Asymptomatische Übertragung – gibt es das? Studien

Im Moment werden die meisten positiven Fälle per PCR-Test bei jungen Menschen gefunden, was dann gleich zum Anlass genommen wird, sie als Virenschleuder zu bezeichnen, die ältere Menschen gefährden. Nun ist aber die Altersgruppe bis 29 oder sogar bis 39 Jahre, nur sehr gering von Symptomen oder Erkrankungen betroffen. Stimmt dieser abwertende Begriff der „Virenschleuder“ überhaupt? Wie sich zeigt, gibt es dafür keine Evidenz.

Die Studienlage zu dieser Frage ist unbefriedigend, da Menschen ohne Symptome zwar im Februar und März schon massenhaft vorhanden waren aber bestenfalls erst nachträglich entdeckt wurden. So fand man bei einer Untersuchung auf Antikörper in Ischgl, dass 85 Prozent der Menschen mit Antikörpern von einer Infektion nichts bemerkt hatten. Mittlerweile wissen wir aber, dass bei nicht bei jeder Infektion Antikörper entstehen, also es vermutlich noch weit mehr Symptomlose in Ischgl gegeben hat.

Verändert hat sich in Europa die Teststrategie von den älteren Personen hin zu den Jüngeren. Die peniblen Schweizer dokumentieren das auch in ihren regelmäßigen Wochenberichten. Waren es noch in Woche 27 immerhin bereits 50% der unter 39-Jährigen, halten wir mittlerweile bei knapp drei Viertel der Fälle. Damit nehmen die Asymptomatischen natürlich ebenfalls entsprechend zu.

Die Infektion von Jüngeren, die dadurch ebenfalls Immunität erlangen, so sie diese durch die frühere Infektion mit Corona-Erkältungsviren nicht ohnehin schon hatten, ist zu begrüßen, wie Harvard Professor Martin Kulldorf hier ausführt.

Studien bei Kindern

In einer australischen Studie mit 9 Schülern und 9 Lehrern aus 15 Schulen, die zwischen 5. März und 3. April als Infizierte bestätigt wurden, zeigten sich kaum Ansteckungen. Sie hatten engeren Kontakt mit insgesamt 863 anderen Menschen in ihren Schulen. Diese Personen wurden sowohl auf aktive Infektion als auch auf Antikörper getestet.

Von den 735 Schülern wurden nur 2 als sekundäre Infektionen identifiziert. Von den 128 Beschäftigten die in Kontakt mit der primären Gruppe waren, wurde kein einziger positiv getestet. Die Studie schließt nicht aus, dass die beiden Neuinfektionen im häuslichen Umfeld passiert sind.

Ein neunjähriges französisches Kind mit Corona-Infektion hatte Kontakt zu 172 Personen, von denen es jedoch niemanden angesteckt hatte.

Diese Befunde wurden bei durch andere Studien auch jüngst im deutschen Bundesland Sachsen weiter erhärtet. Kinder sind wenig anfällig für Infektion und stecken selbst kaum jemand an. Der Grund ist ein hoher Prozentsatz an Immunen durch frühere Infektionen mit Corona-Erkältungsviren. In einer Studie wurden bei 10- bis 16-Jährigen bei 62 Prozent wirksame Antikörper gefunden.

Chinesische Studie

Untersucht wurden 455 Kontakte einer 37-Jährigen chinesischen Patientin, die per Labortest als SARS-CoV-2 positiv diagnostiziert wurde, aber nie Symptome aufwies. Sie suchte am 7. Februar wegen Herzbeschwerden das Spital auf und verbrachte sechs Tage mit 35 anderen Patienten auf der Intensivstation wegen der Herzbeschwerden. Weitere Kontakte gab es mit 196 Familienmitgliedern und 224 Spitalsbediensteten.

Alle 455 Kontakte wurden genau auf Symptome und per PCR-Test untersucht, es wurden jedoch kein Infektion festgestellt.

Probleme der Bewertung

Das Problem mit asymptomatischen Fällen ist grundsätzlich, dass früher eben keine oder nur sehr wenige Fälle festgestellt wurden und eine detaillierte Kontaktverfolgung nur sehr schwer möglich ist. Es gibt daher auch nur sehr wenige wirklich aussagekräftige Studien.

Allerdings zeigen immer mehr Studien in jüngster Zeit einen hohen Anteil an Immunität durch frühere Corona-Erkältungsviren und das gerade bei Jüngeren und insbesondere Kindern. Der Fall der chinesischen Patientien, die zwar positiv getestet wurde aber keinerlei Symptome entwickelte, zeigt ebenfalls, dass Immunität entweder vorhanden war, oder sich sehr rasch entwickelt hat und es dadurch zu keiner ansteckungsfähigen Ausscheidung von Viren kam.

Auch das deutsche Robert Koch Institut nimmt eine eher negative Haltung dazu ein:

Schließlich gibt es vermutlich auch Ansteckungen von Personen, die zwar infiziert und infektiös waren, aber gar nicht erkrankten (asymptomatische Übertragung). Diese Ansteckungen spielen vermutlich jedoch eine untergeordnete Rolle (46).“

Aus den vom österreichischen Gesundheitsministerium veröffentlichten Zahlen geht eine Gefährdung durch asymptomatische Fälle auch nicht hervor. Weder an der Auslastung der Normal- noch der Intensivbetten zeigt sich eine signifikante Veränderung wie im blauen Teil der beiden Grafiken des Ministeriums zu sehen. In der Schweiz zeigt sich trotz gestiegener Fallzahlen sogar ein Rückgang der Hospitalisierungen.

Rechtsanwalt Dr. Roman Schiessler zieht in seinem Blog folgende Schlussfolgerung:

„Die Übertragung von Infektionskrankheiten durch asymptomatische Personen bzw. die Behauptung, daß es sie gibt, ist aber aus politischen Gründen zur Durchsetzung der Maßnahmen und/oder  eines Lockdowns sehr wichtig, da sie sich als Einschüchterungsmaßnahme sehr gut eignet und praktisch daher nicht wegzudenken ist; dies gilt insbesondere gegenüber jungen Menschen, welche hier primär im Focus stehen.“

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2 Kommentare zu „Asymptomatische Übertragung – gibt es das? Studien

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