
Woke Sprachverbote, Teil III: Etymologie von ‚Cigan‘ und der Rat
Der Begriff ‚Zigeuner‘ wird heftig abgelehnt – seitens des Zentralrats und in woken akademischen Zirkeln. Der Begriff selber ist unschuldig, denn es gibt keine allgemein anerkannte etymologische Herleitung, die etwa dieses Wort negativ konnotierte und gar mit “unrein” in Verbindung brächte.
Es gibt einen kaum oder gar nicht beachteten Vorschlag aus Rumänien für zwei ergänzende Etyma für das Wort ‚Zigeuner/Cigan‘, die sich aus dem Sanskrit ableiten lassen und auf sehr frühe Eigenbezeichnungen hinweisen, die keinerlei negative Konnotation haben. Es ist also weder nötig noch sinnvoll, in ‚Zigeuner‘ bzw. ‚cigani‘ diskriminierende Fremdbezeichnungen zu sehen.
Bernhard Streck hatte in dem von ihm 2009 herausgegebenen Buch ‚Shutka Shukar‘ betont, daß die damalige Leipziger Tsiganologie an dem ehrwürdigen Ethnonym ‚Zigeuner‘ festhalte. Ein Plädoyer für diesen ehrenwerten Begriff hatte 2013 auch der (zu früh verstorbene) Rolf Bauerdick in seinem Buch über Zigeuner gehalten.
Wir wollen, mehr als ein Jahrzehnt später, ebenso eine Lanze brechen für den stolzen Gebrauch des Wortes ‚Zigeuner‘. Mit dieser Meinung sind wir weder die ersten noch die die letzten und dürfen uns zumindest mit einer Minderheit der deutschen Zigeuner im Einklang wähnen. [Der Musiker und Großneffe von Django Reichardt] “Markus Reinhardt verwendet bewußt den alten Kulturbegriff, zumal die Korrektheitsphrase ‚Sinti und Roma‘ Gruppen wie bspw. die Kalderasch, Kalé, Lovara oder Olah ausgrenze. Er ist stolz darauf, Zigeuner zu sein.”
Eine umfassende Analyse zum Zigeuner-Begriff hat der Ethnologe Rüdiger Benninghaus (der laut Bauerdick seinerzeit “zu den ersten Adressen zählte, wenn man in Deutschland irgendetwas über die europäischen Zigeuner wissen wollte”) auf seiner Webseite gegeben: 39 Kommentarpunkte sind dort gelistet. Der vorletzte davon lautet: “38. Es ist durchaus zu beobachten, daß Leute, die mittels moralischer Keule gezwungen werden sollen, eine jahrhundertealte Bezeichnung, mit der sie etwas anfangen können, gegen eine neue Bezeichnung einzutauschen, die sie nicht recht verstehen, daß solche Leute eine noch größere Abneigung gegenüber Zigeunern entwickeln, als sie ohnehin schon haben.” Viele Beispiele von Grabsteinen und Festivals werden von ihm präsentiert, die zeigen, daß ‚Zigeuner‘ immer noch von den Betroffenen mit Stolz verwendet wird.
Die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller schrieb: “Ich bin mit dem Wort Roma nach Rumänien gefahren, habe es in den Gesprächen anfangs genutzt und bin damit überall auf Unverständnis gestoßen. Das Wort ist scheinheilig, hat man mir gesagt, wir sind Zigeuner, und das Wort ist gut, wenn man uns gut behandelt.” [zit. nach Rolf Bauerdick, ‚Zigeuner – Begegnungen mit einem ungeliebten Volk‘, DVA, 2013; S.167]
In seinem Buch geht Bauerdick “den Ursachen einer dramatischen Verelendung und der Zunahme von Konflikten auf den Grund, frei von dem politisch korrekten Klischee, daß die einen immer Opfer, die anderen immer Täter sind.” Dieses Buch hat bei Amazon bis heute eine durchweg sehr positive Bewertung gefunden. Die damalige aggressive Verdammung des gelernten Lehrers und freien Journalisten Bauerdick auf der durch woke Aktivisten manipulierten Wikipedia unterstreicht nur die Richtigkeit seiner gesellschaftlichen und politischen Sicht. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hatte sich, ganz zeitgeistorientiert, damals in die Kakophonie eingeklinkt. Dem Anliegen der deutschen Zigeuner hat er jedenfalls einen Bärendienst erwiesen – und dieser Bär tanzt nicht. Immerhin werden vom Zentralrat die eigenen Leute, die sich traditionell als Zigeuner verstehen und so genannt werden wollen, nicht als Antiziganisten beschimpft.
