Zehn weiße Bürgerlein oder “unsere” Demokratie

8. Februar 2025von 15,3 Minuten Lesezeit

Die Paderborner Universitätsfarce um einen Mathematik-Professor, der nur den allseits bekannten Negerlein-Abzählreim in einer Email benannte, entlarvt die verlogene politische Korrektheit. Da ist es höchste Zeit, ein neues Spottlied über “unsere” Demokratie in Deutschland wie Österreich zu singen.

Der Anlaß für diesen zweiten Beitrag ist derselbe wie für den ersten Teil “Zehn kleine Negerlein”, nämlich die Causa Krötz, über die schon Mitte Dezember auf achgut.com professionell berichtet wurde. Ich möchte hier diesen scheinbaren Einzelfall in einen breiteren Kontext stellen.

Der Hetzkolumne (“Mathematik-Professor, der immer wieder gegen Lehrkräfte und moderne Didaktik polemisiert, sorgt für Rassismus-Eklat”) des sogenannten “Bildungsmagazins” News4Teachers folgt auf der Webseite eine lange Liste von vielen ungaren als auch ein paar klugen Kommentaren. Die passendste Bemerkung kam von dem engagierten Buchautor (und ehemaligen Lehrer) Michael Felten, der da den Hetzern entgegnet:

“Wie kann man nur aus einer solchen Mücke einen solchen Elefanten machen? Prof. Krötz polemisiert keineswegs ‚gegen Lehrkräfte und moderne Didaktik‘ Er benennt nur offen den miserablen Leistungsstand dt. Schüler – und stellt Vermutungen über die Schattenseiten einiger Heiligen Kühe zeitgeistiger Didaktik an. Geht anscheinend gar nicht, dem werden wir’s zeigen – und schon ist ein Fehltritt entdeckt: ’spielt auf ein rassistisches Kinderlied an, nutzt das N-Wort‘ […].”

Es ist nicht einmal eine Mücke: Da ist nichts, was gesunder Menschenverstand beanstanden kann. Die Redakteure jenes Magazins, laut eigenem (!) Bericht vom 24. September 2024, folgten also nicht der Einschätzung der Staatsanwaltschaft Halle in dem Fall einer Lehrerin, wo im Zuge der Erörterung eines zeitgenössischen Werkes im Deutschunterricht das “N-Wort” verwendet wurde, wodurch sich ein Schüler angesprochen gefühlt haben soll. Der Staatsanwalt konnte nicht anklagen, weil das gültige Recht das nicht hergab. Ein Shitstorm jedoch findet bereits weit unterhalb einer Strafbarkeitsschwelle statt.

Daß eine akademische Glaubenssekte und die dienstbare Journaille mit ihren ausufernden Sprachgeboten so tun können, als ob sie die “moralische Weltformel gefunden” hätten und diese neuen Sprechweisen nun Standard wären, “ist nicht nur unfaßbar dogmatisch, sondern läßt auch einen akademischen Größenwahn erkennen”. Und das in Anbetracht, daß immer noch die Mehrheit der Bevölkerung in den deutschsprachigen Ländern diese lächerliche Verbotsunkultur ablehnt. Aber seit Merkels Zeiten konnte und sollte sich diese Sekte von den US-amerikanischen Universitäten und Colleges aus auch in den hiesigen Hochschulen einnisten und dann in die Gesellschaft mittels der gezielt von den Medien durchgereichten Propaganda ausbreiten.

Die Universität als Ideologieschleuder

Universitäten sind schon seit Jahrzehnten Institutionen, die abhängig von der herrschenden Politik sind – inzwischen allerdings nicht mehr an der langen Leine, sondern ganz strikt. Wer da nicht folgt, der fliegt (so immer es rechtlich gedreht werden kann). Politische Korrektheit ist ein wesentlicher Teil der Agenda dessen geworden, was sich seit 2021 explizit Wokismus (oder Wokeness) nennt, zu dem außerdem ‚Identitätspolitik‘, ‚kulturelle Aneignung‘, ‚Cancel Culture‘ ‚Gender‘, ‚Diversity‘, ‚LGBTQIA+‘ gehören. Identitätspolitik und politische Korrektheit waren schon schon früh in den 90er Jahren als Begriffe in ihrer Häufigkeit in Büchern jeweils hochgeschossen.

