Politisches Theater: Energiekrise mit Verbot fossiler Brennstoffe „lösen“

28. April 2026von 3,9 Minuten Lesezeit

Es passt perfekt ins Bild des aktuellen politischen Theaters: Während die Welt in einer Energiekrise steckt, die durch geopolitische Konflikte, unterbrochene Lieferketten und eine explodierende Nachfrage befeuert wird, versammeln sich Vertreter von über 50 Nationen in Kolumbien, um den „Ausstieg aus fossilen Brennstoffen“ zu zelebrieren.

Es ist der Gipfel der politischen Heuchelei. Während man öffentlich die Dekarbonisierung verkündet, wetteifern dieselben Regierungen hinter den Kulissen darum, sich die letzten langfristigen Öl- und Gasverträge zu sichern, um das eigene Licht nicht gänzlich ausgehen zu lassen. Über 50 Staaten treffen sich derzeit in Kolumbien, um eine Welt ohne Öl, Gas und Kohle zu planen – mitten in einer Energiekrise, die durch Kriege, Lieferengpässe und explodierende Nachfrage ausgelöst wurde. Gleichzeitig reaktivieren dieselben Regierungen heimlich neue fossile Verträge, Kohlekraftwerke und subventionieren Energiepreise, um soziale Unruhen zu verhindern. Was als „grüner Fortschritt“ verkauft wird, ist in Wahrheit reines politisches Theater – ideologisch getrieben, physikalisch unmöglich und wirtschaftlich verheerend.

Physik schlägt Ideologie

Martin Armstrong bringt es auf Armstrong Economics in einer prägnanten Analyse auf den Punkt: Die gesamte „Energiewende“-Politik ist eine Absage an die physikalische Realität. Wind und Sonne sind volatil – sie sind schlicht nicht in der Lage, die Grundlast einer modernen Industriegesellschaft zu tragen.

Wind und Sonne sind intermittierend. Speicher in der notwendigen Größenordnung existieren nicht und werden auch in absehbarer Zeit nicht existieren. Die Physik lässt sich nicht wegdiskutieren. Dennoch predigen Politiker wie Ursula von der Leyen, John Kerry oder Ed Miliband unermüdlich das Ende der fossilen Ära – als wäre es eine moralische Pflicht, „den sauberen Ticket ins Himmelreich zu verdienen“. Tony Blair, kein Klimaskeptiker, warnte bereits: Jede Strategie, die auf ein schnelles Aus für fossile Brennstoffe setzt, sei „zum Scheitern verurteilt“.

Doch das stört die ideologischen Architekten der „Net Zero“-Politik nicht. Sie tun so, als sei Energie eine optionale Luxusware, die man nach Belieben an- und ausschalten könne. Die Konsequenzen dieses Wunschdenkens sind in Europa bereits in voller Härte zu besichtigen.

Deutschland: Vom Industriemotor zum Wrack

Die Realität in Europa zeigt das Desaster in Reinform. Die Net-Zero-Politik hat die Energiepreise in die Höhe getrieben, die industrielle Basis Deutschlands untergraben und Kapitalflucht ausgelöst.

Deutschland, das einst als stolzer Industriemotor Europas galt, wurde durch den fanatischen Ausstieg aus bewährten Energieträgern systematisch in den wirtschaftlichen Ruin geführt. Die Rechnung ist simpel und brutal: Wer seine preiswerte und zuverlässige Energiebasis zerstört, zerstört seine Wirtschaft. Die Industrie wandert ab, die Wettbewerbsfähigkeit sinkt, und das Kapital sucht das Weite – hin zu Regionen, in denen Energie noch als Basis für Wohlstand und nicht als politisches Experiment verstanden wird.

Die grüne Ideologie hat sich zur Staatsdoktrin erhoben. Wer die physikalischen Grenzen anspricht, wird als „Klimaleugner“ diffamiert. Dabei geht es nicht um Umweltschutz, sondern um Kontrolle: Weniger Energie bedeutet weniger Freiheit, weniger Wohlstand und mehr Abhängigkeit vom Staat. Die Politiker bereiten sich nicht auf eine Welt ohne fossile Brennstoffe vor – sie bereiten sich auf Ressourcenkriege vor.

