
BRICS-Treffen in Neu-Delhi scheitert: Keine gemeinsame Erklärung wegen Iran-UAE-Konflikt
Das zweitägige Treffen der Außenminister der BRICS-Staaten in Neu-Delhi endete am 15. Mai ohne eine gemeinsame Abschlusserklärung. Der Grund: Tiefe Meinungsverschiedenheiten, vor allem zwischen Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) im Zusammenhang mit dem Konflikt in Westasien.
Indien als Gastgeber musste eine reine Vorsitz-Erklärung (Chair’s Statement) veröffentlichen, in der lediglich „unterschiedliche Ansichten einiger Mitglieder“ zur Lage im Nahen Osten eingeräumt wurden. Ein klares Zeichen für die wachsenden inneren Spannungen in dem Bündnis, das sich als Gegenpol zur westlichen Hegemonie entwickelt hatte.
Der iranische Außenminister Abbas Araqchi hatte die BRICS-Staaten aufgefordert, eine einheitliche Position gegen die „Verletzungen des Völkerrechts durch USA und Israel“ einzunehmen. Doch hier stieß er auf Widerstand. Besonders die Vereinigten Arabischen Emirate, die enge wirtschaftliche und sicherheitspolitische Beziehungen zum Westen und auch zu Israel pflegen, zeigten sich nicht bereit, einer scharfen Verurteilung zuzustimmen.
At BRICS, Araghchi calls for ending US-Israeli impunity
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Speaking at the BRICS foreign ministers’ meeting in New Delhi, Abbas Araghchi urged member states to intensify efforts to end the sense of impunity enjoyed by the US and Israel.Araghchi said resistance to US pressure is… pic.twitter.com/fWhSqvCVpF
— The Cradle (@TheCradleMedia) May 14, 2026
Die Spannungen zwischen Iran und VAE sind nicht neu, haben aber durch den jüngsten Iran-Krieg eine neue Schärfe erhalten. Beide Länder sind inzwischen BRICS-Mitglieder – ein weiteres Beispiel dafür, wie schnell geopolitische Realitäten die schöne Theorie von der „anti-hegemonialen Allianz“ einholen.
Was bedeutet das für die BRICS-Zukunft?
Das Ausbleiben einer gemeinsamen Erklärung ist mehr als ein diplomatisches Protokoll-Problem. Es zeigt, dass BRICS trotz oder vielleicht wegen aller Erweiterungen (Äthiopien, Ägypten, Iran, Indonesien, VAE) noch weit davon entfernt ist, als geschlossener Block agieren zu können. Interessenkonflikte zwischen den Mitgliedern – Energie, regionale Machtkämpfe, Beziehungen zu China, Russland oder dem Westen – bleiben bestehen.
Indien, das derzeit den Vorsitz innehat, versuchte wie üblich zu vermitteln und betonte „Resilienz, Innovation, Kooperation und Nachhaltigkeit“. Doch in Zeiten realer geopolitischer Krisen reicht das nicht aus. Russland und China dürften mit dem Ergebnis unzufrieden sein, während pro-westliche Mitglieder wie die VAE aufatmen.Dieser Vorfall erinnert daran, dass Bündnisse wie BRICS keine monolithischen Blöcke sind, sondern lose Zusammenschlüsse souveräner Staaten mit höchst unterschiedlichen Agenden. Die multipolare Welt ist im Entstehen – aber sie ist chaotischer und widersprüchlicher, als viele Optimisten glauben wollen.
Die Ereignisse in Neu-Delhi sollten allen Mahnung sein: Wirkliche multipolare Stabilität erfordert mehr als Erweiterungsrunden und schöne Slogans. Sie verlangt echte Interessensausgleiche – und die sind in einer Welt voller Regionalkonflikte alles andere als einfach.
Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇
„Wirkliche multipolare Stabilität erfordert mehr als Erweiterungsrunden und schöne Slogans. Sie verlangt echte Interessensausgleiche – und die sind in einer Welt voller Regionalkonflikte alles andere als einfach“
Im Zeitalter des Imperialismus mit seinen wirtschaftlichen Konkurrenzkämpfen und den sich zwangsläufig daraus ergebenden politisch-militärischen Auseinandersetzungen und Kriegen ist der Weg in eine bessere Zukunft zwangsläufig voller Windungen und Wendungen …
Die USA haben den Iran willkürlich angegriffen und hohe Regierungsmitglieder ermordet. Das geht natürlich gar nicht! Israel hat zumindest die Ausrede, dass Iran gegen Israel gerichtete Kräfte finanziert.