Vor rund 30 Jahren wurde angefangen, die Bildungspolitik umzukrempeln – ganz im Sinne der Bertelsmann Stiftung: “In den 1990er Jahren erfuhr die Hochschulpolitik der Bertelsmann Stiftung eine breite öffentliche Beachtung. Aufmerksamkeit erregte die Gründung des CHE (Centrum für Hochschulentwicklung) durch die Bertelsmann Stiftung und die Hochschulrektorenkonferenz im Jahr 1994. Die Einrichtung versteht sich als ‚Reformwerkstatt‘ für das deutsche Hochschulwesen” (laut Wikipedia). Das war der erste umfassende Anschlag auf Forschung und Lehre und letztlich Teil eines Kampfes gegen Wissenschaftsfreiheit, was gerade im letzten Jahrfünft zur Demontage “unserer” Demokratie eingesetzt wurde.

Hingegen kamen Gender & Diversity sowie LGBT als Kampfmittel in Deutschland erst ab 2000 so richtig in Fahrt – 10 Jahre nach Judith Butlers ‚Unbehagen der Geschlechter‘. Zu letztem Thema, schrieb Peter Hahne in seinem Buch ‚Ist das Euer Ernst ?!‘ (2024) gradheraus: “Das primitivste Produkt aus der Palette ‚Ideologie und Idiotie‘ ist und bleibt das ‚Gendern‘.” Weniger polternd, aber dennoch vernichtend gegen Gender & Vielfalt ist das Urteil des Philosophen Christoph Türcke in seinem Buch (S.92-98), denn das woke Glaubensgebäude ist mannigfach von Widersprüchen durchzogen.

Wer irgendetwas hiervon energisch ablehnt, wird jenseits der “Brandmauer gegen rechts” verortet. So kann es nicht verwundern, daß in Paderborn und Umgebung wie auf Knopfdruck sogleich Bündnisse wie die “Omas gegen rechts” und andere gegen den verfemten Mathematik-Professor protestierten. Wir müssen immer das gesamte ideologische Paket sehen und dagegen Widerstand leisten. Es handelt sich bei dem Paderborner “Eklat” um eine neue Hetzqualität des schon seit Jahren grassierenden und nunmehr immer aggressiveren Wokismus im akademischen Bereich, der faktisch ein Rassismus gegen Weiße (insbesondere alte weiße cis-Männer, die nicht schwerstbehindert sind) induziert.

Unileitungen agieren dabei an vorderster Front – und helfen so die Freiheit der Wissenschaft abzuschaffen. Allein der Hinweis auf den altbekannten Abzählreim (mit dem üblichen Namen) führte an der Uni Paderborn zur Schaffung einer Arbeitsgruppe (!) in den Kulturwissenschaften, die offenbar fortan die sprachlichen Äußerungen von Professoren und Mitarbeitern genau überwachen soll. Die hohle Sprache von Unileitung und Dekanat ist gespickt mit wo(l)k(ig)en Schlüsselworten. Wenn man das übersetzt in verständliches Deutsch, bedeutet es, man solle die vielen Opfer- und Geschlechtskategorien respektieren und wertschätzen und seine wissenschaftliche Arbeit dem gefälligst unterordnen. Was stattdessen eigentlich die Basis einer Universität darstellen sollte, zählt Bernhard Krötz auf seinem X-Kanal auf.

Jene geballte woke Begrifflichkeit ist das obligate Neusprech an den Hochschulen, das seit etwa 1990 dort prächtig wächst und gedeiht. Das Häufigkeitsmuster in Büchern kann man sich auf Google Books Ngram Viewer anzeigen lassen für die drei Eingaben (1) “Pluralität und Diversität, respektvoll und wertschätzend”, (2) “jegliche Art von Diskriminierung, jegliche Form von Diskriminierung, jede Form von Rassismus”, (3) “demokratische Werte”, wobei der Zeitraum 1945-2008 und das Smoothing 0 gesetzt wird. Am spezifischsten für Wokismus ist dabei überraschenderweise die Neukombi “respektvoll und wertschätzend” (seit 1999). Die anderen Nennungen in Büchern gehen bereits ab Mitte der 80er bzw. Anfang der 90er Jahre in ihrer Häufigkeit mehr oder weniger steil in die Höhe.

