
Frankreich holt sein letztes Gold aus New York nach Hause – und macht dabei 13 Milliarden Euro Gewinn
Die Banque de France hat in den vergangenen Monaten einen bemerkenswerten Schritt vollzogen: Die letzte Tranche ihres Goldes, die noch bei der Federal Reserve Bank of New York lagerte, wurde verkauft und durch moderne, international standardisierte Goldbarren ersetzt. Diese lagern nun vollständig in den eigenen Tresoren in Paris. Damit befindet sich das gesamte französische Goldreserven von rund 2.437 Tonnen wieder unter nationaler Kontrolle.
Zwischen Juli 2025 und Januar 2026 hat die französische Zentralbank 129 Tonnen Gold (etwa 5 Prozent der Gesamtreserven) aus New York abgezogen, berichtet Martin Armstrong. Statt die alten Barren physisch zu transportieren und aufwendig zu raffinieren, verkaufte sie diese in den USA und erwarb gleichwertige, aber hochwertigere „London Good Delivery“-Barren auf dem europäischen Markt. Durch den starken Anstieg des Goldpreises in diesem Zeitraum entstand ein außerordentlicher Buchgewinn von rund 12,8 bis 13 Milliarden Euro. Dadurch konnte die Banque de France von einem Verlust von 7,7 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf einen Gewinn von 8,1 Milliarden Euro im Jahr 2025 umschwenken.
Die Gesamtmenge der Goldreserven blieb unverändert. Frankreich rangiert damit weiterhin auf Platz vier der weltweit größten offiziellen Goldhalter – hinter den USA, Deutschland und Italien. Der Wert der Reserven liegt bei aktuellen Preisen bei über 140 bis 150 Milliarden Euro.
Mehr als nur eine technische Operation
Offiziell handelt es sich um eine Modernisierung und Vereinheitlichung der Bestände, wie die Zentralbank betont. Dennoch hat der Schritt Symbolkraft. Er erinnert an die 1960er-Jahre, als Präsident Charles de Gaulle Gold für US-Dollar forderte und damit das Bretton-Woods-System infrage stellte, so Armstrong. Auch damals ging es um Misstrauen gegenüber ausländischer Verwahrung und anhaltenden US-Defiziten.
Heute steht die Welt vor ähnlichen, nur deutlich größeren Herausforderungen: Die globale Staatsschuldenlast überschreitet 310 Billionen US-Dollar. Regierungen können ihre Verpflichtungen langfristig nicht mehr aus eigener Kraft bedienen. Zentralbanken springen ein, indem sie eigene Staatsanleihen aufkaufen und ihre Bilanzen ausweiten. Das ist ein Prozess, der das Vertrauen in Papierwährungen und Staatsschulden weiter untergräbt.
Gold wird in diesem Umfeld nicht primär wegen Inflation gekauft, sondern als letzter sicherer Hafen, wenn das Vertrauen in staatliche Schuldversprechen schwindet. Zentralbanken weltweit sind seit Jahren Nettokäufer von Gold, in den Jahren 2022 und 2023 sogar in Rekordhöhe von über 1.000 Tonnen pro Jahr. Länder wie China, Indien, Türkei und Russland führen diese Entwicklung an. Auch westliche Notenbanken haben ihre Verkäufe weitgehend forgesetzt. Deutschland hat in den vergangenen Jahren bereits Hunderte Tonnen aus New York und Paris nach Frankfurt zurückgeholt.
Frankreichs Schuldenproblem im Hintergrund
Während die Goldoperation gelingt, brodelt die französische Schuldenkrise weiter. Die Staatsverschuldung liegt bei rund 117 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (Stand Ende 2025) und steigt weiter. Das Haushaltsdefizit betrug 2024 noch 5,8 Prozent des BIP und soll 2025 auf etwa 5,4–5,5 Prozent und 2026 auf rund 4,9–5 Prozent sinken. Doch selbst diese Ziele sind politisch umstritten und schwer zu erreichen. Die Zinslast auf die Schulden steigt spürbar und belastet den Haushalt zusätzlich.
Politische Fragmentierung in der Nationalversammlung erschwert tiefgreifende Konsolidierungen. Ratingagenturen haben Frankreichs Bonität bereits herabgestuft. Experten warnen, dass ohne nachhaltige Sparmaßnahmen die Schuldenquote bis 2030 auf 120 bis 130 Prozent des BIP klettern könnte. In diesem Kontext wirkt die Rückholung des Goldes wie eine stille Vorsichtsmaßnahme: physische Kontrolle über das eigene Vermögen, statt Abhängigkeit von ausländischen Verwahrstellen.
Ein globaler Trend
Frankreichs Schritt ist kein Einzelfall. Die „Waffenfähigkeit“ von Reserven – wie das Einfrieren russischer Vermögen gezeigt hat – hat das Kalkül vieler Staaten verändert. Vertrauen in fremde Verwahrung schwindet, wenn geopolitische Spannungen zunehmen. Gold repatriieren bedeutet letztlich Souveränität sichern.
Martin Armstrong, der Autor des Beitrags auf Armstrong Economics, sieht darin ein klares Signal: Wenn das Vertrauen in Staatsschulden erodiert, wandert Gold nach Hause. Die aktuelle Entwicklung sei keine Inflationstreiberei wie in den 1970er-Jahren, sondern ein Ausdruck systemischer Unsicherheit.
Die Rückholung des französischen Goldes nach Paris ist auf den ersten Blick eine technische und profitable Operation. Auf den zweiten Blick ist sie ein Symptom tieferliegender Probleme: eines globalen Schuldenbergs, der nicht mehr nachhaltig tragbar erscheint, und eines schleichenden Verlusts an Vertrauen in die herkömmlichen Finanz- und Währungssysteme.
Als Ausweg auf solche Finanzkrisen folgte in der Vergangenheit immer Krieg. Eine entsprechende Militarisierung ist in Europa nicht nur in Frankreich zu beobachten, Russland wird als Feind aufgebaut.
Bild von Steve Bidmead auf Pixabay
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Das Geld wird an der Verschuldung Frankreichs nichts ändern.
Was ist Gold wert wenn es dafür keinen Käufer gibt?
Was ist Gold wert wenn der Besitzer dieses verkaufen muss um damit Lebensmittel zu besorgen? Ein Goldbarren für eine Woche warme Mahlzeiten?
Heißt im Umkehrschluß du bekommst nur noch was zu Essen wenn du Gold hast. Weil das Geld schneller entwertet wird als man das drucken kann. Hatten wir so vor 100 Jahren.
Vorausgesetzt irgendwer will überhaupt sein Essen verkaufen.
Viel wahrscheinlicher als Gold zu verlangen ist in derart düsteren Zeiten eher eine benötigte Gegenleistung (z.b. Medizin, Handwerksarbeit) zu tauschen.