Musik und Tanz
Gerade in Zusammensetzungen wie ‚Zigeunermusik‘ ist die anerkennende positive Bedeutung vorherrschend und nicht wegzudenken: Soll man letztendlich die rund 90 Jahre alten russischen Zigeunerromanzen von Pjotr Leschenko oder gar die berühmte Gedichtsammlung “Romances gitanos” (1928) von Federico García Lorca nun auf deutsch fälschlich zu “Sinti und Roma Romanzen” umquälen oder gleich ganz verbrennen, weil sie heutzutage Klischees bedienten? Niemals! Eine Lektion mit Musik und Gesang zum Umgang mit Klischees gibt uns Jürgen Plich in “Eine Stunde Klassik”.
Wir (HJB & HZ) – als Gadje – sind stolz darauf, Tänze vom Balkan zu tanzen, die einen direkten oder indirekten Zigeunerhintergrund haben und geben dieses Kulturgut gerne weiter. Schon vor über 40 Jahren hatten wir mal einen Kurs für Zigeunertänze erlebt von Guszti Balázs aus Ungarn (organisiert seinerzeit durch den inzwischen verstorbenen Gerd [Gomo] Steinbrinker, Hamburg), später mehrfach Kurse für solche Tänze aus Serbien (Dragan Paunović, auch inzwischen verstorben) und im letzten Jahrzehnt aus Rumänien durch einen ehemals professionellen Tänzer aus Rumänien (Daniel Sandu). Von Sani Refati haben wir authentische Tänze aus dem Kosovo kennengelernt, wie sie in seiner dortigen Nachbarschaft (Mahala) getanzt wurden.
Und noch Anfang dieses Jahres hat uns der frühere künstlerische Leiter des Internationaal Danstheater (Amsterdam), Maurits van Geel, auf die 2004 Produktion “Reizigers uit Rajasthan” (mit Liedertexten und Ausschnitten aus den Tänzen) aufmerksam gemacht: “In Reizigers uit Rajasthan maakt het publiek kennis met de kleurrijke, van dans, muziek en passie doordrenkte cultuur van de zigeuners uit de hele wereld.”

“The three main confederations of Romani people in Europe, Kalderash (yellow), Sinti/Manush (blue), Gitanos (red), as well as the Dom people of the Middle East (green)”; Quelle: Wikipedia.
Etymologie von ‚Cigan‘
‚Zigeuner‘ erscheint volkssprachlich im Slawischen und auf dem gesamten Balkan als ‚cigan(i)‘ (mit geringfügigen einzelsprachlichen Abwandlungen) bzw. τσιγγάνος/çingene. Wenn eine Bezeichnung so weit verbreitet (und jeweils phonetisch angepaßt) ist, dann ist sie gewiß alt, und so ist zu vermuten, daß sich dahinter eine frühe Eigenbezeichnung verbirgt.
Bisherige Ansätze führen fast immer den Begriff ‚cigan‘ auf das griechische Wort athingánōs (abgeleitet von thingánō = ‘berühren, bewegen’) zurück, was „unberührbar, heidnisch, unrein“ bedeutet. Dieses nicht allgemein akzeptierte Etymon wird immer wieder stumpf wiederholt. Der rumänische Historiker und Romanes-Experte Lucian Cherata hat in seinem Essay “The Etymology of the words țigan (gypsy) and (r)rom (romany)” [J. of Romanian Linguistics and Culture 2/2014] auf notorische Ungereimtheiten hingewiesen und die athingánōs Saga als byzanthische Volksetymologie eingestuft. Eine Kurzbiographie dieses wenig bekannten Autors ist hier zu finden.