Demontage “unserer” Demokratie

Ist die Demokratie überhaupt noch die unsrige, also die des Staatsbürgers? Ist das Volk noch der Souverän? Zweimal nein, obwohl – contra Mitschka – kollektives Nichtwählen die Lage nur verschlimmern würde. Mit Peter Haisenko konstatieren und fragen wir weiter: “So, wie die ‚demokratischen Parteien‘ in ‚unserer Demokratie‘ mit der Demokratie umgehen, zerstören sie die Demokratie. Übrigens: Was unterscheidet eigentlich ‚unsere Demokratie‘ von einer ’normalen‘, einer ‚richtigen‘ Demokratie? Von Demokratie an sich? ‚Unsere Demokratie‘ ist keine Demokratie.” Wo eine sogenannte Brandmauer gegen den Hauptteil der Opposition steht, kann es keine demokratische Auseinandersetzung mehr geben. Und die EU ist bereit, notfalls mit Gewalt vorzugehen, wenn eine Wahl nicht das gewünschte Ergebnis liefert.

Das wäre bei uns in Deutschland der endgültige Einstieg in die Diktatur, ebenso wie ein Verbot der einzigen großen Oppositionspartei. “Daß eine Partei für verfassungswidrig erklärt und verboten wird, für die fast jeder fünfte Deutsche zu stimmen bereit ist, klingt in einer Demokratie und einem Rechtsstaat absurd. Aber hat sich Deutschland nicht inzwischen weit von Grundsätzen entfernt, die noch vor wenigen Jahren unverrückbar schienen?”, so fragte am 15. Nov. 2024 der (ehemals Leipziger) Rechtsanwalt Alexej Danckwardt, der seit 2023 ganz im Russischen Exil lebt.

Es gibt in Deutschland wieder eine kleinbürgerliche Denunziationsunkultur ( – oder war sie nie weg?), die von Intoleranz und Cancel Culture befeuert ist: Allenthalben gibt es anonymisierte Meldestellen für Diskriminierung und Alltagsrassimus, -antisemitismus und -antiziganismus sowie Queerfeindlichkeit. “Aus wenigen anderen Ländern hat man eine solche Denunziationskultur und Blockwartmentalität vernommen wie in Deutschland.” Die Informationen werden gerne vom Verfassungsschutz aufgegriffen, der dabei vorwiegend unterhalb der Strafbarkeitsgrenze ermittelt. “Der Verfassungsschutz verhindert zunehmend Kritik an der deutschen Regierung, statt die Verfassung zu schützen. Er beschädigt damit die Demokratie”, so titelte jüngst die Schweizer NZZ.

Die Gewaltenteilung ist faktisch aufgehoben zwischen Legislative und Exekutive, das StGB wird immer wieder neu “angepaßt”, um bloße Meinungsäußerungen zu kriminalisieren, die Rechtssprechung folgt dem Regierungswillen und die Massenmedien sind weitgehend sowieso gleichgeschaltet – wie in einer Diktatur. Die Meinungsfreiheit wird immer stärker eingeschränkt: 2024 war ein schwarzes Jahr (unter dem Regenbogen) für “unsere” Demokratie.

Auch Österreich folgt dieser Entwicklung: Bezüglich des Strafgesetzbuch § 247a (Staatsfeindliche Bewegung) kann es (seit 2017) im Anwendungsbereich dieses Paragraphen “zu einer Vorverlagerung der Strafbarkeit” kommen; “[… es] muß bedacht werden, dass § 247a StGB auf verschiedene Arten durch eine bloße Meinungsäußerung erfüllt werden kann. Die bloße Aussage, eine Entscheidung oder die Autorität einer Behörde werde in einem bestimmten Fall nicht akzeptiert, könnte als eindeutige Manifestation der eigenen Weltanschauung evaluiert werden.”

