Das erschöpfte Gehirn – warum die Quelle unserer mentalen Energie versiegt und wie wir sie reaktivieren können

15. November 2022von 16,2 Minuten Lesezeit

Wir leben in einer zunehmend dauererschöpften Gesellschaft, mit dramatischen Konsequenzen für individuell Betroffene sowie für die Zukunft der gesamten Menschheit. PD Dr. med. Michael Nehls geht den Ursachen dafür nach und entwickelt, was man dagegen tun kann.

Zusammenfassung

Das Frontalhirn beherbergt die Exekutivzentrale unseres Gehirns. Sie reagiert auf die Umwelt und verändert sie zugleich, indem sie Ideen generiert, Entscheidungen trifft und sie umsetzt. Hierfür nutzt sie – je nach Bedarf – zwei ganz unterschiedliche Denksysteme: System I und System II. System I, das schnelle Denken, umfasst das „Abspulen“ von erlernten Verhaltensweisen. Damit sind wir zwar reaktionsschnell, machen aber auch leicht Fehler, wenn wir vor völlig neuen Aufgaben stehen. Solche Fehler zu vermeiden, ist Aufgabe von System II, dem langsamen Denken, bei dem wir – im Gegensatz zu System I – tatsächlich nachdenken.

System-II-Denken erfordert jedoch viel mentale Energie. Da diese limitiert ist, schaltet unser Gehirn System II nur im Bedarfsfall ein. Für die Entdeckung dieser komplementären Denksysteme wurde im Jahr 2002 der Wirtschaftsnobelpreis verliehen. Doch bisher war nicht bekannt, woraus die mentale Energie besteht, die System II benötigt, was sie limitiert und wie sie sich, in der Regel über Nacht, regeneriert. Wie ich zeige, basiert das langsame System-II-Denken paradoxerweise auf schnell lernenden Synapsen, über die nur der Hippocampus, unser episodischer Gedächtnisspeicher, verfügt. Dieser ist auf eine „Tagesladung“ an Informationsspeicherung limitiert, weil er sich im nächtlichen Tiefschlaf regenerieren muss.

Diese und einige weitere Kriterien machen den Hippocampus zum derzeit besten Kandidaten für den „Frontalhirn-Akku“, wie man den Speicherort der System-II-Energie bezeichnen kann. Allerdings hemmt unsere zunehmend artfremde Lebensweise seine nächtliche Regeneration und insbesondere sein natürliches, lebenslanges Wachstum. Infolgedessen verringert sich die Kapazität unseres mentalen Akkus: Wir leben in einer zunehmend dauererschöpften Gesellschaft, mit dramatischen Konsequenzen für individuell Betroffene sowie für die Zukunft der gesamten Menschheit.

Ego Depletion und die beiden Systeme des Denkens und Handelns

In meinem Buch „Das erschöpfte Gehirn“ beschreibe ich den Versuch, eine grundlegende Antwort auf die Frage zu finden, weshalb immer mehr Menschen lebensnotwendige Veränderungen ihres Lebensstils schwerfallen, warum sie selten die richtigen Entscheidungen treffen oder, wenn doch, diese dann oft nicht umsetzen.

Nicht nur die Zerstörung unserer Umwelt und damit der Lebensgrundlage zukünftiger Generationen ist immer mehr Folge menschlichen (Fehl-)Verhaltens. Auch nahezu alle sogenannten Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Arteriosklerose mit Schlaganfall oder Herzinfarkt, Alzheimer und viele Arten von Krebs sind weitgehend eine Konsequenz individueller Lebensweisen. Trotz ebenso eindeutiger Erkenntnislage führen aber diese Krankheiten nur in seltenen Fällen zu adäquaten Verhaltensänderungen.

Offensichtlich sind also leider viel zu oft nicht einmal chronische Krankheiten mit der Aussicht auf einen viel zu frühen Tod Anreiz genug, liebgewonnene, doch auf Dauer leidbringende Gewohnheiten aufzugeben. Bei einer derart selbstzerstörerischen Grundhaltung ist es nicht überraschend, dass auch keine Änderung der Lebensweise zu erwarten ist, wenn es um so generelle und abstrakte Dinge geht wie ökologisches Gleichgewicht oder faire Zukunftschancen für alle Kinder dieser Erde. Warum ist das so? Haben die meisten Menschen ihre individuellen Gründe dafür, sodass es nur reiner Zufall ist, dass sich nahezu alle gleichförmig verhalten, oder findet sich eine eher grundlegende Erklärung dafür?

Bewusste Veränderung erfordert ein auf Wissen oder Erfahrung basierendes Überdenken verschiedener Optionen, um alternative Entscheidungen treffen zu können und entsprechend zu handeln, sprich etwas Neues zu wagen. Doch bei immer mehr Menschen herrscht geradezu eine Angst vor Neuem und damit auch vor abweichendem Verhalten vom Gewohnten, auch wenn dieses dringend erforderlich wäre.

Selbst wenn die Notwendigkeit zu einer Veränderung als unabdingbar erkannt wird, mangelt es häufig an Willensstärke bei der Umsetzung. Die Angst vor Veränderung zu überwinden, benötigt mentale Energie, die offensichtlich viel zu oft nicht aufgebracht werden kann. Doch um was für eine Energie handelt es sich, die die sogenannte Exekutivzentrale in unserem Frontalhirn benötigt, um neue Ideen zu generieren, Entscheidungen zu treffen und diese umzusetzen?

