Der größte bekannte Datendiebstahl aus China

9. April 2026von 4,5 Minuten Lesezeit

In den letzten Tagen berichteten internationale Medien über einen mutmaßlichen Cyberangriff auf eines der zentralen Supercomputer-Zentren Chinas. Ein „Hacker“ oder eine Gruppe unter dem Pseudonym „FlamingChina“ soll mehr als 10 Petabyte sensible Daten aus dem National Supercomputing Center (NSCC) in Tianjin gestohlen und Teile davon im Darknet zum Verkauf angeboten haben. Angeblich seien auch Daten über Lieferungen an den Iran dabei.

Die gestohlenen Informationen umfassen angeblich hochklassifizierte Dokumente aus dem Verteidigungsministerium, Raketenschemata, Forschungsdaten zu Hyperschallwaffen, nuklearen U-Booten, sechsten Generationen von Kampfflugzeugen sowie Simulationen in Bereichen wie Luft- und Raumfahrt, Bioinformatik und Fusionsforschung. Experten bewerten den Vorfall als potenziell größten bekannten Datendiebstahl aus chinesischen Staatsstrukturen. Natürlich wirft dieser Fall grundlegende Fragen zur digitalen Souveränität, zu geopolitischen Abhängigkeiten und zur Verwundbarkeit moderner Infrastrukturen auf – Themen, die weit über den bilateralen Konflikt zwischen Großmächten hinausgehen.

Die angebliche Quelle

Das NSCC in Tianjin dient als zentrale Infrastruktur für mehr als 6.000 Kunden in China, darunter staatliche Forschungseinrichtungen und Verteidigungsbehörden. Es handelt sich um eine der leistungsstärksten Rechenanlagen des Landes, die für komplexe Simulationen in Wissenschaft und Militärtechnik genutzt wird. Laut Berichten erfolgte der Zugriff über einen kompromittierten VPN-Domain-Controller. Anschließend soll ein umfangreiches Botnet eingesetzt worden sein, um die Daten über etwa sechs Monate hinweg stückweise zu extrahieren. Am 6. Februar 2026 postete das Konto „FlamingChina“ auf einem anonymen Telegram-Kanal Proben des Datensatzes und behauptete, Material aus den genannten Forschungsfeldern zu besitzen. Später wurden Proben auch auf Dark-Web-Foren wie Breach Forums angeboten. Der Preis: Tausende Dollar für eine begrenzte Vorschau, Hunderttausende Dollar für den vollständigen Zugriff – zahlbar in Kryptowährung.

Sind die Daten echt?

Cyber-Sicherheitsexperten, die die veröffentlichten Samples geprüft haben, halten Teile der Daten für authentisch. Die enorme Größe – 10 Petabyte entsprechen etwa 10.000 Terabyte – und die thematische Breite deuten darauf hin, dass es sich um einen gezielten Angriff auf strategisch wichtige Ressourcen handelt. Chinesische Behörden haben bislang keine offizielle Stellungnahme veröffentlicht, was in solchen Fällen nicht ungewöhnlich ist. Dennoch unterstreicht der Vorfall eine grundlegende Realität: Auch hochentwickelte digitale Infrastrukturen sind angreifbar. Für Länder des Globalen Südens, die häufig auf chinesische Technologiepartner angewiesen sind, ist dies eine Warnung: Vor der NSA ist NICHTS auf der Welt sicher.

Die wirtschaftlichen und politischen Folgen

Viele Staaten in Afrika, Lateinamerika und Südostasien kooperieren eng mit China im Rahmen der Belt-and-Road-Initiative (BRI). Dazu gehören der Aufbau von 5G-Netzen durch Huawei, der Einsatz chinesischer Supercomputer für lokale Forschungsprojekte oder gemeinsame Entwicklungsprogramme in Bereichen wie erneuerbaren Energien und Verteidigung. Ein Diebstahl sensibler chinesischer Militär- und Simulationsdaten könnte indirekt Auswirkungen auf diese Partnerschaften haben. Wenn hochentwickelte Technologien – etwa Raketensimulationen oder Hyperschallforschung – auf dem Schwarzmarkt landen, besteht das Risiko, dass nichtstaatliche Akteure oder Drittstaaten Zugang erhalten. Dies könnte regionale Stabilität gefährden, beispielsweise in Konfliktzonen, wo chinesische Militärhilfe oder Technologietransfers eine Rolle spielen.

