Taufe, Flucht oder Tod

In Zeiten wie diesen ist ein Blick über den Tellerrand hilfreich. Für vieles von dem was heute passiert, gibt es Parallelen in der Vergangenheit. Lehren daraus zu ziehen wäre vernünftig. Solch Einblick in ähnliche Geschehnisse im 15 Jahrhundert ermöglicht uns

Gastautor Prof. Dr. CC

Am 1. April 1492 verabschiedeten Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragon in Granada das Alhambra-Dekret. Es beendete, was 1391 begonnen wurde, die Vertreibung aller Jüdinnen und Juden aus den beiden iberischen Königreichen, die sich nicht zur katholischen Taufe zwingen ließen. Wer sich bis zum 31. Juli 1492 nicht taufen lassen wollte, musste das Land verlassen, sonst drohten Enteignung, Kerkerhaft und Todesstrafe. Von den noch verbliebenen etwa 200.000 Jüdinnen und Juden Spaniens (Sephard*innen), seit 1391 waren bereits rund 100.000 zur Konvertierung zum Katholizismus gezwungen worden, entschied sich rund die Hälfte die Flucht zu ergreifen. Ein Großteil der 100.000 standhaft gebliebenen Jüdinnen und Juden, rettete sich ins benachbarte Portugal, das die Flüchtlinge gegen die Entrichtung hoher Einreisesteuern aufnahm, sie jedoch nur vier Jahre später (1496/97) vor dieselbe Wahl, nämlich Taufe, Flucht oder Tod, stellen sollte.

Die antijüdische Politik war 1391 eskaliert, nachdem verschiedene geistliche Würdenträger, die meisten waren Mitglieder des radikalen katholischen Dominikanerordens zur Zwangstaufe aller Jüdinnen und Juden in Kastilien und später in Aragon aufriefen. Schon lange machte man sie für die Einschleppung diverser Seuchen in den beiden Königreichen verantwortlich, warf Ihnen Kindsmord, Schändungen sowie für die Vergewaltigungen von Christinnen vor und bezichtigte sie des vorsätzlichen Betrugs und des Zinswuchers. Die Kriminalisierung führte unter Anleitung der katholischen Einpeitscher zu zahlreichen Übergriffen auf jüdische Einrichtungen sowie zu offener Gewalt gegen Jüdinnen und Juden auf den Straßen, die sich ausgehend von Sevilla über die beiden Königreiche ergab. Wer sich nicht taufen lassen wollte, wurde vor den Augen der königlichen Beamten auf der Straße erschlagen und sein Haus angezündet. Die Monate andauernden Pogrome gegen die taufunwilligen Juden hinterließen eine Spur der Verwüstung, fast 50% der jüdischen Gemeinden „Spaniens“ wurden für immer ausgelöscht.

Besonders erfolgreiche Zwangstaufer, wie etwa der Dominikanerpater Vinzenz Ferrer, er wurde bereits 1455 von Papst Calixtus III. heilig gesprochen, genießen bis heute landesweite Anerkennung, auch in der Dominikanerkirche in Wien wird Ferrer bis heute gehuldigt. Doch kaum zwangsgetauft drohte den frisch Getauften schon bald neues Ungemach, verdächtigte man die zu neuen Christen gewordenen ehemaligen Jüdinnen und Juden doch, dass ihre durch die Taufe empfangene „christliche Immunisierung“ noch nicht ganz abgeschlossen war und sie noch immer, nämlich heimlich, dem Judentum anhängen würden. Um das festzustellen, entschlossen sich Kirche und Staat ein neues Gesetz zu verabschieden, die Blutreinheitsgesetze von Toledo, die 1449 in Kraft traten. Von nun testeten Experten, allen voran Kleriker, Juristen, Ärzte und Bürokraten, inwieweit getauften Juden zu trauen war, wie lange ihre Familien frei von jüdischem Blut waren, den nur dann konnten sie sich mit ihren Reinheitsnachweisen innerhalb der Gesellschaft weiter relativ frei bewegen. War dem nicht so, kam es zu Kontaktbeschränkungen, Berufsverboten und im schlimmsten Fall zu harten Bestrafungen und langer Kerkerhaft. Für viele Neuchristen wurde das Leben in den beiden iberischen Königreichen genauso zum Albtraum, wie für die verbliebenen Jüdinnen und Juden, die weiterhin zur Taufe gedrängt und phasenweise auch genötigt wurden, bis schließlich 1492 die generelle Taufpflicht eingeführt wurde. Der Albtraum der Neuchristen fand seine Fortsetzung 1478 als Papst Sixtus IV auf Vorschlag der „Spanischen Kirche“ die Implementierung der „Heilige Inquisition“ erlaubte. Und wieder eiferten die portugiesischen Eliten dem spanischen Modell nach und führten 1537 ebenfalls die Inquisition ein.