Bei der Beantwortung der Frage, welche Form von Energie unsere Exekutivzentrale benötigt, hilft uns die Erkenntnis, dass sie zwei unterschiedliche Denksysteme nutzt, System I und System II. System I entspricht dem „Abspulen“ von erlernten, repetitiven Verhaltensweisen, also der Dinge, die wir tagtäglich tun, ohne noch groß darüber nachzudenken. Es umfasst das gesamte Repertoire an stereotypen Denk- und Verhaltensmustern. Diese sind gewissermaßen reine kortikale Reflexe. Sie erfordern in der Regel wenig Konzentration und deshalb auch so gut wie keine mentale Energie. Deshalb kann System I als Default (Voreinstellung) unseres Denkapparats ständig aktiv sein.

System I ist schnell und effektiv und schützt uns, wenn wir beispielsweise schnell und ohne nachzudenken handeln müssen, um uns vor einer akuten Gefahr zu schützen. Denken wir mit System I, machen wir aber auch leicht Fehler, sobald wir vor neuen Aufgaben stehen, die tatsächliches Nachdenken erfordern. Um solche Herausforderungen adäquat zu meistern, nutzt unsere Exekutivzentrale deshalb das wesentlich langsamere, nachdenkende System II. Nur mit diesem ist es möglich, gewohntes System-I-Verhalten, das eventuell für einen selbst oder für andere schädlich sein könnte, zu ändern.

Für die Entdeckung dieser beiden komplementären Denksysteme wurde Daniel Kahnemann und Vernon L. Smith im Jahr 2002 der Wirtschaftsnobelpreis verliehen.1 Im Jahr darauf schrieben zwei führende Bewusstseinsforscher, der britische Physiker und Molekularbiologe Francis Crick, der 1962 den Nobelpreis für die Entdeckung der molekularen Natur des Erbguts erhalten hatte, und der US-amerikanische Neurowissenschaftler Christof Koch:

„Viele Handlungen als Reaktion auf Sinneseindrücke sind schnell, flüchtig, stereotyp und unbewusst. Man könnte sie als kortikale Reflexe bezeichnen. Das Bewusstsein [hingegen] befasst sich langsamer mit umfassenderen, weniger stereotypen Aspekten der Sinneseindrücke (oder deren Widerspiegelung in Bildern) und braucht Zeit, um über angemessene Gedanken und Reaktionen zu entscheiden. […] Es scheint ein großer evolutionärer Vorteil zu sein, Zombie-Modi zu haben, die schnell und stereotyp reagieren [sprich System I], und ein etwas langsameres System, das Zeit zum Denken und zur Planung komplexerer Verhaltensweisen lässt [sprich System II].“2

System-II-Denken (also das Vergleichen von Verhaltensoptionen im Hinblick auf ihre möglichen Auswirkungen und die Entscheidung für eine neue Verhaltensweise sowie deren Umsetzung) ist anstrengend und benötigt viel mentale Energie. Diese ist jedoch limitiert, weshalb unser Gehirn System II nur im Bedarfsfall, also im Zweifel bzw. bei Unsicherheit einschaltet.

Doch bis zur Veröffentlichung meines Buches „Das erschöpfte Gehirn“ im Jahr 2022 gab es keine plausible Erklärung dafür, welche Form von mentaler Energie System II benötigt. Völlig unklar war auch, wo diese gespeichert wird, weshalb sie limitiert ist und wie sie regeneriert wird.

Da diese Limitierung unser Denken, Entscheiden und Handeln beeinflusst, mit oft lebenswichtigen Konsequenzen, ist es jedoch von großer Bedeutung, die Natur dieser Energie zu kennen. Schließlich hat es nicht nur einen quantitativen Effekt, wenn unser mentaler Energiespeicher leer ist, wie etwa bei einem Muskel, der, wenn er ermüdet, einfach weniger Last bewegen kann.

Ein Mangel an mentaler Energie hat auch qualitative Auswirkungen: Man ist in System I, im oben genannten Zombie-Modus, gefangen. Man reagiert anstatt zu agieren, ist weniger bereit, über den Tellerrand zu schauen und alternative Betrachtungen anzustellen, selbst wenn es dringend nötig wäre. Letztendlich verliert man eine grundlegende Fähigkeit, die uns Menschen eigentlich auszeichnet: im Bedarfsfall System II einschalten und sich sinnvoll an sich verändernde Situationen anpassen zu können. Stattdessen verharrt man in stereotypem Denken und neigt zu Vorurteilen.3 Natürliche Neugier, Kreativität, Vorstellungskraft und Willensstärke sind mit schwindender mentaler Energie vermindert, und das Selbstwertgefühl leidet. Wissenschaftlich wird dieser Zustand als „Ego-Depletion“ bezeichnet, was nichts anderes bedeutet als „mentale Erschöpfung“.4

Die Suche nach der Quelle der mentalen Energie

Auf der Suche nach der Quelle unserer mentalen Energie, die ich als „Frontalhirn-Akku“ bezeichnet habe, nutzte ich als „Kompass“ sechs seiner bisher bekannten und wichtigsten Eigenschaften:

  1. Er wird zur mentalen Arbeit mittels System II benötigt.
  2. Seine Speicherkapazität ist begrenzt, was die Depletion des Egos durch dessen Nutzung erklärt.
  3. Bei stereotypen Aktivitäten mittels System I wird er nicht genutzt.
  4. Falls der Frontalhirn-Akku sich nicht im Frontalhirn selbst befindet, sondern in einem anderen Bereich des Gehirns, muss für den Energietransfer eine schnelle und direkte Verbindung bestehen.
  5. Er wird im Schlaf wieder „aufgeladen“.
  6. Eine mangelhafte Aufladung oder eine neurologische Schädigung des Frontalhirn-Akkus verursachen dieselben Symptome wie die Schädigung des Frontalhirns selbst: Man ist in stereotypen Verhaltensmustern gefangen.
  7. Tatsächlich gibt es (nur) einen Ort in unserem Gehirn, der alle (!) diese funktionellen Kriterien erfüllt: Es handelt sich hierbei um den Hippocampus bzw. unser episodisches Gedächtnis.