Es tauchten nämlich im 10.-12. Jahrhundert in Dokumenten zeitgleich die Bezeichnungen tsiganos/atsiganos, çiganinu/açiganinu, tsigan/atsigan (oder cengari, secani, suyginer) auf. Wie kann es sein, daß die gegensätzlichen Bedeutungen atsiganos und tsiganos (denn ‚a-‚ ist der Negationspräfix in Griechischen) parallel auftreten? Das ergibt keinen Sinn.
Cherata postuliert stattdessen, daß die obigen Wortpaare ihren Ursprung im Sanskrit haben und eine andere ergänzende, jedoch nicht gegensätzliche Bedeutung tragen: “It should be noted that the words atiganin (‘(he) who passes, trespasses’) and tyāganin (‘(he) who abandons, forsakes, leaves’) have complementary meanings and can both be used without contradictions to define a wanderer, a nomad (someone who passes by, trespasses, abandons, forsakes, leaves).”
Nach Cherata würden alle Variationen von ‚cigan‘ auf die beiden Rekonstruktionen zurückgehen:
at(i)-ingā-nin = “eine Person, die unterwegs ist, d.h. ein Reisender, ein Nomade”,
tyā(j)-ga-nin = “eine Person, die etwas aufgegeben/verlassen hat.”
Das altindische Sanskrit hatte sich schon etwas weiterentwickelt, seit es vor rund zweieinhalb tausend Jahren in das Mittelindisch mit lokalen Sprachvarianten (subsumiert unter Prakrit/Apabhraṃśa) überging. Es müßte daher noch exemplarisch überprüft werden, ob sich im Mittelindischen obige Zusammensetzungen bewahrt haben können.
Auf jeden Fall sollten die wackeligen Begründungen vorgeschobener Rationalisierungen, warum das Wort Zigeuner und seine europäischen Äquivalente per se rassistisch seien, damit vom Tisch sein. Und es ist auch zu überdenken, ob nicht fast allen Zigeunerbezeichnungen letztendlich Eigenbezeichnungen zugrundeliegen, die man heute volksetymologisch nicht mehr ohne weiteres deuten kann. Andererseits sind Fremdbezeichnungen für ethnische Gruppen völlig normal und üblich. Cosi fan tutte. So ist das englische ‚Gypsy‘ und spanische ‚Gitano‘ für Zigeuner zwar geographisch mit dem Bezug auf Ägypten nicht ganz passend, aber erklärbar:

‚Gypsy‘ oder ‚Ägypter‘ als Name ist als geographisches Mißverständnis daher völlig harmlos und ‚Gitano‘ ist der Begriff, den die spanischen Zigeuner meist selber benutzen. Der Tanz Flamenco in Andalusien, besonders in der Region Jerez de la Frontera, hat einen Einfluß durch die dortigen Gitanos empfangen.
Offenbar ist Schwarz die vorherrschende Farbe der nordeuropäischen Zigeuner in ihrer Kleidung: “The dress features a heavy full-length black velvet skirt worn relatively high at the waist, supported by padding, and a puffed blouse …” Schwarz ist aber auch die Farbe ihrer Haare und der Männerbärte. Wie dem auch sei, die schwedischen (Kalé), finnischen (Kaale) Zigeuner, aber auch die Calé aus Spanien (wie auch jene in Wales und Schottland) haben ihren dortigen Namen aus dem Romanes bezogen, wo ‚kalo‘ die Farbe schwarz bezeichnet; vgl. ‚kaala‘ in Hindhi ’schwarz‘ und in Sanskrit ‚farbig‘. So wurde der Gruppenname auf finnisch übersetzt in ‚mustalainen‘ (wobei ‚musta‘ schwarz heißt), eine Bennenung, die ebenso von den Kaale angenommen wird. Hier ist ihre Geschichte in Finnland. Es gibt aber auch die Kalderasch dort seit rund hundert Jahren.
