Der Fall Tucker Carlson

16. März 2026von 5,2 Minuten Lesezeit

Tucker Carlson ist der wichtigste US-Journalist der Gegenwart – egal ob man ihn als letztes Gewissen Amerikas versteht oder iranischer Agent. Nun hat er FBI und CIA am Hals und könnte sogar etwas mit dem Mord an Khamenei zu tun gehabt haben. Steht er vor einer Anklage? Vielleicht sogar wegen Hochverrats?

Tucker Carlson wird verfolgt, erklärt er vor wenigen Tagen. Er behauptet, die CIA habe seine privaten Textnachrichten mit seinen iranischen Quellen gelesen und bereite eine Strafanzeige wegen Verstoßes gegen den Foreign Agents Registration Act (FARA) vor. „Wenn du herausfindest, dass die CIA deine SMS gelesen hat, um dir ein Verbrechen anzuhängen“, geht er in die Offensive. Der ehemalige FOX-Anchor ist längst die wichtigste Medienpersönlichkeit Amerikas, er ist die Personifizierung der Bruchlinien in Washington, in der MAGA-Bewegung und in der geopolitischen Neuordnung der Welt.

Die Positionen von Carlson haben sich in den letzten Jahren verändert. War er bei FOX noch auf hartem anti-islamischem und zionistischem Kurs (wie sein Vater, ein glühender Anhänger Israels) führt er seit Beginn des Gaza-Krieges das anti-zionistische und anti-interventionistische Lager der MAGA-Bewegung an und überrascht auch nicht selten mit plötzlicher Islamophilie. 2018 wetterte er etwa auf FOX gegen US-Journalisten, die für die „islamistische Türkei“ Propaganda betreiben würden und die eigentlich durch den FARA-Act angezeigt werden sollten. Das soll nun ihm passieren. Wie, worüber und ob CIA und/oder FBI ermitteln, ist nicht bekannt.

Tucker wurde er in den letzten Jahren für das isolationistische Lager immer mehr zum Gewissen Amerikas, während er für das prozionistische Lager zum Agenten Katars, des Irans oder wem auch sonst wurde, wieder andere sagen, dass Tucker ohnehin seit Jahren ein „CIA-Asset“ wäre, um die rechte Opposition zu kontrollieren.

In den USA zerfleischt und zerlegt sich die Basis von Trumps MAGA-Bewegung seit 2023 massiv, dies schwappt auch nach Europa. Carlson, vor einigen Jahren noch „rechtsextremer FOX-Agitator“ wird nun von jungen postmodernen Kommunisten in Europa zustimmend gehört. Was für eine Wendung. Alexander Dugin kommentierte letzte Woche: „Tucker Carlson ist derzeit die wichtigste politische Figur in den USA. Jeder (zumindest im rechten Spektrum, aber nicht nur) wird daran gemessen, ob er ihm zustimmt oder nicht.“

Nun spitzt der Konflikt zwischen den Flügeln der MAGA-Bewegung aber immer mehr zu, Carlson im Zentrum. Was klar ist: Carlson hatte im Vorfeld des Angriffs auf den Iran mehrmals im Oval Office mit Präsident Trump gesprochen – und parallel mit iranischen Offiziellen kommuniziert, unter anderem ein Interview mit Präsident Masoud Pezeshkian geführt. Das pro-israelische Lager sieht ihn nun als de facto Agenten des Irans.

Laura Loomer, Sprachrohr des anti-islamischen MAGA-Flügels, fordert Anklagen gegen Carlson, am besten gleich wegen Hochverrat: „Islamistische Terroristen im Iran nutzen Tuckers antiamerikanischen, pro-islamischen Schund buchstäblich dazu, iranische Kriegspropaganda zu verbreiten.“ Richtig ist, dass iranische Staatsmedien gerne auf Carlsons Kommentare zurückgreifen, wenn er etwa sagt, dass die Kontrolle über den Krieg Amerika entglitten sei und Trump verliere Einfluss. Loomer sagt, sie habe selbst eine Liste an den DOJ, FBI und ins Weiße Haus geschickt – mit Namen von Influencern, die angeblich Geld aus Iran, Russland oder Katar nehmen. Carlson stehe ganz oben. Nachzuprüfen ist das nicht, Loomer hat allerdings gute Kontakte ins Weiße Haus.