Die Nutzung von System II erfordert ein schnelles und effizientes Abspeichern unserer Gedanken (Eigenschaft 1). Dafür ist der Hippocampus zuständig. Es ist zu vermuten, dass eine intensive Nutzung von System II den Speicherplatz des Hippocampus an seine Grenzen bringt, schließlich ist seine Aufnahmekapazität limitiert (Eigenschaft 2).

Je größer sein Volumen, desto mehr Kapazität besitzt sein Speicher.5 Ist der hippocampale Gedankenspeicher voll, ist System II nur noch nutzbar, wenn vorherige Erinnerungen überschrieben werden, was natürlich nicht sinnvoll ist, weshalb dies molekulare Mechanismen weitgehend verhindern. Die zunehmende Schwierigkeit, trotz Bedarf (bei Unsicherheit) System II einzuschalten, entspricht der Depletion des Egos. Dazu passt auch die Erkenntnis, dass bei Ego-Depletion die Fähigkeit, über das episodisch-emotionale Gedächtnis, also mithilfe des Hippocampus, spezifische Erinnerungen abzurufen, deutlich reduziert ist.6 System-I-Verhalten ist durch Ego-Depletion infolge einer hippocampalen Speicherlimitierung jedoch nicht beeinträchtigt (Eigenschaft 3). Dass dieses „Zombie-System“ weitgehend unbewusst abläuft, ist der Grund dafür, dass wir uns an Routinehandlungen kaum detailliert erinnern, wenn überhaupt.

Wenn es sich beim Hippocampus tatsächlich um den gesuchten Frontalhirn-Akku handelt, wie ich postuliere, dann besteht seine Energie aus den zur Speicherung unserer System-II-Gedanken noch freien hippocampalen Synapsen. Diese sind direkt über einen „Informations-Highway“, die superschnellen, sogenannten Von-Economo-Neurone (VENs), mit dem Frontalhirn verbunden (Eigenschaft 4).7 VENs besitzen übrigens alle sozial höher entwickelten Säugetiere (Wale, höhere Primaten und Elefanten), die vermutlich System-II-fähig sind.8

Aufgrund dieser Theorie können wir nun erklären, was passiert, wenn sich der Frontalhirn-Akku durch Denken „entlädt“: Die freien hippocampalen Synapsen werden durch die gespeicherten Gedanken besetzt. Es ist nun aber auch verständlich, wie er sich im Tiefschlaf wieder „auflädt“ bzw. sich regeneriert, nämlich indem die hippocampal zwischengespeicherten Gedanken auf die neocortikale „Festplatte“ übertragen werden, wodurch die hippocampalen Synapsen wieder frei sind für neue System-II-Gedanken (Eigenschaft 5). Damit ist nun auch klar, was seine Speicherkapazität limitiert, also weshalb unser Ego im Tagesverlauf depletiert.

Ist die Speicherkapazität jedoch chronisch reduziert, bleibt das menschliche Denken auf System I beschränkt (Eigenschaft 6), man ist dann nur noch in der Lage, im „Zombie-Modus“ zu denken bzw. zu handeln.

Was nicht wächst, das schrumpft

Unzählige Studien zeigen, dass wir das genetische Potential besitzen, die Speicherkapazität des Hippocampus lebenslang zu steigern. Tatsächlich verfügt er als einzige Hirnregion über die Fähigkeit, bis ins hohe Alter täglich Tausende neuer Hirnzellen zu produzieren.9 Dieser als adulte hippocampale Neurogenese bezeichnete Vorgang ist von weitreichender Bedeutung, sowohl für uns als Individuen als auch für die Menschheit als Ganzes. Mit lebenslang wachsendem Frontalhirn-Akku verfügt der Mensch stets über ausreichend mentale Energie. Diese hält uns geistig flexibel und hilft, in Zeiten der Unsicherheit gute Lebensentscheidungen zu treffen und diese dann auch mit Willensstärke selbstbewusst umzusetzen.

Die Aktivierung des hippocampalen „Kapazitätssteigerungsprogramms“ beruht auf evolutionsgeschichtlicher Logik. Unter den Lebensbedingungen in der sehr langen altsteinzeitlichen Phase als Fischer und Sammler (siehe Nehls M.: „Die Algenöl-Revolution“) entwickelte das Gehirn des Homo sapiens, also des weisen Menschen, seine vermutlich höchste Leistungsfähigkeit. Zumindest hatte sein Gehirn ein über 10 Prozent größeres Volumen als der heutige Durchschnitt.10

Hoher sozialer Selektionsdruck, kombiniert mit einer für das Hirnwachstum optimalen Ernährung, erwirkte letztendlich eine genetische Anpassung an diese geistfördernden Lebensumstände: Über Jahrzehntausende wurden pescetarische Ernährung (Pescetarier verzichten auf Fleisch, essen jedoch Fisch und Meeresfrüchte), körperliche Aktivität, soziales Miteinander und einige andere Bedingungen letztendlich zu Notwendigkeiten, die auch heute noch erfüllt sein müssen, damit sich unser Frontalhirn-Akku optimal entwickeln und lebenslang weiter seine Kapazität steigern kann. Wären diese Bedingungen in ihrer Summe erfüllt, wäre ein artgerechtes Leben mit vielen Vorteilen möglich:

