US-Militäraktion gegen den Iran: Teil von Trumps großer Strategie gegen China

1. März 2026von 3,5 Minuten Lesezeit

Mit dem Angriff auf den Iran wollen die USA die (indirekte) Kontrolle über gewaltige Öl- und Gasreserven erlangen, um diese als Druckmittel gegen China einzusetzen. Damit soll Peking nicht nur zu einem einseitigen Abkommen gezwungen werden, sondern sein Aufstieg zur Supermacht gestoppt werden.

Trump behauptete, der US-Militäreinsatz gegen Iran diene der „Verteidigung des amerikanischen Volkes“. Viele Kritiker warfen ihm vor – ob im Scherz oder ernst gemeint –, es gehe nur darum, von den Epstein-Akten abzulenken. Die wenigsten Beobachter haben jedoch erkannt, dass es in Wahrheit ausschließlich um China geht. Trump 2.0 hat beschlossen, China schrittweise den Zugang zu Märkten und Ressourcen zu entziehen – idealerweise durch eine Reihe von Handelsabkommen –, um den USA die nötige indirekte Hebelwirkung zu verschaffen, mit der sich Chinas Aufstieg zur Supermacht friedlich stoppen lässt.

Zur Verdeutlichung: Die US-Handelsabkommen mit der EU und Indien könnten letztlich dazu führen, dass diese Länder China den Marktzugang unter Androhung von Strafzöllen verweigern. Parallel dazu könnten die US-Sonderoperation in Venezuela, der Druck auf Iran sowie die gleichzeitigen Versuche, Nigeria und andere wichtige Energieproduzenten unter Kontrolle zu bringen, China den Zugang zu den Ressourcen abschneiden, die es für seinen Aufstieg zur Supermacht braucht.“ Genau diese Ressourcendimension spielt bei Iran eine zentrale Rolle in der US-„Strategie“.

Diese Strategie stammt vom Unterstaatssekretär für Verteidigungspolitik Elbridge Colby und wurde in einer Analyse Anfang Januar ausführlich dargelegt. Dort hieß es: „Der US-Einfluss auf Venezuelas – und möglicherweise bald Irans und Nigerias – Energieexporte sowie auf die Handelsbeziehungen mit China könnte durch Drohungen mit Lieferkürzungen oder -stopps parallel zum Druck auf die Golf-Verbündeten als Waffe eingesetzt werden.“ Ziel ist es, China durch ein einseitiges Handelsabkommen auf Dauer in die Rolle eines Juniorpartners der USA zu drängen.

Die meisten Beobachter haben es übersehen, doch die neue Nationale Sicherheitsstrategie fordert letztlich, „Chinas Wirtschaft auf den privaten Verbrauch umzusteuern“. Das ist lediglich ein beschönigender Ausdruck für eine radikale Umgestaltung der Weltwirtschaft: China soll der Zugang zu den Märkten und Ressourcen genommen werden, die seinen Aufstieg überhaupt erst möglich gemacht haben. Es soll nicht länger „die Fabrik der Welt“ bleiben und damit seine Zeit als einziger systemischer Rivale der USA beenden. Die US-geführte Unipolarität wäre dann wiederhergestellt.

Zurück zu Iran: Das Land stellte laut im vergangenen Jahr etwa 13,4 % der gesamten 10,27 Millionen Barrel Öl pro Tag, die China auf dem Seeweg importierte. Deshalb will Washington diesen Ölfluss kontrollieren, drosseln oder komplett abstellen. „Plan A“ war, dies auf diplomatischem Weg zu erreichen – nach dem Vorbild Venezuelas nach Maduros Festnahme. Iran hat kurz mitgespielt, sich dann aber nicht darauf eingelassen, weil es einer strategischen Kapitulation gleichgekommen wäre. Deshalb hat Trump nun militärisch gehandelt.