Antiziganismusbeauftragte
Antiziganismus soll angeblich eine spezielle Form des Rassismus beschreiben, nämlich “die von Stereotypen, Abneigung oder Feindschaft geprägten Einstellungskomplexe gegenüber Roma, Sinti, Fahrenden, Jenischen ...” ‚Jenische‘ ist sowohl eine Eigen- als auch eine Fremdbezeichnung für Angehörige eines nach landschaftlicher und sozialer Abkunft in sich heterogenen Teils der Bevölkerung in Mittel- und Westeuropa mit eigenem Sprachidiom.
Viele Menschen werden einen von Stereotypen geprägten Einstellungskomplex haben – aber damit sind sie noch längst keine Rassisten! Selbst Abneigung ist ein Gefühl, das noch nicht verdammenswert ist – dieser Gefühlszustand kann sich bei positiver Erfahrung schnell ändern. Wir sehen also an diesen sprachlichen Details, daß hierzulande der Rassismusbegriff fast unendlich ausgedehnt ist, so daß eigentlich fast alle Deutschen demnach Rassisten (und – im multiple pack – obendrein Antisemiten und Antiziganisten und Rechte) sein müßten. Irritierend ist auch, daß die Jenischen als Zigeuner gesehen werden – damit wiederholt sich die Sicht der Nazis. Wer eine Abneigung gegen Jenische hat, die ohnehin mehrheitlich keine Fahrenden mehr sind, soll demnach schon ein Antiziganist sein.
“Am 9. März 2022 ernannte die deutsche Bundesregierung Daimagüler zum ersten Beauftragten gegen Antiziganismus und für das Leben der Sinti und Sintize sowie Roma und Romnja in Deutschland.” Daß ein Türkischstämmiger und kein Sinto der erste Beauftragte geworden ist, hebt nur hervor, daß Antiziganismus letztlich von der Regierung bewirtschaftet und verwaltet wird. So gibt es bundesweit Beamte und Freiwillige, deren professioneller Ehrgeiz es ist, diesen Ismus immer größer und schlimmer erscheinen zu lassen. Das geschieht einerseits durch künstliche Aufblähung der Kriterien für solchen Status und andererseits durch böswillige Unterstellungen. Man kennt es zur Genüge beim leidigen Thema Antisemitismus, der vor allem den herrschenden Faschismus in Israel und den Völkermord an den Palästinensern unsichtbar machen und die Kritik daran kriminalisieren soll.
Bereits 2010 schrieb Benninghaus: “Antiziganismus wird überall ‚aufgespürt‘: ‚Antiziganismus in geschlechterspezifischer Sicht‘, Antiziganismus im Märchen, Antiziganismus in der Tagespresse, Antiziganismus und Sozialarbeit, Antiziganismus und Religion, Wissenschaft und Antiziganismus ohnehin, Aufklärung und Antiziganismus, Antiziganismus allerorten. […] Erwähnt werden sollte an dieser Stelle auch, daß der ‚Kampfbegriff‘ (‚gesellschaftspolitisches Anliegen‘) ‚Antiziganismus‘ eine Erfindung einiger Gadsche/Chale ist.”
Einer von uns (TIS) richtete am 4. Juni 2024 folgende Anfrage an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Glinkastraße 24, 10117 Berlin:
‚Sehr geehrte Damen und Herren, im Netz schreiben Sie zur Frage: Ist das Wort “Zigeuner” diskriminierend? ‚Ja. Hier handelt es sich nicht um eine Eigenbezeichnung der Roma und Sinti, sondern um eine abwertende Fremdbezeichnung, mit der Sinti und Roma ausgegrenzt werden.‘ In Hamburg wohnt in der Siedlung am Georgswerder Ring die Großfamilie Weiss. Ich habe dort neulich mit einem Familienmitglied gesprochen, das die Bezeichnung Sinti für sich und die Seinen abgelehnt hat: “Wir nennen uns selber Zigeuner.” Kein Wunder, zumal das Wort in der deutschen Literatur und Alltagskultur keinen abwertenden Klang hat, freilich wie jede Gruppenbezeichnung abwertend gebraucht werden kann von dem, der abwerten will.
