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Politik

Russland geht die Zeit aus

15 Kommentare 23. Juni 2026 4 Minuten Lesezeit von Andrew Korybko

Trump unterstützt nun den ukrainischen „Krieg der Zermürbung“ gegen Russland, gegen das nun, anders als viele Analysten bisher glaubten, die Zeit laufen könnte. Es bleiben Moskau nicht viele Optionen.

Russland steht kurz davor, von Trump in seinen „Krieg der Zermürbung“ gezogen zu werden. Dies hat er in der G7-Erklärung, gemäß den waffen- und sanktionsbezogenen Passagen, erklärt. Zur Erinnerung: Das Wall Street Journal berichtete, dass diese Dreiphasenstrategie darin besteht, der Ukraine zu helfen, Russlands Drohnenfähigkeiten zu übertreffen, weitere Sekundärsanktionen zu verhängen und Unruhen in Russland zu schüren.

Die reichweitenstarken Drohnenangriffe der Ukraine haben bereits Energieinfrastruktur in St. Petersburg, Moskau und sogar in Tjumen getroffen (Letzteres möglicherweise durch Drohnen, die von Kasachstan aus gestartet wurden, ohne dass Astana davon wusste). Am Montag trafen sie zudem ein Elektronikwerk in Woronesch und ein Satellitenkommunikationszentrum in der Region Moskau. Zwei Tage zuvor, am Samstag, hatte der Regierungschef der Krim den Verkauf von Kraftstoff für alle außer staatliche Stellen ausgesetzt – ein deutliches Zeichen für die Folgen der „Drohnenblockade“ der Krim durch die Ukraine.

Der „Krieg der Zermürbung“, den die Ukraine derzeit durch gezielte Angriffe auf Energie- und andere Infrastruktur gegen Russland führt, ist auf die Duma-Wahlen im September ausgerichtet. Die Partei Einiges Russland könnte ihre 49,82 % der Stimmen von den letzten Wahlen 2021 möglicherweise nicht halten. Je nach Stärke der Proteststimmen könnte sie dann gezwungen sein, eine Koalition mit den Kommunisten oder den Nationalisten einzugehen. Putins ausländische Gegner glauben, dass dies Russland schwächen würde – statt es zu erneuern – und wollen genau das herbeiführen.

Diese Angriffe werden daher mit Selenskyjs Ultimatum an Lukaschenko gekoppelt: Er soll die Luftabwehr und Drohnen-Relaisstationen von der Grenze abziehen, sonst werde die Ukraine es selbst tun. Dann hat Putin auch die Chance, die Abschreckung wiederherzustellen, falls Selenskyj Angriffe auf die rund 500 Ziele genehmigt, die einer seiner führenden Drohnenkommandeure zuvor in Belarus identifiziert haben will. Gelingt die Wiederherstellung der Abschreckung, könnte Russland das Tempo beibehalten und die Ukraine besiegen – und damit den Konflikt schnell beenden.

Sollte es anders kommen – etwa weil Russland nach einem groß angelegten ukrainischen Angriff auf Belarus keine Abschreckung wiederherstellt, oder weil gar kein solcher Angriff stattfindet und der Konflikt sich in die Länge zieht –, dann könnte Trumps „Krieg der Zermürbung“ wirklich Fahrt aufnehmen und systematisch alle russischen Ziele nacheinander zerstören. Der ehemalige hochrangige russische Geheimdienstler Andrej Besrukow hat kürzlich zugegeben, dass man „nicht vorbereitet“ auf die Unterstützung von Angriffen auf kritische Infrastruktur durch Starlink gewesen sei und rät dringend, alle Ziele maximal zu schützen.

Das ist bei einem so großen Land wie Russland jedoch schwierig. Wenn Trump „eskalieren, um zu deeskalieren“ in einer Weise betreibt, die die strategischen Drohnenangriffe der Ukraine massiv ausweitet, könnte Russland in eine Lage geraten, in der die Zeit nicht mehr auf seiner Seite ist – anders als viele in Moskau bisher angenommen hatten. Die Logistik der Ukraine steht inzwischen unter dem nuklearen Schutzschirm der NATO. Solange Russland nicht das Risiko eines Dritten Weltkriegs eingeht, indem es diese Logistik angreift und darauf spekuliert, dass niemand (schon gar nicht die USA) zurückschlägt, könnte es dem „Tod durch tausend Schnitte“ ausgesetzt sein.