In seinem Video, mit dem er den Militäreinsatz ankündigte, versprach Trump der Revolutionsgarde (IRGC) Immunität, falls sie die Waffen niederlegt. Das untermauert die These, dass die USA das venezolanische Modell wiederholen wollen: Er rechnet offenbar damit, dass eine neu pro-amerikanisch ausgerichtete IRGC das Land in der Übergangsphase bis zu Neuwahlen führt – genau wie die ebenfalls neu pro-amerikanisch ausgerichteten Sicherheitskräfte Venezuelas ihr Land derzeit interimistisch lenken.

Ein solches Szenario würde eine mögliche „Balkanisierung“ Irans verhindern und den Staat intakt halten. Iran könnte dann seine frühere Rolle als einer der wichtigsten regionalen Verbündeten der USA wieder einnehmen und damit auch die aserbaidschanisch-türkische Achse dabei unterstützen, westlichen Einfluss entlang der gesamten südlichen Peripherie Russlands auszubauen. Gleichzeitig würde Washington durch die indirekte Kontrolle über Irans Öl- und Gasindustrie eine beispiellose Ressourcenhebelwirkung gegenüber China erhalten und Russland weiter einkreisen – ein schwerer Schlag für die multipolare Weltordnung.


Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Andrew Korybko ist ein in Moskau ansässiger amerikanischer politischer Analyst, der sich auf den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat. Er veröffentlicht auf Englisch auf seinem Substack-Blog. Auf Deutsch exklusiv bei TKP.


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8 Kommentare

  1. Jan 1. März 2026 um 13:34 Uhr - Antworten

    Man will den Ressourcenländern die Entscheidung, wem sie verkaufen, beschneiden, weil im Verkäufermarkt allein dadurch Herrschaft ausgeübt wird.

    Außerdem will man offensichtlich die Zusatzkosten durch Sicherung von Routen und Transporten reduzieren und den Zugriff der Großräume auf Quellen möglichst kurz halten.

    Für China würde das ein Ausbau der russischen Pipelines um die Power of Siberia bedeuten, für die EU eine Erweiterung um Teile des Irans, eventuell des Iraks hinten herum durchs Schwarze Meer. Dafür wollte man die Kontrolle über die Krim, was mit russischen Sicherheitsinteressen kollidiert.

    Die USA ziehen sich auf ihren Hinterhof in Venezuela zurück. Exploration unter Eis kann man gemeinsam mit Russland entwickeln.

    Die iranischen Lieferungen nach China sind mit um die 2 Mio bpd nicht so groß. Es wäre möglich, diese durch einen Ausbau der russischen Felder zu kompensieren. Teilweise liegen diese im chinesischen Grenzgebiet. Auch diesbezüglich wären Lösungen denkbar.

    China will natürlich seine technischen Investitionen abgezinst haben.

    Die ganze Entwicklung hängt damit zusammen, dass die regionalen Erträge zurückgehen und fast alle früheren Exportländer zum Importländern geworden sind. Damit steigt die Abhängigkeit der Welt von den vergleichsweise riesigen Ressourcen zwischen arabischer Halbinsel und Kaspischem Meer.

    So riesig sind die allerdings auch nicht, Iran könnte mittelfristig wohl 7 mio bpd produzieren, langfristig vielleicht bis zu 10 mio bdp wie Saudi-Arabien. Das entspricht etwa dem Verbrauch der EU. Größere Wachstumssprünge sind da nicht drin und ewig ist das auch nicht durchzuhalten.

    An einer grundsätzlichen Überlegung, wie wir unbegrenztes Wachstum auf einer endlichen Erde durchhalten wollen, kommen wir nicht herum.

    • ibido 1. März 2026 um 20:47 Uhr - Antworten

      „An einer grundsätzlichen Überlegung, wie wir unbegrenztes Wachstum auf einer endlichen Erde durchhalten wollen, kommen wir nicht herum.“

      ja UND nein. Die Erde ist endlich, aber das Verhalten der Natur ist Fülle und im Überfluss produzieren. Aus EINEM Samen wächst eine Pflanze mit vielen Früchten, die ihrerseits wieder eine große Menge an Samen enthält.