  • Kinder könnten ihr geistiges Potential voll entfalten, und das Wachstum des Frontalhirn-Akkus könnte lebenslang weiter fortschreiten.
  • Kreativität, Selbstbewusstsein, Willenskraft und Durchhaltevermögen wären in allen Lebensphasen steigerungsfähig.
  • Das Erinnerungsvermögen würde sich verbessern, ebenso wie die emotionale und soziale Intelligenz.
  • Das rationale Denken mittels System II wäre länger möglich, Lebensfreude und das natürliche Interesse an neuen Erfahrungen blieben bis ins hohe Alter erhalten.
  • Die psychische Resilienz (Widerstandsfähigkeit) wäre gestärkt, was nicht zuletzt nachhaltig vor Burn-Out, Depression und Alzheimer schützen würde.

Allerdings weicht unsere moderne Lebensweise in allen Lebensbereichen in erheblichem Maß von dem ab, was unser Gehirn zur Entfaltung und Aufrechterhaltung dieser Funktionen benötigt. Dazu gehört ein verbreiteter Mangel an essentiellen Nährstoffen, an körperlicher Aktivität, an ausreichend Tiefschlaf, an sozialen Interaktionen und sogar an Lebenssinn. Hinzu kommt oft ein Zuviel an Stress (Disstress) und an gehirnschädigenden Giftstoffen wie Alkohol, Feinstaub, ungesunden Fetten, Zucker etc.

Infolge einer mittlerweile nahezu völlig artfremden Lebensweise erreicht der Frontalhirn-Akku schon in der Kindheit nicht mehr seine genetisch mögliche Kapazität (siehe Abbildung), und auch sein Potential, diese unter natürlichen Lebensbedingungen lebenslang immer weiter zu steigern, wird nicht genutzt – im Gegenteil: Der Hippocampus schrumpft. Durch die verminderte adulte hippocampale Neurogenese bei gleichzeitig erhöhter Neurodegeneration verliert der Frontalhirn-Akku beim „normalen“ Erwachsenen im Durchschnitt 0,8 bis 1,4 Prozent pro Jahr an Volumen und somit an Speichervermögen bzw. Kapazität.11

Diese Abbaurate könnte sich unter den Corona-Maßnahmen verstärkt haben. So kam es zu einer enormen Steigerung der Depressionsrate12 und Alzheimer-Symptomatik13, beides Ausdruck einer extrem gestörten adulten hippocampalen Neurogenese14. Konkrete Ursachen sind soziale Isolation,15 Bewegungsmangel und Fehlernährung,16 Existenzängste und Disstress17 sowie Schlafstörungen18. Das „Normal“ unter Corona könnte somit mittlerweile noch sehr viel tiefer liegen.

Teufelskreis Frontalhirnschwächung

Die Neurodegeneration (das Schrumpfen des Akkus) unter Stress sowie eine gestörte adulte hippocampale Neurogenese (das gehemmte Wachstum des Akkus) können nahezu vollständig verhindern, dass wir in Situationen, in denen es eigentlich lebenswichtig wäre, System II einschalten. Eine von vornherein unterentwickelte und sich im Laufe des Lebens immer weiter abbauende Speicherkapazität des Frontalhirn-Akkus könnte somit die Ursache einer chronischen Ego-Depletion in der breiten Bevölkerung sein – mit dem Resultat einer dauererschöpften Gesellschaft. Die „Pandemie der Frontalhirnschwächung“ infolge einer chronischen Kapazitätsminderung des hier postulierten Frontalhirn-Akkus liefert auch eine neurobiologische Erklärung für viele dramatische Entwicklungen, die weltweit zu beobachten sind:

  • den enormen Zuwachs an Angstsymptomatik und Depression, auch schon bei Kindern
  • weshalb ein großer Teil der modernen Gesellschaft leicht mit Angst steuerbar ist, und so gut wie nicht reflektiert, selbst wenn Widersprüche offensichtlich sind
  • die Abnahme an emotionaler und sozialer Intelligenz sowie an Empathiefähigkeit in der breiten Bevölkerung19
  • die Zunahme an kollektivem Narzissmus mit dem Hang zu stereotypem Denken und Handeln20
  • den zutiefst beunruhigenden Umstand, dass die Menschheit trotz drohendem Kollaps ihrer Lebensgrundlage so weitermacht wie bisher.

Eine System-I- bzw. Zombie-Gesellschaft akzeptiert die zunehmende, durch industrielle Interessen vorangetriebene Veränderung unserer Lebensweise, die immer artfremder wird und erklärt so den Teufelskreis der Frontalhirn-Schwächung, in dem sich unsere moderne Gesellschaft befindet.

Diese These könnte auch eine Erklärung dafür liefern, weshalb wir als Gesellschaft auf eine für die meisten Menschen völlig harmlose virale Bedrohung nicht adäquat reagieren (z.B. indem wir unser Immunsystem stärken, das nachgewiesenermaßen unter den gleichen Mängeln leidet wie unser Frontalhirn-Akku, was die schweren Verläufe bei Corona erklärt)21. System-I-Handlungen (z.B. die Zerstörung unseres Lebensraums, die Akzeptanz einer immer artfremderen Lebensweise, z.B. durch die völlig unnatürlichen Corona-Maßnahmen) tragen zur Abnahme der Akku-Kapazität bei und stärken somit auch den Teufelskreis der Frontalhirn-Schwächung, in dem sich unsere moderne Gesellschaft befindet.