Die große Heuchelei

Das Erschreckende an diesem Schauspiel ist die kognitive Dissonanz der politischen Klasse. Man hält Konferenzen ab, unterschreibt feierliche Erklärungen und lässt sich als Retter des Planeten feiern, während man gleichzeitig Kohlekraftwerke reaktiviert, Energiepreise subventioniert, um soziale Unruhen zu verhindern, und verzweifelt versucht, fossile Ressourcen zu sichern.

Sie wissen ganz genau, dass ihre Politik in die Sackgasse führt. Aber sie spielen das Spiel mit, weil sie fürchten, dass die Wahrheit – nämlich dass fossile Energieträger das Fundament unserer gesamten Zivilisation sind – zum Zusammenbruch ihrer Machtposition führen würde.

Armstrong warnt zu Recht: Diese Regierungen bereiten sich nicht auf eine Welt ohne fossile Brennstoffe vor. Sie bereiten sich auf den Kampf um genau diese Ressourcen vor, die sie öffentlich verdammen. Die Politik der „Net Zero“-Ideologen ist kein Fortschritt. Es ist die vorsätzliche Zerstörung unserer wirtschaftlichen Stabilität. Wer heute noch glaubt, diese Konferenzen dienten dem Umweltschutz, hat die Zeichen der Zeit – und den Blick auf die nackten Fakten – vollends verloren.

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Bild von Анатолий Стафичук auf Pixabay

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6 Kommentare

  1. Jan 28. April 2026 um 11:35 Uhr - Antworten

    „physikalisch unmöglich“

    Richtig. Es ist auch wirtschaftlich unmöglich, fossile regenerativ zu ersetzen. Man muss einen Überschuss investieren, das geht nicht in der Rezession. Die EU versteht das nicht, da ist geistig Ende im Gelände. Ein Ausbau der Regenerativen ginge nur durch das Erwirtschaften eines Überschusses durch Fossile, ganz banal, aber leider. Wenn wir Selensky alimentieren, können wir keine Windmühlen mehr bauen.

    Ein wenig Regenerative kann aber fossile Energie „verlängern“ und effizienter machen. Solange man sich nicht Lössboden, Luft usw kaputt macht.

    Es sieht sieht so aus, als ob global die Verwendung von Energie ineffizienter geworden wäre, das könnte mit dem Ausbau zusammen hängen, aber die Datenbasis ist auch sehr schwierig.

    Es ist nicht so, dass wir keine fossile Energie mehr hätten, auch wenn ihre Gewinnung vielleicht teurer geworden ist. Neue Möglichkeiten der Gewinnung lassen wir einmal außer acht.

    Das echte Problem ist das mathematisch gesehen exponentielle Wachstum des Primärenergieverbrauchs, in den letzten 50% Jahren etwa um 150%, vor allem wegen des Bevölkerungswachstums in Asien, dem kapitalistischen Wachstum und der Verstädterung.

    Wir werden in den nächsten 50% Jahren nicht noch einmal 150% draufschlagen können, auch nicht durch Atom oder regenerativ.

    Wenn wir uns vorstellen, dass wir alle 50 Jahre eine Stadt wie Wien in Österreich dazu bauen, also Salzburg, Linz, Wels, St. Pölten auf die Größe Wiens aufblasen, da sind wir noch lange nicht bei 150% Wachstum, dann kommen wir an ein Ende, nicht nur bei Energie.

    in Nahost gibt es fast keine natürlichen Wasserreserven, alles muss über die Verstromung von Gas oder Öl entsalzen werden. Auch das ist ein Ende der Ressourcen.

    Das Problem ist nicht so sehr, der „Rückgang“ als das Wachstum.

    Vor 50 Jahren waren viele Förderländer Exporteure. In Österreich und in Schottland ist die Förderung aus geologischen Gründen deutlich zurückgegangen In anderen Ländern ist der Verbrauch so gestiegen, dass man nicht mehr autark ist. Das konzentriert die Nachfrage auf wenige große Fördergebiete und führt zu Machtverschiebungen.

  2. audiatur et altera pars 28. April 2026 um 11:26 Uhr - Antworten

    „Sie wissen ganz genau“, exakt. Aber können sie es sich auch leisten, ihr Wissen den journalistisch gezüchteten WählerInnen zu offenbaren? Würden sie in Bobohausen nicht sofort geklenkt? Würde sie Jeffrey Sachs nicht sofort für psychisch instabil erklären, wie er es mit dem US-Präsidenten tut?

