Wo bleibt das digitale Zentralbankgeld?

8. Juni 2026von 3,2 Minuten Lesezeit

Anders als in früheren Jahren diskutiert der Mainstream in Jahr 2026 die umstrittenen CBDC (Central Bank Digital Currency) kaum. Das die Schlagzeilen verschwinden, ist auffällig. Viele Länder haben ihre Projekte gestoppt, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich meldet Skepsis an.

Keine Titelseiten über den kommen digitalen Euro, keine Essays über die große Notwendigkeit des digitalen Zentralbankgeldes. Was bis vor kurzem ein ziemlich übliches Thema gewesen ist, hat sich im Jahr 2026 auffällig verflüchtigt. Nicht nur das: die wenigen Berichte, schlagen auch einen neuen Ton an.

So schreibt die Bank Santander aktuell in einer Analyse:

„Ist ein digitaler Euro für die monetäre Souveränität notwendig? Eine Neubewertung der CBDC-Debatte“

In Artikel diskutiert man einen Bericht des Centre for Economic Policy Research (CEPR) mit dem Titel „Central bank digital currency and monetary sovereignty“ auf. Darin heißt es abschließend (Hervorhebung TKP):

„Das Argument, dass eine CBDC Voraussetzung für monetäre Souveränität sei, ist schwächer, als oft behauptet wird. Die Geschichte zeigt, dass Souveränität letztlich auf rechtlicher Autorität und öffentlichen Bilanzen beruht – nicht auf einem universellen Zugang zu öffentlichem Geld. Wer Geld mit Zahlungssystemen verwechselt, diagnostiziert das Problem falsch und verschwendet politische Energie. Für Europa könnte der digitale Euro eine nützliche symbolische Rolle spielen, doch die wirksame Verteidigung der monetären Souveränität wird weiterhin von Regulierung, fiskalischer Handlungsfähigkeit und der Bereitschaft der Zentralbank abhängen, im Ernstfall Risiken zu übernehmen.“

Forbes berichtete letzte Woche über die Digitalisierung der Phillippinen – „ohne Super-App und ohne CBDC“. Man lobt das ostasiatische Land, das zwar eine digitale Finanzinfrastruktur („Schiene“) aufbaut, aber private Anbieter von Digital-Wallets miteinander konkurrieren lässt, der Staat hält sich weitgehend raus.

Nur die EU hält offiziell weiter an CBDC strikt fest, jedoch stockt auch in Brüssel der Fahrplan. Staaten wie Japan, Australien, Kanada und die USA haben ihre diesbezüglichen Pläne gestoppt oder bereits ganz aufgegeben. Der Off-Guardian sieht aktuell eine „eindeutige Verschiebung in der Erzählung“.

Sollten Länder tatsächlich mit CBDCs weitermachen, könnte der Traum einer globalen Interoperabilität vorbei sein. Zumindest deutet ein weiterer Forbes-Artikel vom Mai darauf hin, dessen Überschrift lautet: „Nach mBridge und Agora: Die multilaterale Interoperabilität von CBDCs ist tot“. Die Unterüberschrift lautet: Die ursprüngliche BIZ-Vision eines global interoperablen CBDC-Imperiums ist passé – die Länder entwickeln sich nun blockweise. Das dürfte nicht gefallen.

Der technische Artikel hat einige interessante Stellen:

ASEAN verfolgt denselben blockbasierten Ansatz. Die „Leaders’ Declaration on Regional Payment Connectivity“ von 2023 hat Thailands PromptPay, Indonesiens QRIS, Singapurs PayNow und Malaysias DuitNow zu einem wachsenden Netzwerk verknüpft; eine vollständige ASEAN-Interoperabilität ist bis Ende 2025 geplant. Der Anteil der grenzüberschreitenden Zahlungen in lokalen Währungen innerhalb der Region hat sich mehr als verdoppelt – von etwa 7 Prozent vor fünf Jahren auf über 15 Prozent heute. Brasiliens Drex-CBDC-Pilot und die anhaltenden Exportambitionen von Pix folgen derselben Logik: bilateral aufbauen, keine Blockentscheidung erzwingen, mit bereits funktionierenden Nicht-CBDC-Schienen absichern.

Die Infrastruktur war nie neutral, und so zu tun, war die Grundillusion des ganzen Projekts. Was kommt, ist eine fragmentierte Landkarte aus bilateralen, block-spezifischen und von Konzernen gebauten Korridoren, die paarweise zwischen Ländern ausgehandelt werden. Eine einzige globale Schiene gibt es nicht.