Fazit

Die hier vorgestellte These über die Natur des Frontalhirn-Akkus und der mentalen Energie, die das System-II-Denken benötigt, liefert eine Erklärung dafür, weshalb so viele Menschen daran scheitern, ihre Lebensweise zu ändern, selbst wenn sie wissen, dass dies für ihre eigene Gesundheit und die Zukunft ihrer Kinder lebenswichtig wäre.

Der Teufelskreis der Frontalhirnschwächung, in dem sich immer mehr Menschen befinden, kann vermutlich nur durch Anwendung der hier aufgezeigten Erkenntnisse, also durch eine artgerechtere Lebensweise, durchbrochen werden. Gelingt dies nicht oder wird der Teufelskreis durch gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Maßnahmen sogar noch gestärkt, wie die Corona-Maßnahmen gezeigt haben, ist der selbstzerstörerische Prozess auf individueller wie auch auf globaler Ebene sehr wahrscheinlich unaufhaltsam.

Zum Buch:

Das erschöpfte Gehirn: Der Ursprung unserer mentalen Energie – und warum sie schwindet. Willenskraft, Kreativität und Fokus zurückgewinnen.

Die Kapazität unseres Gehirns ist begrenzt. Jeder kennt das Gefühl, dass es nach einem langen Tag schwer ist, sich zu konzentrieren, schwierige Entscheidungen zu treffen oder sich in andere hineinzuversetzen – wir leben in einer chronisch erschöpften Gesellschaft. Seit Jahren schrumpft die Kapazität unseres mentalen Akkus. Bewegungsmangel, falsche Ernährung, schädliche Stoffe in der Umwelt, fehlende oder schädliche soziale Interaktion, digitale Dauerbeschallung: Wir leben nicht unserer Natur entsprechend, was dazu führt, dass die Leistung unseres Gehirns immer weiter abnimmt. Dr. med. Michael Nehls begibt sich auf die Suche nach der Quelle unserer mentalen Energie – und er wird fündig. So kann er erstmals zeigen, wo unser „Hirn-Akku“ sitzt, welche Funktion ihm innerhalb unseres Gehirns zukommt und was das für unser Denken bedeutet. Dr. Nehls beschreibt, welche fatalen Folgen ein schrumpfender mentaler Akku für uns, unsere Gesellschaft und zukünftige Generationen haben kann – und wie wir dem entgegenwirken können.

Referenzen

4 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9599441

21 Nehls M: Herdengesundheit, Verlag Mental Enterprises 2022


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18 Kommentare

  1. reiner 18. November 2022 at 11:19Antworten

    Reizüberflutung ist ein Machtinstrument

  2. pantau 17. November 2022 at 23:52Antworten

    Ich kann nur sagen, was mir gut tut und mir Energie gibt neben den Basics wie ausreichend Schlaf u. vernünftige Ernährung: in einem Umfeld von Ruhe und genügend Zeit sich um anspruchsvolle Inhalte zu bemühen und darin ANZUSTRENGEN. Anspruchsvolle Inhalte sind z.B. das Arsenal der Weltliteratur, oder Kunstmusik (statt Vivaldi Bach usw), oder wer mehr mathematisch-naturwissenschaftlich begabt ist, sich mit komplexen Theorien auseinanderzusetzen. Kurz: das Gehirn muss zu innerer logischer Konsistenz gezwungen werden, zu einem gründlichen Denken, das das Abstrakte bis zum Anschaulichen beherrscht. Das gibt einem Ruhe, Kraft. Tagebuchschreiben ist auch eine gute Übung, damit sich das Gehirn ordnet u. erdet. Und auch generell eigene Gedanken aufzuschreiben, sie zu klären. Denselben Effekt können natürlich Gespräche haben. Gift ist jedenfalls das Regime der Zerstreuung, dass man sich nur noch kurzfristigen Reizungen, Kurzmeldungen usw überlässt. Das Handy halte ich für einen der effektivsten Gehirnzersetzer. Ungemein nützlich, wenn man eine gewisse Reife hat, ungemein schädlich, wenn man es Kindern u. Teenagern in die Hand drückt. Bin da ganz bei Prof. Spitzer, auch wenn er in der Corona“pandemie“ komplett versagt hat. Ein anderer schädlicher Einfluss ist die Sprache des mainstream-Journalismus, besonders des marxistisch unterminierten mit seinen kalkulierten Begriffsverschiebungen. Die machen die Sprache dysfunktional, nicht erst durch das Gendern. Jetzt bin ich aber von hölzken auf stöcksken gekommen :D

    • Andreas I. 18. November 2022 at 17:52Antworten

      Hallo,
      „des mainstream-Journalismus, besonders des marxistisch unterminierten“

      Was man auch auf logischer Konsistenz überprüfen könnte.

  3. 4757 16. November 2022 at 23:51Antworten

    Sehr interessanter und umfangreich recherchierter Artikel.

    Zeitgleich zur Veröffentlichung hiervon bei tkp.at lief ein ungemein interessantes Interview von Fuellmich (wiederauferstanden) mit Naomi Wolf und Peter Breggin. Es gibt keine Zufälle!

    Mit am Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sind die Ursachen nicht nur die moderne Lebensführung und die Corona-Maßnahmen sondern – wie könnte es anders sein – auch bei den Gen-Injektionen zu suchen. Dr. Peter Breggin ist hier top qualifiziert und es gibt ein Video-Auszug aus Wien weshalb das so ist, nachdem in obduzierten Gen-Injizierten auffällige Veränderungen in den Frontallappen festgestellt wurden die zweifelsfrei auf die mRNA-Injektionen zurückzuführen sind – Veröffentlichung steht bevor.

