Konflikte der USA mit Russland, China und dem globalen Süden schwächen den Dollar

23. Januar 2023von 4,3 Minuten Lesezeit

Es sieht stark danach aus, dass wir in diesem Jahrzehnt das Ende des Dollars als dominierende Währung erleben. In der Geschichte konnten sich Währungen mit Weltgeltung jeweils nur einige Jahrzehnte halten. Der Fall des Dollars geht parallel zu dem Verlust der Hegemonie der USA, die seit 1991 mit der Auflösung der Sowjetunion bestand.

Diese Einschätzung wird mittlerweile auch in Medien wie der Financial Times verbreitet. Der Autor eines diesbezüglichen Artikels, Zoltan Pozsar, ist globaler Leiter der Strategie für kurzfristige Zinssätze bei der Credit Suisse. Unter dem Titel „Great power conflict puts the dollar’s exorbitant privilege under threat“ skizziert er die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen, die zu einer rasanten Schwächung der auf dem Dollar begründeten Vormachtstellung der USA führen. Die Weltordnung stehe vor gewaltigen Herausforderungen, die für den Banker offenbar in erster Linie bedeutet, „dass die Anleger neue Risiken einkalkulieren müssen“.

In zwei Absätzen fasst er die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen zusammen, die zu diesen Veränderungen führen:

China schreibt proaktiv ein neues Regelwerk, während es das Great Game wiederholt und eine neue Art der Globalisierung durch Institutionen wie die Belt and Road Initiative, die Brics+ Gruppe von Schwellenländern und die Shanghai Cooperation Organisation, ein kollektives Sicherheitsbündnis von acht Ländern, schafft.

Während der Abriegelung baute Peking eine besondere Beziehung zu Moskau und Teheran auf. Diese Beziehung zu Russland trägt – mit der ungewollten Unterstützung der globalen Erwärmung – dazu bei, Chinas BRI durch die arktischen Schifffahrtswege zu erweitern. Und Ende letzten Jahres fand das allererste Gipfeltreffen zwischen China und dem Golf-Kooperationsrat statt, was zu einer Vertiefung der Beziehungen Chinas zur Opec+ führte. All dies könnte letztendlich zu „einer Welt mit zwei Systemen“ führen.

Die Entstehung des „zweiten“ Systems, nämlich von BRICS+ und den „Blockfreien“, die es übrigens schon während des Kalten Krieges gegeben hatte, werden zwangsläufig Auswirkungen auf den Dollar haben. Wie TKP berichtet hat, bereiten die BRICS Länder eine neue internationale Handelswährung vor. Außerdem gehen immer mehr Länder dazu über in ihren eigenen Währungen zu bezahlen. Das passiert etwa zwischen China und den Golfstaaten, zwischen Russland, China, Indien und dem Iran sowie bei immer mehr asiatischen Staaten. In Lateinamerika ist eine gemeinsame Währung von Brasilien und Argentinien geplant zu der auch andere Länder des Kontinents eingeladen wurden.

Pozsar schreibt dazu:

Im vergangenen Jahr haben China und Indien russische Rohstoffe in Renminbi, Rupien und VAE-Dirhams bezahlt. Indien hat für seine internationalen Transaktionen einen Abrechnungsmechanismus in Rupien eingeführt, während China die GCC-Länder aufgefordert hat, in den nächsten drei bis fünf Jahren die Shanghai Petroleum and Natural Gas Exchange für die Abrechnung von Öl- und Gashandelsgeschäften in Renminbi voll zu nutzen. Mit der Ausdehnung der BRICS über Brasilien, Russland, Indien und China hinaus könnte die Entdollarisierung der Handelsströme weiter voranschreiten.

Die Entstehung digitaler Zentralbankwährungen sieht er als weiteren Faktor, der die Entdollarisierung beschleunigt. Dabei sollten Zentralbanken, die über CBDCs miteinander verbunden sind, im Wesentlichen das Netz von Korrespondenzbanken nachbilden, auf dem das US-Dollarsystem beruht. Das daraus entstehende, auf CBDCs basierende Netzwerk von Zentralbanken ermöglicht diesen, als Devisenhändler zu fungieren, um Währungsströme zwischen den lokalen Bankensystemen zu vermitteln. Der Dollar wäre damit ausgeschaltet.

Und das hat Folgen. Die Zahlungssystem SWIFT ist damit funktionslos und damit auch die Möglichkeit der USA und ihrer Klienten-Staaten Sanktionen gegenüber Gegnern durchzusetzen. Neben der politische Schwächung reduziert sich damit die Möglichkeit das ungeheure Militärbudget von 850 Milliarden Dollar, die weltweiten Stützpunkte und die weltweiten subversiven Aktivitäten der USA zu finanzieren.

