
Der „Rebell aus dem Waldviertel“ mal wieder „unter Beschuss“
Heini Staudinger aus dem Waldviertel „Scheisst si ned au“ – und sagte als Sprecher bei den „berüchtigten“ Steyrer Spaziergängen zu. Die Reaktionen fielen so heftig aus, dass es selbst ihn, der einiges erlebt hat, erst einmal fast sprachlos machte. Es hielt ihn aber nicht ab, beim 192. Steyrer Spaziergang aufzutreten und mitzugehen. Damit hat er erneut gezeigt: er hat Mut, sich dem Widerstand des Systems entgegenzusetzen.
Vielen Österreichern ist Heini Staudinger durch die Waldviertler Schuhe bekannt, die regional produziert und unter der Marke GEA vertrieben wurden und werden. Einige kennen ihn auch als Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl 2022 bei der sich sein Wahlkampf lt. Wikipedia „auf wenige Auftritte und Interviews beschränkte, bei welchen er mitunter durch eigenwillige Ansichten auffiel, aber auch als authentisch empfunden wurde.“
Er ist der „Rebell aus dem Waldviertel“, seine Erfolgsgeschichte ist legendär und wenn es sein muss, dann legt er sich auch furchtlos mit den „Großen“ an. Weil seine Hausbank seinen Kredit kündigte, lieh er sich Geld von Freunden und Kunden. Das war der Finanzmarktaufsichtsbehörde FMA ein Dorn im Auge – die Aufnahme von Krediten sei nur Banken gestattet – und sie gingen juristisch gegen ihn vor, da er illegale Bankgeschäfte betreiben würde.
Aber auch wenn das den Rebellen viel Energie gekostet hat, es brachte internationale Bekanntheit bis nach Brüssel. Selbst der neue Premierminister Michel Barnier kennt seinen Fall, weil es in dieser Zeit EU-weit eine Kreditklemme gab, die Heini mit seinem anarchistischen Zugang durchbrochen hat. „Durch den Konflikt mit der FMA werden wir über Nacht berühmt. Der Fall Staudinger versus FMA beschäftigte monatelang die Medien„, kann man auf seiner Homepage lesen.
Er war daher auch bereit als Redner beim berühmt-berüchtigten Steyr Sonntagsspaziergang aufzutreten, bei dem seit nunmehr 192 Wochen Menschen für Frieden, Freiheit und Grundrechte demonstrieren.
„Scheiss di ned au“ ist nicht umsonst einer seiner Firmengrundsätze, den er seit Jahrzehnten konsequent lebt.
Dass er das wagte, rief sogar die Redaktion der Kronenzeitung auf den Plan, die den Spaziergängern in der oberösterreichischen Ausgabe einen Artikel unter der Überschrift „Spaziergänger bleiben lästig“ widmete. Dieser zeichnete sich seitens der politischen Verantwortlichen der Stadt durch ziemliches Unverständnis darüber aus, warum man immer noch protestiere.
Offensichtlich waren die Ansprechpartner der Krone noch nie selbst vor Ort, um sich über die Inhalte zu informieren oder gar mit den Demonstranten zu sprechen. Dass auch den verantwortlichen Regionalpolitikern die Sorgen der Bürger bei Themen wie Arbeitsplatzverlust, Werksschließungen, Inflation, Energiekosten, Verlust der österreichischen Neutralität, Zentralisierung politischer Macht in Händen von WHO, EU oder UN, Globalisierung der Wirtschaft und die drohende Ausweitung des Krieges in der Ukraine bis dato entgangen sind, verwundert hingegen nicht. Warum soll das auf lokaler/regionaler Ebene anders sein als auf der Bundesebene?
Heini Staudinger war auf etwaige negative Reaktionen seitens der „öffentlichen Meinung“ durch die Veranstalter vorbereitet worden. In einem sehr klaren Schreiben, das mir vorliegt, wurde erläutert, wofür die Steyrer Demonstranten stehen und wofür nicht, welche mediale Rezeption der Spaziergang üblicherweise als Reaktion erhält und was auch ihm „blühen“ könnte, wenn er das Risiko einginge, dort zu sprechen.
Er hat sich „nicht au geschissen“ – er fuhr nach Steyr. Und das trotz Reaktionen, die noch heftiger ausfielen, als er sich das hatte vorstellen können. In einem kurzen Interview erzählt er, was für ein Shitstorm über ihn hereinbrach.