    Beispiel aus der Praxis:
    Jeder halbwegs nüchterne Politiker wusste, dass der Wolf in einer dicht bewirtschafteten Kulturlandschaft (insbesondere unbejagt) niemals koexistieren könne. Das angerichtete Blutbad war ein ziemlich offenkundiges. Doch wer wagte es, sich mit dem Konglomerat aus realitätsfremden „TierschützerInnen“ und finanzstarker Lobbys echt anzulegen? Der typische Hasenfuß wählte daher (da konnte er noch so juristisch gebildet) die „4-S-Regel“:
    Sehen, Schießen, Schaufeln und Schweigen.

  3. Christine 28. April 2026 um 10:30 Uhr - Antworten

    Und wenn man weiß, dass CO2 ein Lüge ist, um noch mehr Geld zu verdienen, dass es überhaupt keine Ölknappheit gibt (außer die von den Profiteuren künstlich erzeugte), dann geht einem erst recht das Messer in der Tasche auf.

    Das Ganze ist doch ungefähr so, als würde man erst die Lebensmittel künstlich verknappen (geht ganz leicht) und dann Fleisch verbieten, damit mehr Gemüse angebaut wird. Man profitiert von den hohen Lebensmittelpreisen, am Saatgut, mit den Fleischalternativen und vom Dünger, der auf die paar Gemüseflächen draufgehauen werden muss. Außerdem kann man dann die ganzen ungenutzten Weideflächen, die sich nicht zum Gemüseanbau eignen, asphaltieren und die Grundstücke teuer an die Fleischverbot-Kontrolleure (die Bevölkerung kann sie sich nicht leisten) verkaufen. Die ganzen nicht mehr bejagten Wildtiere, die den Leuten in die Autos rennen, sorgen noch für Hochbetrieb in den Autowerkstätten (und werden natürlich in Privatwäldern doch gejagt und von den Eliten auf geheimen Inseln verspeist, während sie …).

  4. Varus 28. April 2026 um 9:31 Uhr - Antworten

    Während man öffentlich die Dekarbonisierung verkündet, wetteifern dieselben Regierungen hinter den Kulissen darum, sich die letzten langfristigen Öl- und Gasverträge zu sichern

    Man will sich also gegenseitig austricksen. Ich ahne schon, welches Land besonders naiv an Klima-Narrationen glaubt und im Heuchelei-Wettbewerb verliert.

  5. Daisy 28. April 2026 um 7:48 Uhr - Antworten

    Das Störende daran ist der religiöse Wahn, der zu dueser Alles-oder-nichts-Einstellung führt. Alles nur noch Sonne und Wind, fossile Energie ist böse…

    Vernünftig wäre ein Bündel aus div. Energieformen. Wer mag, kann ja mit seinem E-Riller zur Arbeit fahren und wer mag kann mit seinem Diesel, betrieben mit desn gesundheitsschädlichen Samenölen wie zB Raps, Sonnenblumenöl und vor allem auch Altöl fahren. Wer mag heizt elekrisch und wer mag, bleibt bei der Ölheizung, die wenig bis gar nicht russt. Wer mag, beheizt seinen Pool mit Sonnenenergie.

    Das alles sollte freiwillig geschehen und ohne ideologie-/religios bedingtem Staatsintervenismus. Der Markt kann es entscheiden. Setzt sich etwas dadurch durch, dass es besser und günstiger ist, ist das gut.

    Besonders verrückt: Durch die Sperre von Hormus kommt es zu immer höheren Benzinpreisen. Was macht D? Es erhöht die CO2-Steuern und auch die MÖSt wird nicht gesenkt. Die CO2-Steuern sind jedoch stantepede abzuschaffen. Das ist eine reine Abzocke.

    • audiatur et altera pars 28. April 2026 um 12:42 Uhr - Antworten

      Eine Steuer, die mal da ist, ist durch die Politik selbst schwer wegzukriegen, zumal sie sofort Ansprüche schafft. Der durchschnittliche Suppenkoch selbst sieht ja gerade, wie es ist, wenn man die Seiten hin zur Wegelagerei „wechselt“. Ein funktionierender VfGH könnte dies leichter bewerkstelligen, weil ein faktische Ablasshandel auf Basis pseudoreligiöser Irrlehren nicht nur Grundrechten, sondern auch Grundprinzipien der Verfassung widerspricht. Auch hier ist das aber umso schwerer möglich, umso weniger Diskurs im quasiamtlichen Debattenraum gegen Gebühr zugelassen wird…

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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