Über 300 Jahre lang wurden verdächtige Konvertiten sowie angebliche Gottesleugner und Feinde des Systems von ihren Mitbürger*innen denunziert und durch die Inquisition verfolgt, eingekerkert und von Inquisitionstribunalen in Goa, Lima, Cartagena de Indias, Mexiko Stadt, den Kanaren sowie auf der iberischen Halbinsel zum Tode durch den Scheiterhaufen (bei lebendigem Leibe) verurteilt. Tausende unschuldige Kinder, Frauen und Männer verloren so ihr Leben, ohne das die Verantwortlichen (Menschen und Institutionen) für diese Verbrechen je zur Verantwortung gezogen worden wären.

Was mit der Weigerung sich taufen zu lassen gegen Ende des 14. Jahrhunderts begann, endete einerseits mit der gewaltsamen Vertreibung aus der Heimat sowie andererseits in lebenslanger Verfolgung durch Inquisitoren. Im Gegensatz zu heute, standen den Verfolgten und Vertriebenen, einige Staaten, wie etwa die Niederlande, Dänemark oder die Hansestadt Hamburg, als tolerante Exilländer offen.

Bild von hameleon4422 auf Pixabay

Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich veröffentliche sie aber gerne, um eine vielfältigeres Bild zu geben. Die Leserinnen und Leser dieses Blogs sind auch in der Lage sich selbst ein Bild zu machen.

CC ist Historiker aus Wien. Zur Zeit lehrt und forscht er an der Universität Graz. Er ist Vizepräsident der Vereinigung lateinamerikanischer und karibischer Historikerinnen (ADHILAC) und war Professor und Gastprofessor an verschiedenen Universitäten in Lateinamerika, der Karibik sowie in Deutschland, Spanien und der Schweiz. Seine Vortragstätigkeit brachte ihn an die Universitäten von Harvard, Yale, Colombia sowie an die Johns Hopkins University in Baltimore.


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15 Kommentare zu „Taufe, Flucht oder Tod

    1. Und wie viele Viren fliegen erst draussen noch rum!
      Bei Don Quichotte hats in der Klapse geendet.

    2. Trotz Harvard, Yale, Colombia sowie Johns Hopkins und Fehlen von MIT:

      Es kann keine 300 Jahre andauern.

      Die Schweiz mit australischer Erfindung zeigt uns etwas, wir dächten, sie wäre nur das.

      ALLES IST BOTSCHAFT.

      Bei 10 % Sauerstoff (O2) in der Atmosphäre schlafen wir alle friedlich ein.

    3. Ich mag Österreich.

      Der rote Bulle würde nichts mehr nützen.

      Aber nicht nur Austria verzettelte sich.

  1. Ich mag Österreich. Schon immer war ich überzeugt davon, dass es sich dort mit einem besseren Lebensstandard angenehmer leben lässt wie hier in Deutschland.
    Aber leider scheint Österreich, oder besser gesagt Teile davon, derzeit völlig durchzudrehend. Es galoppiert voran und Deutschland folgt dann in der Regel mit einem gewissen zeitlichen Abstand.
    In diesem Kontext möchte ich gerne dieses Beitrag von Russia Today vorstellen:

    „In einer Mitteilung vom 7. Dezember auf ihrer Webseite fordert die Österreichische Ärztekammer die Österreichische Bundesregierung auf, schnellstmöglich rechtlichen Grundlagen zu schaffen, damit die COVID-19-Schutzimpfung als „unbedingte Voraussetzung für die ärztliche Berufsausübung“ in Österreich gilt. Ein dementsprechender Antrag wäre durch den jüngsten Beschluss im ÖÄK-Vorstand abgesegnet worden.

