Jesus bleibt inkognito

10. August 2025von 2,8 Minuten Lesezeit

Ungläubige hatten es schon lange gewusst. Jetzt sollten auch den Rechtgläubigen die Augen aufgehen, dass es sich beim „Turiner Grabtuch“ um eine der unzähligen Fake-Devotionalien des Kirchenkonzerns handelt.

Ein renommierter brasilianischer 3D-Designer hat in einer forensischen Simulation nachgewiesen, dass der Abdruck eines wirklichen Gesichts auf einem Tuch zu perspektivischen Verzerrungen führen muss, die dem vermeintlichen Grabtuch fehlen. Der Versuch einen Betrug zu verbergen, kann nach hinten losgehen. Als der Vatikan sich noch 2022 aus einer Fadenanalyse anhand der Zellulosealterung von italienischen Staatsforschern bestätigen ließ, dass das gute Stück Stoff nicht wie zuletzt mit Radiokarbon datiert aus dem Mittelalter stammt, sondern 2000 Jahre alt sei, hatten sie Widerspruch geradezu herausgefordert. Jedenfalls motivierte die vermeintliche Altersbestätigung Cicero Moraes, der schon preisgekrönte Gesichtsrekonstruktionen zahlreicher berühmter Personen erstellt hat. Unter anderem auch für die katholische Kirche. Warum also nicht auch von Jesus Christus?

Auf dem stattlichen 4,42 Meter langen und 1,13 Meter breiten Leintuch wurden die Spuren eines gegeißelten und gekreuzigten Mannes offenbar mit einer Drucktechnik aufgebracht. Aufgetaucht ist das vermeintliche Grabtuch ohnehin erst 1353, als der Kirchenkonzern gerade das große Pestereignis in Europa inszenierte und man Menschen empfänglich für Wunder benötigte (mehr dazu in: „Hauptsache Panik. Ein neuer Blick auf Pandemien in Europa.“ Engelsdorfer Verlag 2024). Im Turiner Dom wird es seit 1578 aufbewahrt, wo es in jüngerer Vergangenheit nur selten öffentlich gezeigt wurde.

Der örtliche Kardinal ist verstimmt, spielt aber bereits die Enthüllung herunter. Es sei ohnehin für den Glauben nicht entscheidend, wie alt das Tuch wirklich sei. Offiziell hat sich die Kirche ohnehin nie zur Echtheit geäußert. Den Status als Reliquie hatte das berühmteste Stück Stoff der Welt in den Augen der Gläubigen dennoch.

Der Reliquienkult war mindestens so lukrativ wie „Covid-19“. Mit Gebeinen, Haaren und Nägeln machten die Herren im Talar, aber auch die Reichen und Mächtigen der Länder seit dem Mittelalter ein Vermögen. Offiziell hielt sich der Kirchenkonzern heraus und verbot den Reliquienhandel. Allerdings waren Reliquien ein fixer Bestandteil einer Kirchenweihe. Im Handel waren daher vor allem Kleriker tätig. Der Transfer wurde als „Diebstahl“ oder „Schenkung“ getarnt oder die Ankäufe erfolgten durch „Ungläubige“. Die Gebeine des Heiligen Antonius sollen in Gold aufgewogen worden sein.

Die Einnahmen durch die Präsenz von Reliquien klimperten jedenfalls im Kasten des Kirchenkonzerns. Wallfahrtskirchen waren ein Geschäftsmodell. Eine Einladung für Fälscher. Vom Heiligen Bernhard von Siena (15. Jahrhundert) wird kolportiert, dass er meinte, es seien so viele Splitter vom Christuskreuz im Umlauf, dass sie zwölf Ochsen nicht tragen könnten. Der Vorrat scheint noch nicht aufgebraucht, da König Charles III. zu seiner Thronbesteigung 2023 vom Papst als Geschenk ein weiteres Stück erhielt.


Dr. med. Gerd Reuther ist Radiologe, Medizinaufklärer und Medizinhistoriker. Er hat 9 Bücher veröffentlicht, zuletzt mit „Tatort Vergangenheit“ eine Geschichtsaufarbeitung gegen den Strich gebürstet. Dr. phil. Renate Reuther ist Historikerin. Die Eroberung der Alten und Neuen Welt. Mythen und Fakten


Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.



Wie man Kirchen auf Impf-Kurs brachte

Sprecher des US-Kongresses Johnson besucht illegale Siedlung im von Israel besetzten Westjordanland

Trump 2.0 und die Palästinenser: Von der Kehrtwende zu Repression und Deportationen

Strategie und Kriegsziele der USA in Ukraine und Nahen Osten

7 Kommentare

  1. Daisy 11. August 2025 um 5:14 Uhr - Antworten

    Reliquien stammen aus alten Zeiten. Das macht es heute schwer, sie zu datieren. An sich haben viele Kirchen Reliqien. Damit gab es einen Boom im Mittelalter, um Menschen anzulocken. Man hatte zumeist Splitter vom Kreuz, Knochen, Blxt… Meine beiden Großmütter mütterlicher- und väterlicherseits kamen aus Heiligenblxt, das durch die Reliquie zum Wallfahrtsort wurde. Es zieht viele Neugierige und Pilger an. Der Verkauf von religiösen Souvenirs ist ein gutes Geschäft – aber auch die sehr reizvolle Landschaft am Fuße des Großglockners ziegt natürlich Touristen an. Wir waren manchmal auf Besuch. So konnte ich das kleine Fläschchen in der Kirche besichtigen, alt, verstaubt, dickes graues Glas mit verrostetem Draht und Verschluss. Der Inhalt braun mit etwas Rot. Es kônnte Blut sein. Ich dachte mir damals aber natürlich auch gleich, wenn, dann sicher nicht von Jxsus.