Das alles passiert nicht in ferner Zukunft, denn wie Pozsar schreibt, ist der „Wandel ist bereits im Gange.Die Sanktionen wirken, denn die „Leistungsbilanzüberschüsse Chinas, Russlands und Saudi-Arabiens haben ein Rekordniveau erreicht“.

Die Beschlagnahme von international angelegten Währungsreserven von Staaten wie Russland, Venezuela, China etc führt dazu, dass diese „Überschüsse … jedoch größtenteils nicht in traditionelle Währungsreserven wie Staatsanleihen umgeschichtet [werden], … Stattdessen ist eine verstärkte Nachfrage nach Gold (siehe Chinas jüngste Käufe), Rohstoffen (siehe die geplanten Investitionen Saudi-Arabiens in Bergbauunternehmen) und geopolitischen Investitionen wie der Finanzierung der BRI und der Unterstützung von Verbündeten und Nachbarn in Not, wie der Türkei, Ägypten oder Pakistan, zu beobachten. Übrig gebliebene Überschüsse werden zunehmend in Bankeinlagen in liquider Form gehalten, um in einer sich verändernden Welt die dringend benötigten Optionen zu bewahren.

Und damit wird der USA und ihrem Gefolge zunehmend die Möglichkeit entzogen ihr Militär und Kriege zu finanzieren. Kriege werden durch Logistik entschieden und dafür braucht es Geld. Das ist lange bekannt und wurde vom ehemaligen Hofkriegsratspräsidenten Raimondo Montecuccoli so zusammengefasst: „Zum Kriegführen sind drei Dinge nötig: Geld, Geld und nochmals Geld. “


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10 Kommentare

  1. Fritz Madersbacher 23. Januar 2023 at 17:39Antworten

    „Und damit wird der USA und ihrem Gefolge zunehmend die Möglichkeit entzogen ihr Militär und Kriege zu finanzieren“
    Viele glauben ja immer noch, der Lauf der Welt folgt den Plänen einiger Milliardäre/Oligarchen etc., die ihn sich so ausgedacht haben. Sie erkennen nicht die dem Kapitalismus in seinem imperialistischen Stadium innewohnenden Gesetzmäßigkeiten, die alles, auch die in der Hierarchie zuoberst angesiedelten Leute in den Industrie- und Finanzmonopolen unter ihr Joch zwingen. Wachse oder weiche, schreib‘ schwarze Zahlen oder du gehst in der Konkurrenz unter! Aber diese unerbittliche, von persönlichen Vorlieben unbeeindruckbare Logik zwingt zu jeder Untat um des Profits willen, resultiert in imperialistischem Handeln mit militärischer Gewalt – durchführbar durch den Besitz der wahren politischen Macht im (imperialistischen) Staat und seiner Armee, sie erzeugt Kriege zur Wahrung der eigenen (ökonomischen) Interessen und zur Aufrechterhaltung der eigenen Herrschaft.
    Aber, und das übersieht vor allem die uns ins Hirn gebrannte West- und europazentrierte Sicht:
    noch jedes Imperium ist am Widerstand gescheitert, den es zwangsläufig erzeugt hat. Die Realität demaskiert tagtäglich den Niedergang des westlichen Imperialismus, den Verlust des Dollar-Primats und aller darauf aufbauenden, lange so übermächtig erscheinenden Finanz-Machenschaften. Sie entlarvt die hoffnungslose Schwäche der westlichen Gesellschaften, weiterhin die ganze Welt – weit reicher an Menschen – zu terrorisieren. Und all das – es ist nicht geplant von den „Reichen und Mächtigen“ (es wäre ein absurder, kannibalistischer Plan), sondern es ist erzwungen von der Notwendigkeit für die unterdrückten Menschen überall auf der Welt, ein halbwegs menschenwürdiges Leben führen zu können!

  2. Peter Pan 23. Januar 2023 at 16:09Antworten

    Auch wenn der US-Dollar in absehbarer Zukunft nicht mehr als grünes Klopapier eingesetzt wird, und die anderen Währungen wie der Euro ebenso wenig, dann wird er ersetzt durch ein digitales Zentralbankgeld, hinter dem weiterhin die selben Verbrecher stehen, die das bisherige Währungssystem ausnutzen. Ein ganz wichtiges Element davon sind die Zertifikate von US-amerikanischen geisteskranken Superkriminellen, die uns per Pandemien und „Impfpflicht“ aufgezwungen werden. Egal wo man auch nur hinschaut, die Zertifikate sind geblieben, auch wenn sie teilweise nicht aktiv genutzt werden. Die Zwang zur Nutzung kommt garantiert wieder. Und dann heißt es wieder Spritzmitteleinsatz oder „Quarantäne“, sprich Einsperren.

