Corona Erfolgsmodell Schweden: milde Rezession der Wirtschaft

Schweden wurde immer wieder wegen seines Sonderwegs gescholten, obwohl die schwedischen Wissenschaftler nur einen ähnlichen Weg wie Japan, Südkorea, Hongkong, Taiwan und die größten Teile von China eingeschlagen haben: kein Lockdown, Schulen, Restaurants und Geschäfte blieben offen und es gab und gibt keine Maskenpflicht. Die Regierung verzichtete auf die bei uns bis zum Erbrechen zelebrierte Politshow, Lageberichte und Pressekonferenzen wurden von den verantwortlichen Wissenschaftlern in sachlichem Ton erledigt.

Diesem Umstand verdankt die schwedische Wirtschaft, dass sie nicht so stark abgestürzt ist wie in den Ländern der Eurozone. Zwar wurde Schwedens Exportwirtschaft vom Lockdown und der weitgehenden Stilllegung der Wirtschaft der anderen Länder getroffen, aber insbesondere die Klein- und Mittelbetriebe, die hauptsächlich für das Inland arbeiten, kamen weit besser weg als Firmen bei uns. Und gerade in diesem Bereich wird ab Herbst eine massive Insolvenzwelle erwartet.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) brach im zweiten Quartal um 8,6 Prozent zum ersten Vierteljahr ein, wie das Statistikamt in Stockholm mitteilte. Im Vergleich zur globalen Finanzkrise Ende 2008 ist es noch immer heftig, damals war es nur um 3,8 Prozent gefallen.

Zum Vergleich: Die Euro-Zone insgesamt stürzte im Frühjahr um 12,1 Prozent ab, die Europäischen Union um 11,9 Prozent. Die deutsche Wirtschaft schrumpfte um 10,1 Prozent, die spanische um 18,5 Prozent und die italienische um 12,4 Prozent. Eine Ausnahme bildet nach der ersten Schnellschätzung Litauen, wo die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal nur um 3,7 Prozent zurückging.

Besser abgeschnitten hat nur China, deren BIP im zweiten Quartal bereits wieder um 3,2 Prozent zulegte, allerdings nach einem eher moderaten Minus von 6,8 Prozent im ersten Quartal. Dieser rasche neuerliche Aufschwung könnte durchaus damit zu tun haben, dass China nur in Wuhan an der zugehörigen Provinz Hubei sowie in Peking einen Lockdown durchgeführt hat, im Rest des Landes aber sich auf Verfolgung von Infektionsclustern und Quarantäne Infizierter beschränkt hat.

Pandemie in Schweden ziemlich abgeklungen

Schweden hatte den Höhepunkt der Infektionen schon in der ersten Märzhälfte, genauso wie die meisten europäischen Länder und eine Reihe von Bundesstaaten in den USA. Der Höhepunkt der Todesfälle liegt zwischen dem 8. und 14. April, wie aus der Grafik oben ersichtlich. Der Verlauf der Kurve ist so ziemlich in allen Ländern gleich, egal ob mit oder ohne Lockdown.

Die Todesfälle sind schon seit einigen Wochen nur mehr geringfügig, diese Woche wurde nur mehr ein Fall gemeldet. Schweden hat zwar mehr Todesfälle als die anderen skandinavischen Länder, ist aber eher mit Ländern wie Holland vergleichbar. Ein hoher Anteil an Migranten, starke Reisetätigkeit aus Stockholm nach Tirol in den Frühlingsferien in der ersten Märzhälfte haben für besonders rasche und umfassende Infektionen gesorgt.

Im Raum Stockholm wurde nach Aussagen von ForscherInnen des Karolinska University Hospital eine Immunität auf T-Zell-Basis von deutlich mehr als 30 Prozent festgestellt, Herdenimmunität also einigermaßen sicher erreicht.

In der Region Südschweden/Kopenhagen, die sehr eng wirtschaftlich und gesellschaftlich verbunden sind, mit den Zentren Malmö und der Stadt Kopenhagen, liegen Infektionszahlen, Hospitalisierungsraten und Sterbefälle im schwedischen Teil sogar geringfügig unter denen des dänischen.

In Schweden ist das Medianalter der Verstorbenen mit 86 Jahren deutlich höher als anderswo, allerdings zählen auch Durchschnittsalter und das durchschnittliche gesunde Lebensalter zu den höchsten in Europa.

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