    Insgesamt ein sehr lohnenswertes Video mit der Top-Down Sicht von 3 Leuten die sich sehr lange und sehr intensiv mit den Geschehnissen auseinandergesetzt haben.

    Zu finden ist das Video mit Deutscher Übertragung bei
    https://video.icic-net.com
    Titel: „Plötzlich wie verwandelt? Persönlichkeitsveränderung nach mRNA-Injektion“
    bzw. im Original
    „Suddenly changed? Personality-changes after mRNA-Injection“

  4. Andreas I. 16. November 2022 at 14:14Antworten

    Hallo nochmal,
    nachdem mit das nochmal im Kopf herumging meine ich, dass die Unterteilung in System-I-„Denken“ und System-II-Denken auf folgende Art zu Hirnforschung und Tiefenpsychologie passt und was das Ganze am Ende wieder mit artgerechter Lebensweise zu tun haben könnte.

    Hirnforschung und Tiefenpsychologie kommen auf jeweils andere Weise zu dem gleichen Schluss, dass die grundlegenden Prägungen / Synapsenverschaltungen in den ersten Lebensjahren (gar Lebensmonaten) stattfinden (was man auch rein logisch schon vermuten könnte).
    Also ist die Sozialisation in den ersten Lebensjahren entscheidend und da sind die hauptsächlichen Bezugspersonen die Eltern, im Säuglingsalter die Mutter.
    Dementsprechend ist die Beziehungsqualität der Eltern zu ihrem Kind entscheidend, und zwar von Stunde null an.
    So weit, so bekannt.

    Wenn die Eltern nicht einem idealisiertes Bild entsprechen, sondern in der Realität einer normopathischen Gesellschaft (wovon ich ausgehe) die Mehrheit der Eltern psychisch krank ist, dann sind die Eltern der schädlichste Einfluss auf die Kinder.
    Aber wie und was hat das mit System-I-„Denken“ und System-II-Denken zu tun?

    System-I-„Denken“, reflexhaftes Wiederholen zuvor erlernter Muster, das wird von den kranken Eltern gefördert (sich möglichst artig und gehorsam nach den Vorstellungen der Eltern zu verhalten, typische Erziehung).
    System-II-Denken, eigene Gedanke die zu eigenständigem, vom vorgegebenen Erwünschten abweichenden, Verhalten führt, das wird von den kranken Eltern bestraft .
    Verdrängung ist bekannt; kurz gesagt lernt das Kind durch die Bestrafung, dass System-II-Denken Schmerz verursacht.
    Und was Schmerz verursacht, das wird vermieden.
    Weil es verdrängt ist, wird es unbewusst vermieden.
    Also: kranke Eltern verhindern System-II-Denken, durch Erziehung.

    Obiges ist tiefenpsychologisch kein Wunder, aber was wäre der gesunde oder zumindest ein gesünderer Zustand?
    Da kommt wieder die artgerechte Lebensweise ins Spiel:
    Evolutionsbiologisch lebten Menschen in Horden.
    Zwar waren die Eltern, besonders im Säuglingsalter die Mutter, die hauptsächlichen Bezugspersonen für das Kind – aber nicht die einzigen, es waren immer andere Menschen da. Dadurch war die Sozialisation nicht so ausschließlich von den Eltern geprägt und schlechte Einflüsse ggf. kranker Eltern wurden zumindest teilweise ausgeglichen, das Kind erlebte auch Interaktion mit anderen Menschen, nicht nur mit den Eltern.
    Angeblich afrikanisches Sprichwort:
    Um ein Kind zu erziehen braucht es ein ganzes Dorf.

    In der heutigen Gesellschaft sind meistens die Familien klein und isoliert, was auch bedeutet, dass die Kinder nur die Eltern erleben und dann die Prägung durch kranke Eltern volle Wirkung entfaltet – einschließlich der Verhinderung von System-II-Denken, weil das nur bestraft wurde.
    (Wäre mindestens eine andere Person da, die dem Kind für System-II-Denken Anerkennung schenkt, dann hätte das Kind auch ein anderes Erlebnis und es wäre nicht so fest abgespeichert, dass System-II-Denken Schmerz verursacht.)

    Die Relevanz des Ganzen konnte man spätestens ab Februar 2020 beobachten; wenn die Mehrheit der Eltern bei ihren Kindern System-I-„Denken“ förderte und System-II-Denken verhinderte und aus den Kindern irgendwann Volljährige wurden, die aber nach wie vor System-II-Denken vermeiden, als würde es Schmerz verursachen – weil es in der Kindheit tatsächlich Schmerz verursachte weil die Eltern es bestraften – dann verhält sich die Mehrheit nur reflexartig (System-I) und lässt solchen Wahnsinn wie diese massenweisen mRNA-Injektionen mit sich machen.

    Die konstruktive Frage wäre also, wie man der jetzt heranwachsenden Generation in der heutigen Gesellschaft trotz allem ein möglichst artgerechtes Heranwachsen ermöglichen kann, d.h. in dem Sinne, dass die Kinder auch andere Menschen als nur die ggf. psychisch kranken Eltern erleben. Mit „social distancing“ ganz sicher nicht.
    (Bei den heutigen Formen der Kinderbetreuung ist es meistens das andere Extrem, die Kinder werden abgegeben und die Eltern sind gar nicht da, Eltern oder Betreuer, aber das ist auch nicht die sozusagen evolutionsbiologisch artgerechte Mischung, dass die Eltern und andere Menschen da sind.)