Es ist immer wieder daran zu erinnern, daß in Österreich an den Universitäten noch willkürlicher gestraft und entlassen werden kann, wenn es sich um Professoren handelt, die zwar getreu wissenschaftlichen Prinzipien ihren Dienst verrichten und einen exzellenten Job ausüben, aber als unbequem gelten angesichts der herrschenden Politik: Da ist zuvörderst die Entfernung des Professors Andreas Sönnichsen von der Medizinischen Universität Wien im Jahre 2022 zu nennen – ein Fanal für den Abgesang von Wissenschaft und Demokratie in Österreich. Er ist Autor des Buches “Die Angst- und Lügenpandemie” (2023) und resümiert, daß die Medizin sich in einer Krise befindet und die WHO eine Gefahr für Gesundheit und Demokratie ist.

Politisches Spottlied 2025

Spott und Aufklärung sind das, was uns noch bleibt in der derzeitigen fatalen Situation. Wir brauchen noch viele Gedichte und Lieder im Stile der ‚Zehn kleinen Negerlein‘. Dieses Lied hat das Potential, zu politischen Spottliedern umgedichtet zu werden, da das makabre Szenario ideal zu Kabarett und Satire einlädt. Es bietet sich insbesondere an, über die Machthaber zu spotten, die keine oder immer weniger Meinungsfreiheit zulassen. Zu den unmittelbaren Gefahren des Lebens gehört eben jetzt auch die freie Meinungsäußerung.

Der Autor des Spottlieds ‚Zehn kleine Meckerlein‘ soll Otto Opperheimer (unter einem Pseudonym) gewesen sein (1939 oder zuvor). “In den Strophen sind alle Meckereien verzeichnet, die im Dritten Reich bewirkten, daß man ‚abgeholt‘ wurde.” Die bekannteste Version beginnt mit der Strophe “Zehn kleine Meckerlein, die saßen einst beim Wein; der eine machte Goebbels nach, da waren es nur noch neun!” und endet schließlich mit “Ein kleines Meckerlein ließ dies Gedicht mal sehn; man brachte es nach Dachau hin, da waren es wieder – zehn.” Eine andere Version bringt das letzte Meckerlein nach Oranienburg hin. Jene beiden KZs waren die frühesten, die schon am 21./22. März 1933 nach der Machtergreifung errichtet wurden, um die politischen Gegner auszuschalten, vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten.

In der DDR fiel man später von den Meckerlein wieder auf die Negerlein zurück – eigentlich wäre da ‚Nörglerlein‘ viel passender gewesen. Man ersetzte damals Goebbels durch Ulbricht und Dachau durch Bautzen. In der BRD hatten wir in den 50er Jahren Adenauer – aber der hatte für ein solches Lied zwei Silben zu viel im Namen; jedenfalls sind keine entsprechenden Reime überliefert.

In ihrem Plädoyer für “Kabarett-Texte als alternative Textsorte für den DaF-Unterricht” aus dem Jahre 1997 bezieht die Autorin Sonja Schütz ihren “Didaktisierungsvorschlag” auf just jenes Meckerlein-Lied: “Der didaktische Wert dieses Textes liegt vor allem in der beschwingten Melodie, den gereimten Versen sowie in der Schlußpointe, die sich wiederum aufmerksamkeitsfördernd auf die Lerner auswirken kann.” Jetzt, 28 Jahre später, wäre die schulische Beschäftigung mit den Meckerlein-Liedern und ihren Vor- und Nachläufern von noch größerer Bedeutung. Aber engagierte Lehrer würden sich wohl kaum trauen wollen dürfen, denn der Shitstorm zur Verabschiedung aus ihrem Job käme gratis hinzu.

Eigentlich wäre ein zeitgemäßes Meckerleinlied schon lange überfällig. Tatsächlich gab es eins bereits zur Bundestagswahl 2013, wo zwei Strophen im Internet explizit gelistet sind, dabei wurden die alten Meckerlein nunmehr zu Regierungsmitgliedern und ihren Bütteln: Zehn kleine Merkelein, die wollten Bomben streun. Minister Jung verfehlt das Zeil, da waren’s nur noch neun. Neun kleine Merkelein, die wurden ausgelacht. Nach Brüssel muss der Oettinger, da waren’s nur noch acht.”