Die einzige Erleichterung in diesem düsteren Szenario, abgesehen davon, die Ukraine auszulöschen, um die von dort ausgehenden NATO-Bedrohungen ein für alle Mal zu neutralisieren – entsprechend dem ursprünglichem Kriegsziel–, wäre, dass Russland Anteile an seinen Rohstoff- und anderen kritischen Industrien an die USA als „Sicherheitsgarantie“ verkauft. Trump würde wahrscheinlich darauf bestehen, dass diese Anteile zu einem Spottpreis verkauft werden und möglicherweise sogar Mehrheitsbeteiligungen einschließen – was letztlich Russlands Souveränität aufgeben würde.

Deshalb muss Russland die Ukraine besiegen, bevor sein „Krieg der Zermürbung“ wirklich in Gang kommt.

Bild Mos.ru, Celebrating of 872th anniversary of Moscow on VDNKh 27CC BY 4.0

Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Andrew Korybko ist ein in Moskau ansässiger amerikanischer politischer Analyst, der sich auf den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat. Er veröffentlicht auf Englisch auf seinem Substack-Blog. Auf Deutsch exklusiv bei TKP.


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15 Kommentare

  1. Jurgen
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    Es gibt nur das Jetzt! Welche Zeit soll also wem ausgehen? Wer glaubt, dass die Dollar und Euros länger bestehen werden als Russland, hat die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt. Mit dem Yen fängt es wohl bald an, dann purzeln die Fiatgeld-Dominosteine einer nach dem anderen. Und über Nahrungs- und Energiekrise wird das Digitalgeld angeboten werden wie Sauerbier… wohlgemerkt ist das dann an sich nicht programmierbar, aber die Zahlungen damit. .. ein kleiner, feiner, gemeiner Unterschied…

  2. UU89
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    Nach über 4 Jahren hat Russland immer noch nicht die volle Kontrolle über den für die Wasserversorgung des unter Wassermangels leidenden Donbas wichtigen Siwerskyj-Donez-Donbas-Kanal. Der wäre wohl für ein Ausstiegsszenario, das auch von der eigenen Bevölkerung nicht als Niederlage gesehen wird, wohl ganz wesentlich. Ein Kriegsgrund war ja auch, dass die ukrainischen Nationalisten (Asow) 2014 nach der von Russland forcierten, nicht ganz korrekt durchgeführten Sezession der Krim den Krim-Kanal für die Wasserversorgung der Krim absperrten.
    Die stupide russische Propaganda von wegen „alles läuft nach Plan“ ist so was von idiotisch, da scheint einiges fest gefahren zu sein, wofür die Bevölkerung Russlands immer größere Kriegsleiden auf sich nehmen muss.
    So macht Russland es den Kriegstreibern im Westen allzu leicht. Die Drohgebärden von „bad Cop“ Medwenitsch sind hohl, denn jeder direkte Angriff auf einen NATO-Staat würde erst recht es unseren Herrschern ermöglichen, unsere Geldbörsen selbst im „immerwährend neutralen Österreich“ für die Kriegsaufrüstung und Kriegsunterstützung zu plündern.
    Erstaunlicherweise liest mensch immer noch recht wenig von der zerstreuten Friedenszene, von einer breiten Bewegung ist immer noch kaum etwas zu sehen, über Anstrengungen, aus der Eskalationsspirale rauszukommen und die faktische Unterstützung der EU-Kriegspolitik als Steuerzahler zu beenden. Nicht einmal die Finanzierung der vielen Kriegspropaganda im ORF wird durch Verweigerung der ORF Haushaltsabgabe verweigert, obwohl das noch leicht geht: Bescheid verlangen, Bescheidbeschwerde machen mit Antrag auf Aussetzung des Verfahrens, bis alle beim Verfassungsgerichtshof anhängigen Verfahren abgeschlossen sind!

