Vor Rückkehr von russischen Pipeline-Gas nach Europa und Inbetriebnahme von Nord Stream?

2. Februar 2025von 5,1 Minuten Lesezeit

Die EU verhandelt gerade das ungefähr 16. Sanktionspaket gegen Russland um den Ländern in der EU noch mehr zu schaden. Aber ohne US-Hilfe ist der Krieg bald zu Ende und die Energiewende ruiniert die Wirtschaft. Deshalb mehren sich die Stimmen für Wiederaufnahme von Erdgaslieferungen durch Nord Stream.

Das erste Anzeichen dafür war die überraschende Wende von Dänemark, einer der rabiatesten Russland-Hasser. Jedenfalls haben die Dänen plötzlich und völlig aus heiterem Himmel, verkündet, dass sie Lizenzen vergeben würden, um Maßnahmen zur Sicherung, Erhaltung und Gefahrenabwehr der Nord-Stream-Rohre zu ergreifen, der verschiedenen Pipelines, die weiterhin die Ostsee durchkreuzen, auch wenn sie nicht mehr in Betrieb sind. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass das Unternehmen, das die Lizenz dafür erhalten hat, niemand anderes als Gazprom ist, die über eine seiner europäischen Tochtergesellschaften arbeitet.

Es bedeutet, dass Gazprom zum ersten Mal seit 2022, seit dem Angriff auf Nord Stream, direkten Zugang zu seinen eigenen Rohren erhält. So wird Gazprom in der Lage sein, die notwendigen Reparaturmaßnahmen durchzuführen, um die Pipelines so weit zu bringen, dass sie gesichert und erhalten werden können, vielleicht für den Tag, an dem sie wieder in Betrieb gehen könnten. Und es wird Gazprom ermöglichen, eine ordnungsgemäße Untersuchung des Schadens durchzuführen. Wahrscheinlich kann man immer noch einiges darüber erfahren, wie der Schaden entstanden ist, welche Art von Sprengstoff verwendet wurde und wer daher als Täter in Frage kommt.

Nur wenige Tage nach all dem erschien in der Financial Times ein Artikel, der international für viel Aufsehen sorgte: EU-Debatten kehren im Rahmen des Friedensabkommens mit der Ukraine zu russischem Gas zurück

Befürworter sagen, dass die Wiedereröffnung der Pipelines zu einer Einigung mit Moskau beitragen und die Energiekosten senken könnte. Und dann lesen wir weiter, dass europäische Offizielle darüber diskutieren, ob der Verkauf von russischem Pipeline-Gas an die EU als Teil einer möglichen Einigung zur Beendigung des Krieges gegen die Ukraine wieder aufgenommen werden sollte, so Personen, die mit den Diskussionen vertraut sind.

Wer sind diese Leute?

Befürworter des Kaufs von russischem Gas argumentieren, dass dies die hohen Energiepreise in Europa senken, Moskau an den Verhandlungstisch bringen und beiden Seiten einen Grund geben würde, einen Waffenstillstand umzusetzen und aufrechtzuerhalten. Doch allein die Erwähnung der Idee, die russischen Gaslieferungen nach Europa wieder aufzunehmen, hat bereits bei den engsten Verbündeten der Ukraine in der EU heftige Reaktionen ausgelöst.

Drei der über die Gespräche informierten Offiziellen sagten, die Idee sei von einigen deutschen und ungarischen Vertretern befürwortet worden, mit Unterstützung aus anderen Hauptstädten, die darin eine Möglichkeit zur Senkung der europäischen Energiekosten sahen. Einige große Mitgliedstaaten üben Druck auf die Energiepreise aus, und dies ist natürlich eine Möglichkeit, diese zu senken, sagte einer.

Die Idee, die russischen Gaslieferungen wieder aufzunehmen, haben die Politiker in Brüssel und Diplomaten aus einigen osteuropäischen Ländern wütend gemacht, von denen viele in den letzten drei Jahren daran gearbeitet haben, die Menge der in die EU importierten russischen Energie zu reduzieren.

