Volk für den Verbleib in der EU stimmen würde, so wie die Schotten im Jahr 2014 mehrheitlich für den Verbleib im Vereinigten Königreich gestimmt haben.

Zunächst ging Camerons Rechnung auf: die Konservativen errangen bei der Parlamentswahl im Mai 2015 die absolute Mehrheit. Ab Sommer 2015 kam es aber in Mitteleuropa zu den unseligen Grenzöffnungen, die auch offenbart haben, dass in der EU das Asyl-Recht vor dem Grenzschutz kommt und zwar ohne Rücksicht auf die Folgen. Das war wohl entscheidend für den Erfolg der Brexit-Abstimmung, denn das zentrale Brexit-Versprechen war: „take back control“ – frei übersetzt: „wieder Herr im eigenen Haus werden“. Dieses Versprechen umfasste zu allererst die Freiheit wieder souverän entscheiden zu können, wer unter welchen Bedingungen nach Großbritannien zuwandern darf, so wie dies in Australien ab dem Jahr 2014 umgesetzt wurde: illegale Migranten werden am Meer abfangen und wieder zurückgeschickt bzw. auf unbeschränkte Zeit interniert. Australien toleriert auch keine Zuwanderung in den Sozialstaat und auch Personen die legal in den Arbeitsmarkt zuwandern und erwerben erst nach einer bestimmten Zeit der Erwerbstätigkeit volle Ansprüche auf Sozialleistungen. Weiters ist die Zuwanderung in den Arbeitsmarkt eingeschränkt: es darf nur eine bestimmte Anzahl von gut integrierbaren Personen zuwandern, deren Qualifikationen am australischen Arbeitsmarkt benötigt werden.

Ein weiterer Aspekt von „take back control“ war, dass man den immer dichteren Dschungel der EU-Vorschriften loswerden würde, der die demokratische Selbstbestimmung des Landes immer mehr eingeschränkt hat, ebenso die Freiheit der Bürger und der Unternehmen. Da die EU-Vorschriften auch die Unternehmen massiv belasten, konnte man daraus ableiten, dass der Wegfall des EU-Rechts zu einem Wirtschaftsboom führen würde.

Weder die Konservativen, noch die danach regierende Labour-Partei konnten sich zu einem entschlossenen Vorgehen gegen die illegale Migration durchringen und die Konservativen haben noch vor dem Vollzug des Brexits einen bewussten Verrat am Brexit vollzogen: sie haben das EU-Recht, das mit dem Brexit weggefallen wäre, im Bausch und Bogen in britisches Recht übergeführt. Damit entfiel der Bürokratie-Abbau und die britische Wirtschaft hat sich daher weiterhin ähnlich schlecht entwickelt wie jene in der EU.

D.h. der Brexit wurde zwar rechtlich vollzogen, aber keine der britischen Regierungen, die seit dem Brexit im Amt waren, hat den politischen Kurswechsel vollzogen, den die Wähler mit ihrer Brexit-Entscheidung bewirken wollten. Insofern ist nicht verwunderlich, dass die erst seit 2021 bestehende Partei Reform UK unter der Führung des Brexit-Vorkämpfers Nigel Farage bei den Kommunalwahlen im Mai deutlich mehr Mandate errungen hat als jede andere Partei. Wenn am nächsten Sonntag Parlamentswahlen wären, dann würde sie laut aktuellen Umfragen auch im Parlament zur mandatsstärksten Partei werden, d.h. die Brexit-Befürworter würden erstmals die Gelegenheit erhalten, ihre politischen Versprechen einzulösen.

Wir von der CFU (Christlich Freisinnige Union) befürworten den EU-Austritt Österreichs (kurz „Öxit“). Die heutige EU ist viel schlechter als jene, die man uns 1994 versprochen hat und deshalb ist es geboten, den Österreicher das Recht zu geben, darüber abstimmen, ob sie noch in dieser EU verbleiben wollen. Falls das Volk für einen Öxit stimmen würde, dann müsste die Bundesregierung die EU-Mitgliedschaft gem. Art. 50 der EU-Verträge aufkündigen. Die EU-Mitgliedschaft würde zwei Jahre nach deren Aufkündigung enden. Im Zuge dieser zwei Jahre würden mit der EU Verträge hinsichtlich der Details der Beendigung der Mitgliedschaft und der zukünftigen Beziehungen verhandelt werden.