Die hat aber auch Carlson. Er soll in engem Austausch mit Vizepräsident JD Vance sein, manchmal mehrmals täglich. Auch das ist nicht nachzuprüfen. Sicher ist aber, dass Tuckers Sohn Buckley der Vizechef des Pressebüros von Vance ist (wie klein doch die Welt selbst in Washington ist). Dass Vater und Sohn sich austauschen, das darf man jedenfalls annehmen.

Auch eindeutig linksliberale Stimmen, eben Personen für die Tucker jahrelang der rechtsextreme Agitator bei FOX war, springen ihm zur Seite. Wie etwa Glenn Greenwald, der zu Israelis sagt, die Tuckers Verhaftung fordern: „Wer zum Teufel sind die Israelis, dass sie vorschreiben, amerikanische Journalisten müssten verhaftet werden?“ Kritik an Israel sei kein Verrat. Greenwald sieht darin den klassischen Versuch, US-Meinungsfreiheit durch ausländische Loyalitäten zu knebeln.

Eine wirklich brisante Geschichte konstruieren sehr viele Analysten. So hätten die USA Carlson bewusst als „Doppelagenten“ verwendet. Trump habe Carlson bewusst mehrfach ins Weiße Haus eingeladen – und ihm Informationen gegeben, da man gewusst habe, dass Carlson im Kontakt mit der iranischen Führung gestanden ist. So überwache die CIA auch nicht Tuckers Nachrichten, sondern eben jene der Iraner, die nun einmal mit Tucker im Austausch standen.

Die CIA überwachte also aktiv die iranische Kommunikation. Sie informierte Trump darüber, dass Tucker heimlich mit Teheran in Kontakt stand, und anstatt den Kontakt zu Tucker sofort abzubrechen, lud Trump ihn absichtlich noch häufiger zu Treffen ein, wohl wissend, dass Tucker die Informationen entweder direkt oder durch seine öffentlichen Äußerungen, in denen er beteuerte, die USA planten keinen ernsthaften Angriff, an die Iraner weitergeben würde.  Tatsächlich hieß es im Umfeld von Tucker wenige Tage vor dem Krieg, dass Trump die Pläne abgesagt hätte.

Manche glauben sogar, dass man dadurch den Erstschlag gegen die Führungsriege durchführen habe können. Nachzuprüfen ist all das nicht. Ein Indiz ist die Tatsache, dass JD Vance dem US-Kontrollraum, wo Militärschläge überwacht werden, stets fernbleibt. Das hat Beobachter seit Beginn des Krieges überrascht. Hat seine Verbindung zu Tucker damit zu tun?

Wieder andere warnen vor einem neuen Russiagate, sollte Carlson angeklagt werden, könnte er auch als „Marionette“ von Dugin benutzt werden. Anti-zionistische MAGA-Influencer könnten dann kollektiv als russische Agenten instrumentalisiert werden, um laufende US-Russland-Gespräche zu sabotieren. Aus seinen Interviews mit den Iranern Hochverrat konstruieren zu wollen, erinnert wirklich an Russiagate von vor 10 Jahren.

All diese Spekulationen sind letztlich Ausdruck der tiefen Konflikte rund um Trump, MAGA und überhaupt der politischen USA. Egal ob tot, lebendig oder hinter Gittern: Tucker bleibt Ausdruck tiefer Konflikte. Seine Unterstützer sehen ihn als letztes Gewissen, als letzten echten „America First“ und als ersten, der bei einer kommenden Säuberungswelle geholt wird. Die republikanische USA fressen sich gerade selbst auf, und Tucker ist das perfekte Symptom dafür.