Die Meckerleinlieder aus der Nazizeit und der frühen DDR hatten die Gemeinsamkeit, daß Grenzen der Meinungsfreiheit im jeweiligen Staat zu eng gezogen waren, obgleich die Konsequenzen sich unterschieden. In den letzten Jahren ist Spott gegen die Regierung immer wichtiger geworden, denn durch satirische Erhöhung wird der Irrsinn der Politik in grelleres Licht getaucht.

Kehren wir zum Meckerleinlied (“M-Version”) in der historischen Form und Intention zurück und nehmen bei der Umdichtung (“B-Version”) bewußt Anleihen vom alten Text. Auf Deutschland bezogen mag man in Österreich gerne auch ‚Piefkelein‘ (als “P-Version”) singen. Eine S-Version (mit Schwyzerlein) für die Schweiz habe ich nicht anzubieten, aber für Österreich (“Z-Version”) schon.

Zehn weiße Bürgerlein – oder: “Unsere” Demokratie

Zehn weiße Bürgerlein, die grüßten freundlich: “Moin!”
Der eine machte Habeck nach, da waren’s nur noch neun.

Neun weiße Bürgerlein, die hatten was gedacht.
Dem einen hat man’s angemerkt, da waren’s nur noch acht.

Acht weiße Bürgerlein, die hatten was geschrieben.
Bei einem wurd‘ das Haus durchsucht, da waren’s nur noch sieben.

Sieben weiße Bürgerlein sah’n Polizeihund Rex.
Sie fragten “Lebt der auch vegan?”, da waren’s nur noch sechs.

Sechs weiße Bürgerlein, die schalten Grüne Schlümpfe.
Der eine sagte: “Grüne Pest!”, da waren’s nur noch fünfe.

Fünf weiße Bürgerlein, die saßen ums Klavier.
Der eine sang das Deutschlandlied, da waren’s nur noch vier.

Vier weiße Bürgerlein, die wußten mancherlei
von Scholzens “Cum cum ex”-Problem, da waren’s nur noch drei.

Drei weiße Bürgerlein, die nannten Ampel Dreck.
Am nächsten Tag um sechse früh war eins von ihnen weg.

Zwei weiße Bürgerlein verweigerten den Test.
Der eine wurde arbeitslos, den andern nahm man fest.

Ein weißes Bürgerlein ließ diese Verse seh’n,
und schwupp fuhr es in Stammheim ein, da waren’s wieder zehn.

Fünf dieser Strophen passen nicht so recht zu Österreich (und der Schweiz). Doch gibt es natürlich in Österreich etwas sehr Spezifisches, was immer wieder unter den Bann des (woken) Standards gerät. Es ist der beliebte Rotwein aus dem Burgenland, der – oh Graus – nach einem früheren Nazi benannt ist: ausgerechnet der Zweigelt. Jener Mann, Friedrich Zweigelt, hatte diese Rebsorte gezüchtet und wurde nach dem Anschluß Österreichs Direktor der Höheren Bundeslehr- und Bundesversuchsstation für Wein-, Obst- und Gartenbau; 1945 ward er gefeuert. Falls sich ein Piefke über den immer noch genutzten Weinnamen Zweigelt echauffierte, sollte er sich daran erinnern, daß in der Adenauer-BRD hingegen die alten Nazis beim Bundesnachrichtendienst (“Mörder bevorzugt) und im Justizwesen landeten und wie Hans Globke im höchsten Staatsdienst Karriere machen durften.

Wer partout nicht den Zweigelt aussprechen oder aufs Weinetikett setzen will, könnte ja in polititscher Hyperkorrektheit von ‚Z-Wort‘ sprechen (und dafür die Zigeuner wieder Zigeuner nennen oder – wo’s paßt – Lovara oder Kalderasch) und aufs Etikett ein dickes ‚Z‘ malen. Aber Wein mit Z etikettiert gibt es eh schon mannigfach: z.B. einmal die “Edition Z” als Bio-Weißwein von der Nahe, ein Schweizer Chasselas-Weißwein, ein Zinfandel-Rotwein aus Apulien und viele Weine, wo halt der Nachname des Weinguts mit Z beginnt.