Anders als die Briten würden wir im Falle eines Öxit das EU-Recht nicht in österreichisches Recht überführen, die Grundrechtecharta, die Sozialcharta und die derzeit ca. 7.000 – 8.000 EU-Verordnungen würden wegfallen, ebenso die ca. 2.000 – 2.500 EU-Richtlinien, wodurch die österreichischen Gesetze, die auf diese Richtlinien beruhen, verändert werden könnten. Der gesamte Rechtsbestand der EU umfasst derzeit insgesamt ca. 20 Millionen (!) Wörter, d.h. der Öxit wäre der größte Bürokratie-Abbau der österreichischen Geschichte, der das Leben aller leichter machen, die Energie billiger und einen gewaltigen Wirtschaftsboom zur Folge hätte.

Dank des Wegfalls des EU-Rechts könnte man auch die Asyl-Zuwanderung stoppen, die Sozialleistungen für Asyl-Migranten senken und ungleich leichter Abschiebungen durchführen und insgesamt eine Migrationspolitik nach australischer Art umsetzen. EU-Bürger hätten auch keinen Anspruch mehr auf Sozialleistungen in Österreich und Studenten aus der EU hätten kein Anrecht mehr auf ein Gratis-Studium in Österreich.

So wie Großbritannien würden wir einen Freihandelsvertrag mit der EU abschließen, aber anders als Großbritannien wieder der EFTA beitreten. Derzeit besteht die EFTA zwar nur aus vier Mitgliedern (die Schweiz, Liechtenstein, Norwegen und Island), aber sie verfügt über Freihandelsverträge mit Staaten aus aller Welt. D.h. Österreichs Industrie könnte im Wesentlichen exportieren wie bisher. Für die Landwirtschaft würde sich aber vieles ändern, denn in der EFTA gibt es keine gemeinsame Agrarpolitik. In der EFTA ist die Landwirtschaft Angelegenheit der Mitgliedsstaaten, der die von der EU mit Vorschriften geknebelten Bauern würden wieder freie Bauern werden, so wie in der Schweiz. Generell ist die EFTA eine reine Wirtschaftsgemeinschaft ohne gemeinsame Politik.

Österreich zahlt deutlich mehr in der EU-Kasse ein als es zurückbekommt, deshalb würde Österreich durch den Öxit auch finanziell profitieren. Durch den Öxit wäre Österreich auch nicht mehr in die gemeinsame Sicherheits- und Außenpolitik der EU eingebunden, d.h. Österreichs immerwährende Neutralität wäre wieder uneingeschränkt gültig, so wie jene der Schweiz.

Bild „Brexit – No Ideas?“ by jeffdjevdet is licensed under CC BY 2.0.

Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Mag. Christian Ebner (*1970 in Krems) ist als selbstständiger Unternehmensberater tätig und Obmann der Partei CFU (Christlich Freisinnige Union)


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10 Kommentare

  1. Jan 23. Juni 2026 um 13:55 Uhr - Antworten

    Der Green Deal ist gescheitert. Noch in Sommer werden die Folgen der Hormus–Sperre, die geleerten Vorräte und die Zerstörung der russischen Pipelines zu heftigen Mangelzuständen führen. Die Staaten werden kurz vor der Pleite stehen. Die Wut der Bürger wird Neuwahlen erzwingen. Man wird erstmals nachrechnen, wieviele Windmühlen gebraucht würden, um alleine das ausfallende Öl zu ersetzen und es wird jedem klar werden, dass dafür nicht genug Fläche besteht. Über Netze brauchen wir gar nicht mehr reden. Inflation und Arbeitslosigkeit werden nach oben schnellen und die Nahrungsmittel- und Warenverfügbarkeit wird fallen.

    Die Bürger sind von Kalle Nebenwirkungsfrei betrogen worden, von Justitia, von den Medien, vom Schneekönig und dessen Pipelinesprengungen, von korrupten Politikern (s. Masken, Benko), von der EU-Bürokratie, vom Euro, von der nicht funktionierenden Digitalisierung, von Kriegskurs, von Degrowth und von den Nudgingsystemen sowie vom Wachstums- und Stabilitätsversprechen.

    Infolge wird die Bevölkerung zusammen rücken und die Versorgung regional sicher stellen müssen. Das wird zu einer konsequenten Subsidiarität mit lokaler demokratischer Kontrolle einschließlich Richterwahl, Ende von Proporz und Fraktionszwang, Aufwertung der Bundesländer usw führen. Große Mengen des EU-Rechts werden ungültig werden.

    Eine Lösung für eine andere EU wäre eine komplette Auflösung des Beamtenapparats und aller Gremien und eine Überführung der EU-Agenden in legitimierte nationale Ministerien. Dort erarbeitete Vorschläge müssten von jedem Land in geheimer Abstimmung parlamentarisch abgesegnet werden. Ein Veto kippt den Vorschlag. So könnte man das Demokratiedefizit beheben und die EU auf das absolut Notwendige konzentrieren.