Gleichzeitig zeigt der Vorfall die Grenzen nationaler Kontrolle über Daten und ist sicher auch eine Warnung vor der geplanten Einführung von digitalen Identitäten. Europa leidet bereits unter einer strukturellen Abhängigkeit von ausländischer Digitaltechnik – insbesondere von US-Konzernen wie Microsoft und Google, während der Globale Süden eher von chinesischen Anbietern wie Huawei und ZTE abhängig wird. Der Diebstahl aus einem chinesischen Staatszentrum verdeutlicht, dass selbst autoritär organisierte Systeme mit strengen Sicherheitsvorkehrungen nicht immun sind. Und das war, so die bösen Verschwörungstheoretiker eines der Ziele der „Hacker“. „Wir bekommen die Daten sowieso“. Für Entwicklungsländer, deren eigene Cyberkapazitäten oft begrenzt sind, bedeutet dies: Die Abhängigkeit von fremden Plattformen, auch wenn sie nicht in den USA sind, birgt nicht nur wirtschaftliche, sondern auch sicherheitspolitische Risiken.

Der kalte Krieg im Cyberspace

Aus geopolitischer Sicht ist der Fall Teil des andauernden US-chinesischen Rivalitätskampfs im Cyberspace. Westliche Medien berichten häufig über chinesische Hackergruppen, die westliche Infrastrukturen angreifen. Hier kommt nun der Beweis, dass es auch in die andere Richtung geht. Dies unterstreicht eine doppelte Realität: Alle Großmächte betreiben offensive Cyberoperationen, und der Globale Süden gerät dabei oft in die Rolle des unbeteiligten Dritten. Viele Staaten haben weder die Ressourcen noch die politische Hebelwirkung, um in diesem Konflikt neutral zu bleiben. Stattdessen sehen sie sich mit der Notwendigkeit konfrontiert, zwischen den Blöcken zu navigieren – ohne eigene starke Cyberabwehr oder unabhängige Dateninfrastruktur.

Wirtschaftlich könnte der Diebstahl langfristig auch Chancen bergen, wenn gestohlene Technologien – etwa Simulationssoftware für erneuerbare Energien oder Bioinformatik – indirekt zugänglich werden. Allerdings überwiegen die Risiken: Unkontrollierte Verbreitung militärischer Geheimnisse könnte Rüstungswettläufe anheizen und Ressourcen binden, die für Armutsbekämpfung, Klimaschutz oder Bildung dringend benötigt werden. Initiativen wie die UN Cyber Norms oder regionale Foren der Afrikanischen Union könnten hier eine stärkere Stimme erhalten.

Schlussfolgerung

Zusammenfassend markiert der mutmaßliche NSCC-Datendiebstahl einen Wendepunkt im Bewusstsein für digitale Verwundbarkeit. Er mahnt zur Investition in unabhängige Infrastrukturen, zur Förderung regionaler Kooperationen und zur aktiven Mitgestaltung globaler Cyberregeln. Aber vor allen Dingen zeigt dieser Fall auf, dass kein im Internet erreichbarer Computer vor dem „großen Bruder“ sicher ist.

Bild: Nur zur Illustration von Datenzentren

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5 Kommentare

  1. Satya 9. April 2026 um 9:05 Uhr - Antworten

    Digitale Speicherung sensibler Daten ist immer ein Risiko, Russland geht da intelligenter vor, wie ich einmal las. Das China das nicht wissen soll verwundert mich.

