Wer ist eigentlich diese „KV“ oder „KBV“?

16. Dezember 2022von 5,1 Minuten Lesezeit

Im Wirbel um die „plötzliche und unerwartete“ Übersterblichkeit, die der Datenanalyst Tom Lausen im Auftrag eines AfD-Abgeordneten am 12.12.2022 enthüllte, geriet eine Organisation namens „KV“ oder „KBV“ ins Blitzlicht, die ein deutsches Unikum ist und bevorzugt im Verborgenen agiert. Eigentlich wollte diese „KBV“ die Abrechnungsdaten zurückhalten, aber auf juristische Weisung musste sie liefern. Wer ist dieser Datenmonopolist?

„KV“ steht für „Kassenärztliche Vereinigung“. Das zwischengeschaltete „B“ für die Bundesorganisation von 17 Landesorganisationen, die die flächendeckende ambulante Versorgung der Bevölkerung mit Haus- und Fachärzten in den 16 deutschen Bundesländern gewährleisten sollen. Nordrhein-Westfalen leistet sich aus historischen Gründen zwei Teilorganisationen; denn die KV ist ein Relikt der 1930er Jahre. Trotz des existenzgebenden Versorgungsauftrages entspricht die Verteilung der Kassenärzte auch nach mehr als 7 Jahrzehnten Friedenszeit noch immer nicht der Bevölkerungsnachfrage. Vertragsärzte sind nicht da, wo sie benötigt werden, sondern da, wo es sich lohnt.i Wie andere Berufsgruppen konzentrieren sie sich in Städten.

Ungeachtet ihres öffentlich-rechtlichen Status handelt es sich bei den KVen um Zunftorganisationen, die neben der Eigenversorgung der Funktionäre ein Kartell für die Vertragsärzte bilden. Unter Ausschaltung von Marktgesetzen sollen am Kuchen der gesetzlichen Krankenversicherung nicht zu viele und vor allem nicht die Falschen naschen. In den 1930er Jahren achtete man darauf, dass die Kassenärzte die richtige Weltanschauung hatten und keine Juden oder Kommunisten waren. Seit dem 2. Weltkrieg sollen neue Mitglieder die Kreise bereits etablierter Kassenärzte nicht stören und pflegeleicht sein. Es ist kein Wunder, dass die KVen über Jahrzehnte Versorgungslücken nicht geschlossen haben.

Neben der Abschottung des Marktes für die Kassenärzte ist die Verhandlung und Verteilung der Honorare an die ärztlichen Leistungserbringer der Hauptfokus. Eine Leistung, die gesetzlich überhaupt nicht vorgesehen ist. Die KVen haben sich diese einfach angemaßt, um die eigene Macht auszubauen und die Geldflüsse möglichst intransparent zu gestalten. Während in anderen Ländern Krankenversicherungen das Honorar für erbrachte Leistungen direkt an die Ärzte auszahlen oder die Versicherten die Rechnung vor Ort berappen und sich die Kosten von ihren Versicherungen zurückerstatten lassen (z.B. Frankreich), kanalisieren in Deutschland die KVen die Geldströme. Die Krankenkassen verhandeln ein Honorarvolumen mit der KBV, die dieses Honorar in einem von den Funktionären bestimmten Verteilungsschlüssel in Form von Punkten mit Mengenbegrenzungen und Sondertöpfen an die verschiedenen Arztgruppen weiterleitet.

Die Kostenträger erhalten Daten über erbrachte Leistungen nur so differenziert wie die KVen dies weitergeben. Dabei setzen die KVen ohne Rücksprache mit den Ärzten immer wieder Abrechnungspositionen hinzu, ohne zu prüfen, ob diese überhaupt erbracht wurden. Die Kostenträger haben keinen klaren Überblick und zahlen in der Regel, ohne Richtigkeit und Plausibilität zu prüfen. Auf der anderen Seite wissen die Vertragsärzte prospektiv nie, welcher Erlös mit welcher Leistung verbunden ist und stellen manchmal jahrzehntelang nicht fest, dass die Vergütungen nicht korrekt sind.

Die Anfälligkeit für systematischen Betrug ist in diesem System hoch, ohne dass er so benannt oder gezielt verfolgt würde. Juristen bezeichnen eine derartige Konstellation als „deliktsförderliche Tatgelegenheitsstruktur.“ii Schon 1975 wurde innerhalb des Kassenarztsystems Abrechnungsbetrug in einem Volumen von 5 Milliarden Euro angenommen.iii Die Abrechnung von „Luftleistungen“, die gar nicht erfolgten, ist kaum feststellbar und die Vigilanz gering. Eine Gegenkontrolle durch die „Gesundheitskunden“, an denen die Leistungen erbracht wurden, findet nicht statt.