Iran hat auf diesen Souveränitätsbruch mit einer Sperre von Hormus reagiert, die wiederum ein Souveränitätsbruch von Territorien des Oman und der VAE darstellt. Denn um eine Maut eingeben zu können, muss der Iran die Durchfahrt in anderen als seinen eigenen Territorien beschränken. Er legitimiert das mit Selbstverteidigung, aber das ist natürlich ein de facto Angriff auf die VAE und den Oman. Zudem werden die Haupteinnahmequellen der Golfstaaten erheblich eingeschränkt. Dazu droht der Iran mit der Zerstörung von relevanter Öl- und Wasserinfrastruktur.
In der Empörung über die USA wird gerne übersehen, dass der Iran eigene expansionistische Ziele verfolgt, die nicht mit einer Verteidigungsposition erklärt werden können.
Die Folge ist, unbeschadet der doppelten Sperre von Hormus durch die USA, dass insbesondere Asien und Europa von einem Ölmangel getroffen werden.
China bezieht lächerliche 1 Mrd bpd aus dem Iran – Selensky hat Pipelines für das Dreieinhalbfache zerstört – aber 4,5 Mrd bpd aus anderen Nahoststaaten, was durch die Sperre deutlich dezimiert wird.
Alle diese durch den Iran Geschädigten stehen plötzlich da und merken, dass sie das gleiche strategische Interesse wie die USA und Israel haben. Natürlich lassen sie sich das nicht anmerken, aber sie werden entlang dieses Interesses handeln.
Aus meiner Sicht ist das strategisch von den USA provoziert und hat den eugenischen Nebeneffekt der Bevölkerungsreduktion in Nahost, in Asien und in Dumpfbacken-Europa. Wenn die Sperre länger anhält, werden die Fähigkeiten der Golfmonarchien Krieg zu führen sinken und Israel in dieses Vakuum vorstoßen. Der Iran stützt auf diese Weise die israelische Expansion.
Da die Brics großteils vom Westen abhängig sind – 2. Welt und 3. Welt Staaten sind dabei, Tigerstaaten, Jaguarstaaten… – die wollen natürlich noch die Gelder – einigen sie sich nicht. Jedoch sollte der „Westen“ langsam kapieren, dass die Zeit der Ausbeutung vorbei ist. Man muss sich auf Augenhöhe begegnen.
Ich war immer Kritikerin des katholisch missionarischen Entwicklungsprojektes, denn ich finde, jeder soll sich so entwickeln. wie er möchte. Unsere, die westliche, Art zu leben, ist vielleicht nicht die Klügste. Mehr gefielen mir die Indianer, die nicht mehr nahmen als sie brauchten…s. „Meine Worte sind wie die Sterne…“
BRICS ist keine Aktion, sondern Reaktion. BRICS ist die Wirkung, die Ursache ist der Westen.
Wir selbst haben für den Rest der (von uns ausgebeuteten) Welt die Notwendigkeit geschaffen, eine Alternative zu westlich kontrollierten Interaktions-Systemen und -Institutionen zu gründen. Diese Notwendigkeit ist es, die BRICS vorwärts treibt. Ob sich die partizipierenden Länder über dieses oder jenes Thema streiten, ist dafür irrelevant – die Notwendigkeit bleibt bestehen und man begegnet ihr lediglich in etwas anderer Form. Mindestens die Idee von BRICS kann ergo nicht sterben, weil wir die Notwendigkeit dafür nicht nur erhalten, sondern täglich vergrößern. Mit jedem neuen Krieg.
Gott sei Dank gibt es keine gemeinsame politische Erklärung!!!! Brics sollen wirtschaftlich zusammen arbeiten und nicht die nächste EudssR gründen. Die Menschen haben die Schnauze voll von „politischen Zusammenschlüssen“. Wirtschaftliche Zusammenarbeit führt immer zu Wohlstand der Bevölkerung. Politische Zusammenschlüsse dienen nur den Eliten, die Bevölkerung zu unterdrücken, zu kontrollieren und zu knechten. Jedes Land hat seine eigene Kultur – ja sogar jede Region. Die Menschen sollen so leben, wie sie es wollen und wie ihre Kultur es entwickelt hat. Lasst die Brics einfach nur sinnvolle, für alle Seiten erfolgreiche, wirtschaftliche Zusammenarbeit machen. Ansonsten wäre diese Welt friedlicher, wenn jeder nur vor seiner eigenen Haustüre kehrt. Dass sämtliche Krisenherde dieser Welt durch (vornehmlich) USA und ewig Reichen künstliche herbei geführt wurden (Regimechanges, Finanzierung terroristisch herangezüchteter mittelloser Menschen, Konzernsystemmedien, die Propaganda verbreiten, um Menschen zu verblöden und zu indoktrinieren) ist ja mittlerweile fast jedermann bekannt.
