Wiener Unfallspitäler personell ausgehungert – arbeiten nur mehr mit Teil der nötigen Kapazität

30. August 2022von 3,8 Minuten Lesezeit

In Wien liegt vieles im Argen, nicht nur im Energiesektor, sondern auch im Gesundheitswesen. Insbesondere die Unfall- und Orthopädie-Abteilungen in den Wiener Spitäler haben zu wenig Personal. Es braucht nicht mal mehr einen Busunfall um sie über die Grenzen der Kapazität zu belasten.

Wien Energie liefert derzeit die Schlagzeilen, aber auch in den Wiener Spitälern herrscht Notstand. Insbesondere die diplomierte Pflege wurde über Jahre und Jahrzehnte ausgehungert, was nur mehr teilweisen Betrieb der OP-Säle ermöglicht. Auch die Bausubstanz und die Technik sind in schlechten Zustand.

Da TKP immer wieder von solchen Problemen informiert wurde, haben ich der Pressestelle von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker vorigen Donnerstag folgende konkrete Fragen gestellt:

  • Ist die Versorgung im Bereich des Wiener Gesundheitsverbundes gewährleistet?
  • Sind insbesondere Notfalls- und Unfallstationen oder Ambulanzen vollständig besetzt und dienstbereit?
  • Gibt es Rückstände bei Operationen oder Untersuchungen?
  • Sind die Krankenstände gleich, weniger oder mehr als in den Jahren vor 2020?
  • Kam es zu Kündigungen durch den Dienstgeber oder Austritte von Mitarbeitern wegen Test-Erfordernissen oder Impf-Anforderungen?

Offenbar ist man im Büro des Gesundheitsstadtrates so damit beschäftigt sich evidenzbefreite Corona-Schikanen auszudenken und Zig Millionen für mehrseitige Impfwerbung in Medien zu verbraten, dass man keine Zeit hat Fragen zu beantworten. Daher bestand die Antwort nur darin, die Fragen sollten an die Pressestelle des Wiener Gesunheitsverbundes gestellt werden, was auch am Donnerstag um 13:58 Uhr geschah mit der Bitte bis Freitag 18 Uhr zu antworten. Eine Antwort gab es bis heute nicht, jedoch erschien beim ORF Wien am Freitag Abend ein Artikel, laut dem in der „Klinik Favoriten sind aufgrund der Personalsituation 147 Betten gesperrt, in der Klinik Ottakring ist eine Unfallchirurgie komplett geschlossen“. Das ist zwar nicht ganz korrekt, deutet aber in die richtige Richtung.

Gestern gab Hacker zu, dass die Lage „angespannt“ sei und 1.830 Stellen in den Wiener Spitälern unbesetzt seien. Als eine Ursache hat er laut dem Bericht ausgemacht: „Der niedergelassene Bereich verschiebt permanent alle Patienten in den Spitalssektor“, erklärte Hacker am Montag gegenüber Radio Wien.

Nach unseren Recherchen sind es aber die Rettungen mit Unfallopfern, die die meisten Probleme bereiten, da vor allem in der diplomierten Pflege Personal fehlt, um alle Operationssäle und die nachgelagerten Intensivbetten in Betrieb halten zu können. In Wien kommt die Hauptbelastung von Unfällen älterer Menschen, die sofort operiert und versorgt werden sollten, um gute Heilungschancen zu erreichen. Das ist offenbar nicht mehr oder nur eingeschränkt möglich und Gangbetten sind die Regel.

Um Intensivbetten freizubekommen müssen die Ärzte selbst mit Kollegen anderer Häuser telefonieren um Patienten umlagern zu können. Nicht unbedingt ein Anzeichen für „eine professionelle Hochleistungsorganisation“ wie Hacker im Interview behauptet. Höchstleistungen erbrachte man vor allem bei Umbenennungen aller Spitäler – so heißt das Kaiser Franz Josef Spital nun Klinik Favoriten, aus Rudolf wurde Landstraße und statt Wilhelminenspital gibt es jetzt die Klinik Ottakring. Und statt einem Krankenanstaltenverbund hat Wien jetzt den Gesundheitsverbund. Behandelt der jetzt nur mehr die Gesunden? Aber man ist wenigstens so sparsam, dass man sich bei den Änderungen der Briefköpfe Zeit lässt. Das Geld für die Umorganisation hätte man besser in Personal investiert. Ebenso die Hunderten Millionen, die man für die Corona Testorgie ausgegeben hat und die Kosten für weitere sinnlose Maßnahmen.

Die Situation ist jedenfalls so, dass zum Beispiel in einem Spital nur zweieinhalb von vier Op’s in Betrieb sind, in einem anderen eineinhalb von drei. Regulärer Betrieb endet um 13 Uhr, statt wie in anderen Bundesländern bis in den späten Nachmittag durchgezogen zu werden.

Der Personalmangel in der diplomierten Pflege verdeckt übrigens den ebenfalls bestehenden Ärztemangel.

Die Problem sind keineswegs neu, sondern haben sich über Jahre durch Sparpolitik aufgebaut. Der durch die Unterbesetzung verursachte Druck auf das Personal sowie die für qualifizierte Kräfte mangelhafte Bezahlung führt zu Abwanderung und verschärft die Lage immer weiter. Die gerade in Wien übermäßig rigide Corona Politik tat ein Weiteres um die Lage zu verschlechtern.