Wenn dann eine solche Z-Weinflasche unübersehbar im Fond eines Autos bei der Fahrt in Deutschland liegt, kann’s eine Strafanzeige geben, als ob man mit einem Panzer führe, weil ja manche deutsche Politiker sich im Krieg mit Rußland wähnen und damit ‚Z‘ (за победу = für den Sieg) ein verbotenes Symbol geworden ist. Bei einer Umbenennung käme man so von einem vermeintlichen Unwort oder Unbuchstaben zum nächsten: Bei den Alternativen “Blauer Österreicher oder “Blauer Sylvaner freuten sich FPÖ und AfD – und mit “Rotburger wäre zur Enttäuschung der sich links wähnenden Parteien eher ein Weißwein gemeint.

A Glaserl Zweigelt, Jahrgang 2022, nun getrunken – ist hier ein Vorschlag für die “Z-Version” dieses politischen Spottlieds, der eine insbesondere im Frankfurter und rheinhessischen Raum geläufige Bezeichnung (die man in Österreich natürlich wieder durch ‚Bürgerlein‘ ersetzen mag) für unsere österreicherischen Nachbarn aufgreift:

Zehn weiße Zwockelein ‒ oder: “Unsere” Demokratie

Zehn weiße Zwockelein, die kehrten fröhlich oin.
Der eine rief: “Der Kickl bringt’s!”, da waren’s nur noch neun.

Neun weiße Zwockelein, die hatten was gedacht.
Dem einen hat man’s angemerkt, da waren’s nur noch acht.

Acht weiße Zwockelein, die hatten was geschrieben.
Bei einem wurd‘ das Haus durchsucht, da waren’s nur noch sieben.

Sieben weiße Zwockelein sah’n Polizeihund Rex.
Sie fragten “Lebt der auch vegan?”, da waren’s nur noch sechs.

Sechs weiße Zwockelein, die schalten Grüne Schlümpfe.
Der eine sagte: “Grüne Pest!”, da waren’s nur noch fünfe.

Fünf weiße Zwockelein, die saßen ums Klavier.
Der eine gab ’nen Zweigelt aus, da waren’s nur noch vier.

Vier weiße Zwockelein, die raunten mancherlei
von Van der Bellens Logenzeit, da waren’s nur noch drei.

Drei weiße Zwockelein, die nannten Schwarz-Rot Dreck.
Am nächsten Tag um sechse früh war eins von ihnen weg.

Zwei weiße Zwockelein verweigerten den Test.
Der eine wurde arbeitslos, den andern nahm man fest.

Ein weißes Zwockelein ließ diese Verse seh’n,
und schwupp ward es in Haft gebracht, da waren’s wieder zehn.

Prosit mit Gruß aus Niedersachsen nach Österreich!

Danksagung: Ich bin jemandem, der darauf verzichtet, namentlich genannt zu werden, zu großem Dank verpflichtet, daß die beiden Gedichtlein zu dem geworden sind, wie sie jetzt geschrieben stehen.

Jameson Fink, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wieder. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Prof.em. Dr. Hans-Jürgen Bandelt war Professor am Fachbereich Mathematik der Universität Hamburg, wo er sich neben der Behandlung kombinatorisch-geometrischer Probleme den Anwendungen der Genetik auf vorgeschichtliche Fragestellungen widmete, sowie Studien zur forensischen und medizinischen Genetik betrieb.


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9 Kommentare

  1. quappendorfer 9. Februar 2025 um 10:40 Uhr - Antworten

    „Meckerlein“ ist eine Erfindung. Neger oder Negerlein war in der DDR nicht verboten zu sagen. Im Gegenteil. In der Grundschule 1960er war ein Text mit dem Titel ‚“Neger Nobi“ von L. Renn Lektüre.
    Auch „Negerküsse“ aus Grabow existierten noch bis kurz nach Anschluss.
    Erst das Überstülpen der westlichen ‚Freiheit‘ bescherte dem Anschlussgebiet eine Sprachpolizei.

  2. cwsuisse 9. Februar 2025 um 8:23 Uhr - Antworten

    Es geht um mehr! Man kann heute das Studium an einer deutschen Hochschule getrost vergessen. Wer nicht indoktriniert werden, sondern etwas lernen will, muss heute zum Studium nach Russland oder China gehen.

