Wie stabil ist das Satelliten-Internet von Elon Musk in der Ukraine?

8. Oktober 2022von 3,9 Minuten Lesezeit

Ausfälle des Starlink-Kommunikationssystems haben zu einem „katastrophalen“ Verlust der Kommunikation zwischen den ukrainischen Truppen im Kampf gegen die russischen Streitkräfte geführt, berichtete die Financial Times (FT) am Freitag. Mit dem Satelliten-Internet werden die Truppen der Ukraine von USA und UK mit Gefechtsfeldinformationen versorgt und geleitet. Ein Ausfall macht die Truppen praktisch blind.

Die Nachricht löste Befürchtungen aus, dass Elon Musk als Reaktion auf die ukrainischen Anschuldigungen gegen seinen Friedensplan etwas mit dem Dienst angestellt haben könnte, aber der SpaceX-Magnat bezeichnete den Artikel der Zeitung als „schlechte Berichterstattung“.

Musk hatte der Ukraine bereits im März Tausende von Starlink-Terminals zur Verfügung gestellt, die dem ukrainischen Militär helfen, „Drohnen zu betreiben, lebenswichtige Nachrichten zu erhalten und miteinander in Gebieten zu kommunizieren, in denen es keine anderen sicheren Netzwerke gibt„, wie die FT schreibt.

In den letzten Wochen, als die ukrainischen Streitkräfte in Gebiete vordrangen, die zuvor von den russischen Streitkräften kontrolliert wurden, funktionierten die Systeme mehrfach nicht mehr. Ein hochrangiger ukrainischer Beamter sagte der FT, dies habe zu einem „katastrophalen“ Verlust der Kommunikation geführt, auch während „erbitterter Kämpfe“. Die Ausfälle waren „weit verbreitet“ und „führten zu panischen Anrufen von Soldaten bei den Notrufzentralen“, so ein anderer Beamter.

Roman Sinitsin, der eine gemeinnützige Organisation leitet, die Starlinks an das ukrainische Militär weiterleitet, sagte, das Problem könne darauf zurückzuführen sein, dass Musks SpaceX das Signal in den von Russland gehaltenen Gebieten blockiert habe.

Es ist für mich absolut klar, dass dies von Vertretern von Starlink getan wird, um die Nutzung ihrer Technologie durch russische Besatzungstruppen zu verhindern„, sagte Sinitsin der FT und forderte SpaceX auf, sich enger mit dem ukrainischen Militär abzustimmen.

Elektronische Gegenmaßnahmen

Elektronische Kommunikation kann bekanntlich gestört werden. Dass Musk so gezielt bestimmte Gebiete nicht mehr versorgen lässt, ist aus mehreren Gründen unwahrscheinlich. Die russische Armee ist nämlich weltweit führend in ihren Fähigkeiten zur elektronischen Kriegsführung, so Moon of Alabama. Sie kann den bodengestützten Funkverkehr auf allen Frequenzen ausschalten. Sie hat nun Wege gefunden, auch Boden-Satelliten-Verbindungen zu deaktivieren, wie sie von der Starlink-Konstellation genutzt werden.

Zu Beginn des Krieges wurde das ukrainische Militär mit Tausenden von Starlink-Bodenterminals ausgestattet, die eine Verbindung zu den Schwärmen kleiner Starlink-Satelliten herstellen können, die vom Pentagon finanziert, aber von den Unternehmen von Elon Musk betrieben wurden. Sie ermöglichten die Kommunikation zwischen ukrainischen Bodeneinheiten sowie die allgemeine Steuerung größerer Operationen. Ohne Starlink ist die ukrainische Führung auf kabelgebundene Feldtelefone, Läufer und Kuriere angewiesen. All dies ist in einem von Artillerie geprägten Umfeld äußerst anfällig.

Seit 2001 hat Russland das elektromagnetische System Tirada 2 entwickelt, das den Boden-Satelliten-Verkehr in bestimmten Gebieten ausschalten kann.

Im Jahr 2019 machte eine OSZE-Beobachterdrohne Bilder von einem Tirada-Komplex in der Donbass-Region.

Die Deaktivierung des Starlink-Kommunikationsverkehrs war nur eine Frage der Zeit. Der Datenverkehr musste analysiert werden, um die von Sender und Empfänger verwendeten Frequenzen und Algorithmen zu ermitteln. Es musste eine Software geschrieben werden, um ein passendes Funkstörungsmuster zu implementieren. Die Hardware des Tirada-Systems reichte wahrscheinlich bereits aus, um die entsprechenden Muster auf den ermittelten Frequenzen auszusenden.

