Westasienkrieg, Stand: 22.07. 09:00 Uhr (Ticker)

22. Juli 2026von 5,1 Minuten Lesezeit

Die Sorgen in Europa wachsen, während der Krieg in Westasien eskaliert und droht die Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession zu stoßen. Hier der Ticker des Tages, was in der Nacht und im Laufe des Tages passierte, wie sich der Angriffskrieg gegen den Iran und seine Verbündeten entwickelt.

Die USA haben in der Nacht auf Mittwoch die elfte Angriffsnacht in Folge gegen Iran geflogen. Verteidigungsminister Pete Hegseth bezifferte die bisherigen Kriegskosten vor dem Kongress auf 37,5 Mrd. Dollar – nach eigener Einschätzung eher eine Untergrenze, wie Al Jazeera berichtet. Parallel drohte Trump, den mutmaßlichen unterirdischen Nuklearstandort „Pickaxe Mountain“ demnächst „sehr schwer“ zu bombardieren – Teheran kündigte daraufhin eine mögliche Ausweitung des Krieges an.

In der Golfregion weitete sich der Schauplatz erneut aus: Kuwait meldete in der Nacht Abwehrmaßnahmen gegen iranische Drohnen, Bahrain wurde laut einer Press-TV-Meldung von der Revolutionsgarde (IRGC) getroffen – Ziel waren demnach Drohnenwartungshallen am Flughafen Al-Sakhir sowie Hafenanlagen in Salman. Das Pentagon identifizierte zudem einen vierten gefallenen US-Soldaten (Sgt. Angel Rampersad), der bei einem Angriff auf eine Luftwaffenbasis in Jordanien ums Leben kam.

In Beirut traf Trump derweil den von ihm in das Amt gebrachte libanesischen Präsidenten Aoun und versprach Unterstützung – während israelische Angriffe auf den Südlibanon, etwa auf das Dorf Ghandouriyeh, laut Times of Israel unvermindert weitergehen. In Gaza griff die israelische Luftwaffe erneut ein Wohnhaus in Gaza-Stadt an, fünf Tote.

Was westliche Medien kaum erwähnen

Auffällig zurückhaltend berichten westliche Live-Blogs über die diplomatische Isolation der US-Position. China – Irans wichtigster Ölkunde und über die Straße von Hormus selbst massiv betroffen – hat seine Position mehrfach präzisiert: Außenamtssprecherin Mao Ning erklärte, Peking verfolge eine „objektive, gerechte und ausgewogene“ Linie und arbeite auf einen Waffenstillstand hin; Außenminister Wang Yi habe allein im Frühjahr 26 Telefonate mit Iran, Israel, Russland und den Golfstaaten geführt (Quelle: chinesisches Außenministerium). Gleichzeitig hat Peking Druck auf Teheran ausgeübt, die Straße von Hormus wieder zu öffnen, und dem Handelsministerium zufolge chinesische Firmen angewiesen, sich nicht an US-Sanktionen gegen iranische Öleinkäufer zu halten – ein doppeltes Signal: Man stützt Iran wirtschaftlich, drängt es aber zugleich zur Deeskalation, weil rund 40 % der chinesischen Ölimporte über Hormus laufen.

Auch die innenpolitische Erosion in Washington bleibt in den großen Live-Tickern meist Randnotiz: Der demokratische Senator Gary Peters warf Hegseth im Ausschuss offen „Versagen“ vor der Truppe vor. Über 100 demokratische Abgeordnete stimmten zudem kürzlich gegen weitere Militärhilfen an Israel – ein parteiinterner Bruch, der in der Berichterstattung meist nur gestreift wird.

Was unklar ist

Wenn ein US-Verteidigungsminister öffentlich einräumt, dass die tatsächlichen Kriegskosten die genannten 37,5 Mrd. Dollar noch übersteigen, während gleichzeitig ein elfter Angriffszyklus ohne erkennbares Kriegsziel läuft außer der vagen „Abschreckung“ – wer definiert eigentlich noch das Ende dieses Krieges, und anhand welcher Kriterien?