    Das Procedere soll nach Vorstellungen der Österreichischen Ärztekammer folgendermaßen eingerichtet werden:

    „Die gesetzlichen Grundlagen sollten spätestens mit dem Start der Impfpflicht in Österreich, also mit dem 1. Februar 2022, geschaffen sein.“

    Ein Zuwiderhandeln und das Verweigern der vorgeschriebenen COVID-19-Schutzimpfungen „wäre dann gleichbedeutend mit der Streichung aus der Ärzteliste“, wie auf der Seite der Ärztekammer nachzulesen ist. Dementsprechend sollten auch für diese Situation seitens der Politiker entsprechende Voraussetzungen geschaffen werden.

    Als Begründung für diese harte Forderung heißt es, die österreichische Ärzteschaft solle „die Verantwortung für die Gesundheit der österreichischen Bevölkerung voll und ganz übernehmen, solidarisch vorangehen und auch anderen Berufsgruppen zeigen, dass es in der aktuellen Corona-Krise keinen Ausweg mehr gibt, als jenen der Impfung.“

    Impfpflicht in Österreich ab 14 Jahren – Erster Gesetzentwurf liegt vor
    Impfpflicht in Österreich ab 14 Jahren – Erster Gesetzentwurf liegt vor
    Schon im November äußerte sich die Ärztekammer zum Thema Impfpflicht, wobei im damaligen Statement ein drohendes „Berufsverbot“ noch nicht thematisiert wurde:

    „Es braucht jetzt ein klares Zeichen der Republik, dass die Gemeinschaft die aktuelle Situation nicht mehr länger hinnehmen kann. Wir appellieren an die Politik, hier endlich eine klare Ansage zu machen und auch einen Katalog mit den Konsequenzen für Impfverweigerer zu erstellen.“

    Das wäre dann, wenn ich es richtig verstehe, gleichbedeutend mit einem Berufsverbot. Nicht mehr die ethische und fachliche Meinung des Arztes entscheidet über Therapie. Diese wird stattdessen von der Kammer vorgegeben.
    Sind wir tatsächlich schon wieder da angelangt, wo es schon einmal begonnen hat?

    „Um „die deutsche Kultur in Verantwortung für Volk und Reich zu fördern, die wirtschaftlichen und sozialen Angelegenheiten der Kulturberufe zu regeln und zwischen allen Bestrebungen der ihr zugehörenden Gruppen einen Ausgleich zu bewirken“, wie es in der Ersten Durchführungsverordnung zum Reichskulturkammergesetz hieß, bestand ihre Hauptaufgabe in der staatlichen Organisation und Überwachung der Kultur.

    Vor allem aber erzwang die Kulturkammer den Ausschluss solcher Personen, die für die Kultur im Sinne des NS-Regimes als hinderlich oder nicht geeignet erschienen. Alle Kulturschaffenden und jene, die in verwandten Berufen beispielsweise als Kunsthandwerker, Raumausstatter, Kunsthändler, Restaurator tätig sein wollten, mussten einer der Einzelkammern angehören, um weiterhin arbeiten zu dürfen. Eine Nichtaufnahme oder Ausschluss bedeutete faktisch ein Berufs- und Veröffentlichungsverbot, und dies galt von Beginn an ausdrücklich für alle Personen ohne ausreichenden Ariernachweis. Aber auch andere nicht regimekonforme Künstler wie die sogenannten „Kulturbolschewisten“, deren Werke als zu modern oder als „Entartete Kunst“ gebrandmarkt wurden, zählten zu den Opfern der Personalpolitik der Reichskulturkammer. Viele von ihnen flüchteten in der Folgezeit ins Exil oder begaben sich in die „innere Emigration“.

  2. Testlabor, Wurmfortsatz, logischer Erbe der 1000jährigen, Reservoir von fast einer Million begnadigter und wiedereingesetzter Eltern und Großeltern, erfolgreich geblendete „Opfer“ durch Geschichtsklitterung,
    Notwendige Ursache für Freud, Fast Judenrein und daher frei von auch sich gegenseitig begeistert widersprechenden, Österarm eben!
    Rudi Fluegl

  3. Lassen sie mich durch, ich bin Arzt!

    Ich schlage einfach mal zwei Meditationen vor, mit welchen negative Gedanken vertrieben werden.

