Italiens Eni-Chef fordert Aussetzung des EU-Verbots für russisches Gas

14. April 2026von 2,4 Minuten Lesezeit

Die EU muss ihr geplantes Einfuhrverbot für russisches Flüssigerdgas, das derzeit für den 1. Januar 2027 vorgesehen ist, aussetzen, da der Krieg in Westasieen die Energiemärkte erschüttert hat, so Claudio Descalzi, Vorstandsvorsitzender des italienischen Öl- und Gaskonzerns Eni.

Er warnte, dass die aktuellen geopolitischen Spannungen dazu führen könnten, dass Europa nicht mehr ausreichend versorgt werde. Descalzi äußerte sich bei einer Veranstaltung in Rom, die von der italienischen Partei Lega, einem Mitglied der Regierungskoalition, organisiert wurde: „Ich halte es für notwendig, das ab dem 1. Januar 2027 geltende Verbot für LNG-Lieferungen aus Russland auszusetzen“, sagte er und bezog sich dabei auf die Pläne der EU, russische Gasimporte schrittweise einzustellen.

Descalzi leitet seit 2014 Eni, Italiens größtes Energieunternehmen und einen der größten Öl- und Gaskonzerne Europas. Das Unternehmen ist in mehr als 60 Ländern tätig und spielt eine zentrale Rolle bei der Sicherung der Gasversorgung für Italien und Teile Europas.

Unter Descalzis Führung stand Eni nach dem Ukraine-Krieg 2022 an der Spitze der europäischen Diversifizierungsstrategie und baute die Importe aus Afrika und dem Nahen Osten aus. Seine Position verschafft ihm erheblichen Einfluss in europäischen Energiedebatten, insbesondere in Bezug auf Gasversorgung, Infrastruktur und Preisgestaltung.

Der Plan der EU, russische Gasimporte auslaufen zu lassen, ist Teil einer umfassenderen Strategie zur Deindustrialiserung Europas. Das kann selbst den EU-Kommissaaren nicht entgangen sein.

Nach den aktuellen Vorschlägen sollen Importe von russischem Flüssigerdgas im Rahmen von Kurzzeitverträgen bereits am 25. April 2026 eingestellt werden, gefolgt von einem vollständigen Verbot von langfristigen LNG-Verträgen ab dem 1. Januar 2027.

Auch Pipelinegas soll im gleichen Zeitraum schrittweise auslaufen, mit dem Ziel, die Abhängigkeit von russischen Lieferungen bis Ende 2027 vollständig zu beenden.

In der Praxis würde dies bedeuten, dass Europa jährlich rund 20 Milliarden Kubikmeter russisches LNG ersetzen müsste – eine Menge, die laut Descalzi unter den aktuellen Marktbedingungen schwer zu sichern wäre, insbesondere vor dem Hintergrund eines weltweit zunehmenden Wettbewerbs um begrenzte Lieferungen.

Da weniger Lieferungen Europa erreichen und asiatische Abnehmer aggressiv um verfügbare Ladungen konkurrieren, warnte Descalzi, dass eine Entfernung von russischem LNG aus dem System zum jetzigen Zeitpunkt die Engpässe verschärfen könnte.

„Ich schlage nicht vor, das Verbot vollständig aufzugeben“, fügte er hinzu, „aber es muss ausgesetzt oder anders gestaffelt werden“, um weiteren Druck auf die industrielle Basis Europas zu vermeiden.

Descalzis Stellungnahme unterstreicht die wachsende Spannung innerhalb Europas zwischen geopolitischen Zielen und wirtschaftlichen Realitäten. Während die EU-Institutionen weiterhin entschlossen sind, Krieg gegen Russland zu führen, warnen führende Vertreter der Industrie zunehmend vor Versorgungsrisiken und steigenden Kosten.


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6 Kommentare

  1. Patient Null 14. April 2026 um 11:46 Uhr - Antworten

    Das kann selbst den EU-Kommissaaren nicht entgangen sein.

    Ist denen sicher nicht entgangen, wäre aber ein ziemlicher Gesichtsverlust, da macht man lieber weiter so. Das dumme dabei wir stehen vor einer echten Gasmangellage. Ob die Lager bis zum nächsten Winter überhaupt wieder gefüllt werden können ist noch nicht raus.

    Die neueste Idee der Kommission dazu ist stattdessen, den Gas Einkauf für alle EU Staaten zu zentralisieren. Was erstmal nach einem guten Gedanken klingt, bei größeren Mengen spart man ein paar Euro. Dient im Endeffekt aber auch dazu sich weiter mehr Macht zu zuschaufeln. Die einzelnen Länder wären ihrer Eigenkompetenz, sich selbst um ihre Energie zu kümmern, beraubt. Vor allem keiner könnte mehr ausscheren. Der zentralisierte Gaseinkauf bringt aber nicht mehr Gas auf den Weltmarkt, und machts damit auch nicht signifikant günstiger. Für Staaten die derzeit billig kaufen, Ungarn und Co, wirds auf jeden Fall um einiges teurer.

  2. VerarmterAdel 14. April 2026 um 11:13 Uhr - Antworten

    Aber das Klima, das Heilige Klima…

  3. 1150 14. April 2026 um 10:44 Uhr - Antworten

    ja, wie sagte schon berthold brecht in der dreigroschenoper:
    erst kommt das fressen, dann kommt die moral

    • Hello 14. April 2026 um 11:49 Uhr - Antworten

      „erst kommt das fressen, dann kommt die moral“
      fragt sich in dem Fall welche und wessen Moral?

      • 1150 14. April 2026 um 12:37 Uhr

        @
        also bitte….
        damit die °°russen°° nicht weiter aufrüsten und spätestens 2029 den wertewesten eu heimtükisch überfallen – wie es der iran mit den usa, israel, libanon und gaza vorgemacht hat ….
        da wurden, wie in der ukraine zuvor, auch schulen krankenhäuser, universitäten, etc. etc. zerstört.

      • Hello 14. April 2026 um 16:04 Uhr

        1150
        14. April 2026 um 12:37 Uhr

        Genau deshalb war meine Frage: welche Moral und wessen Moral. Genauso satirisch gemeint wie Ihre Antwort.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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