
Krieg zwischen BRICS-Ländern
Erstmals in der Geschichte der BRICS-Gruppe hat ein Mitglied ein anderes angegriffen. Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate sind beide BRICS-Mitglieder, mit diametral entgegengesetzten Sicherheitsinteressen in Bezug auf die USA. Es ist nicht der einzige Riss, der zeigt, dass BRICS nie ein Sicherheitsbündnis war.
Spekulationen, Fantasien und Behauptungen – gerne auch von oppositionellen Medien – dass es sich bei der aufsteigenden BRICS-Gruppe um ein Sicherheitsbündnis handeln würde, haben sich im aktuellen Krieg gegen den Iran in Rauchwolken aufgelöst. Seit Beginn des Angriffs von US-Israel verteidigt sich der Iran mit Angriffen auch auf UAE – ein BRICS-Land.
TKP hat bereits über den plötzlichen Kriegsschauplatz berichtet – der, das hat Trump mittlerweile zugegeben – die US-israelische Achse „überrascht“ hat. Der Iran erklärt, in Selbstverteidigung zu handeln, da US-Militärinfrastruktur in den VAE angeblich eine Rolle bei Angriffen gegen Iran spiele. Pro-Iranische Medien behaupten zudem, dass die Angriffe auf Wohnungen und Hotels in den VAE US-Militärpersonal trafen, das sich dort heimlich aufhalte, um sich vor vorhersehbaren iranischen Angriffen auf ihre Stützpunkte in Sicherheit zu bringen.
Unabhängig überprüfbar ist dies nicht. Die USA sprechen von 4 toten US-Soldaten, die Revolutionsgarden von über 500. All das ist freilich Teil des aktuellen Infokrieges. TKP-Gastautor Andrew Korybko sagt dazu:
Was auch immer die Wahrheit sein mag: Es lässt sich nicht leugnen, dass Iran militärische und (zumindest offiziell) zivile Ziele in den UAE angegriffen hat – einem anderen BRICS-Mitglied. Ebenso hat der indische Premierminister Modi, dessen Land in diesem Jahr den BRICS-Vorsitz innehat, auf X gepostet, dass er die „Angriffe auf die VAE aufs Schärfste verurteile“, ohne Iran namentlich zu nennen, aber mit offensichtlichem Bezug darauf.
Indien, neben China das zweitgrößte BRICS-Land erreichte im Handel mit den Emiraten im vergangenen Jahr 100 Milliarden US-Dollar, während der indisch-iranische Handel mit etwa 1,5 Milliarden US-Dollar nur knapp über 1 % davon lag.
Trotzdem braucht Indien aber auch den Iran, das Land ist zentral im Transit mit Russland, Afghanistan und Zentralasien. Trumps Zollpolitik, seine Drohung auf Strafzölle bei Geschäften mit dem Iran, könnte das aber weiter komplizieren. Indiens Parteiname für die UAE ist also pragmatisch recht einfach nachzuvollziehen.
Korybko berichtet
Obwohl dies ein weiteres deutliches Beispiel dafür ist, dass Indien sich teilweise mit US-Interessen verbündet, argumentierte der russische Top-Experte Fjodor Lukjanow angesichts des Rückgangs russischer Öllieferungen nach Indien unter US-Druck: „Souveränität bedeutet nicht zwangsläufig, sich jedem Druck zu verweigern; sie bedeutet, Wege zu finden, die eigenen Interessen unter weniger als idealen Bedingungen zu verwirklichen. Der Kern dieser Interessen ist innere Stabilität und fortgesetzte Entwicklung – Prioritäten, die inmitten globaler Turbulenzen noch dringlicher geworden sind.“
Er schloss mit den Worten: „Das ist die praktische Realität dessen, was oft als multipolare Welt bezeichnet wird… kümmere dich zuerst um deine eigenen Angelegenheiten“, und genau das tue Indien. Dasselbe gelte für die VAE hinsichtlich ihrer fortgesetzten militärischen Allianz mit den USA – unabhängig davon, ob die US-Militärinfrastruktur dort tatsächlich eine Rolle bei den Angriffen auf Iran spielte, wie Teheran behauptet. Auch Iran „kümmert sich zuerst um seine eigenen Angelegenheiten“, so wie seine Führung ihre nationalen Interessen versteht – unabhängig von der Meinung über die Angriffe auf die VAE.