    1. „Alles ist eitel!“ Der Satz begegnet einem in der Bibel an 1000 verschiedenen Stellen. Man stelle in die Mitte seines Zimmers einen Stuhl, setze sich entspannt drauf, betrachte sein Zimmer und denke an den Satz.

    2. Man setze sich auf einen Stuhl und richte die Wirbelsäule auf, Kopf nicht hängen lassen, der Blick geht geradeaus. Die Hände lege man mit der Handfläche entspannt auf die Oberschenkel. Wenn’s bequemer ist, forme man Zeigefinger und Daumen zu einem Kreis.

    Man schließe die Augen und der Blick geht nach innen. Man hört nach innen. Man fühlt nach innen. Man riecht nach innen. Die Sinne wenden sich vom Äußeren ab, daß man seine Kleider gar nicht mehr wahrnimmt. Man kann auch geistig an seiner Wirbelsäule herunterwandern und wieder hinauf.

    Jetzt fühlt man gemächlich in seinen rechten Fuß und nacheinander die Zehen, 1 ,2, 3, 4, 5 – Ferse – Knöchel – Wade – Knie – Oberschenkel – rechte Hüfte – rechte Bauchseite – rechte Brustseite – rechte Achselhöhle. Jeden angesprochenen Punkt entspanne man.

    Finger der rechten Hand, Daumen – Zeigefinger – Mittelfinger – Ringfinger –kleiner Finger – Handfläche – Unterarm – Ellenbogen – Oberarm – rechte Schulter – rechte Seite des Rückens.

    Zehen des linken Fußes … wie rechte Seite.

    Kinn – Unterlippe – Oberlippe – Nasenspitze – rechte Wange – linke Wange – rechtes Ohr – linkes Ohr – rechter Augapfel – linker Augapfel – rechtes Augenlid – linkes Augenlid – rechte Augenbraue – linke Augenbrauer – Stirn – Hinterkopf.

    Das ganze rechte Bein – der ganze rechte Arm – das ganze linke Bein – der ganze linke Arm – Rumpf – Kopf – der ganze Körper.

    Die Meditation sollte man morgens machen und sechs mal wiederholen – Standard. Wer wenig Zeit hat, macht sie zwei mal.

    Wenn Gedanken auftauchen, wende man sich davon ab und kehre zur Meditation zurück. Am Ende der Meditation spreche man zu sich: Ich werde die Meditation jetzt beenden, zähle bis 3 und bei 3 bin ich hellwach. Recken, fertig.

    Da brauche ich nichts zu sagen, man wird erkennen, daß es den ganzen Tag schwer ist, die Ruhe zu verlieren. Und eine Menge mehr.

    p.s. Nächstes Mal schreibe ich wieder zum Thema.

  4. Ein alter Spruch besagt, dass deutsche Genauigkeit, gepaart mit österreicher Gründlichkeit, der sichere Weg in den Untergang ist.

  5. Ein schöner, wichtiger Artikel. Schön wäre es gewesen, wenn der Autor auf den Genderquatsch verzichtet hätte. Ich hätte ihn auch so verstanden. Nicht erwähnt hat der Autor, dass viele Juden ins Osmanische Reich flohen.

    1. ja da haben sie natürlich Recht, Saloniki war die größte jüdische Stadt Europas zumindest im 16 und 17. Jahrhundert.

  6. Jedoch auch im weltoffenen Hamburg hat man über Jahrzehnte hinweg die Verdienste der jüdischen Bürger für die Stadt vergessen. Auch heute noch kennen viele zwar den Dichter Heinrich Heine, aber kaum jemand erinnert sich an seinen Onkel, den Bankier Salomon Heine, der Hamburg nicht nur ein modernes Krankenhaus gestiftet hat (Betty Heine Stift), sondern auch den Wiederaufbau der Stadt nach dem Grossen Brand 1842 mit gefördert hat. Mir fällt jedenfalls immer wieder auf, dass es vielen kaum bekannt ist welche Bedeutung die Jüdische Gemeinde innerhalb der Stadt vor dem 2. WK tatsächlich hatte. Viele Orte sind nämlich leider verschwunden und auch die Stadt selbst tut sich schwer mit der Aufarbeitung des Nazi-Unrechts, wie man am Beispiel der Familie Emden sehen kann.

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