Was in den Berichten der Massenmedien fehlt

Was in der westlichen Tagesberichterstattung fast vollständig fehlt: die Rolle der betroffenen Golfstaaten als Objekte, nicht Subjekte des Konflikts. Bahrain und Kuwait werden angegriffen, weil sie US-Infrastruktur beherbergen – ohne dass ihre Bevölkerungen in die Eskalationsentscheidungen je einbezogen wurden. Der GCC-Generalsekretär hat den USA sogar Kriegsverbrechen wegen Angriffen auf zivile Infrastruktur vorgeworfen – eine Formulierung, die in den großen westlichen Live-Blogs praktisch nicht auftaucht, während jede iranische Gegenaktion reflexhaft als „Aggression“ gerahmt wird. Die Frage, wer hier eigentlich völkerrechtlich in der Offensive ist – die Macht, die einen bestehenden Beendigungsprozess (das Memorandum of Understanding vom Juni) einseitig für hinfällig erklärt und weiterbombt, oder die angegriffene Seite –, wird kaum gestellt.

09 Uhr 00:

„Kriegsverbrecher sind nicht willkommen“: Demonstranten versammeln sich in Manila anlässlich des Besuchs von Rubio

US-Außenminister Marco Rubio hält sich derzeit in Manila auf, um an einem Treffen der Außenminister der Vereinigung südostasiatischer Staaten (ASEAN) teilzunehmen.

Vor dem Veranstaltungsort versammelten sich zahlreiche Demonstranten, um Rubio und seine Rolle im Krieg gegen den Iran anzuprangern. Sie trugen Plakate mit Aufschriften wie: „Kriegsverbrecher sind nicht willkommen“ und „Weg mit Trump! Weg mit Rubio!“

„Die USA sind, insbesondere unter Trump, der weltweit führende Kriegsverbrecher“, sagte Cristina Palabay, eine Menschenrechtsaktivistin. Sie erklärte, die US-Regierung sei „dafür bekannt, Menschen in Palästina, im Iran, auf den Philippinen und an vielen anderen Orten zu bombardieren und zu töten, an denen sie dauerhaft präsent ist und wo weiterhin Militärstützpunkte bestehen“.

Mong Palatino, ein weiterer Demonstrant, forderte die Regierung von Präsident Ferdinand Marcos Jr. auf, die Zusammenarbeit mit Rubio einzustellen. „Sein Besuch wird zu weiteren US-Militärstützpunkten auf den Philippinen führen. Sein Besuch wird zur weiteren Ausbeutung unserer natürlichen Ressourcen führen. Deshalb sind wir hier, um die Marcos-Regierung dafür zu verurteilen, dass sie mit den USA unter einer Decke steckt“, sagte er.

Neue iranische Angriffe auf US-Ziele in der Region

Die iranische Armee gab bekannt, dass sie eine neue Welle von Drohnenangriffen auf US-Militäreinrichtungen auf dem US-Stützpunkt al-Azraq in Jordanien und dem US-Stützpunkt Sheikh Isa in Bahrain durchgeführt habe.

Nach Angaben des staatlichen Senders IRIB wurde die Operation am frühen Mittwoch gestartet. In Jordanien sollen iranische Streitkräfte „Wohn- und Sozialeinrichtungen“ sowie „vom US-Militär genutzte Lagerstätten für Ausrüstung“ angegriffen haben.

Auf dem US-Stützpunkt Sheikh Isa in Bahrain wurden unterdessen große Ausrüstungslager sowie Werkstätten für die Wartung und Reparatur von schweren Flugzeugen ins Visier genommen.

Die Zahl der Todesopfer im Gazastreifen steigt auf 73.293

Seit dem 7. Oktober 2023 sind bei israelischen Angriffen im gesamten Gazastreifen mindestens 73.293 Palästinenser getötet und 173.96 verletzt worden, wie das Gesundheitsministerium des Gazastreifens mitteilt.

Demnach wurden in den letzten 24 Stunden neun Menschen getötet und eine Leiche geborgen.

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