Ungarn-Proteste gegen neuen EU-Kurs

6. Juni 2026von 2,8 Minuten Lesezeit

Erste Proteste in Ungarn gegen die neue ungarische Regierung und offene Grenzen. Tausende waren am Freitagabend auf den Straßen.

Die neue Regierung bekommt schon jetzt Widerstand aus der ungarischen Bevölkerung. Mehrere Tausend Personen nahmen laut ungarischen Medien an der Demonstration gegen die EU-Politik und die neue Regierung teil. Die Teilnehmer – vor allem Sympathisanten von Fidesz und der rechtspopulistischen Partei Mi Hazánk – skandierten „Viktor! Viktor!“ und „Hazaárulók!“ (Verräter) und zogen zum Parlament.

Der Protest richtete sich explizit gegen den EU-Migrationspakt, der am 12. Juni 2026 in Kraft treten soll. Viele Demonstranten erinnerten an das Referendum von 2016, bei dem über 3,25 Millionen Ungarn mit „Nein“ gegen verpflichtende Migrantenquoten gestimmt hatten. Genau diesen Quoten wird sich nun aber auch Ungarn unterwerfen. Dafür und für das Ende des Widerstands gegen die ukrainische EU-Mitgliedschaft sowie wohl noch weitere bisher geheime Punkte gab die EU die eingefrorenen Gelder frei.

Obwohl die Demo klar pro-Orbán war, betonten die Organisatoren, dass es sich um eine parteiunabhängige Aktion zum Schutz der nationalen Souveränität handele.Besonders aufsehenerregend war das Auftreten von Ministerpräsident Péter Magyar (Tisza-Partei). Der seit Mai 2026 amtierende Regierungschef trat auf den Balkon des Ministerpräsidentenamts (Miniszterelnökség) und beobachtete den vorbeiziehenden Zug. Laut Augenzeugenberichten und Videos applaudierte er lächelnd, zeigte Herzchen-Gesten und schwenkte später sogar die ungarische Fahne. Die Menge reagierte mit Pfiffen, Buhrufen und Sprechchören wie „Hazaáruló!“ (Verräter), „Mocskos Tisza!“ (Dreckige Tisza) und „Mondj le!“ (Tritt zurück). Ein kursierendes Bild, das Magyar zeigt, wie er vom Balkon den Stinkefinger ausstrecken soll, ist allerdings eine schlecht bearbeitete Fälschung.

Fidesz-Abgeordneter Németh Balázs warf Magyar vor, die Demonstranten bewusst provoziert zu haben. Er veröffentlichte ein Video, das zeigt, wie Magyar genau in dem Moment lächelt und Herzchen zeigt, während Németh selbst über die „Provokation“ spricht.

Magyar selbst reagierte später mit einem eigenen Video auf Plattformen wie Facebook. Darin kommentierte er spöttisch die Teilnehmerzahl: „Das ist übrig geblieben vom einst millionenstarken bürgerlichen Lager“. Er und seine Regierung sehen die Demo nicht als Erfolg – sondern als Niederlage für die Souveränität. Er stellte die Protestierenden als kleine Gruppe dar. In seinem Post auf Facebook sagte er

Aufgehetzte, artikulationslos schreiende, mit Hinrichtung drohende Mitbürger demonstrierten mit einem riesigen Kreuz und der ungarischen Fahne gegen die den Ungarn zustehenden 6.000 Milliarden Forint an EU-Mitteln … Wir machen weiter mit der Arbeit.“

Er ging auf die Kritik am Migrationspakt nicht ein. Die Opposition wirft ihm vor, dass er im Gegenzug für die Freigabe der eingefrorenen EU-Gelder (rund 16,4 Milliarden Euro) Kompromisse beim Migrationspakt eingegangen sei. Was genau Leyen und der ungarische Regierungschef ausgehandelt haben, weiß die Öffentlichkeit nicht. Leyen erklärte, dass sie einen „starken Wind der Veränderung“ wahrnehme. Magyar betonte, dass Ungarn nun nicht mehr „korrupt“ sei.


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13 Kommentare

  1. Jurgen 7. Juni 2026 um 15:11 Uhr - Antworten

    Und man muss es richtig lesen, umgedreht im Orwell’schen Sinne, Magyar betonte, dass Ungarn nun nicht mehr „korrupt“ sei, Ungarn selbst war nie korrupt, nur die Politiker und Oligarchen, die es ausbeuten.