Dass Ungarn weiterhin russisches Gas braucht und haben möchte, wurde von der Regierung ein ums andere Mal wiederholt und betont. Aber wer könnte in Deutschland auf solche Ideen kommen? Scholz, Habeck und Baerbock kann man wohl ausschließen. Und wer sind die großen Mitgliedstaaten bei denen dies Anklang findet?

Dazu gehört mit einiger Sicherheit Italien. Premierministerin Giorgia Meloni war bei Trumps Inauguration zugegen und das Land bezog über die seit Ende 2024 stillgelegt Pipeline, die via Baumgarten in Österreich nach Italien führte, große Mengen Erdgas. Italien, das vor Beginn des Konflikts ein wichtiger Importeur von russischem Gas war und sehr stark von Energieimporten aus Russland abhängig ist, würde wohl eine Wiedereröffnung dieser Pipelines befürworten, wenn dies möglich wäre.

Und in Deutschland ist Olaf Scholz immer noch Kanzler. Er war derjenige, der die Entscheidung getroffen hat, Nord Stream 2 auszusetzen. Er war der gute Kanzler, dessen Regierung mit dem Wirtschaftsminister Robert Habeck und mit Annalena Baerbock an vorderster Front stand. Sie waren die Menschen, die sagten, dass wir jegliche Abhängigkeit von russischer Energie beenden müssen und dass wir das erreichen müssen.

Theoretisch haben die Rot-Grünen nominell immer noch das Sagen. Aber in Deutschland finden Wahlen statt. Ihr Einfluss auf die deutsche nationale Bürokratie hat offenbar nachgelassen, weil die ständigen Beamten, von denen viele der deutschen Industrie sehr nahe stehen, wissen, dass diese Leute bald weg sein werden.

Die Politik der neuen CDU/CSU-Regierung, die sich nach den deutschen Parlamentswahlen bilden wird, könnte Pipeline-freundlich werden. Friedrich Merz, der Vorsitzende der CDU, hatte eine sehr harte antirussische Linie eingeschlagen. In den letzten Monaten scheint er seine Position oder zumindest seine Wortwahl etwas gemildert zu haben, da er festgestellt hat, dass dies bei vielen Menschen in Deutschland sehr unpopulär ist. Sicherlich ist das auch bei vielen Menschen in der deutschen Geschäftswelt sehr unbeliebt, die in der CDU traditionell die Partei sehen, die ihre Interessen schützt.

Die USA haben ihre Haltung mit Trump deutlich geändert und der Außenminister Marco Rubio hat die geänderte Politik bezüglich Ukraine nochmal sehr deutlich gemacht. Merz kann es sich nicht leisten, sich weiterhin wie Don Quijote zu verhalten, der ganz allein gegen die Russen antritt, während die Amerikaner Verhandlungen aufnehmen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Sanktionskrieges auf Deutschland sind verheerend und nur eine Kehrtwende, diesmal nur um 180 Grad statt Baerbocksche 360 Grad, kann die deutsche Wirtschaft noch retten.

Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, was Deutschland macht und welche anderen großen Länder sich vom selbstmörderischen Leyen-Energiewende-Green-Deal noch verabschieden werden.


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7 Kommentare

  1. palman 2. Februar 2025 um 19:26 Uhr - Antworten

    . . . und „logisch“ muß das „ein-zu-kaufende“ GAS um etliches „billiger“ werden – damit die „nach-oben-offene“ ZEH-Oh-ZWEI-„Be-Preisung“ auch noch von den ÄRMSTEN überhaupt bezahlt werden kann !!??!! – denn das Geschlecht Derer Von und Zu „La Uma-Locher“ (frz.) * muß ja zukunfts-sicher „EIN-Nahmen aus dem NICHTS“ generieren – halt entsprechend seiner Leistung für’s GEMEIN-Wesen !?! ;-) ( * ) = zu deutsch auch „Lau-Malocher“

  2. Antermoya 2. Februar 2025 um 19:21 Uhr - Antworten

    Was interessiert Mette Frederiksen ihre Meinung und die Unterstützung der Ubaldkeinemehr von vorgestern, wenn ihr gestern Donald gesagt hat, sie soll ihm Grünland zurückgeben, das gehöre ihm?
    Wird auch langsam Zeit, dass sich die Politiker mal ans offene Fenster stellen und tief Luft holen, damit sie merken, daß es jetzt anders riecht.

