Interessante Studien zu Vitamin D – meistens mit falschen Methoden und unwissenschaftlich

Über Wirksamkeit und Sicherheit von Vitamin D gibt es bereits zigtausende Studien. Eine Meta-Studie zeigt wieder, dass Vitamin D nützlich ist und einen nicht umbringt. Sehr viele der Studien werden aber mit wissenschaftlich eindeutig falschen Methoden durchgeführt. Doppel-blind und Placebo kontrolliert ist bei allen natürlich im Körper vorkommenden und teils vom Körper selbst produzierten Substanzen unwissenschaftlich und methodisch falsch.

Wenden wir uns aber zunächst einer am 30. März 2021 in Lancet veröffentlichten Studie zu. Ziel der Meta-Studie war wieder einmal festzustellen, ob die Supplementierung mit Vitamin D vor Atemwegserkrankungen (ARI) bzw deren Folgen schützen kann.

Es wurden 46 randomisierte kontrollierte Studien (RCT) mit insgesamt 75.541 Teilnehmern ausgewertet. Ein signifikant geringerer Anteil der Teilnehmer in der Vitamin-D-Supplementierungsgruppe hatte eine oder mehrere ARIs als in der Placebogruppe.

Trotz Hinweisen auf eine Heterogenität zwischen den Studien war die Vitamin-D-Supplementierung sicher und reduzierte insgesamt das Risiko einer ARI im Vergleich zu Placebo, obwohl die Risikoreduktion laut den Studien gering war. Der Schutz war assoziiert mit der Verabreichung von täglichen Dosen von 400-1000 IE für bis zu 12 Monate und einem Alter bei Studieneinschluss von 1 bis 99 Jahren. Die Relevanz dieser Ergebnisse für COVID-19 sei nicht bekannt und erfordere weitere Untersuchungen, meint diese Studie fälschlicherweise da offenbar den Autoren das Wissen fehlt.

Unwissenschaftliches Studiendesign

Soweit die Studien. Sie sind nach den Erfordernissen der pharmazeutischen Industrie organisiert. Pharmazeutische Medikamente kommen in der Regel im Körper nicht natürlich vor. Würden sie das, wären sie nicht patentierbar und daher aus finanziellen Erwägungen für Pharma-Unternehmen weitgehend uninteressant.

Jedenfalls ist es deshalb sinnvoll um die Wirkung pharmazeutischer Medikamente zu erforschen sie einer Gruppe von Menschen zu verabreichen und einer anderen ein Placebo zu geben. Und um jeden Beobachtungsbias auszuschließen werden die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip einer der beiden Gruppen zugeordnet, ohne dass sie oder die Auswerter wissen zu welcher Gruppe sie gehören. Somit hat eine Gruppe den Wirkstoff durch die Verabreichung im Körper, die andere jedoch definitiv nicht.

Ganz anderes stellt sich die Situation dar, wenn ich zum Beispiel die Wirkung von Vitamin D untersuchen möchte. Vitamin D erzeugt der Körper selbst aus dem körpereigenen Cholesterin in der Haut, wenn diese UVB Strahlung ausgesetzt ist. Und man kann es auch durch verschiedene Lebensmittel zu sich nehmen, wie zum Beispiel durch Lachs oder Sardinen.

Vitamin D muss dann noch in Leber umgewandelt werden in 25-Hydroxyvitamin D, das über längere Zeit im Körper gespeichert werden kann und daraus wird in der Niere in das biologisch aktive 1,25-Diydroxyvitamin D erzeugt.

Wenn jetzt eine Studie über 12 Monte gemacht wird mit Supplementierung von 400 bis 1000 IE im Vergleich zu Placebo, kann niemand mit Sicherheit irgeendeine Aussage treffen. Denn wenn die Placebo Gruppe auch nur einmal in der Woche Fisch isst und vor allem in den Sommermonaten regelmäßig mit unbedeckten Hautpartien in die Sonne kommt, dann können sie dadurch erheblich mehr Vitamin D erzeugen und aufnehmen als mit der mickrigen Supplementierung. Eine halbe Stunde in der Sonne kann schon 20.000 bis 30.000 IE im Körper erzeugen. Und abgesehen von einem möglichen Sonnenbrand ist die Dosis natürlich sicher, denn früher waren die Menschen der Sonne regelmäßig ausgesetzt und der Körper kann bestens damit umgehen.

Sonnencreme, Sonnenblocker, ganztägiges Arbeiten am Computer und Aufenthalt in klimatisierten Räumen sind erst im 20. Jahrhundert aufgekommen und haben für Vitamin D Mangel bei großen Teilen der Bevölkerung gesorgt.

Die wissenschaftlich Methode

Was muss man also machen, wenn man die Wirksamkeit der Supplementierung von Stoffen untersuchen möchte, die natürlich im Körper vorkommen? Ganz klar das, was jeder Naturwissenschaftler von vornherein sozusagen automatisch und instinktiv machen würde: nämlich MESSEN.