    Ein Ende des Klopapiers sehe ich als den Punkt, an dem das nächste Währungssystem eingeführt wird. Das ist geplant. Gleichzeitig werden viele Menschen ihr Erspartes verlieren und wir alle werden in einem totalitären Überwachungsregime aufwachen, mit denselben Verbrechern dahinter wie bisher.

  3. 1150 23. Januar 2023 at 14:26Antworten

    in afrika haben mali, nigeria und burkina faso das französische militär hinausgeworfen und haben russland um aktiven militärischen beistand und hilfe gebeten.
    ja, man macht sich eben durch geradlinigkeit beliebt und braucht keine teuren militärbasen, kriege,
    farbenrevolutionen und heloten finanzieren und investiert in infrastruktur.
    also gut kalkulierende geschäftsleute sind die us-gangster bestimmt nicht

  4. Mine 23. Januar 2023 at 12:26Antworten

    Haha…
    *https://derstatus.at/great-reset/nobel-escort-in-davos-packt-aus-polit-eliten-sind-schlecht-im-bett-128.html

  5. therMOnukular 23. Januar 2023 at 11:34Antworten

    Sie tun mir jetzt schon leid……;))

    Endlich kommt mein meistgeliebter Freund wieder in meine Nähe, nachdem er in London, NY, San Francisco, Zürich oder Frankfurt tätig war. Seine neue Aufgabe wird eine Bank für Infrastruktur & Energie sein – und ich kann es kaum erwarten seine neuen Kollegen auf einer Party „abzupassen“ und auszufragen…..;))

    Spannende Zeiten erleben wir hier. Wer hat schon das Glück in seinem Leben sowohl den Zerfall des Kommunismus mitzuerleben, als auch den des „Widerparts“?

    Blöd ist halt nur, dass der Westen die Angewohnheit zu haben scheint, sich ausschließlich in Kriegen aufzulösen, während der Zerfall des Kommunismus noch weitestgehend friedlich abgelaufen ist.

    So oder so. Ist der Petrodollar futsch, dann ist es auch die USA als imperiale Wirtschaftsmacht. Das kann der Welt nur gut tun, wenn sie es sich nicht mehr leisten können, „Demokratie“ über den Erdball zu verteilen, um die Ressourcen dieses Erdballs „demokratisch“ zu stehlen.

    Ich danke den Bidens für ihre offenherzige Zurschaustellung des „American way of geopolitics in behalf of the enrichment of the political class“ und all die anderen Offenbarungen über den deep state. Was hier vorexerziert wird hätte man niemandem erklären oder weismachen können.

    • Mine 23. Januar 2023 at 12:18Antworten

      Ich indes gedenke des Arabischen Frühlings und wie sie Gaddafi niedermetzelten. Ich glaub, das waren die „Rebellen“ – so hießen sie damals noch beim ORF… heute „Flüchtlinge“ oder neuerdings schlicht Migranten – Alqaida, ISIS.. „Fachkräfte“.
      CIA. Nicht, dass ich den G. mochte, aber er wollte auch schon raus aus dem Petrodollar…

      Es hat ihnen nichts genützt. Ob ein WK III was nützt, fragt sich wohl so mancher. Ich bin sicher, sicher nicht. Das Rohöl wird danach nicht mehr in Dollar verrechnet.

  6. Auerbach 23. Januar 2023 at 11:18Antworten

    Wenn den USA die Güter und Rohstoffe fehlen, (z.B. Öl) die es zum Ausüben der Weltmacht des auf nur Papier begründeten Dollars benötigen, dann klauen sie es halt die Rohstoffe mittels Krieg. So macht es ein „Imperium“ mit ca. 800 Militärbasen in der Welt. …Die letzte Möglichkeit sich als Weltmacht Nr. 1 zu halten. Daher braucht es große Friedensinitiativen der Menschen. So „einfach“ ist die Wahrheit.

  7. Michael R 23. Januar 2023 at 11:17Antworten

    Der Dollar hat seit Kriegsbeginn gegenüber dem Rubel um fast 14 % verloren, der EURO sogar 16 %. Hatte der EURO gegenüber dem Dollar zuerst verloren, gewinnt er jetzt wieder. Tatsächlich ist die Euro-Stärke nur die Dollar-Schwäche.

  8. Michael Klein 23. Januar 2023 at 9:58Antworten

    Kriege in der Vergangenheit wurden durch mit Rothschild und Rockefeller verbundenen Banken finanziert. Würde das neue Geldsystem der BRICS-Staaten die Spielräume der anglo-amerikanischen Finanzoligarchen wirklich einschränken? Oder beteiligen die sich auch daran?

    • Peter Ruzsicska 23. Januar 2023 at 10:42Antworten

      Das ist eine sehr gute wie naheliegenste Frage, welche sich sozusagen naturgemäß selbst längstens beantwortet hat – Chapeau!

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