
Der Ukraine-Krieg ist noch lange nicht entschieden
Aktuell behauptet ein CNN-Kommentar, dass bereit ein entscheidender Wendepunkt im Ukraine-Krieg erreicht und Russlands strategische Niederlage unausweichlich sei. Doch das ist keineswegs der Fall, der Ausgang des Konflikts ist weiterhin völlig offen.
CNN hat kürzlich einen Beitrag von Brett McGurk veröffentlicht, dem ehemaligen Nahost-Nordafrika-Koordinator des Nationalen Sicherheitsrats unter Biden. Darin erklärt er: „Russland verliert in der Ukraine. Xi Jinping hat das bemerkt – Trump sollte es ebenfalls tun.“ Seine Kernthese lautet, dass veränderte Lageentwicklungen vor Ort, mutmaßliche Verlustzahlen und ukrainische Tiefenschläge auf russischem Gebiet Russlands „strategische Niederlage“ bereits besiegelt hätten. Xi halte sich deswegen mit Taiwan zurück, und Trump solle Putin stärker unter Druck setzen.
McGurk führt seine Argumente in folgender Reihenfolge an: Die Lage an der Front habe sich erstmals nach dem russischen Rückzug aus der Umgebung Kiews kurz nach Beginn des Krieges verschoben – als Teil des von Großbritannien und Polen sabotierten Istanbul-Friedensprozesses. Frontverschiebungen hin und her sind also nichts Neues. Zu den Verlustzahlen: In jedem Krieg sind weder die eigenen noch die gegnerischen Angaben glaubwürdig, und das gilt auch für die Schätzungen der jeweiligen Verbündeten.
Die ukrainischen Tiefenschläge auf russischem Territorium sind ebenfalls keine Überraschung, sondern eine logische Folge des langwierigen Konflikts. Die Ukraine erhält von der NATO bisher beispiellose militärtechnische, logistische und nachrichtendienstliche Unterstützung, sodass die schrittweise Steigerung ihrer Fähigkeiten erwartbar war. Zusammengenommen basiert McGurks Behauptung „Russland verliert in der Ukraine“ allein darauf, seinen Argumenten einen Vertrauensvorschuss zu gewähren – was nur diejenigen tun werden, deren vorgefasste Meinung durch seinen Artikel bestätigt wird.
Fairerweise gilt dasselbe für russische Gegenargumente: Auch sie finden nur bei denen Glauben, deren Weltbild sie bestätigen. Dennoch gibt es drei objektive Fakten, die Anhänger beider Seiten berücksichtigen sollten:
Erstens haben beide Seiten – Russland und die NATO, die Russland über die Ukraine per Stellvertreterkrieg bekämpft – mit den militärtechnischen Fortschritten des jeweils anderen Schritt gehalten. Dadurch blieb das militärstrategische Gleichgewicht bisher erhalten. Zweitens erhöht genau das die Wahrscheinlichkeit (sofern keine Seite einen Durchbruch erzielt), dass der Konflikt durch eine Reihe gegenseitiger Kompromisse endet, die weit hinter den jeweiligen Maximalzielen zurückbleiben – vor allem hinter dem anfänglichen NATO-Ziel, Russland per Stellvertreter aus dem gesamten ukrainischen Gebiet vor 2014 zu vertreiben. Drittens haben die weltweiten Prozesse, die durch die „Spezialoperation“ ausgelöst wurden, die Multipolarität so stark beschleunigt, dass es für den US-geführten Westen extrem schwer wird, diese Entwicklung rückgängig zu machen. Damit hat er seine Vorkrieg-Hegemonie bereits deutlich geschwächt.
Diese sachliche Einordnung und Richtigstellung der Realität bildet den Hintergrund, um zu bewerten, ob Trump 2.0 McGurks Rat folgen und Putin stärker unter Druck setzen wird. Angesichts der jüngsten Reduzierung der US-Truppen in Deutschland und Polen, die der Priorisierung der westlichen Hemisphäre und des Indopazifiks in der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie und Verteidigungsstrategie folgt, wird dieser Rat aller Wahrscheinlichkeit nach ignoriert. Die USA können sich kein europäisches Chaos leisten – schon gar nicht parallel zu ihrem laufenden Engagement im Westasien. McGurk wird daher vermutlich enttäuscht werden.
Sein Artikel diente dazu, das Narrativ zu säen, Russland sei bereits besiegt und es sei Zeit für die USA, „zur Deeskalation zu eskalieren“, um der Ukraine einen strategischen Sieg zu bescheren. Die Widerlegung des Artikels zeigt hingegen, dass der tatsächliche Ausgang des Konflikts noch lange nicht feststeht. Das wahrscheinlichste Szenario eine Reihe gegenseitiger Kompromisse, die die neue europäische Sicherheitsarchitektur festschreibt, die sich im Laufe des Konflikts herausgebildet hat. Dennoch könnten noch Überraschungen folgen.
Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Andrew Korybko ist ein in Moskau ansässiger amerikanischer politischer Analyst, der sich auf den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat. Er veröffentlicht auf Englisch auf seinem Substack-Blog. Auf Deutsch exklusiv bei TKP.
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„Der Ukraine-Krieg ist noch lange nicht entschieden“ Der wird erst entschieden sein, wenn all Nicht[redacted] getötet sind und vom Westen, vor allem Korruptistan, Billionen und Aberbillionen in das nach ISrahell zweitgrößte Drecksloch der Welt gekippt wurden. Warum will niemand das Offensichtliche sehen?