Das Interview
Wie hast Du den Shitstorm erlebt?
Es kamen unzählige Mails und auch auf Facebook wurde gehetzt. In den sogenannten sozialen Medien behaupten Menschen Dinge, die sie einfach erfinden. Der österreichische Journalist Hugo Portisch hat erzählt, dass er nach dem Krieg bei den US-Amerikanern als Journalist angefangen hat. Damals musste jede Aussage doppelt überprüft werden, bevor sie veröffentlicht wurde. Heute kann jeder einfach alles in den sozialen Medien behaupten. Ohne Konsequenzen. Es ist völlig wurscht, ob etwas wahr ist oder nicht: Hauptsache der Verhasste wird angepisst.
Eine der Lügen kam direkt vor dem Posting zu unserem nächsten Flohmarkt: „Leider ist die Qualität bei Flohmarktschuhen deutlich reduziert, wie mir auch ein Verkäufer erklärte. Wenn bei Waldviertlern aus dem Flohmarkt 2019 das Leder durch ist und das bei solchen aus 2014 gleichzeitig der Fall ist, ja dann ists bedenklich. Wenn dann Staudinger die mir wichtige Distanz zu Rechten nicht einhält, ja, dann werde ich mich nach eiuner anderen Firma für Schuhe umsehen. Bin seit mehr als 45 Jahre bei euch Kunde (gewesen).“ (dieses und die folgenden Zitate 1:1 kopiert)
Zum Saisonende wird der Rest der Saisonware immer günstiger verkauft. Es sind die gleichen Schuhe, die einfach billiger hergegeben werden. Das machen alle Anbieter. Diese geschäftsschädigende Aussage hat sicher keiner unserer Verkäufer getätigt. Aber es geht ja um nichts anderes als darum, uns mit Dreck zu bewerfen
Hast Du noch andere Beispiele?
Die meisten drohen damit, dass sie unsere Produkte nicht mehr kaufen wollen. Sowohl auf Facebook als auch per E-Mail kamen derartige Kommentare.
„Was führt Euer Chef denn auf? Ist er verrückt geworden, dass er in die rechtsextreme Szene abrutscht? Damit ist es mit Euren Schuhen für mich vorbei! “
„man läuft nicht mit den Rechten und ich wüsste nicht, was man mit denen noch reden soll. Dass Heini so ein Treffen „adelt“ und deren Ausrichtung somit akzeptiert ist erschreckend. Wir begleiten Euch seit vielen Jahren, tragen die Schuhe, verschenken die Schuhe und fahren dafür weite Wege. Die Haltung zu den Coronamaßnahmen war schon befremdlich, aber das hier ?! Puh Ich musste erst mal „Steyrer Spaziergang“ googeln und bin bestürzt.“
„Was diese „Spaziergänger“ vertreten ist keine Meinung und schon gar keine Ansicht, es ist eine intolerante, rassistische Ideologie. Was Toleranz solchen Strömungen gegenüber bringt konnte man vor 100 Jahren erleben und niemand kann wollen das sich die Geschichte wiederholt. Keine Toleranz gegenüber Rechtsradikalen! Wer mit ihnen marschiert ist keinen Deut besser. Wehret den Anfängen haben wir schon längst übersehen.“
„Heini Staudinger als Sonntagsspaziergänger in Steyr!? Bei allem Respekt vor ihm, bei aller Liebe für eure Produkte – ich war auch schon bei euch und habe mir selber Schuhe geschustert – bei aller Offenheit vor freien Meinungen und ohne blind Teil der sogenannten Cancel Culture sein zu wollen… aber das geht mir und meiner Familie jetzt zu weit! Die Sonntagsspaziergänge in Steyr sind demokratiefeindliche Veranstaltungen und eine Plage für die ganze Stadt. Lieber kaufe ich unsere Schuhe ab jetzt ein bisschen weniger regional, dafür weiter mit gutem Gewissen – von mir seht ihr erst wieder Geld, wenn Heini Staudinger nicht mehr zu GEA gehört oder ihr euch zumindest als Betrieb deutlich von seinem politischen Engagement distanziert.“
Und wie hast Du darauf reagiert?
Auf das obige Mail habe ich geantwortet: „Dann wirst Du zukünftig chinesische Schuhe wegen des sympathischen chinesischen Präsidenten kaufen.“ Man muss sich darüber im Klaren sein: es werden nur 1% der Schuhe, die in Österreich verkauft werden, auch in Österreich erzeugt.