Und wie kommen Sie darauf, eine Fremdbezeichnung mit Abwertung in Zusammenhang zu bringen? Ein Deutscher heißt in England German, in Frankreich allemand, in Finnland saksalainen und in Russland нeмец – nichts davon wertet uns ab oder grenzt uns aus. Und entwerten oder grenzen wir jemand aus, der sich selbst als Eλληνας bezeichnet, wenn wir ihn Grieche nennen? Was meinen Sie dazu?
Mit freundlichen Grüßen, Steinberg.‘
Die Antwort kam zwei Tage später:
“Guten Tag Thomas Immanuel Steinberg, vielen Dank für Ihre Mail. Auch wenn es einzelne Sinti & Roma gibt, die das Z-Wort mit Stolz verwenden, lehnt die breite Mehrheit der Betroffenen diese Fremdbezeichnung ab. Stattdessen wünschen sie sich die Verwendung der Selbstbezeichnung im Romanes Sinti & Roma. Dies wird auch durch fast alle Vereinigungen der Sinti und Roma in Deutschland und Europa, insbesondere dem Zentralrat der deutschen Sinti und Roma so gesehen. Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesen Auskünften helfen.
Mit freundlichen Grüßen, Karl Moehl (er), Leiter Referat Öffentlichkeitsarbeit und Information (ADS-1)”
Kaum zu glauben, da zitiert doch tatsächlich ein Referatsleiter eines öffentlichen Amts das Wort ‚Zigeuner‘ aus dem Text als ‚Z-Wort‘. Political Correctness und Gender-Neusprech ist die offizielle Ideologie von Regierung und ihrer Behörden – das wußten wir bereits. Offenbar wird obendrein ein Geschlechtshinweis mit “(er)” zum Namen des Referatsleiters hinzugesetzt. Ob es da mehr als zwei gibt? Und ist ‚Karl‘ nicht als Geschlechtshinweis völlig ausreichend? Oder geht es um Leichte Sprache, wo man paternalistisch einem großen Teil der Bevölkerung die deutsche Verkehrssprache und eine Grundkenntnis deutscher Vornamen nicht zumuten will?
Es ist keineswegs so, daß alle deutschen Zigeuner tatsächlich unter Sinti oder Roma geführt werden wollen. Selbst die in die deutsche Gesellschaft integrierten Sinti, mochten und möchten nicht alle mit den in den letzten Jahren aus dem Balkan (insbesondere Rumänien) zugewanderten Roma, von denen manche Clan-organisiert bettelnd in großen deutschen Innnenstädten anzutreffen sind, in einem Atemzug genannt werden.
Der Zentralrat
Der Hamburger Referatsleiter hatte ja kundgetan, daß auch in Europa sich fast alle Vereinigungen statt Zigeuner die Benennung ‚Sinti und Roma‘ wünschen. Wo denn, außer im deutschsprachigen Raum? Wünschen sich etwa die französischen Manouche die deutsche Fremdbezeichnung ‚Sinti‘? Der deutsche Zentralrat beharrt aber auf ‚Sinti und Roma‘. Im Jahre 2010 grenzte sich die damalige Vorsitzende, Natascha Winter, der Sinti Allianz Deutschland demonstrativ von dem Vertretungsanspruch und der Opferpolitik des Zentralrats der Sinti und Roma ab und warf den Vereinsfunktionären vor, über die Medien ein völlig falsches Bild zu verbreiten: “Jeder, der die Bezeichnung Zigeuner verwendet, werde als Rassist bezeichnet und in die rechte Ecke gestellt” [s. Bauerdick, S. 172].
Inzwischen kennt der Zentralrat der deutschen Zigeuner nur zwei Haupthemen: 1. Porajmos und 2. Antiziganismus & Diskriminierung. Dafür enthält der Zentralrat von der Bundesregierung jährlich rund eine halbe Million Euro aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Zum Vergleich: Der Zentralrat der Juden erhält vom Bund 22 Millionen Euro pro Jahr. Da zeigt man sich doch gerne erkenntlich und haut in die gleiche Kerbe wie die Regierung: Man gibt sich angesichts von Wahlergebnissen empört und dämonisiert die AfD, obgleich diese Partei weder etwas mit Antisemitimus noch Antiziganismus zu tun hat.