Da sich dieses System nun in der Praxis bewährt hat, wird es wahrscheinlich in größerem Umfang zur Verfügung gestellt werden. Die russische elektronische Kriegsführung ist bereits in der Lage, den gesamten Bodenfunkverkehr in bestimmten Gebieten auszuschalten. Bald wird die gesamte Kommunikation der ukrainischen Streitkräfte an der Frontlinie unterbrochen sein.

Dies ist für die ukrainischen Operationen katastrophal. Vorgeschobene Beobachter werden nicht mehr in der Lage sein, Artillerieeinsätze zu korrigieren. Züge und Kompanien an der Front werden keine Möglichkeit mehr haben, Unterstützung anzufordern. Das höhere Kommando wird keine Möglichkeit haben, größere Operationen in Echtzeit zu koordinieren, so Moon of Alabama.

Insgesamt hat SpaceX 1565 Starlink-Satelliten in den Orbit gebracht. Etwa 1498 davon sind noch in Betrieb.In gewissen Bereichen hat die Musk-Firma damit eine Monopolstellung erlangt. Die Tendenz geht immer mehr in dei Richtung, dass die globalen Digitalkonzerne auch die Leitungen – in dem Fall die Funkverbindungen – für das Internet beherrschen wollen.  So haben Google und andere Tech-Giganten begonnen die Backbones des Internet aufzukaufen oder selbst zu installieren.


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Die Rolle von Microsoft beim Betrieb der digitalen Netzwerke der Ukraine

18 Kommentare

  1. 4751 14. Oktober 2022 at 22:42Antworten

    Wie stabil ist das Satelliten-Internet von Elon Musk in der Ukraine?

    Wohl neuerdings nicht mehr ganz so..

    Super Aktion von Musk – man kann ihn mögen oder auch nicht.

    Ohne Support des Westens und der EU wäre in 1h Ruhe in der Kiste und die Verhandlungen könnten beginnen. Da muss die Reise hingehen. Tragisch dass weiterhin so viele Menschen sterben müssen da die völlig verkommene USA bzw. die Strippenzieher im Hintergrund das für das richtig hält.

    https://report24.news/nach-fuck-off-kommentar-von-melnyk-an-musk-kein-kostenloses-internet-fuer-ukraine-mehr-von-spacex/?feed_id=23216

    Rund 20.000 Starlink-Satelliten wurden mittlerweile für die Ukraine gespendet – doch nun gab Elon Musk bekannt, dass SpaceX das Satelliteninternet nicht ewig für die Ukraine finanzieren könne. Stattdessen solle das Pentagon einspringen. Diese Ankündigung kommt kurz nachdem der Tesla-Gründer in den sozialen Netzen einen Vorschlag für einen Frieden in der Ukraine machte, der ihm von Botschafter Andrij Melnyk ein „Fuck off“ einbrachte. Musk kommentierte: „Wir folgen nur seiner Empfehlung.“

  2. Franz M 12. Oktober 2022 at 19:03Antworten

    „Eine gemeinnützige Organisation, die Starlink an das ukrainische Militär weiterleitet ..“, mit welch lieblichen Worten können sich amerikanische Kriegstreiber selbst Blumen streuen. Für mich ist das eher direkte Kriegsteilnahme der NATO, zumindest der USA. Mit allen Mitteln soll das Leid der russisch-sprachigen Bevölkerung der Ukraine (und das sind nicht wenige, völlig unschuldige und wehrlose Menschen, die halt zufällig dort zur Welt kamen) intensiviert und verlängert werden. Und das alles nur, um die US-Rüstungsindustrie (vor allem der Aktionäre wie Blackrock, Vanguard und sonstige Schurken) zu fördern.

  3. G 9. Oktober 2022 at 20:40Antworten

    Greg, vieleicht das mal lesen……

    Wem gehörte der Lastwagen?

    Laut dem Telegram-Kanal Baza gehörte das Fahrzeug einem russischen Staatsbürger namens Samir Jussubow. Der Kanal veröffentlichte auch ein Video eines 26-jährigen Mannes, der behauptete, Jussubow zu sein, und darin auch erklärte, er sei der Besitzer des Lastwagens. Er bestritt jedoch, in irgendeiner Weise an dem Vorfall beteiligt gewesen zu sein. „Ich habe nichts mit den Ereignissen auf der Krim-Brücke zu tun“, sagte der Mann in dem Telegram-Video.