Sichergestellt ist immer, dass die KVen ein nicht unbeträchtliches Stück des Kuchens für sich und ihre Funktionäre beanspruchen, die meisten Kassenärzte die Abrechnung nicht verstehen und die Kostenträger die Entwicklung einzelner Leistungen nicht frühzeitig einschätzen können. Mit einem Verwaltungsmoloch von mehr als 12.000 Mitarbeitern – im Durchschnitt 1 Mitarbeiter pro 13 Kassenärzte – vernichten die 17 Landesorganisationen und die Bundes-KV jährlich mehr als 1 Milliarde Euro des Honorarvolumens von etwa 40 Milliarden Euro für ihre eigene Administration.iv

In den vergangenen Jahren haben KVen immer wieder mehr Honorar von den Kostenträgern einbehalten als an die Leistungserbringer ausbezahlt. Neben steigenden Ausgaben wurden damit auch Vermögen in 2-stelliger Millionenhöhe aufgebaut.v Wen wundert es, dass solche Mezzanin-Geschäfte die Begehrlichkeiten gieriger Funktionäre weckten.vi KBV-Vorstände bringen es mit Jahresbezügen bis knapp 500.000€ für ihre Teilzeitbeschäftigung neben eigener Praxis zu Rekordhaltern unter den Gesundheitsfunktionären. Die KBV-Vorsitzenden haben ohnehin nicht übermäßig viel Verantwortung, da die KBV als übergeordnetes Beratungsgremium für die Landes-KVen diesen gegenüber keine Weisungsbefugnis hat.

Man könnte von einer „Mafia“ sprechen, deren Hoheit über die Honorarverhandlungen und –verteilung die Zwangsbeiträge der Kassenärzte nur notdürftig als Schutzgeldzahlungen kaschiert. Diese Betrachtungsweise ist nicht abwegig, da Kassenärzte ohne ausreichend Privatpatienten scheinselbständig sind, wenn ihre Bezahlung überwiegend in den Händen der zugehörigen KV liegt und diese über ihren Status als Kassenarzt entscheidet. Kassenärzte buchstabieren das Kürzel „KV“ daher auch schon einmal als „Kriminelle Vereinigung“, wenn die Honorarauszahlungen mit einem Verzug bis zu 12 Monaten ohne Zinsen erfolgen.

Referenzen

i Klose J, Rehbein I: Ärzteatlas 2016 – Daten zur Versorgungsdichte von Vertragsärzten. Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO), Berlin 2016

ii Kölbel R: Die Prüfung der Abrechnung von Krankenhausleistungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung. Eine Bewertung aus kriminologischer Perspektive. Gutachten für den AOK-Bundesverband

iii Blüchel KG: Heilen verboten, töten erlaubt. C. Bertelsmann Verlag, München 2003, 2. Auflage

v http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/berufspolitik/ article/679968/kv-berlin-senkt-verwaltungskosten.html; letzter Zugriff am 08.07.2016

vi Dowideit S: So leidet Deutschland unter dem Ärzte-Kartell. Die Welt vom 28.07.2015


Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wieder.

Dr. med. Gerd Reuther ist Arzt und Medizinhinhistoriker. Er ist Autor der Bücher „Der betrogene Patient“, „Heilung Nebensache“
und „Letzte Tage – verkannte und vertuschte Todesursachen“.

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14 Kommentare

  1. Physiker 16. Dezember 2022 at 22:31Antworten

    Dadurch dass die von der KV verteilte Gesamtsumme (normal) deckelt ist, führt das „großzügige“ abrechnungsverhalten dazu, dass die entsprechenden Vergütungen sinken. d.h. diese „Leistungserschleichung“ geht zu Lasten der gewissenhaft abrechnenden Kollegen. Faktisch führt das dazu, dass eine Praxis mit ausgefeilter Abrechnungstechnik durchaus recht lukrativ sein kann (oft besonders optimiert in MVZ) z.B. in dem man aus einer Untersuchung zwei macht ….. Dagegen dürfte einen wirklich gewissenhaft abrechnenden Arzt effektiv kaum was übrig bleiben. Faktisch scheidet damit der aus, der such der Praxis nicht wenigstens einigermaßen anpasst. Ebenso wenn es einen Konflikt gibt zwischen sinnvollen und lohnenden Untersuchungen …. Und bezahlt werden die passend abgerechneten Leistungen und nicht der Erfolg oder die echte Qualität. Bei Privatpatienten lassen da die Abrechnungsmodalitäten durchaus mehr Luft, allerdings wird da von nicht wenigen Ärzten dann die Abrechnungen genauso optimiert.
    Und was die räumliche Verteilung der Ärzte angeht, so sieht die Bedarfsplanung der KV in den Städten eine höhere Ärztedichte (normal 120%) als auf dem Land vor. So ist selbst in vielen dürftig versorgten ländlichen Gebieten es nicht erlaubt, dass dort sich ein Arzt als weiterer Kassenarzt niederlässt.