      Der Grundgedanke der Photovoltaik hat seine Berechtigung. Die Sonne spendiert der Erde „unendlich“ viel Energie. Nur die Umsetzung ist mangelhaft. Aber vielleicht entdecken wir mal wie wir die viele Energie, die uns umgibt, nützen können. Zum Wohl aller Menschen!

  2. OMS 1. März 2026 um 12:27 Uhr - Antworten

    Der US-Terror geht weiter, wenn ihn China nicht stoppt. Die US-Flotte muss versenkt werden, damit Trump vor ein Kriegsgericht in den USA gestellt werden kann.

  3. Hausmann_Alexander 1. März 2026 um 11:19 Uhr - Antworten

    Vielleicht liegen die Kritiker mit ihrer Behauptung mit der Ablenkung gar nicht mal so falsch.

    „Obwohl Bacha Bazi von den Mudschaheddin weit verbreitet praktiziert wurde, wurde es von einem Großteil der Bevölkerung, die es als barbarisch und monströs empfand, nie akzeptiert. Daher sahen viele Menschen in Afghanistan ihre neuen Herrscher trotz ihrer Darstellung als afghanisches Pendant zu den Gründervätern in der westlichen Presse als wenig mehr als eine Bande von Pädophilen-Warlords, die von den USA eingesetzt worden waren.

    Die Mudschaheddin wurden innerhalb von nur vier Jahren von den Taliban verdrängt, die nicht zuletzt aufgrund der landesweiten Abscheu und Empörung über Bacha Bazi an die Macht kamen. Tatsächlich wurde Mullah Omar, der bis zu seinem Tod im Jahr 2013 Anführer der Taliban war, durch seine prominente Ablehnung dieser Praxis berühmt. Im Jahr 1994 führte er eine Gruppe bewaffneter Männer bei einer Reihe von Razzien an, um entführte und versklavte Jungen und Mädchen zu befreien.“

    Quelle: un cut news. ch ,
    Februar 13, 2026
    Alan Macleod via MintPress News

  4. Hausmann_Alexander 1. März 2026 um 11:13 Uhr - Antworten

    Vielleicht liegen die Kritiker mit der Behauptung dadurch von den Epstein Akten abzulenken gar nicht mal so falsch.

    Auszug aus einem Artikel von un cut news.ch:

    „Obwohl Bacha Bazi von den Mudschaheddin weit verbreitet praktiziert wurde, wurde es von einem Großteil der Bevölkerung, die es als barbarisch und monströs empfand, nie akzeptiert. Daher sahen viele Menschen in Afghanistan ihre neuen Herrscher trotz ihrer Darstellung als afghanisches Pendant zu den Gründervätern in der westlichen Presse als wenig mehr als eine Bande von Pädophilen-Warlords, die von den USA eingesetzt worden waren.

    Die Mudschaheddin wurden innerhalb von nur vier Jahren von den Taliban verdrängt, die nicht zuletzt aufgrund der landesweiten Abscheu und Empörung über Bacha Bazi an die Macht kamen. Tatsächlich wurde Mullah Omar, der bis zu seinem Tod im Jahr 2013 Anführer der Taliban war, durch seine prominente Ablehnung dieser Praxis berühmt. Im Jahr 1994 führte er eine Gruppe bewaffneter Männer bei einer Reihe von Razzien an, um entführte und versklavte Jungen und Mädchen zu befreien.

    Diese Aktion machte ihn zu einem Nationalhelden und steigerte die Stärke und das Ansehen der Taliban erheblich. Von einer Truppe von nur 30 Kämpfern wuchs seine Miliz bis zum Jahresende auf 12.000 Mann an, da sich Tausende seiner Sache anschlossen und damit den Weg für ihren Einmarsch in Kabul im Jahr 1996 ebneten. Nach der Machtübernahme verboten die Taliban Bacha Bazi und stellten es unter Todesstrafe. Obwohl die Taliban kaum für ihre Menschenrechtspolitik bekannt sind, konnten sie durch ihre Maßnahmen zur Bekämpfung von Kindesmissbrauch zumindest einige öffentliche Unterstützung gewinnen.