    Russisches Ermittlungskomitee: Mindestens drei Tote durch Explosion auf Krim-Brücke
    Russisches Ermittlungskomitee: Mindestens drei Tote durch Explosion auf Krim-Brücke
    Jussubow behauptete außerdem, dass er sich derzeit gar nicht in Russland aufhalte und der Lkw von seinem „Onkel“ – Machir Jussubow, einem Cousin seines Vaters – benutzt worden sei, der angeblich im Güterverkehr tätig ist. Der Mann sagte auch, dass sein „Onkel“ Transportaufträge von einer Website entgegennahm, ohne weitere Einzelheiten zu nennen.

    Baza berichtete weiter unter Berufung auf Verwandte von Jussubow, dass Machir eigentlich der tatsächliche Besitzer des Lastwagens sei. Dem Telegram-Kanal zufolge erkannten ihn die Verwandten auf einem der Überwachungsvideos, die den Lkw bei einer Untersuchung vor dem Vorfall zeigen.

    Laut einem Bericht der Plattform Mash hätte Machir mindestens seit dem 6. Oktober, also zwei Tage vor dem Vorfall, keinen Kontakt mehr zu seinen Verwandten gehabt.

    War der Fahrer in das Komplott verwickelt?

    Die russische Wirtschaftszeitung RBK schrieb, der Fahrer habe möglicherweise nicht gewusst, was der Lkw transportierte. Er habe einen Auftrag für den Transport von Düngemitteln erhalten, hieß es unter Berufung auf eine Quelle aus den Sicherheitsbehörden, die hinzufügte, dass er vermutlich „im Unklaren gelassen“ worden sei.

    Der Telegram-Kanal Baza berichtete weiter, dass die Ermittler die Wohnungen von Machir Jussubows Verwandten durchsucht hätten. Die russischen Behörden haben dies jedoch nicht bestätigt und noch keine Verdächtigen benannt.

  4. Andreas I. 8. Oktober 2022 at 19:35Antworten

    Hallo,
    wenn das Foto von 2019 ist, dann war 2019 russisches Militär im Donbass, zwar „nur“ Funker, aber eben russisches Militär. Warum das Foto dann nicht von den Qualitätsmedien als Beweis verbreitet wurde, das verwundert zunächst. Aber wenn die Qualitätsmedien hätten erläutern müssen, warum das nur russisches Militär sein kann, nämlich was dieses „Tirade“ für ein System ist, dann wäre ja der reale Charakter dieses Krieges zutage getreten.

    Und nebenbei sieht man mal wieder, welche Infrastruktur besser nicht in privaten Händen, sondern besser staatlich sein sollte.
    (In dem Fall wird E. Musk, wenn er mit dem Pentagon kooperiert, wohl kaum eigenmächtig gehandelt haben, aber alleine die Vorstellung, dass sich wichtige Infrastruktur in den Händen weniger finanziell Reicher befindet, die möglicherweise dann ihrer seelischen Armut freien Lauf lassen könnten … )

  5. Glass Steagall Act 8. Oktober 2022 at 19:06Antworten

    Das heißt doch nichts anderes, als dass ein Zivilist oder auch Milliardär eines anderen Landes (meist USA), in die kriegerischen Handlungen anderer Staaten eingreifen kann, wenn ihm danach ist. Wer also genug Geld und Einfluss hat, kann Kriege beeinflussen. Vielleicht kann Herr Musk oder andere Milliardäre sich bald die Auslöser für Atomraketen kaufen?

    • Zbigniew 13. Oktober 2022 at 19:11Antworten

      So einen Amazon dash button?

  6. Heiko 8. Oktober 2022 at 18:58Antworten

    Vielleicht wollte Musk dem Selenksy nur zeigen, was er von dessen Reaktion auf seine Friedensvorschläge hält.

  7. rudi & Maria fluegl 8. Oktober 2022 at 17:26Antworten

    Das ein Querfunker sich damit, als auch mit Blindgängern der Suizidklasse und ebenfalls mit Leuten, die von Kriegstreibern getrieben lebensüberdrüssig sind, sich bestens auskennt darf nicht verwundern.
    Im Falle das Falles,. auch Friede seiner Asche!

    • Greg 8. Oktober 2022 at 17:49Antworten

      rudi & Maria fluegl
      8. Oktober 2022 at 17:26Antworten

      Tja. Herr Fluegel.