Hattest Du mit so etwas gerechnet?
Der Organisator hatte mich vorgewarnt und vieles von dem prognostiziert, was dann gesagt wurde.
Und warum bist Du trotzdem gekommen?
Ich bin von der Aussage Rosa Luxemburgs überzeugt: „Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden„. Wenn wir das Recht auf Vielfalt aufgeben, werden die letzten zarten Pflänzchen von Demokratie auch noch zerstört. Meinungsvielfalt ist die tragende Säule der Demokratie. Außerdem habe ich das nicht zum ersten Mal erlebt.
Wie das?
Meine Eltern hatten eine Kreislerei. Als ich 1979 gegen meinen Onkel kandidiert habe, sind Leute zu meinen Eltern in den Laden gekommen und haben gesagt, sie kaufen dort nicht mehr ein, weil der Sohn den ÖVP-Wahlkampf so scharf kritisiert. Das ist also für mich nichts Fremdes. Das hat damals der Familie wehgetan, es war ja nur ein kleiner Laden. Jetzt arbeiten 250 Menschen bei uns – ich kann überhaupt nicht verstehen, dass diese Leute unserem Betrieb schaden wollen, weil ihnen mein Verhalten nicht gefällt.
Ich wollte die Veranstaltung auch in unserem Newsletter ankündigen, habe es aber dann nicht getan, da ich meiner Firma nicht schaden wollte. Ich habe Verantwortung meinen 250 Mitarbeitern gegenüber, muss deren Arbeitsplätze sichern ohne mich selbst dabei zu verbiegen.
Hast Du viele Rechtsextreme und Identitäre in Steyr getroffen, die den Spaziergang ja angeblich prägen?
Nein. Definitiv nicht. Aber selbst wenn sich zwei oder drei „Rechte“ dort befunden hätten, man kann doch nicht 100 Menschen über einen Kamm scheren.
Wie hast Du die Menschen auf dem Spaziergang erlebt?
Wir sind eine gute Stunde spazieren gegangen und ich bin mit so vielen verschiedenen Menschen in Kontakt gekommen wie das noch nie in einer fremden Stadt möglich war. Ich habe alles Mögliche von den Leuten erfahren, von ihren Familien, ihren Sorgen, von ihrer beruflichen Wirklichkeit und ihrer regionalen Verbundenheit. Ich fand das sehr positiv. Der Steyrer Spaziergang ist eine wunderbare Einrichtung. Ich finde es großartig, dass man sich da jeden Sonntag treffen und austauschen kann.
Die Rede – Stein des Anstoßes
Die Rede von Heini Staudinger führte beim Regionalmediums „Mein Bezirk“ zu folgender Schlagzeile: „Famoser Heini Staudinger in Steyr“.
Von den Inhalten seiner Rede können sich Interessierte und Kritiker gleichermaßen ein Bild machen.
Wer Heini Staudinger schon länger kennt, denkt sich nur: „Typisch Heini!“
Danke dafür!
Bildquelle: GEA-Homepage
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Danke für Heini Staudinger, der es wie kein anderer schafft meinen Zynismus zu besänftigen!
Nur nebenbei: Seine Eltern hatten eine Kreislerei? Mit Verlaub, das tut weh. Sind wir doch auf einer österreichischen Seite. Früher ging man zum Greißler, oder in die Greißlerei.
ähm … die schreibweise kommt wohl auf die region österreichs an.
„Dieses Wochenende eröffnete Gerhard Willim die neue Kreislerei: Ein Direktvermarkterladen direkt an der B1 beim Kreisverkehr „Sasendorf-Prinzersdorf“.“
https://www.noen.at/st-poelten/selbstbedienungsladen-hafnerbacher-kreislerei-ist-nun-offen-hafnerbach-selbstbedienungsladen-kreislerei-gerhard-willim-print-339385711
https://hafnerbach.gv.at/aktuelles/2022/10/kreislerei-eroeffnet/
https://www.kreislerin.at/
ähm … nein. (weiteres off topic) Die ersten beiden links betreffen einen Shop beim Kreisverkehr, dort steht das „Kreislerei“ auch unter Anführungszeichen. Beim 3. links handelt es sich um ein Kunstprojekt der Volkshilfe, die Leute in einem Kreis zusammenbringt. Als Lebensmittelhändler wurde, soviel ich weiß, immer der Greißler genannt.