    Es kam wohl auch zu Spontanheilungen. Eine der besseren Fälschungen ist wohl das Turiner Grabtuch. Schade eigentlich, denn ich hätte schon gerne gewusst, wie er ausgesehen hat. Meine Mutter war Atheistin und mein Vater Agnostiker, was schon ausreichte, dass die beiden öfter darüber stritten. Mich plagte das auch nicht, bin aber am katholischen Land aufgewachsen und wurde daher getauft, sodass ich erst als Erwachsene aus der Kirche austreten konnte, nachdem sie mir von meinem ersten Geld gleich die Beiträge abgezogen hatten. Ich brauche den Verein nicht. Ich glaube, was mir gefällt und bin ganz auf der Seite meines Vaters, agnostisch. Die Bräuche halte ich gerne ein. Ich mag Weihnachten. Es ist nicht nur ein christliches Fest. Wie viele Kirchen auf keltischen Kultstätten errichtet wurden, hat man auch die alten Bräuche übernommen. Die Christen haben also den alten Glauben bewusst verdrängt und ersetzt.

    Wenn ich eine Zeitmaschine hätte, wäre das eines meiner Ziele – Tschiesas live mit Universalübersetzer. Ob es ihn wirklich gab? Es gab damals viele Prediger.

    Link zum Reliquienkult folgt.

  2. Konrad Kugler 10. August 2025 um 23:17 Uhr - Antworten

    Wissenschaft wird von Menschen betrieben und wo Menschen agieren, menschelt es.
    Seit 1948 steht die Urknall-Theorie als Beweis, daß nur Gott die Welt geschaffen haben kann.
    Stephen Hawking bestätigt das so. „Es wäre schwierig zu beweisen, warum das Universum gerade so begonnen haben sollte, wenn es nicht ein Akt Gottes gewesen wäre, der Geschöpfe wie uns schaffen wollte.“ (Eine kurze Geschichte der Zeit, s. 165)
    Das sagt ein Mann, der zeitlebens zwischen Atheismus und Agnostizismus schwankte.

  3. Jan 10. August 2025 um 19:14 Uhr - Antworten

    Theologen und Mediziner sagen beide, du musst sterben und ich bin dein einziger Ausweg!

  4. bruder reinhard ocso 10. August 2025 um 16:37 Uhr - Antworten

    Sehr geehrte Autoren ! Bitte folgt den wissenschaftlichen Erkenntnissen wie sie schon so lange und immer präziser publiziert worden sind. Das was ihr hier betreibt betrübt mich sehr, da ich dieser Kana einen echt wissenschaftlichen Beitrag verdient hätte. Mit solch kuriosen Detailannahmen was nicht sein darf kann nicht sein _ und damit alle bisherigen Erkenntnisse überspringen will das halte ich nicht für seriöse Wissenschaft. Übrigends zweifele ich immer mehr an euren Beiträgen
    , aber das ging nun viel zu weit für mich.

    • alex23550 10. August 2025 um 17:12 Uhr - Antworten

      Dem kann ich leider nur zustimmen.

      Was ich noch anmerken möchte an dieser Stelle: Tucker Carlson hat erst vorgestern ein Interview mit Jeremiah Johnston veröffentlicht, der eine ganz andere Geschichte erzählt. https://x.com/TuckerCarlson/status/1953863784038117655
      Vielleicht sollte man diese Aussagen mal überprüfen. Vor allem machte mich die Erklärung zu der Datierung auf „Mittelalter“ hellhörig.
      Wie auch immer, der Mann nennt sehr viele Indizien, die der Aussage dieses Artikels widersprechen. Ich denke die sollte man mal überprüfen.

      Das ganze Blabla im 2. Teil des Textes hat überhaupt nichts mit der Sache zu tun und gibt ein übriges „Geschmäckle“. Sorry aber für TKP finde ich diesen Artikel unwürdig. Schauen sie mal wie Dr. Peter Mayer seine Artikel mit prüfbaren Quellenangaben unterstützt und uns für Laien z.T. schwer verständliche Details nicht vorenthält.

      Hier ist leider gar nichts und alle meine „Propaganda/Ablenkung/Schwafel“-Antennen schlagen alarm. Sorry aber so bitte nicht.

  5. Jurgen 10. August 2025 um 13:33 Uhr - Antworten

    Personenkult zur „Vermenschlichung“ des Gottprinzips. Wer so was halt braucht…

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.

Aktuelle Beiträge