Datenleck bei Thiels „Bilderberger“

22. Juni 2026von 2,8 Minuten Lesezeit

Ein Sicherheitsleck auf der Website eines exklusiven Elite-Netzwerks hat sensible Daten von Hunderten hochrangigen Persönlichkeiten aus Politik, Tech und Finanzwelt offenbart. Das von Thiel gegründete Netzwerk galt jahrzehntelang als streng geheim.

2006 wurde die Plattform „Dialog“ gegründet, Mitbeteiligt war dabei auch US-Oligarch Peter Thiel. Es war eine streng geheime, einladungsbasierte Plattform für off-the-record-Gespräche. Nun ist durch einen Web-Fehler eine Goldgrube an Informationen ans Licht gekommen – mit potenziell gravierenden Folgen für nationale Sicherheit und persönliche Integrität der Beteiligten.

„Dialog“ organisiert seit 20 Jahren „jährliche Retreats“ für ausgewählte Führungskräfte aus US-Politik, Silicon Valley, Finanzwelt und teilweise internationalen Kreisen. Neben Thiel wurde es auch vom Investor Auren Hoffman (auch als Orin Hoffman erwähnt) gegründet, der als Chairman fungiert.

Die Treffen finden an exklusiven Orten statt (früher etwa im Ritz-Carlton oder in Venedig) und sollen offene, nicht-attribuierbare Diskussionen ermöglichen – ohne Presse, ohne öffentliche Aufzeichnungen. Frühere Teilnehmerzahlen lagen bei rund 100 Personen pro Event; für das diesjährige Retreat sind über 200 Registrierungen bekannt. Das Netzwerk wurde gelegentlich als „Tech-Version der Bilderberg-Konferenz“ bezeichnet und hält sich seit fast zwei Jahrzehnten strikt bedeckt.

Entdeckt wurde das Leck von der Schweizer Hacktivistin maia arson crimew.

Here are all 113 alleged members we were able to successfully extract. This data can also be verified via versions of the site captured by the Wayback Machine, even if it doesn't properly render the website.

maia arson crimew 🏴 (@crimew.gay) 2026-06-16T00:18:05.436Z

Sie fand ein offenes Verzeichnis im Quellcode der Website dialog.org, das direkt auf eine Airtable-Datenbank verwies.

  • Die Registrierungsliste für das 2026-Retreat (12.–16. August bei Dublin, Irland) mit 222 Teilnehmern (davon 87 Erstbesucher).
  • Mitgliedsstatus, bisherige Teilnahmen (teilweise seit Gründung), Biografien und Wohnorte.
  • Private Access-Tokens (funktionierende Login-Daten).
  • Politische Neigungen der Teilnehmer.
  • Daten aus einer integrierten Matchmaking-App (dating.dialog.org): Angaben dazu, ob jemand „auf der Suche nach Liebe“ ist, politische Profile und weitere persönliche Details.

Ein öffentliches Verzeichnis enthielt bereits 113 Namen. Die Daten waren trotz interner Versprechen auf Vertraulichkeit ungeschützt zugänglich. Hier ein paar Namen: :

  • Scott Bessent (US-Finanzminister)
  • Ted Cruz (US-Senator)
  • Dan Driscoll (Heeresminister)
  • Jim Himes (Demokrat, ranghöchstes Mitglied im House Intelligence Committee)
  • Joe Lonsdale (Mitgründer von Palantir)
  • Marc Andreessen und Jim Breyer (bestätigt durch Forbes)
  • General Alexus Grynkewich (NATO Supreme Allied Commander Europe und Chef des US European Command, seit 2021 regelmäßig dabei)

DieAgenda des diesjährigen Treffens liest sich teils wie eine Mischung aus geopolitischem Briefing und persönlichem Coaching:

  • „Navigating WWIII“
  • „Battlefield Technologies“
  • „Bring Back Nuclear“
  • „Build-a-Cult“ (moderiert vom Gründer von Pray.com)
  • „How’s Your Sex Life?“
  • Weitere Sessions zu KI, Desinformation, Glück und Parteiaufbau.

Security Affairs analysiert, wie die Die exponierten Daten bilden eine perfekte Zielscheibe für ausländische Geheimdienste, Einflussoperationen und Erpressung. Teilnehmer teilen in diesem geschützten Rahmen sensible Einblicke in geopolitische Strategien, Technologieentwicklungen und persönliche Netzwerke. Gleichzeitig liegen nun Beziehungsstatus, politische Einstellungen, Kontaktinformationen und Zugangsdaten offen.

Besonders brisant: Viele Teilnehmer haben regulatorische oder sicherheitsrelevante Positionen – von Senatoren über Militärführung bis zu Tech-Konzernen, die mit Regierungen zusammenarbeiten. Die Off-the-Record-Natur, die das Netzwerk attraktiv machte, verstärkt nun das Schadenspotenzial.   Bisher gab es kaum offizielle Stellungnahmen der Betroffenen.

Bild „PandoMonthly – April 2012 – Sarah Lacy Interviews Peter Thiel“ by thekenyeung is licensed under CC BY-NC-ND 2.0.

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