
Telegram-Durow wegen Beihilfe zum Terrorismus von Russland angeklagt
Russlands Inlandsgeheimdienst FSB hat den Telegram-Gründer Pawel Durow wegen Beihilfe zu terroristischen Aktivitäten angeklagt und ihn auf eine internationale Fahndungsliste gesetzt.
Pawel Durov hat es nicht sehr leicht: Der in Dubai lebende Tech-Gründer, der die russische, französische und emiratische Staatsbürgerschaft besitzt, ist regelmäßig staatlicher Kontrolle ausgesetzt. Doch nun hat das erste Land eine Klage erhoben.
Der FSB wirft der Telegram-Administration vor, zahlreiche Kanäle, Chats und Bots nicht entfernt zu haben, die angeblich von ukrainischen Spezialdiensten sowie von als terroristisch oder extremistisch eingestuften Organisationen genutzt wurden. Diese dienten der Vorbereitung und Koordination von Sabotageakten, Terroranschlägen, Massenmorden und Cyberbetrug in Russland. Die Folgen seien zahlreiche Opfer – darunter Frauen und Kinder – sowie materielle Schäden in Milliardenhöhe gewesen. Die Anklage nach Artikel 205.1 des russischen Strafgesetzbuchs wurde am 29. Juli 2026 bekanntgegeben und droht mit einer Haftstrafe von bis zu lebenslänglich.
Im Zentrum steht ein populärer Dating-Bot namens Daivinchik/Leo (ähnlich Tinder). Ukrainische Agenten hätten sich dort als junge Frauen ausgegeben, junge Russen kontaktiert und durch Täuschung sowie psychologische Manipulation zu Anschlägen auf Polizeibeamte, Brandstiftungen an Tankstellen, Verkehrsanlagen, Energie- und Kommunikationseinrichtungen sowie Finanzobjekten genötigt. Seit Juli 2025 seien 46 Personen im Alter von 12 bis 22 Jahren in 16 Regionen festgenommen worden.
Durow hatte die Ermittlungen bereits im Februar 2026 öffentlich gemacht und sie als Vorwand kritisiert, um den Zugang der Russen zu Telegram einzuschränken und das Recht auf Privatsphäre und Meinungsfreiheit zu unterdrücken. Der Angriff auf Telegram sei „ein trauriges Schauspiel eines Staates, der Angst vor dem eigenen Volk hat“. Als Reaktion auf die formelle Anklage postete der offizielle Telegram-Account auf X ein Foto von Durow mit ausgestrecktem Mittelfinger.
Die Anklage fügt sich in eine längere Auseinandersetzung zwischen Russland und Telegram ein. Russland drosselt den Telegram-Verkehr seit 2025 um etwa 55 Prozent und fördert den staatlichen Messenger MAX, der ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auskommt und seit September 2025 vorinstalliert wird.
Durow hatte das Land 2014 verlassen, nachdem er sich geweigert hatte, Nutzerdaten an Behörden herauszugeben. 2024 war er in Frankreich vorübergehend festgenommen worden, weil Telegram angeblich unzureichend gegen Kriminalität vorgegangen sei. West und Ost: Telegram mag offenbar niemand – es sei denn, die Zivilgesellschaft organisiert sich dort gegen ein von der eigenen Regierung ungeliebtes Regime.
Kritiker sehen in dem Vorgehen einen weiteren Schritt der russischen Behörden, unabhängige Kommunikationsplattformen unter Kontrolle zu bringen und Nutzer auf leichter zu überwachende staatliche Alternativen umzuleiten. Ob andere Staaten einen russischen Haftbefehl umsetzen würden, gilt als offen. Durow und Telegram haben die Vorwürfe zurückgewiesen; eine detaillierte aktuelle Stellungnahme lag zunächst nicht vor.
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Der Vorwurf ist inhaltlich zutreffend. Problematisch finde ich eher fie Strafbarkeit für fie Plattform. Plattformen sind Hauswände. Wenn da einer Parolen draufschmiert die strafbar sind, kann man such nicht den Hausbesitzer verklagen- und meines Erachtens auch nicht dazu nötigen, einen neuen Anstrich zu bezahlen.
Aber so sind alle Staaten, nicht nur die im Krieg. Und TG ist auch nicht so frei, wie es Durov gerne darstellt.
Telegram ist nicht Ende-zu-Ende verschlüsselt. Das müsste doch dem russischen und allen anderen Geheimdiensten sehr entgegenkommen. Warum will Russland diesen Messenger dann behindern?