Um eine wissenschaftlich und methodisch korrekte Untersuchung durchzuführen, müsste man vor Beginn und im Verlauf der Studie regelmäßig die Spiegel im Blut messen. Und zwar bei Vitamin D auch die umgewandelte Form 25-Hydroxyvitamin D um sicherzustellen, dass die Umwandlung in der Leber funktioniert.

Und das Studiendesign kann nicht die Menge der Supplementierung sein, sondern die Veränderung des Spiegels des bioaktiven Stoffes. Wenn jemand bereits einen Spiegel von, sagen wir, 80 ng/ml Vitamin D im Blut hat wird eine Supplementierung mit 400 – 1000 IE Vitamin D mit hoher Wahrscheinlichkeit genau gar nichts mehr ändern, bei einer Person mit 10 ng/ml aber sehr wahrscheinlich doch.

Sinnvoll ist also die Veränderung des Spiegels zu beobachten bzw eine definierte Veränderung des Spiegels vorzunehmen und die Folgen zu beobachten. Das kann allerdings zu ethischen Problem führen. Denn jemand auf einem pathologisch niedrigen Spiegel zu belassen ist offensichtlich mit ethischen Grundsätzen nicht vereinbar. Ethisch sind solche Experimente nur dann, wenn man bewusst die Augen vor einem allfälligen Mangel verschließt. Oder vielleicht doch nicht?

Bei einer Studie in Brasilien wurden 200.000 IE Vitamin D3 bei Aufnahme ins Spital gegeben und mit einer Placebo Gruppe verglichen. Es wurde kein Unterschied festgestellt in der Schwere der Verläufe und Zahl der Todesfälle. Kein Wunder, weil die Studie so angelegt war, dass sie nicht wirken konnte, denn die Umwandlung in die aktive Forme in der Leber dauert bis einer Woche. In zwei spanischen Studien war dagegen gleich das 25-Hydroxyvitamin D verabreicht worden und da die Umwandlung in die aktive Form in Stundenfrist passiert, war die Wirkung sehr stark, die Schwere der Erkrankungen wurde erheblich reduziert und ebenso der Anteil der Todesfälle. Mehr dazu habe ich hier beschrieben.

Geht man aber an Studien so heran, dass man von vornherein über Funktion, Wirkungsweise und zeitlichen Verlauf nichts weiß oder nichts wissen will produziert man Mist. Oder das, was die Pharmaindustrie haben möchte.



Anhang:

Das inaktive Vitamin D3 (Cholecalciferol) entsteht durch UV-B Strahlung mit Wellenlängen zwischen 280 und 320 nm und Wärme. Es kommt in der Haut zur Umwandlung von v.a. Pro-Vitamin D3 (7-Dehydrocholesterol), welches aus Cholesterol in der Leber und anderen fetten Geweben gebildet wird. Es ist fettlöslich und ist zum Transport im Plasma an einem Trägermolekül, dem Vitamin-D-Binding-Protein (DBP, auch VDBP), gebunden. Beide Moleküle werden zur Leber transportiert und dort in der Position 25 hydroxyliert, es entsteht Calcidiol (auch Calcifediol) oder 25-OH-Vitamin-D. Dieses wiederum wird in der Niere in der Position 1 hydroxyliert, wodurch das biologisch wirksame 1,25-Vitamin-D/ 1,25-dihydroxycholecalciferol, Calcitriol, entsteht.



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4 Kommentare zu „Interessante Studien zu Vitamin D – meistens mit falschen Methoden und unwissenschaftlich

  1. Die fortlaufende wahrheitsfeindliche Denunzierung auch anderer natürlicher Heilmittel ist in einer perversen Gesetzgebung begründet, die sich bei den medizinisch-kapitalistischen Belohnungsregeln dahingehend auswirkt, dass durch verlängerte Behandlungsnotwendigkeit wegen Verzögerung und Verhinderung von Heilung erheblich mehr Gewinnabschöpfung möglich ist als durch Optimalbehandlung.

  2. Super erklärt. Wirklich beschämend, dass so viele untaugliche Studien produziert werden. Die aus Brasilien mit der inaktiven Form bei bereits kranken Menschen war ein Tiefpunkt.

  3. Gibt es Daten, wieviele Personen einer Gruppe verschiedener Altersstufen durchschnittlich an Corona erkrankt und wieviele allenfalls leichte oder keine Symptome haben?

  4. Hätten die im Krankenhaus in Brasilien den Vitamin D Spiegel im Blut getestet bei der Einlieferung und nach der Verabreichung würde schnell herauskommen das ein Grundsätzlicher Vitamin D Mangel im Vorfeld bestand und nach der Dosis sich nichts im Blut Verändert hat.
    Selbst eine Woche nach Verabreichung ist sehr Optimistisch. Je nach dem wie niedrig es ist und die Körperliche Verfassung kann es 2 oder 3 Wochen dauern bis Sichtbar sein Depot gefüllt ist. Nur die Sonne selbst könnte es schneller machen weil der weg verkürzt wird und nicht erst durch die Leber muss.
    Will mich aber nicht zu weit rauslehnen da ich keine Studie dazu kenne.

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