  5. asisi1 16. November 2022 at 9:17Antworten

    Ich habe 40 Jahre im Gesundheitswesen gearbeitet. Ich sehe hier das größte Problem darin, das man systematisch dem Menschen das eigenverantwortliche Leben, Denken und die Folgen für sein Tun und Handeln abgenommen hat. Jeder will so leben wie er will und bei Schwierigkeiten muss der Staat ran.
    Fängt bei den Kindern an. Wer Kinder haben will, soll sie auch vernünftig groß ziehen und selbst versorgen. Hier wird von staatlicher Seite der verkegrte Anreitz gesetzt, nähmlich , mache soviel Kinder du willst, die Allgemeinheit wird schon zahlen. Und so könnte ich hier noch hunderte von Beispielen anführen, welche nur immer absurder werden. Und Ärzte tanzen immer nach der Pfeife um Geld zu bekommen! Siehe heute den Mist mit der Geschlechterbestimmung bei Kindern. Mit 16 umpolen lassen, dann jahrelang in psychischer Behandlung und dann aktive Sterbehilfe erwarten!

  6. Heiko 15. November 2022 at 16:06Antworten

    Fragt sich jemand, warum für eine angebliche medizinische Entdeckung der Wirtschaftsnobelpreis verliehen wird?
    Dieser Artikel ist mal wieder beste Demagogie, denn sie degradiert den Menschen zum Objekt. Dabei ist die Geschichte voll von Menschen, die die schlimmsten Situationen überlebt haben, ohne innerlich auszubrennen. Menschen aber, die meinen, dass alles um sie herum schicksalhaft oder Gott gegeben ist, müssen irgendwann verzweifeln und aufgeben. Genau das will dieser Artikel erreichen.

  7. Dr. Rolf Lindner 15. November 2022 at 12:59Antworten

    Was ich in dem Artikel als richtig empfinde, ist die Beschreibung von Stressoren, die das Gleichgewicht zwischen mentalem Akku und der Arbeit der Systeme I und II der Informationsverarbeitung stören und adaptative Prozesse für langsamer verlaufende Umweltveränderungen verhindern. Natürlichere Lebensweise soll das Problem beseitigen. Ich gehe davon aus, dass die wenigsten großen Denker der Menschheitsgeschichte natürlich lebten oder leben. Würde denn eine Gesellschaft funktionieren, die aus lauter Denkern besteht? Ich meine, dass die Natur es sinnvoll eingerichtet hat, indem sie eine gewisse Barriere zwischen dem System I und II errichtet hat und dadurch den für die allermeisten Menschen stereotypen Alltag ertragen lässt. Für die reichen dann eben Brot und Spiele. Nur wenn Brot und Spiele nicht mehr reichen, kann man die Masse aktivieren, die gwisse Barriere zu überwinden. Bis dahin spielen sich die gesellschaftlichen Kämpfe auf einer höheren Ebene ab. Ich frage mich nur, wer mehr mentale Energie aufbringen muss? Sind es die Ideologen, deren Vorstellungen mit der Realität in Konflikt geraten, und haben es ihre Widersacher einfacher, die zwar mentale Energie aufbringen müssen, um gegen die Ideologen zu streiten, aber die Energie sparen, die aufgebracht werden muss, um realitätsfremde Gedankengebäude zu errichten? Ist das einer der Gründe, warum Ideologen starr und ihre Widersacher flexibel erscheinen, denn erstere haben ja viel mentale Energie für die Errichtung ihres Gedankengebäudes verbraucht, die sie dann natürlich nicht als verloren erleben wollen.

    • JoeO 16. November 2022 at 8:10Antworten

      Wenn ich wissen soll, dass jemand einen Doktortitel tragen darf, will ich auch wissen in welchem Fach. Danke.

      • I.B. 16. November 2022 at 13:35

        Dr. med. Michael Nehls

        Das erschöpfte Gehirn – warum die Quelle unserer mentalen Energie versiegt und wie wir sie reaktivieren können

        von PD Dr. med. Michael Nehls

  8. Gerald 15. November 2022 at 12:57Antworten

    Ein pauschales, artgerechtes Leben für dem Menschen gibt es nicht.
    Der Mensch ist ein denkendes Individuum und kein Tier.
    Artgerecht beim Menschen empfindet daher jeder anders.
    Das Wichtigste für das Gehirn ist ausreichender und guter Schlaf, den es braucht um sich zu regenerieren.

    • Dr. Peter F. Mayer 15. November 2022 at 14:55Antworten

      Artgerecht heißt optimales Funktionieren aller Systeme. Und das kennt man natürlich dank den Naturwissenschaften Biochemie und Mikrobiologie. Ist nicht so schwierig zu verstehen – 10 Sekunden konzentriert nachdenken sollte schon reichen.

    • Andreas I. 16. November 2022 at 15:26Antworten

      Hallo,
      haargenaue Angaben (für System-I-Verhalten nach Vorschrift) kann es natürlich nicht geben, aber man kann evolutionsbiologisch ableiten, in welchen Rahmen Ernährung, Bewegung, Sozialkontakte, Ruhephasen usw. liegen sollten.
      Evolutionsbiologisch bedeutet das ja auch, dass es einen Spielraum gibt, in welchem der Mensch anpassungsfähig ist (und dann ist jeder individuell etwas anders, also auch etwas anders anpassungsfähig, das ist soweit logisch).
      Also muss jeder für sich das richtige Maß finden, in welchen Rahmen Ernährung, Bewegung, Sozialkontakte, Ruhephasen usw. liegen sollten – und das individuell richtige Maß zu finden ist u.a. Denkarbeit (gemäß Artikel „System-II“).