  3. Jan 2. Februar 2025 um 17:59 Uhr - Antworten

    Es ist ganz sicher eine gute Idee, Energielieferanten zu diversifizieren – in Bezug auf Lieferstaaten aber auch in Bezug auf Energieressourcen. Deutschland sollte in der Lage sein, einen Lieferengpass mit Kohle auszugleichen oder mit Öl.

    Das dies nicht passiert, zeigt, dass der „freie Markt“ nicht mehr gut funktioniert. Es bedeutet, gute Beziehungen und Verflechtungen mit Lieferländern werden wichtiger. Mit feministischer Außenpolitik nicht zu vereinbaren.

    Gleichzeitig muss man sich überlegen, wie Produktivität geschaffen werden kann, ohne den Energieverbrauch zu erhöhen. Wir brauchen einfachere, länger haltbare, leicht zu reparierende Maschinen und Prozesse, die Energie einsparen. Eine CO2-Abgabe wird dafür nicht reichen.

    Für einen Landwirt lohnt es noch immer, Dünger aus Erdöl zu kaufen, anstelle Kompost zu produzieren. Wir brauchen ganz sicher Eingriffe in den Markt als Folge der Ressourenknappheit.

    Meine Eudora-Waschmaschine läuft seit 50 Jahren. Warum können wir sowas heute nicht mehr bauen?

    Dies bedarf einer wahrhaftigen Diskussion. Nur mit Propaganda der Kernkraft-PR, der Windkraft-PR oder der Fracking-Finanzierer wirds nichts werden!

  4. audiatur et altera pars 2. Februar 2025 um 13:22 Uhr - Antworten

    Was blubbert da so schön noch im Ostseeloch. Es sind die Bilder aus Bornholm. Und die blubbern noch.
    Whodunnit? „It was Papa Joe Biden“, said the Award winning journalist Sy Hersh.
    Hersh heißt man Vater, sagt dazu Felix Austria.
    Doch der Dirk: „Ich setz mein Herz bei Ebay rein! Schließlich handelt es sich um quasi urteutsche Infrastruktur.“
    Oder etwa nicht?
    Finde den Fehler.

  5. Glass Steagall Act 2. Februar 2025 um 13:09 Uhr - Antworten

    Die Landesvertreter, die ihrer Industrie, ihrem Land und den Bürgern schaden wollen, können gern weiter das amerikanische Gas kaufen! Allen anderen sollte es frei stehen, das russische Gas zu kaufen! Das nennt sich Demokratie!

  6. Daisy 2. Februar 2025 um 12:22 Uhr - Antworten

    Merz spielt falsch.
    https://reitschuster.de/post/ertappt-merz-und-gruene-vor-kampfabstimmung-in-privater-kuschelrunde/
    Wenn er kann, macht er Habeck wieder zum Wirtschaftsminister… und seine Saufkumpanin zur Außenministerin? Die CDU (wie auch die (V)P) betreibt jetzt massiv Wählertäuschung.

    Dass Meloni dabei wäre, ist glaubhaft.

    Es könnte sein, dass man ja gerne einem Biden-Woke-Amerika das teure Gas abkaufen wollte, um sich selbst (uns) zu schaden, aber eben den liberaleren Trump-USA nicht. Man will jetzt wohl Amerika schwächen (zumal Trump ebensohohe Zölle wie die EU eintreiben möchte und mit dem Standort USA wirbt), damit es nicht wieder „great again“ wird? Dass die so ticken, ist durchaus denkbar…immer am Sinnieren, was sie anderen zfleiß tun könnten.

    • Daisy 2. Februar 2025 um 12:34 Uhr - Antworten

      Für uns wäre es ein Glück. Trump/Musk wollen ja, dass Deutschland saniert wird, damit sie den EU-Kindergarten nicht länger betreuen müssen. Die Devise „Make America great again“ heißt auch für die anderen, auf sich selbst zu schauen. Die Bewegung Orbans, auch die europäischen Nationalstaaten wieder souveräner zu machen, wird von Trump unterstützt. Wenn jeder nur vor seiner eigenen Türe kehrte, hätten wir weitaus weniger Probleme auf der Welt.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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