
Wie neugeboren: Ostern
Die kalte, dunkle Zeit ist endlich überstanden, wenn Tag und Nacht am 21. März gleich lang sind. Dann feierten unsere Vorfahren Ostern, das Fest des Lichts und der Wärme, der Hoffnung und der Lebensfreude. Zeit des Wachsens, Grünens und Gebärens.
Nicht umsonst haben wir die Frühjahrsrituale unserer bäuerlichen Vorfahren bewahrt. Die Eier, das grüne Gras, die Lämmchen und Häschen senden eine ganz andere Botschaft als das langsame Verenden eines Gemarterten am Kreuz und seine Auferstehung, um die Menschheit von der geerbten Sünde zu befreien.
Ein Fest des wiedererwachenden Lebens. Deswegen die ersten Eier der Saison, die neues Leben enthielten. Als willkommene Nahrungsergänzung und Kraftquelle, genauso geschätzt, wie das erste essbare Grün. Die Fastenzeit vorher war keine religiöse Aufgabe, sondern erzwungene Bescheidenheit, da die Nahrungsreserven in den Kellern und Scheunen gefährlich knapp wurden.
Das erste Schlachtfest in der neuen Saison mit den neugeborenen Lämmern brachte noch wenig Fleisch auf den Tisch, aber Freude am lange vermissten Genuss und die Hoffnung auf mehr. Aus der Perspektive unserer bäuerlichen Vorfahren war das Frühjahr eine elementare Zeitenwende. Endlich wieder die wärmende Sonne spüren. Sehen, wie die Vegetation aus dem Winterschlaf erwacht. Die Tiere finden wieder Futter auf der Weide. Auch für sie und damit für ihre Halter beginnt eine neue Lebensphase.
Zu Ostern feiern die Überlebenden, das sie die Todesgefahren überstanden hatten, die die vorangegangenen Monate bereithielten. Für unsere Vorfahren, die wieder einen Winter mit Hunger, Kälte, Stürmen überlebt hatten, Zeit zu jubeln, zu schmausen, zu tanzen.
Nun lasst den Lenz uns grüßen! Man zählte damals sein Alter nach den erlebten Lenzen, nicht nach einem abstrakten Datum. In jedem Frühling erblickt man von neuem das Licht der Welt. Wie neugeboren verlassen wir die düstere, kalte Jahreszeit und treten ins Licht. Daher auch der Name „Ostern“.
Aus dem Osten kommt das Licht. In so manchem alten Kirchlein ist hinter dem Altar ein schmales Fensterchen, ausgerichtet, wie fast alle Kirchen, nach Osten. Sie führten damit die Funktion der uralten Steinkreise fort, an denen man den Jahreslauf der Sonne und den Kalender ablesen konnte. Nicht nur Stonehenge und Pömmelte (Sachsen-Anhalt) und die vielen anderen kultischen Kreisgrabenanlagen dienten der Feier der Sonne, sondern auch die alten Kirchen.
Dazu passen die Ostergottesdienste zur Morgendämmerung in Erwartung des Sonnenaufgangs. Hier wie dort markierte man Ostern, also den Osten zur Tag- und Nachtgleiche. Wie Weihnachten am kürzesten Tag und Mittsommer am längsten Tag, so war auch die Verortung des Ostens zur Tag- und Nachtgleiche ein Fest wert.
Die viel später nachgereichte Berechnung des christlichen Osterfestes nach dem Mond (Gauß’sche Formel nach den Vorgaben des Konzils von Nicea), das bis heute ein nicht recht verstandenes Irrlichtern des Ostertermins veranlasst, soll angeblich nur erfolgt sein, um ein gemeinsames Feiern von Juden (Passah) und Christen (Auferstehung) zu verhindern.
Welche Macht müssen die jüdischen Traditionen gehabt haben, wenn man solche Ausweichstrategien ersinnt. Unsere alteuropäischen Feiern des Lichts, des Lebens und der Fortpflanzung waren sinnstiftend, aufbauend und nachvollziehbar. Unsere Vorfahren lebten notgedrungen im Einklang mit der Natur und der Sonne.
Wenn wir etwas von der uralten Kraftquelle aufnehmen möchten, dann dürfen wir uns ebenfalls nach Osten zum Licht ausrichten. Die Symbolfarben Weiß-Gold und frisches Grün schmücken unser Heim. Einfach das künstliche Licht ausschalten. Die Fenster öffnen. Stiefel und schwere Winterkleidung kommen wieder in den Schrank. Leichter bekleidet und leichten Herzens gehen wir hinaus zum sprichwörtlichen Osterspaziergang. Mit den hergebrachten uralten Osterritualen wächst das Verständnis für das, was wirklich zählt und unsere Lebenskraft mehrt. So entsteht ein Aufwind stärkender Erfahrungen. (Mehr zum Thema in: Feste feiern – dann aber richtig, Engelsdorfer Verlag)
Bild von Bruno auf Pixabay
Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Dr. phil. Renate Reuther ist Historikerin und Autorin. Von ihr erschienen ist etwa Die Eroberung der Alten und Neuen Welt. Mythen und Fakten.
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Magische Mahlzeit zu Silvester
Der Weihnachtsbaum: Tanne, Birke oder Stroh?
Und siehe, der Stern, den die Sterndeuter hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. (Matthäus 2 )
O Stern, riefen sie dankbar aus. Und aus diesem O Stern wurde dann Ostern.
Geschichtsrevisionismus, mal (ausnahmsweise) mit einem erhebenden und erhellenden Grundton. Geht doch?! Doch die Geschichte vom Gemarterten am Kreuz war bislang schlicht ein besserer Seller, als das „notgedrungene Leben mit Sonne und Natur“. (Hier aktuell täglich zu mitzulesen und zu vergleichen ;-) Ich bin vor ein paar Tagen mit einem Ohr am Ö-Akademikerpropagandakanal über ein Statement von Nikolaus Harnoncourt gestolpert. Sinngemäß wiedergegeben: Ihn interessiere Geschichte nicht. Denn befrage man Zeugen über einen Autounfall, so könnten sie sich nicht mal daran ordentlich erinnern. Weshalb solle sich das im Fall von Geschichte nicht noch viel schlimmer verhalten? Das hatte was.
Und das führte mich zu Miloš Formans „Amadeus“ und zu der Frage, unter welcher traditionellen Macht des Bösewichts Salieri dieses fröhlich furzende Genie doch einst gestanden haben muss! Aber wenigstens hat er das Requiem aufgeschrieben, dieser verschlagene Höfling. Sonst hätten wir ja gar keine Geschichte darüber, nicht?
Der 21. 3. war der Tag der Jahreswende! Ostern kam erst durch die Katholische Kirche, indem sie das Fest für die Göttin Ostara (Astarte) zudeckte. Das hat der Vatikan mit sämtlichen Festen der Deutschen Völker getan.
kultur war nicht da. sie wurde gebracht. bis heute.
Ja, schöne und wahre Worte – allerdings scheint die „kalte dunkle“ Zeit weltpolitisch wohl erst auf uns zuzukommen…
Frühlingsanfang ist am 20. März!