  9. Michael R 15. November 2022 at 11:27Antworten

    Artgerechte Lebensweise? Also zurück auf die Bäume? Oder wenigstens in Höhlen? Gerade hat die Menschheit die 8 Milliardengrenze hinter sich gelassen. Mit „artgerechter Lebensweise“ kann man diese Masse an Menschen nicht am Leben halten. Ist das das Ziel? Unter 500 Millionen halten, wie es auf den Guidestones stand? 7,5 Milliarden müssen weg? Die menschliche Zivilisation ist mit „artgerechter Lebensweise“ nicht aufrechtzuerhalten.

    • Andreas I. 16. November 2022 at 15:06Antworten

      Hallo,
      die menschliche Zivilisation geht durch artfremde Lebensweise zugrunde.
      Die Frage ist nur, wie Technik – die zweifellos zur Lebensweise des Menschen gehört – konstruktiv eingesetzt wird und nicht destruktiv.

      Wenn beispielsweise die Erfindung und Weiterentwicklung des Autos, das Auto spielt in Deutschland ja nach wie vor eine erhebliche Rolle im Lebensstil der Mehrheit und das Auto ist eine wunderbare Sache, um größere Entfernungen (20 – 1000 km) in relativ kurzer Zeit zurückzulegen …
      Aber wenn Autos hauptsächlich genutzt werden, um 23 h von 24 h rumzustehen, für Strecken unter 20 km „genutzt“ zu werden (Statistik) und das neben unnützem Flächenverbrauch vor allem auch zu den gesundheitlichen Risikofaktoren Luftverschmutzung und Bewegungsmangel führt, dann ist diese Art der „Nutzung“ der Technik schädlich, also dumm, d.h. gemäß Terminologie des Artikels nur das reflexhafte „System-I“; Benutzung der Technik Auto wie gewohnt, ohne „System-II“; darüber nachzudenken, ob die Gewohnheit sinnvoll oder sinnlos oder vielleicht sogar schädlich ist.
      (und es für die häufigen alltäglichen Strecken unter 20 km bessere Technik gibt)

      Oder auch finanziell, ob es wirklich sinnvoll ist, dass man ein Auto braucht, um zu arbeiten, aber soundsoviel Stunden erstmal nur für die Finanzierung des Autos arbeiten muss und täglich erstmal X Stunden fahren muss, bevor man Geld für sich selber erarbeitet.
      System-I ist: Das machen alles so, das ist normal, also mache ich das auch so.
      System-II ist: Will ich mir sowas (artfremdes) antun oder kann ich auch anders (artgerechter) Geld / Lebensunterhalt erarbeiten?

      Auch:
      System-I ist: Alle Kollegen lassen sich spritzen, das ist normal, also mache ich das auch so.
      System-II ist: Will ich mir sowas antun oder … ?

    • ibido 19. November 2022 at 8:51Antworten

      Ein schönes Beispiel für System I-Denken. Das Schlagwort „artgerecht“ evoziert reflexhafte Reaktion…
      Nicht zurück auf Bäume/ in Höhlen, sondern Dr. Nehls schreibt von geistfördernden Lebensumständen, wie pescetarische Ernährung (Fisch und Meeresfrüchte) – und einen Absatz höher ein Link auf Algenöl, das auch eine Ernährung von 8 Milliarden gewährleisten würde.

  10. Andreas I. 15. November 2022 at 10:25Antworten

    Hallo,
    „Der Teufelskreis der Frontalhirnschwächung, in dem sich immer mehr Menschen befinden, kann vermutlich nur durch Anwendung der hier aufgezeigten Erkenntnisse, also durch eine artgerechtere Lebensweise, durchbrochen werden.“

    Und wenn das Gehirn insgesamt von der üblichen Klinikgeburt an nur artfremdes kennt, woher sollte dann eine artgerechtere Lebensweise kommen?
    Die müsste neu erlernt werden, aber da beißt sich die Katze wieder in den Schwanz, wenn die Fähigkeit, neues zu erlernen, fehlt.

  11. Jurgen 15. November 2022 at 10:13Antworten

    Schöne Theorie. Allerdings kann ich da nicht komplett zustimmen. Meines Erachtens sind im Umfeld der Sozialisation die störendsten Komponenten, insbesondere Schule, Hochschule, Fernsehen, Internet, zeitgeschuldete Arbeit. Positiv wirken selbst Musik machen, viel Lesen (hier baut man immer sein eigenes Universum auf), ganz im Gegensatz zum Videos/Filme schauen (Sublimierung vorgefertigter Schemata). Für Letzteres benötigt das Gehirn auch sehr viel Zeit zur Müllbeseitigung, weil die Filme Bild für Bild im Gehirn einzeln verarbeitet werden. Ein Zwei-Stunden-Film entspricht ungefähr 430.000 Einzelbildern, die Verarbeitung dauert daher viele, viele Schlafstunden. Leseratten haben dieses Problem nicht und erholen sich stattdessen. Selbstbestimmtes Arbeiten hat das Problem auch nicht, weil die Arbeit von den eigenen Interessen geleitet wird und wechselt. Im Gegensatz dazu ist angestelltes Arbeiten die Abspulung zeitgeschuldeter Dienstverfügbarkeit (Arbeitsvertrag = Zeitschuldenvertrag).
    Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die „Langeweile“, zeigt sie doch deutlich, dass ein Mensch nicht die Dinge tut, die ihn/sie erfüllen – ein typisches Ergebnis des Schulsystems…

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