Demokraten können nur fassungslos sein über die Pressemitteilung des Rates vom 2. September 2024, wo es wörtlich heißt: “Für die meisten Wähler war die Wahl der AfD eine bewußte Entscheidung, die Renaissance von völkischem Denken wieder salonfähig zu machen. Funktionäre der Partei wie Björn Höcke stehen für eine menschenverachtende Ideologie und kokettieren immer wieder mit den Symbolen und Parolen des Nazi-Regimes. […] Das eigentliche Ziel der AfD ist die Beseitigung unserer Demokratie und des Rechtsstaats. So schürt die AfD Haß und Hetze gegen demokratische Politiker sowie engagierte Menschen aus der Zivilgesellschaft. Sie ist eine Gefahr für den inneren Frieden und isoliert unser Land wieder in Europa.”
Durch die gegebenen Schlüsselworte kann jeder ableiten, daß offenbar die AfD als Nazi-Partei gesehen wird, wobei Menschenverachtung, Hetze, Haß, völkisches Denken wieder zu einer Verfolgung der Zigeuner führen könnte – letzteres explizit auszusprechen, wäre jedoch justiziabel geworden. Nichts, absolut nichts davon wird belegt durch das AfD-Parteiprogramm oder diesjährige Reden von AfD Funktionären. Unabhängig davon, ob man diese Partei gut oder schlecht findet, sind das dreiste Lügen und übelste Unterstellungen, wie sie von der Ampel-Regierung und den Medien ständig ausgesendet werden. Es ist schlicht unaufrichtig, wenn der Rat vorgibt, gegen Diskriminierung zu kämpfen, und andererseits so z.B. etwa ein Drittel der Thüringer als Wähler der AfD heftig diskriminiert. Und das können wir gerade als Altlinke, die das Grundgesetz achten, ganz offen konstatieren: Man muß die Parteien, die im Bundestag vertreten sind, aushalten können – anders ist Demokratie nicht denkbar.
Überdies geht der Zentralrat mit seinen Meldestellen einen unheilvollen Weg zurück in eine dunkle Zeit der Denunziation: “Auf der Webseite von MIA können antiziganistische Vorfälle sicher und vertraulich gemeldet werden.” Dort heißt es: “Bitte melden Sie uns, wenn Sie einen antiziganistischen Vorfall erlebt oder beobachtet haben. Alle Meldungen werden anonymisiert und vertraulich behandelt.” Der angebliche “Rechtsruck” in Deutschland wird angeführt für die Zunahme antiziganistischer Vorfälle. Ein Verband mit Sitz in Hamburg, die Roma und Cinti Union e.V., der nicht dem Zentralrat untergeordnet ist, hat seine eigene Meldestelle und war am 18. Juni in Berlin zum 2. Jahreskongress der MIA Meldestelle Antiziganismus eingeladen. Kräfte werden gebündelt – im Sinne der Regierung.
Der Zentralrat und jene Union folgen damit einem bösen Trend zur Denunziation, der von der EU angestoßen und von der Bundesregierung eifrig und verschärft seit letztem Jahr gesetzlich (!) ausgebaut wurde: “Deutschland eifrig Spitzelland” oder “Die Rückkehr des Denunziantentums”: “Die Meldestellen müssen nicht nur Hinweise auf Straftaten aller Art, sondern auch auf eine Fülle anderer Delikte verfolgen. Sogar für Äußerungen von Beamten, ‚die einen Verstoß gegen die Pflicht zur Verfassungstreue darstellen‘, sind sie zuständig.”
Woke Sprachverbote, Teil I: Z und Schnitzel
Woke Sprachverbote, Teil II: Mohr und mehr
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Heidi Zieger war Sozialarbeiterin/Tanztherapeutin und leitet seit über 40 Jahren eine Balkantanzgruppe.
Der Wokismus meint man könnte Rassismus beseitigen wenn man die Worte verändert. Nur hat das eine mit dem anderen nichts zu tun. Schwarze untereinander bezeichnen sich ständig spaßig als Nigger, weil sie wissen es ist nicht rassistisch gemeint.
