Patriot-Versagen und russische Kampfjets für Iran

6. Juni 2026von 4,9 Minuten Lesezeit

Die US-amerikanischen Patriot-Systeme, einst als High-Tech-Wunderwaffe der westlichen Luftverteidigung gepriesen, erleben in der realen Kriegsführung eine peinliche Serie von Versagen und Friendly-Fire-Vorfällen. Gleichzeitig rüstet der Iran seine Luftwaffe mit modernen russischen Kampfjets auf.

Nach den jüngsten Gefechten zwischen Iran und US-geführten Kräften hat ein Patriot-System in Kuwait sein eigenes Hauptterminal am Kuwait International Airport schwer beschädigt, wie das Miltiary Watch Magazine berichtet. Iranische Berichte und Videos deuten darauf hin, dass nicht nur eine iranische Drohne, sondern auch fehlgeleitete Patriot-Raketen für den Schaden verantwortlich sind. Dies ist kein Einzelfall. In Bahrain verursachten US-Patriot-Systeme Dutzende zivile Opfer, in Katar und den Emiraten versagten sie mehrfach gegen iranische Ballistikraketen – teilweise wurden drei Interceptor-Raketen statt der üblichen zwei gestartet, weil die Trefferwahrscheinlichkeit offenbar niedriger ist als propagiert. Die Geschichte reicht zurück bis zum Golfkrieg 1991 und zum Irak-Krieg 2003, wo Patriots sogar eigene Flugzeuge abschossen.

Die teuren westlichen Luftabwehrsysteme – inklusive THAAD – wirken zunehmend überfordert gegen iranische Präzisionsangriffe. Gleichzeitig sind die US-Bestände an Abfangraketen dramatisch geschrumpft.

Russische Kampfflugzeuge für den Iran

Der Iran ist schon länger auf Einkaufstour um seine völlig veraltete Luftwaffe zu modernisieren.

Der Iran hat im Rahmen eines Großauftrags im Wert von rund 6 bis 6,5 Milliarden US-Dollar (einschließlich Support, Ausbildung und Systemen wie Pods für die elektronische Kriegsführung) etwa 48 Su-35-Kampfflugzeuge (bzw. die Variante Su-35SE) bei Russland bestellt, doch bis Juni 2026 hat die Auslieferung in vollem Umfang noch nicht begonnen.

So sieht der aktuelle Stand und Zeitplan aus:

  • Produktion läuft: Durchgesickerte russische Dokumente (von Rostec/KRET, die Ende 2025 auftauchten) bestätigen, dass Russland die erste Charge von 16 Flugzeugen im Flugzeugwerk Komsomolsk am Amur (KnAAZ) baut. Die Arbeiten daran laufen seit etwa 2024.
  • Voraussichtlicher Lieferplan: Die schrittweisen Auslieferungen der ersten Charge sind für den Zeitraum zwischen 2026 und 2027 geplant, wobei sich der Gesamtauftrag (bis zu 48 Jets) über die Jahre 2026–2028 erstreckt. Einige Quellen weisen darauf hin, dass Komponenten und Subsysteme bereits früher geliefert wurden, wobei die vollständigen Flugzeugübergaben ab 2026 anlaufen sollen.
  • Noch keine bestätigten Ankünfte (Stand: Mitte 2026): Mehrere Berichte deuten auf eine laufende Produktion und bis 2026 gültige Verträge hin, doch unabhängige Bestätigungen für Su-35 im iranischen Dienst fehlen weiterhin. Der Iran hat andere russische Systeme erhalten (z. B. Mi-28-Hubschrauber), und es gab in der Vergangenheit unbestätigte Gerüchte über frühere Lieferungen.

Die Jets würden die veraltete iranische Luftwaffe (die hauptsächlich aus älteren F-14, F-4 und MiG-29 besteht) erheblich modernisieren.

Iran kauft 12 Su-30SM2 aus Russland — Lieferung ab 2027

Am 5. Juni 2026 berichtete das Militärmagazin The Defense News, dass Teheran einen Vertrag mit dem russischen Verteidigungsministerium über die Lieferung von 12 Su-30SM2-Mehrzweckkampfflugzeugen unterzeichnet. Lieferbeginn: Mitte 2027 hat. Abschluss: Ende desselben Jahres.

Die Maschinen sind technisch gebraucht, haben aber nur sehr wenige Flugstunden — faktisch neuwertig. Der entscheidende Vorteil: Die Lieferung erfolgt schneller als bei Neuproduktionen, deren Wartelisten sich durch den Ukraine-Krieg auf Jahre erstrecken.

Die Su-30SM2 ist kein Flugzeug zweiter Klasse. Sie ist eine tiefgreifende Modernisierung der Su-30SM und übernimmt zahlreiche Technologien aus dem Su-35-Programm:

  • AL-41F1S-Triebwerke — dieselben, die auch die Su-35 antreiben. Mach 2, Kampfradius von etwa 1.500 Kilometern.

  • Irbis-E-Radar — nahezu doppelte Erfassungsreichweite gegenüber dem Vorgängermodell für Luft- und Seeziele.

  • Erweiterte elektronische Kampfführung — entwickelt, um genau jene Patriot-Systeme zu neutralisieren.

