Französische Studie: kein Einfluss der Strenge der Maßnahmen auf Todesraten

Covid wird durch ein Virus verursacht. Aber die Covid-Todesrate hängt viel mehr von den demografischen Parametern der Bevölkerung ab als vom Grad der staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung. Französische Wissenschaftler haben die Zahlen weltweit ausgewertet und sind zu diesem Ergebnis gekommen, das auch schon in anderen vergleichenden Studien immer wieder festgestellt wurde.

Höhere Covid-Sterberaten werden in den höheren Breitengraden (25/65°) und in den Längengraden (-35/-125°) beobachtet. Die nationalen Kriterien, die am stärksten mit der Sterblichkeitsrate assoziiert sind, sind

  • die Lebenserwartung und die Verlangsamung des Zuwachses,
  • die öffentliche Gesundheit wie Belastung durch Stoffwechselkrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten (NCD) im Vergleich zur Prävalenz von Infektionskrankheiten,
  • die Wirtschaft (Wachstum des Sozialprodukts, finanzielle Unterstützung) und
  • die Umwelt (Temperatur, Ultraviolett-Index).

Die Strenge der Maßnahmen, die zur Bekämpfung der Pandemie ergriffen wurden, einschließlich der Lockdowns, hat keinen Einfluss auf die Sterberate, so die Public Health Studie.

Der geografische Zusammenhang zwischen der Covid-19-Mortalität und dem Breitengrad zeigt, dass in den [25-65°] Breitengrad-Intervalle n(Nord und Süd) 78% aller Covid-19-Todesfälle verzeichnet wurden. Auf dem europäischen Kontinent umfasst dieses Gebiet Spanien und Italien bis zum südlichen Teil Schwedens; auf dem amerikanischen Kontinent umfasst es den Bundesstaat Texas bis zur Hudson Bay; den südlichen Teil Brasiliens und die darunter liegenden Staaten; auf dem afrikanischen Kontinent: die Maghreb-Staaten und Südafrika). Dieses Gebiet umfasst die Staaten mit den höchsten registrierten Sterberaten (New-Jersey in Amerika, Belgien in Europa).

Negative Längengrade (amerikanische Länder) waren ebenfalls mit höheren Sterberaten verbunden. Das [-35/-125°] Längengrad-Intervall (Westen) grenzte ein Gebiet ab, in dem 57 % aller Covid-19-Todesfälle aufgezeichnet wurden.

Der Einfluss der Lebenserwartung

Länder, die bereits eine Stagnation der Zunahme der Lebenserwartung oder einen Rückgang erlebten, mit hohem Einkommen und hohen Raten an „Zivilisations“-Krankheiten, hatten den höchsten Preis zu zahlen. Daran haben alle Arten von Maßnahmen inklusive der Lockdowns nichts geändert. Andere Faktoren, die in der Gesellschaft vorhanden sind, haben die Covid-19-Mortalität vorbestimmt. Sie zu verstehen, könnte Präventionsstrategien verbessern, indem die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung durch bessere körperliche Fitness und Immunität erhöht wird.

Die Analyse zeigt, dass höhere Covid-19-Sterblichkeitsraten vor allem in Ländern zu finden sind, die eine höhere Lebenserwartung haben und in jüngster Zeit eine Verlangsamung dieser Progression aufweisen. Die meisten dieser entwickelten und alternden Gesellschaften befinden sich geografisch nördlich bzw südlich des 25-ten Breitengrades. Sie haben auch ein höheres BIP und ein höheres Maß an chronischen Krankheiten (z. B. Herzkrankheiten und Krebs), die mit weiteren Risikofaktoren (z. B. inaktiver Lebensstil, sitzende Tätigkeit und Fettleibigkeit) verbunden sind. Hohe Temperaturen und hohe UV-Werte sind dagegen mit niedrigen Sterberaten verbunden, so dass die nördlichen und westlichen Länder den höchsten Tribut an Covid-19 zahlen. Hohe UV-Werte sorgen für einen höheren Vitamin D Spiegel, das entscheidende  Vitamin (Hormon) für die Funktion der Immunabwehr.

Auch die Staaten in Nord- und Südamerika, die von einem häufigen inaktiven Lebensstil und höheren Adipositasraten geplagt sind, weisen eine höhere Sterblichkeitsrate auf als asiatische Länder.

Früher bevorzugte Regionen werden zum Problemfall

In den Regionen, in denen günstige gesundheitliche, demografische, umweltbezogene und wirtschaftliche Parameter anzutreffen sind, setzen sie die Bevölkerungen heute jedoch einer höheren Anfälligkeit gegenüber Infektionskrankheiten (Covid-19) oder physischen Einschränkungen wie zum Beispiel durch Hitzewellen aus. Die Maßnahmen der Regierung haben keinen Zusammenhang mit dem Ergebnis, was darauf hindeutet, dass die anderen untersuchten Faktoren für die Covid-19-Mortalität wichtiger waren als die politischen Maßnahmen.