  2. UU89 7. Juni 2026 um 8:35 Uhr - Antworten

    Viel interessanter wäre es, was nun mit der kleinen Restlinken und sonstigen einstigen Opposition in Ungarn ist, die ja auch nicht mehr im ungarischen Parlament vertreten ist, weil alle anderen Oppositionsparteien zugunsten der rechten, neoliberalen Partei von Peter Magyar verzichtet hatte. Wenn gleich DREI Schlüsselressorts in die Hand von Manager*innen internationaler Konzerne gelegt werden, wo bleibt da der Aufschrei der „Linken“???

    Auch wenn Rechtspopulisten in Sachfragen manchmal durchaus vertretbare Positionen haben. Insgesamt kann mensch diese nur kritisieren, weil sie für die großen Fragen des Überlebens der Menschheit, wenn nicht gar allen höheren Lebens auf den einzigen uns bekannten bewohnbaren Planeten auch keine überzeugenden Antworten haben und testosterongesteuert weiter in Richtung Abgrund treiben.

  3. Daisy 7. Juni 2026 um 6:37 Uhr - Antworten

    Das ist zwar nur semidemokratisch, aber ich bin für ein eingeschränktes Wahlrecht, sodass nicht jeder Trxttel wählen darf.
    Das jetzige System ist auch nicht demokratisch. Regelm. wird vor der Wahl gelogen. Was ist nur in die Ungarn gefahren? Orban war ein echter Volksvertreter. Er hat doch gut gearbeitet.

    • Varus 7. Juni 2026 um 7:16 Uhr - Antworten

      Dann würde man zuerst abfiltern, wer AfD/FPÖ wählen will. Gut möglich, dass die nachweisbare Verblödung (PISA!) es für Westeuropa hoffnungslos macht.

      Woanders analysiert man, wieso Schland nicht mehr im Sicherheitsrat des Kleingärtenvereins ist: „UNO-Debakel für Berlin: Hat Baerbocks Jahr Deutschland den Sicherheitsrat gekostet?“ – „… Die fehleranfällige und dezidiert proisraelische Baerbock könnte jedoch eher ein Hindernis als eine Hilfe gewesen sein, meint die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa. …“

      Möchte im Bösen Russland jemand hinterfragen, dass Westlicher Weißer Mann(:in) aus Isr (eigentlich weitgehend aus Osteuropa, Südwestrussland inklusive) mit nichtwestlichen Eingeborenen anstellen darf, was er möchte? Die Russin wird noch zitiert: „In den vergangenen zwölf Monaten mussten die Länder eine Vertreterin der deutschen politischen Elite als Präsidentin der UN-Generalversammlung erleben. Sie haben beschlossen, kein weiteres Risiko einzugehen“. Und dann noch: „… Das moderne Deutschland besitze keine „Empathie, Mäßigung und den Willen, internationale Krisen durch Verständnis ihrer Ursachen zu lösen“ mehr. Diese „Erosion der deutschen Diplomatie“ zeige sich sowohl im Ukraine-Konflikt als auch in den Kriegen im Nahen Osten. …“

      Da ist was dran… Orban in Ungarn war übrigens glühender Isr-Freund.

      • Daisy 7. Juni 2026 um 7:40 Uhr

        @Orban…Nobody is perfect ;-)
        Er hat damit keinen Schaden verursacht. Es ist allgemein Usus, Isr. zu unterstützen. Das gehört zur P.C., die aber gerade im Begriffe ist, sich zu drehen. Übrigens kritisiert Vance den Iran-Krieg, weswegen Trump ihn nicht mehr so mag…

        Es ist eine Frage der Prozente….also zB wäre es eine Voraussetzung, wählen zu dürfen, dass man eine Bilanz versteht…und der Führerschein, zumal er voraussetzt, dass man nicht vollkommen hirnbefreit ist…ich wär noch dafür, dass es eine Prüfung gibt darüber, was die Parteien in den letzten Jahren GETAN haben, und nicht, was sie versprechen. Zudem wäre es sinnvoll, wenn nur Nettosteuerzahler wählen dürften. Dann, wow, dann wäre bald alles repariert, was diese Nullen in den letzten Jahren alles ruiniert haben.