Wirtschaftliche Zusammenarbeit führt immer zu Wohlstand der Bevölkerung. Politische Zusammenschlüsse dienen nur den Eliten, die Bevölkerung zu unterdrücken, zu kontrollieren und zu knechten. 👍
Yep! Clean up you own backyard, meine Devise :-)
Die Welt wäre wirklich eine bessere, wenn jeder sich um seinen eigenen Mist kümmerte.
Die Ereignisse in Neu-Delhi zeigen, dass BRICS tot ist. BRICS war eigentlich immer schon ein sehr fragwürdiges Konstrukt ohne wirkliche gemeinsame Ziele (abgesehen von der „Dedollarisierung“), ohne strategischen Plan und ohne substanzielles Programm. Ein Sammelsurium von Ländern mit sehr unterschiedlichen Interessen – einschließlich solcher, die dem US-Imperialismus eng verbunden sind. Ein Referenzpunkt für politische Träumer, die in die Organisation all ihre Wünsche hinsichtlich der Schwächung des westlichen Hegemons hineininterpretiert haben. Und eine Bühne für mehr oder minder begabte politische Figuren.
Pepe Escobar – einer der prominenten Führsprecher der Vereinigung – muss heute wohl oder übel eingestehen, dass er in Bezug auf BRICS „zu romantisch war“. Wenn man nicht einmal in der Lage ist, den Angriff auf das BRICS Mitglied Iran zu verurteilen, dann hat man keinerlei Daseisberechtigung mehr. Dann muss man eben eine Alternative aufbauen. Die Dollar-Dominanz kann man auch ohne BRICS reduzieren.
ES ist noch zu Früh, um am Grab von BRICS+ zu tanzen. BRICS wurde schon verschiedene Male für gescheitert erklärt. Aber BRICS kann nicht scheitern, wenn man es als das betrachtet, was es sein soll. EINE PLATTFORM souveräner Staaten zur Verbesserung der Beziehungen und Wirtschaft. Die VAE und IRAN sind im Krieg gegner, aber gerade deshalb ist BRICS beeignet, um den Dialog aufrecht zu erhalten. Und außerdem gibt es immer ein „nach dem Krieg“. Wie man sieht, war die Versöhnung durch China organisiert zwischen Iran und Saudi-Arabien trotz der Herausforderungen des Angriffskriegs gegen den Iran nachhaltig. Und Saudi-Arabien, einst der größte Feind des Irans fordert heute eine Anerkennung des Status Quo vom Iran, versucht sich trotz mächtiger Erpressungsversuche durch die USA aus dem Krieg raus zu halten. Etwas Ähnliches können wir in ein paar Jahren auch zwischen den UAE und Iran sehen, falls die UAE dann noch als unabhängiger Staat existieren.
OK, noch (!) kein Begräbnis – das eilt ja nicht. Es war eben China, welches den Dialog zwischen Iran und Saudi Arabien förderte – nicht BRICS. BRICS spielt da gar keine Rolle, kann auch gar keine spielen. Das hätten die Chinesen auch ganz ohne BRICS gemacht. Saudi Arabien hat auch definitiv andere Interessen als UAE, welche gerade die OPEC in die Luft sprengten (Saudi Arabien und die UAE waren immer schon Gegner). Also wurde die Annäherung durch die äußeren Umstände stark beflügelt. Wobei man auch noch abwarten muss, was das letztlich bedeutet – ob sie wohl tatsächlich die Amis rauswerfen?
Nachsatz: trotz BRICS gibt es eben heute keinen Dialog zwischen UAE und Iran, wobei beide Staaten Mitglieder des Clubs sind. Genau das zeigt, das BRICS nicht einmal einen simplen Dialog zwischen Mitgliedern zustande bringt.
Wer braucht schon eine neue Weltwährung à la BRICS? Es gibt doch schon längst Gold und Silber mit „proven track record“. Aber Enteignung der Bevölkerung geht halt nur über Fiat in digital.