  • Bewaffnung: Kh-31P-Antiradarraketen (Reichweite etwa 130 km, speziell zur Bekämpfung von Luftverteidigungssystemen), Kh-59MK2-Marschflugkörper, KAB-250-Lenkbomben, sowie R-37M-Langstrecken-Luft-Luft-Raketen.

Dass die Su-30SM2 speziell zur Patriot-Bekämpfung optimiert wurde, ist kein Geheimnis. Military Watch Magazine berichtete bereits 2025, dass russische Su-30SM2 in der Ukraine erfolgreich gegen US-gelieferte Patriot-Systeme eingesetzt wurden — als weltweit erstes Mehrzweckkampfflugzeug, das ein westliches Langstrecken-Luftverteidigungssystem zerstörte. Oleg Pankow, Chefkonstrukteur des Su-30-Programms, erklärte im russischen Fernsehen, die Maschine sei gezielt für diesen Einsatzzweck aufgerüstet worden.

Womit wir bei der dritten Meldung wären, die das Narrativ endgültig zum Einsturz bringt. Wie Military Watch Magazine berichtet [8], hat Russland die Su-30SM2 nicht nur für den Export freigegeben, sondern setzt sie auch aktiv in Syrien ein — wo mit US-Sanktionen belegte Gruppen, die Washington als „proscribed terrorist organizations“ führt, mit diesen Maschinen fliegen oder von ihnen unterstützt werden.

Das ist die geopolitische Realität, die in der westlichen Berichterstattung konsequent ausgeblendet wird: Während die USA mit Patriot-Systemen ihre eigenen Flugzeuge abschießen, baut Russland eine Allianz auf, die von Syrien über den Iran bis zu nichtstaatlichen Akteuren reicht — und rüstet sie mit Kampfflugzeugen aus, die den westlichen Systemen technologisch mindestens ebenbürtig, in Teilen überlegen sind.

Die Su-30SM2 ist mit etwa 40 Prozent geringeren Kosten als die Su-35 und deutlich niedrigeren Betriebskosten ein Exportschlager, der das militärische Gleichgewicht im Nahen Osten fundamental verschieben kann. Der Iran, dessen Luftwaffe bislang mit musealen F-4 Phantom, F-5 Tiger und F-14 Tomcat aus der Schah-Ära operieren musste, erhält mit der Su-30SM2 eine moderne Langstrecken-Mehrzweckfähigkeit. Und das Zweisitzer-Design erlaubt es, Piloten für noch modernere Muster wie die Su-35 oder gar die Su-57 auszubilden — deren Export Russland bereits bestätigt hat.

Eine interessante Begründung für den Kauf liefert ein aktueller Bericht.Russische Quellen haben berichtet, dass während andere Kampfflugzeuge für den Einsatz in der iranischen Luftwaffe vorgesehen sind, die Su-30SM2 für das iranische Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) bestimmt seien.

Jedenfalls ist ziemlich wahrscheinlich, dass nach dem Eintreffen der Su-35 der iranische Luftraum für Kampfflieger der USA und Israels endgültig und komplett versiegelt sein wird.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.



Iran rüstet Luftwaffe weiter mit Su-35 Kampflugzeugen aus Russland auf

Haben Iran und Israel die Luftherrschaft über jeweils das andere Land?

Bekommt Iran militärische Unterstützung von China?

4 Kommentare

  1. Jurgen 7. Juni 2026 um 14:48 Uhr - Antworten

    Waffen sind Wegwerfprodukte der allerobersten Kategorie (komplett unnütz) und toppen noch jede andere Umweltzerstörung, selbst Plastikmüll und Chemieabfälle (sogar CO2 LOL).

    Aber wenn man auf die Welt schaut, so muss man leider erkennen, dass die, die sich aneinander reiben (Krieg) immer einander ähnliche Methodik (Waffen) anwenden. Das ist ein evolutionäres Prinzip! [Daher wird die Strategie so überbewertet (Think Tanks), obwohl von denen nur Müll kommt, der in der Realität nie umsetzbar ist. Keine Strategie übersteht den ersten Feindkontakt.]

    Aber, Destruktoren sind es nicht wert sich erst damit zu beschäftigen, weil überhaupt kein konstruktives Prinzip davon abgeleitet werden kann, sondern nur Tod und Verderben.

    Aber die obige Geschichte zeigt, dass man als Land nicht auf allen Gebieten mithalten kann, es sei denn man findet ein neues übergeordnetes Prinzip, sozusagen den Universal-Hammer mit dem dann jedes Problem zum einfachen Nagel wird…

  2. Glass Steagall Act 6. Juni 2026 um 11:24 Uhr - Antworten

    Ich frage mich noch, womit bezahlt der Iran diese Flugzeuge? Mit Öl, welches er zur Zeit nicht ausliefern kann? Mit Geld- oder Goldreserven? Hat der Iran noch genügend Mittel zur Verfügung?

    • cwsuisse 6. Juni 2026 um 12:05 Uhr - Antworten

      Möglicherweise wird mit einer im Wertewesten unbekannten Währung bezahlt: Loyalität.

      • Varus 6. Juni 2026 um 12:34 Uhr

        Die Chinesen haben einen langfristigen Öllieferungen-Rahmenvertrag über mehrere 100 Milliarden USD. Selbst wenn die Pirates Navy aktuell einige Tanker blockiert (bei chinesischer Flagge trauten die sich bisher nicht), es wird womöglich für künftige Lieferungen voraus bezahlt.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.

Aktuelle Beiträge