  3. triple-delta 8. Februar 2025 um 20:28 Uhr - Antworten

    Die hier angeführte DDR-Version ist mir nie unter gekommen. Wohl aber die „10 bösen Autofahrer“ von MTS, die Kultstatus hatten.
    Ich schaue den Kanal von Prof. Krötz gern und regelmäßig und kann seine Kritik nur zu 100% unterstützen. Gerade wenn man schulpflichtige Kinder in NRW hat, ist der Leidensdruck groß.
    Habe mir die Disksussion auf news4teachers mal angeschaut und bin begeistert. Das intellektuelle und Diskussionsniveau ist die beste Bestätigung für den Erfolg der Bildungsreformen seit 1990. Man hat es geschafft, die Lehrer, man müsste besser Leerer schreiben, in einen Zustand zu versetzen, dass sie nicht merken, dass sie Teil des Problems sind. Man kann es nur immer wieder wiederholen: Das Kapital hat seine Hausaufgaben gemacht.

  4. Andreas I. 8. Februar 2025 um 16:14 Uhr - Antworten

    Zehn kleine Widerständler wolln sich nicht verstreun
    der eine kauft bei Amazon, da warens nur noch neun.

    Neun kleine Widerständler waren gegen Macht,
    der eine ist bei Fratzenbuch, da warens nur noch acht.

    Acht kleine Widerständler gingen demonstriern,
    der eine läuft mit Nikes rum, da warens nur noch siebn.

    Siebn kleine Widerständler tranken mal auf ex,
    beim einen wars Bacardi hicks, da warens nur noch sechs.

    Sechs kleine Widerständler kauften online Shrimps,
    der eine zahlt mit Pay und Pal, da warens nur noch fünf.

    Fünf kleine Widerständler zeigten ,,Hier sind wir!“,
    der eine tats mit Apple-Phon, da warens nur noch vier.

    Vier kleine Widerständler gegen allerlei,
    der eine trinkt die Coke so gern, da warens nur noch drei.

    Drei kleine Widerständler gegen Polizei,
    der eine geht zu Burger King, da warens nur noch zwei.

    Zwei kleine Widerständler spendeten an Rainer,
    das aber leider nützte nix, so wars nur noch einer.

    Ein kleiner Widerständler hatte nichts erreicht,
    Kapitalismus nicht kapiert und so blieb alles gleich.

  5. Jurgen 8. Februar 2025 um 15:52 Uhr - Antworten

    Ja, da muss man ihm wohl Recht geben, heutige Abiturienten wissen noch nicht einmal, dass nur das Handelsrecht grassiert, geschweige denn kennen sie das Völkerrecht oder wissen, dass nur Waffenstillstand herrscht seit 1945. Die Unbildung hierzulande ist immens!

  6. Sabine Schoenfelder 8. Februar 2025 um 12:37 Uhr - Antworten

    Ein Klassiker, Zensur aktiviert Phantasie ! Wer unter einem totalitären System aufwuchs, vermag sich auch ohne direkte Aussprache sehr deutlich auszudrücken. 👍🏼
    Schwarzköpfe kleben an ihrer Macht und die Wucht ihrer lächerlichen Propaganda, Frau Weidels Turnschuhmarke ist jetzt rechtsextrem „verdächtig“…😂🤣😂🥂, erreicht genau DAS GEGENTEIL….
    Trump hebt die ganze Diversitäts-Schei.se per Dekret auf. Der Neger, die Transe und der Klimaleugner können aufatmen……wir sind bald alle wieder gleich. Eine Menschheitsfamilie. ❤️🤝

  7. Pfeiffer C 8. Februar 2025 um 12:07 Uhr - Antworten

    …Da ist zuvörderst die Entfernung des Professors Andreas Sönnichsen von der Medizinischen Universität Wien im Jahre 2022 zu nennen – ein Fanal für den Abgesang von Wissenschaft und Demokratie in Österreich.

    Umberto Eco sagte schon seinerzeit zu sowas:

    „Der Faschismus heute hat rein äußerlich nichts mit dem aus der Vergangenheit zu tun. Keine Uniform, kein Stechschritt, kein erhobener Gruß – nichts. Er ist modern, raffiniert verpackt und wird mit PR verkauft.