Frau Drescher ehrt eine OÖ Gemeinde mit ihrer Anwesenheit und hat ihr Idiom irgendwo im großen Germanien gelernt und das speziell hiesige teils ausgestorbene, nicht immer finden können!
Interessant ist dazu auch ein Beispiel aus der Steiermark; Ein völlig neues Einkaufserlebnis an der südsteirischen „Sterzautobahn“ bietet der Kreisler in St. Veit in der Südsteiermark,—
E-Mail: office@kreisler-steiermark.at
Homepage: http://www.kreisler-steiermark.at
Es darf von talentierteren nachgeforscht und mir Bescheid gegeben werden!
Tensing Norbu
Das wird stimmen. Anführungszeichen finde ich allerdings keine. Den Kreisverkehr schon.
Ohne Erläuterung bei Wiktionary >> Ähnliche Wörter (Deutsch):
ähnlich geschrieben und/oder ausgesprochen: Kreisler, Geißler.
So ein notwendiges 400 000 Wörter Buch für die deutsche Sprache habe ich nicht!
Und was ein Kreisler noch sein kann, weiß ich nicht!
Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Mich wundern die Reaktionen (von Teilen) der Kundschaft überhaupt nicht. Weil ich einmal bei einer Präsentation eines Staudinger-Filmporträts in Anwesenheit des Hauptdarstellers war. Inmitten des frenetisch jubelnden Publikums kam ich mir vor wie beim Reichsparteitag. Eine jeden Schmarrn dumpf beklatschende Atmosphäre ist zwar in jenem Etablissement im Dunstkreis der „Brennan tuats guat“-Ideologie gar nicht so selten. Hier war’s aber so laut und eindeutig, dass ich es nicht gewagt hätte, meine Stimme zu erheben. Damals glaubte ich zu ahnen, was aus solch einer Bewegung noch werden sollte. Dafür kann „der Heini“ aber nichts. Der ist (wie so viele „Goiserer“) ein kluger, gewitzter und sympathischer Unternehmer, der sich wirklich wenig „scheißt“. Nur ist er damit meist das Gegenteil seines oft nach Konformität, Unterwürfigkeit und Masse schielenden Publikums. Man sagt auch „Mode“ dazu. Ohne Masse läuft selbst der handgefertigte Schuh nicht, wie der „Heini“ selbst am besten weiß. Frech formuliert erinnert er ein wenig an einen Lugner für Lehrer. Doch bevor die Kirche DIESEM Marketinggenie den Stephansdom posthum vor die Füße wirft, rinnt wohl noch sehr viel Wasser die braune Donau runter.
tja, es müßte halt mehr Staudinger geben und nicht mehr Jünger, auch nicht Staudinger- Jünger.
Allerdings muss man dann einiges intus haben um beim 65 536 sehen. aufs Reichsparteitag Niveau zu kommen!
Und die Hubert Achleitner Ideologie lehnt sich doch leider beim Mainstream an und wurde wohl bei den zahlreichen Interviews beim „zahlreichsten Publikums aller Zeiten“ übersehen?
Wenn wir dabei sind – das Böse Medium erwachte heute aus dem Sommerschlaf und brachte den Artikel „Auf dem Weg zur Weltregierung? – Ökonom Häring warnt vor Machtbefugnissen des UN-Generalsekretärs“ – gerade mal 1,5 Wochen, bevor die ganze Welt unterschreibt, dass der Herr mit der „kochenden Erde“ fortan eine Art Super-Duper-Mega-Weltbeherrscher sei (OK – eher eine derartige Marionette westlicher Oligarchie, ähnlich wie Biden). Bisher war es dort kein Thema – Ich glaube, TKP schrieb bereits mehrmals darüber?
Jetzt bin ich gespannt, was in den nächsten 1,5 Wochen passiert? Muss ich schon eine Zahnbürste dabei tragen, falls man mich plötzlich in ein UNO-Umerziehungslager verfrachtet, wo ich mit etwas Pech ein Etagenbett unter Putin bekomme? TKP wird am Thema dran bleiben?
Der Häring hat auch eine eigene Website, es lohnt sich, da ab und zu mal reinzuschauen.
Gruß von den X-Berger Spaziergängern, eine Bereicherung für unseren Liederschatz !
Habe mir erlaubt, meine Kollegen auf den GEA Laden in der Körtestr. in Berlin X-Berg hinzuweisen.