        Was Beerbegg betrifft, kann ich auch nur feixen…dabei hat die keinen Genierer, es ist ihr nicht peinlich. Übrigens wandern immer mehr Deutsche aus. Die Schlauen gehen…

      • Daisy 7. Juni 2026 um 7:59 Uhr

        Wenn AfD- und FPÖ-Wähler ausgeschlossen würden, hieße das ja das Gegenteil von dem, was ich vorgeschlagen haben, denn idR sind das nicht die Dümmsten. Was nicht heißt, dass unter ihnen auch Trxtteln zu finden waren. Es gibt ja auch Leute, die sagen, sie wählen die AfD und dann unterstützen sie die Woken, weil sie oikophob sind. Sowas musst ja auch mal im Kopf aushalten ohne klappsmühlenreif zu werden. Der Herrgott hat halt an großen Tiergarten.

        Die Auswahl sollte natürlich wertfrei erfolgen, unabhängig von der Parteipräferenz. Dieses abwegige Denken, eine Partei samt ihrer Wähler zu verbieten, verorte ich eher bei der SED…

      • Varus 7. Juni 2026 um 9:22 Uhr

        Es ist allgemein Usus, Isr. zu unterstützen.

        Der Grandiose Westen im tiefen Niedergang, schrieb ich doch… „Zionistischer Einblick“ zitiert heute Hegseth, der anscheinend zum neuen Kreuzzug aufruft: „… Die Vereinigten Staaten werden führen und erwarten von den Verbündeten, dass sie „Schulter an Schulter“ mitkämpfen, aber nicht nur militärisch, sondern auch bei der Verteidigung der eigenen Zivilisation. …“ – Insbesondere der üblen Aspekte, die in den Dienst von Isr gestellt werden?

        Ich vermute, der Fall des Grandiosen Westens ist eh unabwendbar – die Frage nur noch, welcher Blaupause der Neuanfang folgt, Orient oder Osteuropa? Persönlich wäre mir Osteuropa lieber.

  4. Vortex 7. Juni 2026 um 1:44 Uhr - Antworten

    Als Viktor Orbán noch an der Macht war, hätte er doch mehr Aufklärungsarbeit leisten können, um die EU-Gehirnwäsche zu neutralisieren.

    Immerhin sagte Orbán mal: «Ungarn wird die EU nicht verlassen, sie wird von selbst zerfallen.»

    Nun, vielleicht in einigen Jahren, aber die Magyaren sind vermutlich sehr materiell orientiert und sind daher in die EU-Falle getappt. Die Ernüchterung folgt gewiss, wird jedoch für etliche Landsleute eine schmerzvolle chaotische Zeit werden, besonders aber für die ungarischen Kinder/Jugendlichen …

    • Jurgen 7. Juni 2026 um 15:12 Uhr - Antworten

      Der Victor Orbán kam doch auch aus dem WEF Kader…

  5. Dr. Rolf Lindner 6. Juni 2026 um 23:06 Uhr - Antworten

    Das Bild erzeugt bei mir Ekelgefühle.

    • Daisy 7. Juni 2026 um 6:42 Uhr - Antworten

      Mit Grausen erinnere ich mich, wie Juncker Kurz abgebusselt hat….ich wär nie auf den hereingefallen, aber sogar Teile der FPÖ haben den nicht durchschaut, bis heute nicht…

  6. Varus 6. Juni 2026 um 17:38 Uhr - Antworten

    Viele Demonstranten erinnerten an das Referendum von 2016, bei dem über 3,25 Millionen Ungarn mit „Nein“ gegen verpflichtende Migrantenquoten gestimmt hatten.

    Und dann stimmten sie mehrheitlich (mit Verfassungsmehrheit!) gegen jene Partei, welche dieses Referendum organisierte. So etwas kopfloses verdient Verachtung… schrieb ich kürzlich paarmal bei einigen Gelegenheiten.

  7. Glass Steagall Act 6. Juni 2026 um 17:36 Uhr - Antworten

    Magyar ist auch so ein Schwätzer. Von wegen nicht korrupt. Wer mit der EU Kommission paktiert, der ist durch und durch korrupt!

    Man kann nicht von sich behaupten nicht korrupt zu sein, während man einen Pakt mit Korrupten macht. Dann ist man automatisch Mittäter!

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