    Aber der Geist, der dahintersteckt, diese absolute Kontrolle, diese Ausbeutung, diese Mediengleichschaltung, die Zensur und diese Lügen, die Resultate sind dieselben“.

    Zu dieser Diskussion möchte ich ferner ein Gedicht von Kurt Bartsch geb. 1937 in Berlin in Erinnerung rufen:

    Adolf Hitler, ganz allein baute er die Autobahn. Keiner trug ihm einen Stein, keiner rührte Mörtel an.
    Keiner half ihm, als den Krieg er vom Zaun gebrochen. Dennoch dauerte der Krieg fast dreihundert
    Wochen.

    Adolf Hitler ganz allein hackte Holz, trug Kohlen, heizte dann die Öfen ein in Auschwitz, fern in Polen.
    Keiner hat es kommen sehn, jeder hielt sich ferne. Alle ließen es geschehn, aber doch nicht gerne.

    Adolf Hitler ganz allein mußte sich erschießen. Außer ihm hatte kein Schwein einen Grund, zu büßen.
    Aus der Geschichte könnte man viel lernen, aber es gibt so wenig Schüler !!

    “Wir haben es nicht besser gewusst”
    sagt der Heizungsreparateur nachdem das Haus unter Wasser gesetzt hat. Daher gibt es keinen Schadenersatz.

    “Wir haben es nicht besser gewusst”
    sagt der Elektriker, nachdem die Hausfrau durch Stromschlag eines von ihm unfachmännisch reparierten Toasters umkam. Daher gibt es keinen Schadensersatz.

    Wie würde die Justiz reagieren, wenn Handwerker vor Gericht so argumentieren würden wie es sich die Politik erlaubt?

    Darf ich mich dann zukünftig, auch bei jedem Verstoß gegen irgendwelche Gesetze mit “Ich habe es nicht besser gewusst” herausreden?

    Bedenke: Die selbe personifizierte Intelligenzkernschmelze, die den oben zitierten Mathematikprofessor Bernhard Krötz – Kapitalverbrecher, nein, nicht Mord, Raub, Vergewaltigung oder Brandschatzung, sondern Zehn-kleine-Negerlein-Zitierer –

    Die selbe personifizierte Intelligenzkernschmelze also, die sich schon während der Corona-Kriminalepoche polit verhaltensauffällig – sprich pharmafaschistisch gebärdeten, sagen zu dieser demokratiedunklen Zeit:

    “Wir haben es nicht besser gewusst”

    Und kom·pro·mit·ti̱e̱·ren dessenungeachtet einen sachargumentierenden Systemkritiker mit der Faschismuskeule!

    Schande über sie!

  8. Jan 8. Februar 2025 um 10:28 Uhr - Antworten

    Das Problem bei der Identitätspolitik, wo der Mainstream entscheidet, wie der Schwarze, der Zigeuner und der Schwule zu sein haben, als quasi Neuformulierung von Rasse, bei Gays immer ein Wiglwagl von effeminiert und trans, wenn sich dann Schwarz und Weiß zusammentun, darf das Kindlein erklären, es fühle sich schwarz? Oder weiss? Brauchen wir da wieder Tafeln wie die spanische Mestizenhierarchie oder zur Bestimmung des jüdischen Grads?

    Und wenn der effeminierte Transboy mit ihrem motorradkettentragenden Rocker vorbeischaut, der zur Schwiegermutter „Mami“ sagt, was dann? Hat dafür irgendjemand einmal eine Regel aufgestellt? Ist es da nicht normal, wenn man eine Panikattacke bekommt?

    Daher geht nur, wir haben uns alle lieb und freuen uns, dass es so viele Individuen gibt! Und, ja klar gibt es Abstammung und persönliche Entwicklung und Geschichte.

    Und Mathematik!

  9. federkiel 8. Februar 2025 um 9:23 Uhr - Antworten

    Ja, mit Spott und Sarkasmus läßt sich alles leichter ertragen, bei diesem Satz
    „Nach Brüssel muss der Oettinger, da waren’s nur noch acht.” bin ich dann in Lachen ausgebrochen😁🙃😁 Da gibt es ja ein Video: Öttinger spricht Englisch.
    Klasser Artikel!

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