BRICS-Treffen: Schweigen zum Iran, Lob für WHO

17. Mai 2026von 3,3 Minuten Lesezeit

Zeitgleich zum Treffen Xi – Trump in Peking traf sich die Brics-Gruppe in Indien. Während man keine gemeinsame Linie im Iran-Konflikt fand, lobte man WHO und Klima-Irrsinn.

Im Vorfeld zum jährlichen BRICS-Gipfel im September in Indien trafen sich die Außenminister des erweiterten BRICS-Bündnisses in Neu Dehli – TKP hat bereits berichtet: Zum Iran-Krieg fand man keine einheitliche Linie, umso erstaunlicher ist es, dass man sich bei einigen Punkten durchaus einig zu sein scheint.

Wieder einmal zeigt sich, dass die Gruppe politisch wenig einheitliche Linie hat. Der Iran, seit 2024 Vollmitglied, forderte eine klare Verurteilung der Angriffe auf seine Nuklearanlagen und die Blockade der Straße von Hormuz. Doch das wurde nicht erreicht.

Frelich nicht besonders verwunderlich. Indien rückte zuletzt immer näher an Israel heran, die UAE, ebenfalls BRICS-Mitglied, stehen in recht offenem Konflikt zum Iran. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi sprach von „illegaler Aggression“ und „westlicher Straflosigkeit“. Er warf sogar dem Mit-BRICS-Mitglied Vereinigte Arabische Emirate direkte Beteiligung vor.

Das Treffen endete ohne gemeinsame Erklärung. Indien als Gastgeber veröffentlichte lediglich eine vage Vorsitz-Erklärung: Man habe „unterschiedliche Sichten“ zur Lage im Nahen Osten festgestellt und vor allem die wirtschaftlichen Folgen diskutiert.

Statt einer gemeinsamen Position gegen die Bombardierung eines Mitgliedslandes verabschiedeten die Minister eine Erklärung, die „entschlossene Unterstützung“ für globale Klimamaßnahmen und die Vorbereitung auf zukünftige Pandemien unter WHO-Führung zusichert. Die BRICS haben offensichtlich kein Interesse an geopolitischer Konfrontation. Symbolische Multipolarität ist willkommen, doch die „Multipolarität“ bedeutet für viele Mitglieder keine Konfrontation mit den USA, vor allem nicht, wenn das nicht die eigenen Interessen dient.

Das ist alles ein simpler realpolitischer Umstand, entzaubert aber einen Mythos der letzten Jahre. Viele Beobachter hatten in BRICS die Keimzelle einer neuen Weltordnung gesehen, die den Dollar, den Westen und seine Institutionen herausfordern würde. Die Realität sieht anders aus. Das Bündnis istein wirtschaftlicher Gesprächskreis, es gibt keine gemeinsame Außenpolitik und schon gar keine militärische Koordination.

Bemerkenswert ist aber, dass die BRICS immer recht laut sind, wenn es um Klimapolitik und globale Gesundheitssicherheit (angeführt von der WHO) geht. In jeder jährlichen Erklärung, und so wird es auch im September wieder sein, werden UNO-Institutionen und WHO stets verteidigt und gelobt. Wo die Agenda mit den Interessen der etablierten globalistischen Organisationen übereinstimmt, findet man plötzlich Einigkeit.

Ganze 13 Mal kommt im Dokument der Begriff „Klima“ vor. Die WHO bekommt einen eigenen Punkt. In Punkt 48 heißt es:

Die Minister begrüßten die Vertiefung der Zusammenarbeit bei globalen Gesundheitsinitiativen, unter anderem im Rahmen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), und betonten die Bedeutung gerechter, zugänglicher und widerstandsfähiger Gesundheitssysteme durch verstärkte Zusammenarbeit und Initiativen zum Kapazitätsaufbau. In diesem Zusammenhang nahmen sie die laufenden Verhandlungen über den Anhang „Zugang zu Krankheitserregern und Vorteilsausgleich“ (PABS) zum WHO-Pandemieabkommen und dessen Rolle bei der Stärkung der globalen Vorsorge, Prävention und Reaktion auf Gesundheitsnotfälle zur Kenntnis. Sie bekräftigten ihr Engagement für die Förderung der Zusammenarbeit in neuen Schwerpunktbereichen, darunter digitale Gesundheit, Antibiotikaresistenz (AMR) und Nuklearmedizin. Sie wiesen auf die Beiträge traditioneller Medizinsysteme zur Vorsorge, medizinischen Behandlung, Rehabilitation, ganzheitlichen Gesundheit und gemeindebasierten Gesundheitspraktiken hin. Sie unterstützten die Aktivitäten des BRICS-Forschungs- und Entwicklungszentrums für Impfstoffe, die Weiterentwicklung des integrierten BRICS-Frühwarnsystems zur Prävention und Reaktion auf Masseninfektionskrankheiten, die Arbeit des BRICS-Forschungsnetzwerks zu Tuberkulose sowie die Umsetzung der Partnerschaft zur Beseitigung sozial bedingter Krankheiten.

Auch das dürfte die gelebte Multipolarität sein. Man unterstützt und akzeptiert die globale Gesundheitsindustrie, will aber immerhin dass auch traditionelle Behandlungen noch erlaubt bleiben. BRICS und WHO verstehen sich gut, das hält man bei jeden Gipfel fest.


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