  3. Waldgaengerin
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    Welche Zeit soll Rußland in diesem vorgetäuschten Krieg der „Eliten“ ausgehen?
    Der Artikel ist Russenpropaganda. Und wie immer werden die Hinterleute, die, die das Ganze inszeniert haben und in Gang halten, nicht erwähnt.

    Es ist für die „Auserwählten“ ganz einfach, die Massen über ihre manipulierende Presse in die gewünschte Ecke zu bugsieren. Dann glaubt mal alle schön an den Krieg. Ihr glaubt wahrscheinlich auch an den Klimawandel, Deutschlands Schuld, 9/11 und sonstige mediale Lügen.

  4. Jan
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    Noch im Sommer dürften die irren Entscheidungen der europäischen Führung die Bürger derart unbarmherzig treffen, dass die Regierungsparteien keine Rolle mehr spielen werden. Damit sind sowohl Ukraine als auch EU erledigt. Putin braucht nur zu warten.

    Einer neuen Regierung könnte er einen fairen Energielieferdeal machen.

    Wenn deutsche Gerichte zu dem Standpunkt kommen, dass Selensky nach Deutschland führende Pipelines zerstört hat, könnte das als Kriegsakt gewerter werden. Damit hätte die Ukraine die Nato angegriffen.

    1. Jochen Mitschka
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      Ich bleibe bei meiner Voraussage von Januar 2025, dass der Krieg erst im Jahr 2027 endet. Fallse er nicht zum OFFENEN großen Krieg mit der NATO eskaliert.

      1. alter Mann

        Nach den aktuellen Ereignissen würde ich von einer eventuell schnellen Eskalation / zumindest Reaktion ausgehen. Dies verursacht durch den Angriff mit Storm Shadow, was nur durch direkten NATO Eingriff (Steuerung) möglich ist. Mir liegen auch Aufnahmen von SCALP Teilen vor (auch Thema Steuerung durch NATO). Rußland hätte jetzt drei Varianten um Glaubwürdigkeit zu haben entsprechend der verkündeten roten Linien / neue Atomdoktrien – 1. direkter Angriff auf einen NATO Stützpunkt, welcher von der NATO als Warnschuß akzeptiert wird (wenn auch anderst vermarktet, 2. Eskalation in einen dritten WK, 3. letzter Warnschuß in Form einer angekündigten Kernexposion über nichtbetroffenem Gebiet. Schauen wir mal. Der Zusammenfall des Angriffs mit dem Tag des Anriffs auf Rußland (2. WK Barbarossa) dürfte von der NATO gewollt gewesen sein.

  5. cwsuisse
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    Ich ordne diesen Artikel in die Schublade der UKR/UK Propaganda ein. Die Einigkeit in Russland ist gross, die Ressourcen sind enorm und im Land ist vom Krieg nichts zu spüren, auch nicht an der Tankstelle. Die Ukraine hingegen ist am Ende. Sie hat nur noch etwa 22 Mio. Einwohner und es gibt kaum noch jemand den Selenskyjs Schergen an den Haaren an die Front schleifen kann.

  6. Daisy
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    Tja, ich sah das immer kommen…Russland gerät in die Defensive. Putin hat zuviel getrödelt, möglicherweise absichtlich?
    Da Russland den Iran unterstützt hat, ist es nun auch ziemlich vorbei mit der Freundschaft zu Donald. Bald wird Trump erklären, dass die Ukraine NATO-Mitglied werden kann. Sehr traurig, besonders für uns, die wir in Europa leben müssen. Denn wir werden „verheizt“…

    1. cwsuisse
      Antworten

      Seit Februar 2022 führt Russland in der Ukraine einen Defensivkrieg gegen die Bemühungen der NATO die Ukraine als einen Rambock gegen Russland einzusetzen. Würde Russland einen Offensivkrieg führen, sässe Merz längst in einem sibirischen Arbeitslager und Uschi würde ihm die Gerstensuppe kochen.