Wieder ein Punkt wo sich Wokismus als Ideologie entpuppt.
Kam vor kurzem ein gutes Interview auf Auf1 mit Nikolai Binner. Er sagte er wird in Berlin in allen Klubs gesperrt wegen zu rechts , rassistisch, … nur in Klubs von Ausländern ist er gern gesehen. Die können anscheinend unterscheiden zwischen Kritik an der Politik und echtem Rassismus. Halten sich nicht an Vorgaben der Woke „Kultur“.
Als Zigeuner werden Leute verschiendener Länder bezeichnet, deren Lebensstil und Kultur sich stark von Mitteleuropäern unterscheiden, auch in Bezug auf Sesshaftigkeit. Sie haben ihre eigenen Wertvorstellungen. In meiner Kindheit / Jugend lebten wir in Erfurt-Nord, wo es zwei Sippen von denen gab. Waren Kinder Abends unterwegs kam es schonmal vor, das wir überfallen und ausgeraubt worden (keine Übertreibung). Mit der Polizei mussten die an manchen Tagen zur Schule gebracht werden. Das Wort Zigeuner soll „ziehende Gauner“ bedeuten, sagte man mir. Passt!
Mit welcher Berechtigung zahlt der deutsche Staat einer religösen Vereinigung (Zentralrat der Juden) 22 Millionen Euro? Werden denn alle Religionen in Deutschland staatlich alimentiert oder nur die politisch verwertbaren?
Eventuell mit der, dass nicht annähernd die materiellen Werte – die menschlichen überlasse ich Ihnen – welche sich die Ariseure unter den Nagel gerissen haben – andere Raubzüge überlasse ich auch Ihnen – abgegolten wurden!
Dann kommen immer die Reparationszahlungen 1 WK und 2 WK!
Weil sich niemand der „sogenannten Verlierer“ damit beschäftigt, was als Reparationen im Falle des „Sieges“ geplant war. Die damit einhergehenden weiteren menschlichen Verluste überlasse ich auch Ihnen!
Man muss ja die Meinungen mit Besserwissern teilen, sonst ist man ja selber einer und das schon bei der zartesten aller Kritik!
Ich danke für die Klarstellung der Vielfalt, die sich mit dem Wort Zigeuner verbindet!
Auch Roma und Sinti sind offenbar einschränkende Begriffe! Und die erweiternde Aufklärung lesen hoffentlich viele!
Allerdings komme ich nicht umhin, die Meinung von Harri Stoijka dem Gitarristen, dem ich bei vielen Konzerten zu hören und mit dem ich auch sprechen durfte, hier auch kund zu tun! Ich halte das für fair!
„Der Wiener Harri Stojka (eigentlich Harald Wakar Stojka) entstammt der weit verzweigten Lovara-Rom-Dynastie vom Stamm der Bagareschtschi. Sein Vater Mongo, seine Tante Ceija und sein Onkel Karl gehörten zu den wenigen Familienmitgliedern, die den Terror der Nationalsozialisten überlebt hatten.
Stojka: Mein Vater (Musiker und Autor Mongo Stojka, Anm.) hat Auschwitz-Birkenau überlebt. Das Z in der Tätowierung auf seinem Arm steht für Zigeuner. Ich hasse das Wort. Es hat mir meine Jugend versaut.
„Ich bin gegen das Wort Zigeuner“. Es schleicht sich wieder ein – wie in Zigeunerschnitzel. Roma, die das okay finden, verstehe ich nicht.
Ich muss sagen: 99 Prozent sind für mich und gegen das Wort, weil es rassistisch ist und faschistoid.
Die Wörter Gitanes oder Gypsys sind okay?
Stojka: Mit diesen Worten bin ich nicht beschimpft worden. Mir geht es um meine Erfahrung mit dem Wort Zigeuner und um das Z in der Tätowierung von meinem Papa.“
Auch diese Meinung eines gestandenen Wieners muss man stehen lassen!