      Wissen ist Macht, wenn man weiß, was man weiß und wie man damit umgehen kann. Wissen, das gebunden ist, von Vorurteilen und Wertungen blockiert, führt hingegen zur Ohnmacht.

      • rudi & Maria fluegl 8. Oktober 2022 at 18:11

        Endlich eine Replik bei der jede weitere Replik überflüssig ist!
        Das hatte schon mit 5 gelernt als ich meinem Kater italienisch beibringen wollte.
        Rudi Fluegl

      • Hans im Glück 8. Oktober 2022 at 18:47

        @Rudi

        und? Hat er Fortschritte gemacht der Kater?

      • rudi & Maria fluegl 9. Oktober 2022 at 2:11

        No na!
        Der fing rückwärts zu gehen an wenn ich wieder Versuchen startete!
        Auf Nero loserte aber der schwarze Kater. Da hatte er oreN
        Der Erfolg hier wäre der neue Nick GerGi. Das i weil er so lieb war. Der Kater!

  8. Proteasom 8. Oktober 2022 at 16:52Antworten

    Zu jeder elektromagnetischen Welle (Transversalwellen) gibt es immer eine Feldstärke. Wenn die Russen eine Richtantenne genau auf diese Feldstärke ausrichten, kann man leicht die Frequenzbänder ermitteln.
    Selbige Frequenzbänder auf anderen Feldstärken werden dabei ignoriert bzw. automatisch als Störfrequenz herausgefiltert.
    Mathematische Algorithmen die auch die Fourierreihe verwenden einschließlich Approximation ermitteln dann die Arbeitsweise der Frequenzbänder des Feindes. Dieser Bereich muss dann mit Hilfe von Software gezielt gestört werden hinsichtlich der auszustrahlenden Störfrequenz.
    Diese Arbeit ist ein wunderbares Betätigungsfeld für hochintelligente Ingenieure bei denen mordende ukrainisch-faschistische Banden niemals mithalten werden.

    • Vortex 9. Oktober 2022 at 20:18Antworten

      Es gibt sicherlich nur wenige Experten, die sich hiermit (tinyurl.com/kzse9984, tinyurl.com/y99mjjfj) so exzellent auskennen, nur N. Tesla hatte einst noch weitere Anwendungen tinyurl.com/zh42pjhd entdeckt.

  9. Greg 8. Oktober 2022 at 16:30Antworten

    Hammer !
    Ein Russe aus Krasnodar (Südrussland) soll laut russichen Medien den LKW mit dem Sprengatz gefahren haben der die Krim Brücke schwer beschädigt hat.
    Es scheint das russische Volk ist nicht so angetan von Putin´s “ Spezial Operation “
    Bind schon gespannt was noch alles in Russland in die Luft fliegt, wenn die Leute die Schnauze so richtg voll haben.
    Wenn die Leute schon lieber freiwillig in den Tod gehen als eingezogen zu werden dann wird es spannend.

    • Andreas I. 8. Oktober 2022 at 19:59Antworten

      Hallo,
      was ich in russischen Medien lese: der Besitzer des LKW wurde ermittelt, in der Gegegend von Krasnodar, aber seine Personalien wurden noch nicht veröffentlicht. Und ob er einer der Toten ist, stand auch nicht dabei. Einige Einzelheiten, besonders das exakte Timing mit dem Tank-Zug, sprechen gegen eine Amateur-Tat.

      Erst der Mord an Daria Dugina, dann die Sprengung von Nord Stream, nun die Explosion auf der Krim-Brücke – ein Schelm wer das als zusammenhängende Serie von Anschlägen sieht und fragt, wem nützt das?

  10. Greg 8. Oktober 2022 at 16:21Antworten

    Starlink war in gewissen Regionen abgeschaltet weil die Russen vursucht haben es zu nutzen. Läuft aber bereits wieder zur vollen Zufriedenheit der Ukrainer.
    Es gab nur ein paar Schwierigkeiten bei der Gebietsabdeckung weil die Ukrianer schneller vorgerückt sind als angenommen. Ist jetzt angepasst.
    Keinen Sorge. Läuft.

  11. Tony V 8. Oktober 2022 at 16:05Antworten

    Ist es nicht bemerkenswert, dass Vertreter der Ukraine ständig „fordern“?
    Die sollten eigentlich auf die Knie fallen dafür, dass Musk ihnen das zur Verfügung gestellt hat – was ja für ihn auch ein Risiko ist.
    Wo soll das alles noch hinführen?

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