Während einer Pandemiesituation kann der wichtigste Indikator für die gesundheitliche Anfälligkeit eines Landes im Anteil älterer Menschen gesehen werden, die das Hauptziel von SARS-CoV-2 waren. Die Leistungsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit nimmt mit dem Alter unweigerlich ab.

Frühere Studien haben den Zusammenhang zwischen Gebrechlichkeit und Sterblichkeit verdeutlicht. So starben bei der Hitzewelle 2003 30.000 bis 50.000 Menschen in Europa und 15.000 in Frankreich, 80 % davon waren ältere Menschen. Bei Hundertjährigen, bei denen die Wahrscheinlichkeit eines plötzlichen Todesfalls größer ist, steigt die Sterblichkeit aufgrund von Infektionen z. B. Lungenentzündung. Dementsprechend ist die Covid-19-Sterblichkeit unter älteren Menschen weltweit am höchsten. Bei einer höheren Lebenserwartung ist daher ein größerer Anteil der Menschen einer hohen Sterblichkeit ausgesetzt, insbesondere wenn sie einer Massenbedrohung ausgesetzt sind oder sich die Umweltbedingungen stark verändern.

Hohe Wirtschaftsleistung als Risikofaktor

Parallel zu einer hohen Lebenserwartung begünstigt die durch ein hohes BIP ermöglichte Entwicklung in der Regel einen inaktiven Lebensstil, sitzende Verhaltensweisen und Adipositas, wodurch das Risiko für Bluthochdruck, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die häufigsten Komorbiditäten im Zusammenhang mit der Covid-19-Mortalität, steigt. Mit dem epidemiologischen Wandel hin zu häufigeren chronischen Krankheiten haben Länder mit hoher Lebenserwartung auch die gleichzeitigen Risiken erhöht, was ihre Anpassungsspielräume einschränkt.

Covid-19 hat eine Vielzahl von Reaktionen von Regierungen auf der ganzen Welt hervorgerufen, dennoch sind die Ansteckungs- und Sterblichkeitskurven zwischen den Ländern sehr ähnlich. Die demographischen, Gesundheits-, Entwicklungs- und Umweltfaktoren sind viel wichtiger, als die Handlungen der Regierung, besonders wenn solche Handlungen mehr von politischen als von gesundheitlichen Zielen geleitet werden, wie wir das mit immer mehr beobachten können.

Anpassung an geänderte Bedingunngen

Diese Studie unterstreicht die großen Schwierigkeiten der Anpassung, mit denen die meisten Länder konfrontiert sein werden. Der Klimawandel zum Beispiel wird die optimale Nische stören, indem er die ideale Entwicklungstemperatur nach Norden verschiebt.

Das Infektionsgleichgewicht und die menschliche Widerstandsfähigkeit, die durch das lokale Gleichgewicht der Arten unterstützt wird, können dadurch beeinträchtigt werden. Die Ergebnisse der Studie legen nahe bei Covid-19 die Immunität und Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung zu erhöhen und sitzende Verhaltensweisen durch höhere körperliche Aktivität und bessere körperliche Fitness zu verhindern.

Politische Strategien, die körperliche Aktivität einschränken wie die Schließung von Sporteinrichtungen, können daher die Verbesserung der Immunität der Bevölkerung als Reaktion auf gegenwärtige und zukünftige virale Angreifer verhindern.

Diese Studie hat sich auf die explosive Phase der Covid-19-Epidemie in jedem Land konzentriert. Eine frühere Phase der Ausbreitung hat nach den Erkenntnissen der Autoren jedoch wahrscheinlich im Sommer oder Herbst 2019 begonnen. Die Situation auf Inseln wie Taiwan, Neuseeland oder Island, die schnell restriktive Maßnahmen für den Flugverkehr ergriffen haben, zeigt, dass das Virus in diesen ersten 8 Monaten nicht endemisch geworden ist. Nach einer schnellen Ausbreitungsphase führte nur der Re-Import von außerhalb der Insel kontaminierten Personen zu neuen lokalen Fällen.


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2 Kommentare zu „Französische Studie: kein Einfluss der Strenge der Maßnahmen auf Todesraten

  1. Klare Worte in dieser Studie und erwartbare Resultate. Nach Emotionspropaganda, Infantilisierung (Babyelefant) und scheinheiliger Zwangssolidaritätsverordnung kann man es ja nun mal angehen: sich der Verletzlichkeit einer hochalternden Gesellschaft bewußt werden, diese auch akzeptieren und nach Maß und Ziel vorsorgen, sofern man dazu in der Lage ist. Ab einem bestimmten Alter aber läuft leider jede/r Gefahr, einer Infektionskrankheit zum Opfer zu fallen; das wird immer eine häufige Todesursache bleiben, egal wie gut man vorsorgt.
    P.S.

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