      1. Daisy

        Achso, Mia, wenn Russland wollte, hätte es längst den Donbass erobern können, aber sowas Saures mag der alte Fuchs Putin halt nicht…hahahaaa

      2. Daisy

        Mit Defensive war gemeint, dass die Ukr. mithilfe der NATO immer mehr Ziele tief in Russland und auf der Krim angreift. Das war ja nun mal mehr als seit vier Jahren selten der Fall. Langstreckenrakten wie die Taurus waren nicht erlaubt, nur Selbstverteidigung. Dennoch hat Putin, von dem auch gesagt wird, er sei ein YGL wie Orban, es bis jetzt nicht geschafft, den Donbass zu „befreien“. Diese Sonder OP ist zweifelsohne ein Angriff gewesen, wenngleich man sagen muss, das war provoziert. Völkerrechtswidrig ist es dennoch. Ich stand immer auf der Seite Russlands. Aber langsam frage ich mich, warum Putn solange wartet, dass Schland „kriegstüchtig“ wird?? Immer mehr hört man, er will jetzt Waffenproduktionsstätten in D angreifen. Er will nun tatsäch die EU und die NATO angreifen, was ich nie für möglich gehalten habe. Und zwar deswegen, weil er in die Defensive geraten ist. Die Ukr. setzt jetzt modernste KI-Drohnen aus Deutschland ein, die eine sehr hohe Reichweite haben. Ich bin auch sicher, der Taurus fliegt auch schon mit.
        Das ganze Spiel ist geplant und abgekartet. Es wird zum WK 3 kommen – Russland gegen Deutschland. Schon wieder.

        Und Russlands Oreshnik? Funktioniert wohl noch nicht so richtig. Aber wenn wir davon ausgehen, dass Putin auch für die WEF-Irren arbeitet, erklärt sich vieles. Er ist immer noch nicht aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen. Er hat immer noch nicht der WHO gekündigt. In Russland wurde auch mRNA- und DNA-geimpft, auch dort wird die Digitalisierung forciert…kurzum, die Agenda 2030…

      3. Varus

        Er ist immer noch nicht aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen.

        Wird aber Klimagedöns in Russland wirklich befolgt? Vielleicht wollen Russland und China die Globalisten nicht unnötig brüskieren, die diesen Ländern das Leben etwas schwieriger oder weniger schwierig machen könnten. Wenn sich westliche Länder selber abschalten, macht es die Russen angesichts des befürchteten Weltkriegs nicht traurig.
        Klar, ein verbaler Klimagedöns-Ausstieg wäre mir lieber – zumindest steht Putin jetzt unter Druck, am Dnepr nicht zu trödeln. Mal sehen, was von den Fronten berichtet wird (zuletzt: Konstantinowka und Liman fast komplett besetzt – die Russen am Rande von Kramatorsk und Slawiansk, inzwischen beide unter Feuerkontrolle).

      4. Daisy

        Ja, das kann sein, nur langsam wird es komisch. Russland muss mMn endlich fertig werden…nicht links und nicht rechts schauen, sondern weitermachen. Die Langstreckenwaffen aus GB und D sind eine Provokation. Kann nicht Kaspersky Lab was erreichen? Ich empfehle im Falle GBs eine hinterfotzige Revanche. Nur nicht Raketen…bitte nicht…dann hamma nämlich den Salat.

  7. Varus
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    Russland steht kurz davor, von Trump in seinen „Krieg der Zermürbung“ gezogen zu werden.

    Diesen Krieg gibt es doch bereits seit über vier Jahren – und der Westen glaubt die ganze Zeit, ihn gewinnen zu können. Entschieden wird er womöglich woanders – die Ungeschnittenen brachten neulich einen Artikel von Larry Johnson, laut dem auch den USA Treibstoffe nur noch für etwa einen Monat verbleiben. Iran und Russland müssen sich nur absprechen – nicht ein der Länder dem Westen Öl liefern, während der Westen gerade das andere fertigmacht.

    Klar – etwas beeilen sollte sich Putin schon, wie hier oft angesprochen.

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