    Diese Phase erwies sich jedoch als kurzlebig, da nur fünf Jahre später, im Jahr 2001, die Vereinigten Staaten in Afghanistan einmarschierten, um die Taliban zu stürzen, und viele der gestürzten Mudschaheddin-Führer des vorherigen Regimes wieder an die Macht brachten. Mit der Rückkehr der von den USA unterstützten Regierung kam es zu einem Wiederaufleben des Bacha Bazi, wobei viele hochrangige Regierungs-, Polizei- und Militärbeamte mit ihren Kinderkonkubinen prahlten. Dazu gehörten sogar Familienmitglieder von Präsident Hamid Karzai.“

    https://uncutnews.ch/das-us-militaer-hat-massenvergewaltigungen-von-kindern-in-afghanistan-unterstuetzt-jetzt-begehen-seine-soldaten-dieses-verbrechen-in-fort-bragg/

  5. Pfeiffer C 1. März 2026 um 10:53 Uhr - Antworten

    Trump behauptete, der US-Militäreinsatz gegen Iran diene der „Verteidigung des amerikanischen Volkes“.

    Falsch. Trump hat das Präsidentenmascherl des Deep states, sonst nichts. Er ist nur ein weiteres, niederträchtiges US-Herzeige-Polit-Betriebsmittel wie z.B. der Drohnenmörder Obama!

    Hinterlust, Heimtücke, Betrug, Habgier und Mordlust sind die beste Umschreibung für das Oligarchensystem USA. Und das schon seit deren Staatsgründung. Ein Staat von Verbrechern für Verbrecher der völlig degenerierten, hirnweichen, dollargierigen „First Line“…

    Leidergottes ist all unseren zerebralgeschädigten europäischen Führungsgarnituren – von Deutschland über Frankreich bis zu GB ff – nicht klar, daß diese transatlantische Mordmaschine nicht mit einer Wimper zuckt, unser einst schönes, prosperierendes, gesundes Europa binnen kurzer Zeit für immer in atomare Asche zu verwandeln…

  6. Varus 1. März 2026 um 9:54 Uhr - Antworten

    Die US-Handelsabkommen mit der EU und Indien könnten letztlich dazu führen, dass diese Länder China den Marktzugang unter Androhung von Strafzöllen verweigern.

    Mittlerweile hat das Oberste Gericht der USA die „Strafzölle“ des US-Diktators für illegal erklärt – muss noch wer welche fürchten?

  7. Daisy 1. März 2026 um 9:51 Uhr - Antworten

    Trump behauptete, der US-Militäreinsatz gegen Iran diene der „Verteidigung des amerikanischen Volkes“.

    Ich dachte eher, weil Isr. der 51. Bundesstaat ist…;-)
    Jo, Trump will sicher China bremsen, aber deswegen einen WK3 riskieren? Es ist absolut unverantwortlich, was er und Bibi da unten angerichtet haben.

    Analysten meinen, China greift militärisch nicht ein. Und Russland steht dem Iran auch nur verbal bei. Trotzdem herrscht dort jetzt Chaos.
    Ich denke, mit Putin gibt es einen Deal. Möglicherweise, wenn wir schon beim Spekulieren sind, hat Trump den Frieden eh wegen der Iran-Attacke so lange hinausgeschoben? Denn sicher hätte er mehr Druck auf den Pianisten ausüben können. Der Iran-Überfall ist jedenfalls schon lange in Planung.

    Ich denke, es ist primär Bibis Wunsch gewesen. Und Trump hat ihn ihm erfüllt. Wieder kann man spekulieren. Aber Trump dürfte Isr. tatsächlich als zur USA gehôrend betrachten.

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