Offenbar ist der Gesundheits-Stadtrat schlecht informiert und der Verwaltungskörper, der auf Wiener Gesundheitsverbund umbenannt wurde, mit Nebensächlichkeit ausgelastet. Aber vielleicht wollte man mit der Namensänderung andeuten, dass man sich nicht mehr um Kranke kümmern will oder kann.


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6 Kommentare

  1. Hanna 31. August 2022 at 9:17Antworten

    Ad »Rückstände bei Operationen« –

    Dazu eine aktuelle Information aus einem großen oö. Klinikum, die ich letzte Woche erhalten habe:

    Im tagesklinischen Bereich gibt es an durchzuführenden (nicht dringlichen) Operationen noch immer einen Rückstau aus 2021 („noch nicht abgearbeitet“). Woraus folgt, daß auch solche zu Jahresbeginn 2022 vereinbarten Eingriffe nach wie vor auf der OP-Warteliste stehen.

    Das könnte – so meine Vermutung – daraus resultieren, daß man im heurigen Frühjahr den gesamten tagesklinischen Bereich wieder für allfällige Covid-Fälle gesperrt hatte.

  2. h.mild 30. August 2022 at 19:09Antworten

    Geliefert wie bestellt -> Zitat: Hadmut Danisch- aber nicht nur in Ö, sondern va. im besten D mit dem allerbesten G€sundheizmister & Pharmalobbyisten den es bisher gab.
    „Lernen durch Schmerzen“, wird´s heißen, sehr viele und sehr , sehr starke Schmerzen, und nicht alle werden diese kranken Häuser auf ihren eigenen Füßen verlassen können, gar etliche zum Acker Gottes ihren Weg nehmen.
    Die Verantwortlichen & Profit€ur€ aber sind bekannt, eine €ndabrechnung wird für diese unausweichlich sein…..

  3. Fritz Madersbacher 30. August 2022 at 9:50Antworten

    „Die gerade in Wien übermäßig rigide Corona Politik tat ein Weiteres um die Lage zu verschlechtern“
    Es wäre ungerecht, die äußerst schwierige Situation im „Gesundheitswesen“ – nicht nur in Wien – irgendwelchen Personen in die Schuhe zu schieben, denn sie ist das Ergebnis einer langjährigen gesellschaftlichen Entwicklung, des Umgangs mit Prävention, Ernährung, Krankheit, vor allem auch der Entwicklung der (zwangsläufig gewinnorientierten) Pharma-Industrie und der ihr nach- und untergeordneten Medizin.
    Aber dass eine „übermäßig rigide Corona Politik“ nicht zur Lösung, sondern nur zur Verschärfung all dieser Probleme führt, sollte langsam in die Köpfe der „Gesundheits“-Politiker vordringen. Mit Angst und Hysterie dienen wir nicht der Gesundheit der Bevölkerung, Bergamo hat es ‚in nuce‘ vorgeführt …

  4. I.B. 30. August 2022 at 9:36Antworten

    Wie schön, dass die C-Pandemie-Phrase rechtzeitig kam. Da konnte man zumindest vorübergehend Missstände verstecken und alle, die auf sie aufmerksam machten, sofort als Verschwörungstheoretiker bezeichnen und mündlich totschlagen. Die Verantwortlichen für die Missstände gingen derweilen aus Lichter-Prozessionen. Ob das jetzt auch noch geht?

    Da man nun erst mit drei Stichen „ausreichend immunisiert“ ist, landen natürlich wieder vermehrt „nicht ausreichend immunisierte“ Patienten in den Spitälern. Wenn man dann vielleicht noch den CT-Wert hochfährt, bis wohin man als PCR-positiv gilt, dann kommt es auf wundersame Weise erneut zu einem Anstieg der C-Patienten. Ist doch praktisch.

    Wie lange werden die „Qualitätsmedien“ bei dem Spiel mitmachen?

  5. Jens Tiefschneider 30. August 2022 at 9:29Antworten

    Das Gleiche im benachbarten Dummland. Die rot-grün-gelbe Versagerregierung hält verkrampft an der völlig Sinn befreiten und gefährlichen Spritzenpflicht fürs Gesundheitswesen fest und es bricht hier deswegen gerade alles zusammen, da es – Gott sei dank – viele Beschäftigte gibt, die sich das medizinische Experiment nicht geben wollen. Und die wissen warum. Sie haben die Spritzenopfer, die Myocarditen, Lähmungen und Schlaganfälle täglich auf dem Tisch – unsere ferngesteuerten Politmarionetten nicht. Die nicht geimpften Beschäftigten werden am Ende diejenigen sein, die überhaupt noch einsetzbar sind, wenn alle anderen endgültig arbeitsunfähig, oder unter die Erde gespritzt worden sind. Und das wird nicht nur die Gesundheitsberufe betreffen. Ausnahme Politiker, die haben ein Placebo erhalten.

  6. Veron 30. August 2022 at 8:54Antworten

    Gesundheitsverbund – eine Aufforderung gesund zu bleiben? Man sollte sich wirklich darum bemühen, nur welcher 3-fach-Geimpfte hat noch gute Chancen dafür? Und dazu noch die Forderung nach dem 4. Stich .. ..

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