Ansonsten kann man nur zu den Worten des gestandenen Burgenländers Fred Sinowatz kommen: „Es ist alles sehr kompliziert“!
Da meine Stiefschwester/Cousine ( Ich unterschied als Kind hier nicht!) auch Roma war – Mein Vater nahm meinen Wahlonkel gleich nach dem Krieg ins Haus auf- spreche ich Ihnen für Ihre Beiträge zu diesem Thema, meinen vollen Respekt aus!
Zu Jan!!!
Komm Zigan, komm, Zigan, spiel mir was vor… (aus Gräfin Mariza) ..die berühmten ungarischen Zigeunerromanzen für Violine sind schon so schmalzig, dass es unerträglich schön ist. Man muss sich dem ganz öffnen und hingeben, dann hat man was davon….
Der Begriff wurde sehr oft bewundernd und romantisierend verwendet. Viele träumten vom „Fahrenden Volk“… ähnlich wie manche zum Zirkus wollten, um mal raus zu kommen. Das ist das Fernweh, die Sehnsucht nach der Freiheit. Und das muss auch so sein. So manches Alpendorf kränkelte schon durch Inzucht…manche gehen weg und lassen sich anderswo nieder. Und manche hören nicht auf zu wandern. Sie sind wie Nomaden, überall zu Hause und auch nirgends.
De Zentralrat ist reinstes Astroturfing. Es gibt keine Wahlen durch „die Volksgruppe“ und keine Legitimation.
Der Begriff Zigeuner wird politisch von vielen Gruppen als Überbegriff verwendet – aber nicht von allen. Es ist nicht notwendig, dass nach den massiven Tötungen in Nazi-Deutschland nun die Deutschen einen durchgehenden Verwaltungsbegriff erzwingen.
Zigeuner sind wie andere Volksgruppen auch, eine sehr divergente Gruppe. Wenn Zigeuner in der Vergangenheit schwarz getragen haben, so gibt es keine Verpflichtung des Einzelnen, es auch in der Zukunft zu tun. Zigeuner sind eine Abstammungsgemeinschaft, wie Hamburger und Salzburger, die aus Individuen besteht, die unterschiedliche Lebensentscheidungen treffen und Berufe ergreifen dürfen – ebenso wie die Angehörigen anderer Gruppen. Jeder Zigeuner hat die gleichen Freiheitsrechte, wie andere Menschen auch, und das wird in der Praxis reichlich genutzt. Es gibt Zigeuner in allen Berufen, Schichten und Regionen. Die Suche nach dem Originalzigeuner können wir einstellen.
Den Familien gemeinsam ist der unter extremen Widrigkeiten erfolgte Erhalt der Sprachen Romanes und Sintikes. Diese durch staatliche Hilfen zu fördern, beispielsweise durch Übernahme von Druckkosten, ist absolut geboten und ist auch Verpflichtung Österreichs im Staatsvertrag.
Das bedeutet nicht, dass an den Schulen für Angehörige der Volksgruppe verpflichtend ein genormtes Romanes unterrichtet werden muss. Die als Inklusion getarnte Exklusionspolitik sollte beendet werden. Beruflich ist ein vernünftiges Deutsch und Englisch notwendig. Romanes tradieren die Familien selber.
Noch ein Wort zum Anti-Ziganismus: Zigeunerhass ist in Schulen – auch in Wien – in Behörden, bei Jugendämtern und in Betrieben noch immer alltäglich. Er ist nicht durchgehend vorhanden, aber wenn er auftritt gibt es keine praktische Handhabe dagegen. Die Schlichtungsstellen sind für die Katz. Man versuche einen Lehrer mit Zigeunerhass einzubremsen, die Behörden mauern, die Schulbehörde sowieso und die Kinder dürfen sich täglich hasserfüllte Sprüche anhören. Die wenigsten Lehrer denken so, aber wer so denkt, dem kann man nicht entkommen.
Dabei spricht man dem Individuum die Eigenschaft als Individuum ab und unterstellt behauptete Gruppeneigenschaften. Die variieren durchaus ein wenig. Die Schwurbler und Rääächten kennen das Prinzip ja schon.