    Dass ungewählte Beamte auf Zuruf der Regierungschefs Krieg erzwingen, darf niemals wieder möglich sein.

  2. Peter Ruzsicska 23. Juni 2026 um 13:48 Uhr - Antworten

    Öxit jetzt wenn nicht gleich schon längstens Vorvorgestern.

  3. Peter Ruzsicska 23. Juni 2026 um 13:35 Uhr - Antworten

    Klartext:

    Die EU stellt sich zu als auch in jeder einzelnen fortschreitenden Sekunde als eines von zahlreichsten extremstgrundextremistisch erweitertst generalsuizidalst hybrisverseuchtesten Herrschaftsprojekten dar – folglich wird diese Wahnsinnsveranstaltung sowieso nach bzw. besser vor den zu erwartenden furiosesten Kollateralschäden apokalyptischer Verausmaßungen Hals über Kopf von allen in schierer Plötzlichkeit verlassen worden sein müssen, welche noch irgenwelche Tassen im Schrank haben.

    Herrschaft ist einfach und zieht in dero unendlichkeitsverbortester Freßgier Jedwederlichstes a priori in sämtliche Abgründe mit sich selbst hinab.

    Fazit:

    Apage Satanas

    Verneinet Mannhaft und tuet Schindbuße in vorauseilendster Genüglichkeit

  4. Jurgen 23. Juni 2026 um 11:48 Uhr - Antworten

    Ein Öxit ist völlige Illusion! Man erkennt das leicht, wenn man sich die Schweiz anschaut. Das Problem fängt dann schon an, wenn man keine eigene Küste hat und vom Gegner umzingelt ist…

    • Christine 23. Juni 2026 um 15:40 Uhr - Antworten

      Wie ist die Schweiz denn bisher gefahren? War sie schon vom Gegner umzingelt?
      Oder Costa Rica? („Die Armee wurde 1948 zugunsten der Förderung von Bildungs- und Gesundheitsprogrammen abgeschafft.“) Oder die vielen anderen Staaten ohne Militär?

      • Jurgen 23. Juni 2026 um 23:25 Uhr

        Die Schweiz wird gerade an die EU verkauft, an den Einwohnern vorbei… aber ich denke die Fragen waren eher rhetorischer Natur…

  5. Hello 23. Juni 2026 um 11:32 Uhr - Antworten

    Den Briten geht es laut ORF schlechter als es ihnen ohne Brexit ginge. So habe ich das verstanden. Wie es ihnen ohne Brexit ginge, kann man ja wohl nur errechnen, oder LLM befragen. Ob diese Modelle dann auch stimmen, ist für mich allerdings fraglich. Es scheint jedenfalls so, als ob es den Deutschen auch ohne Austritt aus der EU deutlich schlechter ginge als noch vor ein paar Jahren, als es noch keine russophobe Politik mit all seinen negativen Konsequenzen gab und natürlich noch vor der C-Hysterie und der Beschädigung der Demokratie.

    • Christine 23. Juni 2026 um 15:44 Uhr - Antworten

      Der ORF hat dieselbe Sehnsucht wie die deutschen Öffentlich-rechtlichen und möchte so gerne glauben, dass die Briten dasitzen und heulen, weil sie nicht mehr in der tollen EU mitmachen dürfen.

      Die haben doch jetzt im Gegensatz zu uns die Möglichkeit, ihre Regierung abzusägen und Leute zu wählen, die es anders machen. Demgegenüber haben wir in D und Ö darauf keine Chance … Wir werden von der EU-Kommission beherrscht wie Leibeigene und haben nichts mehr zu melden. Wenn wir das laut genug sagen, dann verhängen sie die Reichsacht (aka EU-Sanktionen) über uns und wir sitzen ohne Geld, ohne Essen und ohne Möglichkeit auf ein Gerichtsverfahren da.

  6. VerarmterAdel 23. Juni 2026 um 11:06 Uhr - Antworten

    Ohne eine anderen Metapyhsik (s. a. Opium-des-Volkes-Blog) ist es nur alter Wein in neuen Schläuchen.

  7. wolfferth 23. Juni 2026 um 10:34 Uhr - Antworten

    Das Brexit-Paradoxon bzw. generelle Missverständnis liegt darin, dass Deutschland bzw. die vom Empire gegründete EU – der industrielle Dachverband zur Fernverwaltung von Europa’s Nationen – nicht aus dem Empire austreten kann.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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