Im unmittelbaren Konflikt zeigt dies aber deutlich die Grenzen der BRICS-Gruppe. Ein Sicherheitsbündnis konnte es in ihrer Konstruktion nie werden, Russland hat solche Spekulation auch erst im letzten Monat deutlich widersprochen.
BRICS ist eine Gruppe, die unilaterale Politiken koordinieren – „um finanzielle Multipolaritätsprozesse zu beschleunigen – mehr und wird es in absehbarer Zeit auch kaum in einem sinnvollen Maße werden“, heißt es vom Autor aus Moskau.
UAE – Iran ist auch nicht das einzige rivalisierende Paar. Auch Ägypten und Äthiopien haben Sicherheitskonflikte, nicht zuletzt die beiden Riesen China und Indien. Keines dieser Länder wird seine eigenen Interessen zugunsten des anderen opfern, das zeigt sich gerade in den ersten Tagen des Konflikts.
Das Öl aus Nahost geht zu 75% nach Asien.
Erkennt jemand strategische Ziele in diesem Krieg? Für mich schaut es aus wie ein Vorwand, möglichst viele in ein tödliches Spiel zu verwickeln. Das ist ja in der Ukraine nicht anders.
Wie maximiert man den Schaden? Indem man die Ölinfrastruktur zerschmettert. Eine Blockade kann man auflösen, zerbombte Infrastruktur muss man neu aufbauen, dafür braucht man Kredite, Material, Zeit. Zeit, in der kein Öl fließen kann.
In Europa und den USA leben keine Milliarde Menschen. In Asien vier.
Das wird die Stunde der Erfinder und Tüftler, die dann endlich ihre Magneten und Perpetuum Mobiles aufbauen und das Raumzeitkontinuum in Starkstrom, Wasserstoff und Diesel verwandeln können! Erfindungen, so haben wir gehört, mache man vor allem in der Not, achso. Na, da können wir Großes erwarten! Historisch war das zwar nie so, aber vielleicht ist es diesmal anders?
Ohne Diesel wäre das Biomassewunder Holz mit 21% vom Primärenergieverbrauch in Österreich nicht möglich. In Asien bin ich nicht so bewandert. Vielleicht gibt es schon tolle Elektroboote für die Versorgung von Inseln? Wie sich wohl die Batterien der Traktoren in den ewig feuchten Reisfeldern machen?
Russland kann für den Nahen Osten nicht einspringen. Im Mangel werden die Staaten gegeneinander gehen. Was bleibt ihnen anderes übrig?
Die Esoteriker reiben sich die Hände.
BRICS war nie mehr als ein Popanz ohne reale Bedeutung. Da wurde viel zu viel hineininterpretiert. BRICS war ein Knoten-Punkt für Wünsche und Phantasien. Ein heterogendes Sammelsurium von Ländern und politischen Figuren, die ihre Bedeutung unterstreichen und im Rampenlicht stehen wollten. Hurraaah, die Alternative zur US-basierten Ordnung ist da! Vielleicht haben ja manche von ihnen das tatsächlich geglaubt. Aber einige dieser Länder waren sowieso nur willfährige Lakaien des US-Imperialismus (wie eben die Emirate). Man wollte Big Daddy vielleicht nur zeigen, dass man eventuell mal fremd gehen könnte, wenn man von ihm nicht mehr ausreichend geliebt wird. Es gibt weder eine gefestigte Struktur noch gemeinsame Ziele oder programmatische Inhalte obwohl die Organisation ja bereits 2009 gegründet wurde. Es ist nicht einmal klar, nach welchen Kriterien neue Mitglieder aufgenommen werden. So wurde die Mitgliedschaft Venezuelas aufgrund des brasilianischen Vetos abgelehnt. Einfach so. Eine ernsthafte Alternative zum US-zentrierten Westen ist das nicht. Das könnte allenfals ein stabiles, wirtschaftliches und militärisches Bündnis zwischen Russland und China sein, dem sich dann andere anschließen.