Bild Gage Skidmore, Tucker Carlson – 53067673180CC BY-SA 2.0

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7 Kommentare

  1. Michael Rosemeyer 21. April 2026 um 11:17 Uhr - Antworten

    DNI GABBARD OPENING STATEMENT FOR THE SSCI AS PREPARED ON THE 2025ANNUAL THREAT ASSESSMENT OF THE U.S. INTELLIGENCE COMMUNITY
    https://www.dni.gov/index.php/newsroom/congressional-testimonies/congressional-testimonies-2025/4059-ata-opening-statement-as-prepared

    …. The IC continues to assess that Iran is not building a nuclear weapon and Supreme Leader Khamanei hasnot authorized the nuclear weapons program he suspended in 2003. …

    This Illegal US-Israeli Attack on Iran Is Also an Assault on the United Nations | Common Dreams
    https://www.commondreams.org/opinion/united-nations-israel-us-attack-iran

    Trump wurde „getäuscht“: US-Terrorabwehrchef tritt aus Protest gegen Iran-Krieg zurück
    2026_03_17
    https://www.berliner-zeitung.de/news/donald-trumps-terrorabwehrchef-joe-kent-tritt-aus-protest-gegen-iran-krieg-zurueck-li.10025178

  2. audiatur et altera pars 16. März 2026 um 14:57 Uhr - Antworten

    Tucker Carlson ist nicht nur Ausdruck tiefgehender Konflikte, sondern auch Personifikation George Carlins wie immer messerscharfer Beobachtungen: „It’s a big club. And you ain’t in it!“
    Empfehle dazu die plötzlich (wie ich finde ehrlich) ins Ironische schwenkende „Seymour-Hirsch-Sequenz“ des Interviews mit Putin, wenn es um die Zerstörung der laut „Alternativmedien“ und nicht zuletzt Tucker Carlson himself „deutschen“ Nordstream geht. Es funktioniert trotzdem. Warum? Weil Menschen gerne ihren Mediamuppetpuppen nachplappern und das meist fleißig, aber meistens umso denkfauler sind. DARAN wird sich so bald auch nichts ändern.

  3. 1150 16. März 2026 um 13:34 Uhr - Antworten

    da werden die freien, gerechten, demokratischen und gottesfürchtigen ecke in gottes eigenem land
    die kreatur joseph mccarthy wieder ausgraben müssen, weil ihre °°freiheit°° bedroht wird ………
    in deutschland scharren ja auch die neuen freisslers mit den hufen

    • maxstirner 16. März 2026 um 15:24 Uhr - Antworten

      Der NS-Nachfolgestaat ist wie die meisten faulen Äpfel direkt neben seinem hässlichen Baum(stumpf) gelandet. Schon vor Gericht live erlebt und genau mein erster Gedanke

    • Jan 16. März 2026 um 18:41 Uhr - Antworten

      Der hohe Ölpreis wird zu einer Teuerungswelle führen, zu reduzierten Gewinnchancen samt Insolvenzen und Bankenrettungen und damit Inflation, höherer Arbeitslosigkeit und verringerten Renten. Mit Häme und Golddigger-Mentalität wie in den vergangenen Jahren wird man die Bevölkerung kaum beruhigen können. 1500 Mrd für den Schneekönig und die Pensionisten essen kein Fleisch? 1200 EUR für eine 50qm Gemeindewohnung?

      Läuft der Krieg bis Sommer, kommen viele iranische Flüchtlinge noch dazu.

      Das erfordert eine Stimmung der Solidarität. Die völkische Klammer wird das herstellen. Etwas anderes ist nicht in Sicht.

      • 1150 16. März 2026 um 22:04 Uhr

        @,
        wieso iranische flüchtlinge?
        es werden wohl eher die angehörigen der auserwählten werden,
        für sie wird es bald wohl keinen platz mehr im gelobten land geben.

  4. Peter Ruzsicska 16. März 2026 um 13:31 Uhr - Antworten

    „Die Positionen von Carlson haben sich in den letzten Jahren verändert. War er bei FOX noch auf hartem anti-islamischem und zionistischem Kurs (wie sein Vater, ein glühender Anhänger Israels) führt er seit Beginn des Gaza-Krieges das anti-zionistische und anti-interventionistische Lager der MAGA-Bewegung an und überrascht auch nicht selten mit plötzlicher Islamophilie.“

    Als Grundproblem aller politischen Positionen in unüberschaubaren als auch in immer mehr ins Chaos abtriftenden Sozialstrukturen erweisen sich die immer offensichtlicher sich gezeitigenden Widersprüchlichkeiten aller Art, ja selbst die merkwürdigst anmutigen als auch verdrehtesten als auch die schlüssigen als auch die wahrhaftigsten Positionen aller Art.

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