Die ganze CBDC-Sache wird deutlich… komplizierter. Meint offenbar die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Die unterschiedlichen nationalen Projekte der CBDC machen die Pläne von UNO, BIZ und IWF offenbar nicht einfacher. Was aber jetzt? Ein Kurswechsel zu privaten Playern, eine Umbenennung, die letztlich aber dasselbe beinhaltet?

Man darf gespannt sein. Doch CBDC hatte schon bessere Zeiten.


Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇



EZB warnt: Ohne CBDC Kontrollverlust

Kinoabend: „CBDC: Das Ende des Geldes“

5 Kommentare

  1. VerarmterAdel 8. Juni 2026 um 14:29 Uhr - Antworten

    Zuerst hauen sie die Welt komplett in Stücke, und wenn dann alle kurz vor dem Verrecken sind, kommen sie mit einem Angebot, das dann niemand ablehnen wird.

  2. Varus 8. Juni 2026 um 12:27 Uhr - Antworten

    Viele Länder haben ihre Projekte gestoppt, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich meldet Skepsis an.

    Die rennen doch in den Weltkrieg – wenn im Krieg das Internet und das Stromnetz gekappt werden, dürfte das Digitalgeld nicht funktionieren.

  3. Patient Null 8. Juni 2026 um 12:23 Uhr - Antworten

    Es gibt Gegenwind von den Banken, weil das Geld dann von denen nach Brüssel wandert.

  4. audiatur et altera pars 8. Juni 2026 um 12:05 Uhr - Antworten

    Wer glaubt, im ritterlichen „Off-Guardian“ über Geld aufgeklärt zu werden, der kann auch gleich an den Weihnachtsmann glauben. Selbst jene Heuschrecken, die sich ihr Leben lang erfolgreich mit dem Geld beschäftigten, verzapfen öffentlich überwiegend Bullshit. Unser Geld ist übrigens längstens digital. Die Entscheidung darüber, wofür (und wogegen) es ins (und wieder aus dem) Leben gerufen wird, trifft – dem Konzept nach aus guten Gründen – idR die Bank und nicht der Staat. Entsprechende (und oft völlig falsche) „Sozialkreditsysteme“ der Banken gibt es auch schon längst. Die positiven Seiten bzw Möglichkeiten digitalen Zentralbankgeldes (etwa sog. Vollgeldsystem) werden von den „alternativen“ Medien durchwegs ausgeblendet. Ironischer Weise unterm Strich im Interesse des privaten Großgeldschöpfungsmonopols, das in den USA von den Maga-Trompeten zuletzt mal eben ausgeweitet und an die Oligo Bros Inc. übertragen wurde. Selbstverständlich inklusive Risiken der Marke 2008. Kriegen die wieder ein Schleiferl, diesmal mit „AI“ drauf? Sowas checken Eurolandesbanker eher spät bis gar nicht. Ich will hier dennoch keine Böswilligkeit unterstellen. Sondern schlicht das, was sonst auch im Journalismus und unter „Ökonomen“ eben so vorherrscht. Siehe aktuell Ernst Gelegs vs. Ferdinand Wegscheider und das „Pferdeentwurmungsmittel“ 2026. Und wer’s nicht glaubt, der frage sich, warum Medienmanager und Chefredakteure seinerzeit „Newsrooms“ wie Hühnerfarmen installierten. Damit man das Antibiotikum als „Hühnermastmittel“ durchgeht und sich keiner traut, gegen den Schwachsinn etwas einzuwenden? Gogogogockogockogock.

  5. Jan 8. Juni 2026 um 11:58 Uhr - Antworten

    Den Finanzleuten wird langsam klar, dass alles, was Cruella in Be berührt, zu Asche zerfällt. Da die EU kaum noch zu retten ist, möchte man nicht vorher noch wertvolle Assets an sie binden.

    Die Ratten verlassen das sinkende Schiff.

    Zwangskriegseinsatz bis 70 und die Rente an den Pipelinesprenger haben nur noch eine Zustimmungsrate von 11%. Auf Social Media geht ein Reel um, wonach die AfD nach 3,6% eine Neuauszählung beantragt habe und auf 70% gekommen sei, die FDP auf 14%.

    Big Money wird auch Deutschland verlassen! Wo Schildbürger Pinocchio wählen, mag man sein Geld nicht anlegen.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Aktuelle Beiträge