Citral aus Zitronengras: Selektive Wirkung auf Krebszellen im Labor

23. Juni 2026von 2,6 Minuten Lesezeit

Der medizinische Nutzen von Zitronengras dürfte lange unterschätzt worden sein. Das aromatische Gewürz aus Asien zeigt in neuen präklinischen Studien beeindruckende Ergebnisse. Könnte es sogar Krebszellen angreifen?

Zitronengras (Cymbopogon citratus) ist vielen als aromatisches Gewürz in der asiatischen Küche oder als erfrischender Tee bekannt. In der traditionellen Medizin wird es seit Langem bei Verdauungsbeschwerden, Entzündungen und als allgemeines Stärkungsmittel eingesetzt. Neuere präklinische Studien – Untersuchungen an Zellkulturen und Tieren – wecken Aufmerksamkeit: Der Hauptinhaltsstoff Citral (ein Monoterpen-Aldehyd, der für den intensiven Zitronenduft verantwortlich ist) könnte selektiv Krebszellen angreifen, während gesunde Zellen weitgehend verschont bleiben.

Ein Bericht der Epoch Times fasst mehrere präklinische Arbeiten zusammen und betont die selektive Wirkung: Citral in Zitronengras-Öl kann Apoptose (programmierten Zelltod) in Krebszellen auslösen, das Zellwachstum in bestimmten Phasen des Zellzyklus stoppen, Krebsstammzellen hemmen und die Migration sowie Invasion von Krebszellen (also die Ausbreitung/Metastasierung) reduzieren.

Besonders gut untersucht ist ein ethanolischer Extrakt aus Zitronengras in einer Studie von Ruvinov et al. (2019):

  • In Zellkulturen (in vitro): Der Extrakt induzierte dosis- und zeitabhängig Apoptose in menschlichen Darmkrebszellen (HCT-116 und HT-29). Wichtiger Punkt: Normale gesunde Darmzellen wurden dabei kaum beeinträchtigt.
  • Im Tiermodell (in vivo): Bei Mäusen mit menschlichen Darmkrebs-Xenotransplantaten hemmte die orale Gabe des Extrakts das Tumorwachstum signifikant. Die Tiere vertrugen die Behandlung gut (kein Gewichtsverlust, normale Aktivität).
  • Zusätzlich verstärkte der Extrakt die Wirkung der Chemotherapie FOLFOX und reduzierte offenbar deren Nebenwirkungen.

Weitere Studien bestätigen ähnliche Effekte bei anderen Krebsarten:

Zusammengefasst zeigen mehrere unabhängige Arbeiten (u. a. Übersichten und Studien von 2019–2025), dass Zitronengras-Extrakte und -Öl in Labor- und Tiermodellen das Wachstum verschiedener Krebszelltypen hemmen können – oft selektiver als bei gesunden Zellen.

Citral greift Krebszellen auf mehreren Ebenen an:

  • Aktivierung von Caspasen (Enzyme des Zelltods)
  • Störung der Mitochondrienfunktion
  • Erhöhung reaktiver Sauerstoffspezies (ROS)
  • Hemmung von Signalwegen, die das Überleben und die Ausbreitung von Krebszellen fördern
  • Beeinflussung von Krebsstammzellen (die oft resistent gegen Therapien sind)

Diese Mechanismen wurden in mehreren In-vitro-Studien nachgewiesen.

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse gibt es jedoch klare Einschränkungen: Es handelt sich ausschließlich um präklinische Forschung (Zellkulturen und Tierversuche). Derzeit existieren keine klinischen Studien am Menschen, die belegen, dass Zitronengras oder Citral Krebs bei Patienten heilen, stoppen oder die Überlebensrate verbessern kann. Es fehlen daher auch verlässliche Daten zu Dosierung, Bioverfügbarkeit, Langzeit-Sicherheit bei höheren Dosen und möglichen Wechselwirkungen mit Medikamenten.

Zitronengras gilt in normalen kulinarischen Mengen (als Tee oder Gewürz) als sicher. Konzentriertes ätherisches Öl kann jedoch hautreizend wirken und in hohen innerlich eingenommenen Dosen die Leber belasten. Zitronengras bleibt ein schmackhaftes Kraut mit interessanten bioaktiven Eigenschaften – auch ohne klinische Studien am Menschen.


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