  2. peru3232 9. April 2026 um 9:02 Uhr - Antworten

    Es zeigt vor allem auch auf, wie falsch alles läuft. Das einzige was FÜR die Menschheit wäre, ist open source. Davon ging ja auch einst der Traum vom freien Internet aus. Das ganze Wissen und Daten für ALLE aufzunehmen und ALLEN zugänglich zu machen. Es wäre ein wahrer Booster in unserer Entwicklung geworden.
    Doch Raubtierkapitalismus hat gesiegt – und der bedingt all die Schurkerein, Heimlichkeiten und Übervorteilungen – es wird immer noch extremer anstatt dass es friedlicher und wir ein Miteinander haben könnten. In allen Bereichen. Es gilt nur Wissen aufzubauen und das möglichst geheim zu halten für maximalen Profit.
    Leider müssen da auch alle mitspielen, sonst gehen sie unter. Weil es China betrifft – es liegt auch nicht in der Natur der Chinesen. Sie werden als „Kopierer“ verschrien. Doch es ist in ihrer Natur und auch gut so. Es wird nicht auf Geheimnissen und Patenten aufgebaut, sondern weitergegeben was gut ist und sich durchsetzt. Es ist eine Ehre für den Meister, wenn seine Entwicklungen übernommen werden und als Grundlage dienen für weitere Entwicklungen – und ein Privileg des Nachwuchses dies verbessern zu können.
    Leider hat diese Einstellung in der globalen, aggressiven, Oligarchenstruktur keine Chance…

    • Varus 10. April 2026 um 11:38 Uhr - Antworten

      Das ganze Wissen und Daten für ALLE aufzunehmen und ALLEN zugänglich zu machen.

      Möchten Sie, dass absolut jeder Ihre Steuererklärungen und Ihre Krankenakte lesen kann? Das bezweifle ich.

  3. VerarmterAdel 9. April 2026 um 8:50 Uhr - Antworten

    Gerade wegen dieser legendären Sicherheit in der IT ist es umso wichtiger, dass es ein Bargeldverbot gibt und alles nur noch digital gemacht wird, übrigens auch unsere „Gesundheits“-Versorgung (Healthcare 4.0).

    Also wenn ich daran denke, wie lange sich bereits irgendwelche Leute bei anderen Leuten einloggen – Wie? Ja, das geht! Super, ne? – und dort ungefragt und ungebeten Dinge ausprobieren, dann wird mir ganz anders, dann wird mir irgendwie so warm ums Herz, denn ich weiß, dass Regierungen und interessiert Kreise es in dieser Welt nur gut mit anderen meinen und niemals etwas gegen die Interessen tun würden. Deshalb tun sie es vermutlich heimlich und zwar so lange, bis es großes Geschrei gibt, wobei das im Klimagottesstaat mit Omas gegen Hirn und vielen, vielen anderen Schwachköpfen Jahrtausende dauern kann.

    „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum [ohne dass es die meisten kapieren; Anm. d. Blogs] und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“
    ―Jean-Claude Juncker“

    MUST READ! Destructocrat’s Playbook Revealed, Banker’s Edition. (Long, But Very Important.) – https://drrimatruthreports.substack.com/p/must-read-destructocrats-playbook

    Wir sollen nicht wissen, dass sich andere jederzeit in unseren Körper einloggen und mit ihm tun können, was sie wollen! – https://coronistan.blogspot.com/2025/08/sie-sollen-nicht-wissen-dass-sich.html

  4. Varus 9. April 2026 um 8:32 Uhr - Antworten

    Vor der NSA ist NICHTS auf der Welt sicher.

    Wenn es denn stimmt. Die NSA würde doch Daten heimlich analysieren und nicht im Darknet anbieten? Ich bezweifle auch, dass man monatelang so viele Daten unbemerkt stehlen kann – Traffic müsste eigentlich auffallen.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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