
Flugchaos voraus in Europa
Pünktlich zum Sommer steht Europa vor einer Kerosin-Krise, die den Flugverkehr am Kontinent massiv verändern wird.
Europa ist massiv von Kerosin-Importen aus dem Nahen Osten abhängig. Die Preise für Kerosin sind auf über 200 Dollar pro Barrel gestiegen – eine Verdoppelung im Vergleich zu vor dem Krieg. Anders als bei Benzin und Diesel dürften einige Flughäfen bald von einem unmittelbaren Mangel an Kerosin betroffen sein. Sobald Flieger massenhaft am Boden bleiben, wird man freilich Trump und die USA beschuldigen. Doch die Ursache der Krise ist nicht nur der aktuelle Konflikt. Strukturell und kontinuierlich hat man sich abhängig von anderen Weltregionen gemacht.
Die Zahlen sind erdrückend: 2009 waren noch fast 100 Raffinerien in Betrieb zur Kerosin-Produktion. Seitdem wurden 28 – mehr als ein Viertel – stillgelegt oder auf Biokraftstoffe umgestellt. Das entspricht 16 Prozent der europäischen Raffineriekapazität. Grund waren sinkende Nachfrage und Klimaziele. Die Folge: Europa importiert inzwischen rund ein Drittel seines Kerosinbedarfs, davon 75 Prozent aus dem Nahen Osten.
Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) reicht der aktuelle Vorrat in Europa noch etwa sechs Wochen. IEA-Direktor Fatih Birol, der allerdings eher gerne übertreibt, sagte in einem Interview: „Wenn wir die Straße von Hormuz nicht wieder öffnen können, werden wir bald hören, dass Flüge von Stadt A nach Stadt B wegen fehlenden Treibstoffs gestrichen werden müssen.“
Weiters berichtet das Wirtschaftsmagazin OilPrice:
Besonders betroffen ist Nordwesteuropa. Im April sind die Importe bereits um 15 Prozent eingebrochen. Die Reisezeit von Kuwait nach Rotterdam beträgt nur rund 21 Tage – Störungen wirken sich daher extrem schnell aus. Als Ersatzlieferant kommt vor allem die USA infrage. Doch auch dort werden die Mengen knapp: US-Exporte in den Pazifikraum haben ein Sieben-Jahres-Hoch erreicht und machen inzwischen über 30 Prozent der gesamten US-Jet-Fuel-Ausfuhren aus. Asien konkurriert hart um die verbleibenden Ladungen.
Die Lufthansa Group, Europas größte Airline, hat bereits reagiert. Am Donnerstag kündigte sie an, das Flugprogramm zu reduzieren und Flugzeuge früher auszumustern. Finanzvorstand Till Streichert erklärte: „Das Paket zur beschleunigten Umsetzung von Flotten- und Kapazitätsmaßnahmen ist angesichts der stark gestiegenen Kerosinkosten und der geopolitischen Instabilität unvermeidbar.“
Für die Fluggesellschaften bedeutet das höhere Kosten, für Passagiere teurere Tickets und mögliche Ausfälle. Nach dem russischen Gas-Embargo 2022 ist dies bereits die zweite schwere Energieversorgungskrise innerhalb von vier Jahren. Damals traf es Heizung und Strom – diesmal den Flugverkehr.
Analysten sehen keine schnelle Lösung. Die strukturelle Abhängigkeit von Importen und die begrenzten Alternativen machen Europa besonders verwundbar. Ohne rasche Entspannung im Nahen Osten droht der Sommer 2026 für viele Reisende zum Albtraum zu werden – mit leeren Flughäfen und deutlich höheren Preisen.
Bild LN9267, Emirates Airlines A6-EUC run EK384(United Arab Emirates Dubai International Airport via Thailand Bangkok Suvarnabhumi Airport to Hong Kong International Airport) 19-01-2026(2), CC BY-SA 4.0
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Ist doch ganz einfach. Der Preis für die Flugtickets wird drastisch gesenkt, dafür muss jeder Passagier die Menge Kerosin mitbringen, die sein Sitzplatz statistisch für die Flugstrecke braucht.
Oder die Piloten machen es wie die Bauern und tanken heimlich Heizöl.
Es gibt einen Preiskorridor außerhalb dessen das Wachstum deutlich einbricht. Das sieht man sehr hübsch auf Kurven, die Preis und Wachstum zusammen darstellen. 200 USD pro Barrel ist deutlich zu hoch! Ich würde denken, 120 USD ist zu hoch.
Wir haben auch in den 50er Jahren in Europa passabel gelebt, eine Verdopplung des Energieverbrauchs alle 50 Jahre ist nicht zwingend nötig, das Exponentielle sollte man vermeiden. Es ist anzunehmen, dass der Mehrverbrauch der letzten Jahre aus Asien stammt, wo das Wachstum erheblich ist. Allerdings kommt viel der dort verrechneten Energie über Warenimporte zu uns. Solche Energierechnung gibt es nicht, bestenfalls vage Abschätzungen, wo man über die Kostenanteile auf die Energie schätzt. Es wird also auch mit weniger gehen.
Vermutlich wird sich die Krise so einpendeln, dass man für Europa ein Wachstum nach dem Komma erhält, in den USA um 1%, und in Asien das Wachstum deutlich reduziert.
Den ganz großen Wahnsinn in Brüssel kann man sich dann aber nicht mehr leisten.