  2. Heiko 16. Dezember 2022 at 19:32Antworten

    Die Kassenzulassung ist der goldene Käfig, in den Ärzte und Zahnärzte gelockt werden, weil kaum jemand das wirtschaftliche Risiko zur Niederlassung einschätzen und tragen kann. Bei Fachärzten und Zahnärzten stehen da schnell einige Hunderttausend Euro auf dem Deckel. Wie frei unsere Gesellschaft ist, erkennt man am Sozialgesetzbuch V. Dort steht sinngemäß, dass die gesetzliche Krankenkasse einem Kassenpatienten die Kosten für einen Privatarzt bzw. Zahnarzt mindestens in der Höhe der Kassengebührenordnung erstatten müssen, weil wir in D. ja freie Arztwahl haben. Wenn aber ein Arzt oder ZA seine Kassenzulassung zurückgibt, DARF die Krankenkasse die Honorare dieses Arztes nicht mehr erstatten. Das entspricht einem Berufsverbot.

  3. h.mild 16. Dezember 2022 at 17:35Antworten

    Fortsetzung:
    Nun wenn das ganze KBV/KV-Gesundheitssystem so korrupt ist, warum tat & tut „man“ nichts dagegen? Och schon, da gab es mal zB. einen Oberstatsanwalt zu Frankfurt, der gegen die Korruption im Gesundheitswesen, gegen vermeintliche und tatsächliche Abrechnungsbetrüger, zB. Med.Labore mit Medizinern, und/oder Kliniken vorging, da kamen dann mal schnell 10tausende €uronen als Strafe heraus, auch wenn kein defiitiver Schaden entstanden war, es sich zB. nur um FormalienmißachtungenFehlerr handelte, und da waren beeindruckend(sic!) Praxisrazzien mit Beschlagnahmen aller Patientenakten gang & gäbe, und beschleunigte die Verfahren iS. bestrafe einen, erziehe hunderte….. …..
    Hochangesehen, belobigt & gepriesen und als Ausbilder für andere Ermittler war er geachtet, bis….., tja bis eben jener tolle & aufrechte „Staatsanwalt“ in seinen Diensträumen(sic!) selbst die 8 vom BKA umgelegt bekam, weil er mit einer Art Rechtsgtuachtermafia bundesweit Beschuldigte erpresst & genötigt haben soll, um dann über klassiches Kickback seinen schönen Wohnsitz, nmK. im schönnen Hardtwald -Millionärsquartier- zu Bad Homburg ua. finanzieren zu können. Was wohl aus dem Prozeß gegen ihn und Mitangeklagte geworden ist?
    P.S. „gestolpert“ soll er über eine verschmähte Liebschaft sein….

  4. Einar 16. Dezember 2022 at 17:21Antworten

    ‚Schon 1975 wurde innerhalb des Kassenarztsystems Abrechnungsbetrug in einem Volumen von 5 Milliarden Euro angenommen‘ – Oder DM? Trotzdem ein guter Artikel. Danke!

  5. h.mild 16. Dezember 2022 at 17:18Antworten

    Die KBV/KVen in D sind, wie vllt. auch in Ö,CH,I ua., iw. ein “closed Shop”, in denen man entweder nur mit Vitamin B, und/oder entsprechendem Kerbholz was werden kann. So werden die KBV/KVen und/oder kranken Kassen, von der “Gesundheitspolitik” iS. auch “interessierter Dritter” wie Klinkinkonzerne & Big Tox/Pharma geschmeidig gehalten, ua. mit “nützlichen Aufwendungen” wie zB. tolle Kongreßreisen mit Ehegatten, irgendwelche utdotierte “Redenjobs” ua., die dann bei Annahmen zum allgemeinen Kompromat hinzukommen. Aber auch bestimmte sog. Berufsverbände mit “Delegierten-Sonderposten” bei Landes/Bundesärztekammer haben es in sich, da verdienen manche mehr als mit der lästigen Arbeit an/mit Patienten, daß lassen die dann einen Billigasssitenten machen, und lassen sich mal alle Jubeljahre zur Abrechnungsskontrolle & Optimierung in den Praxen sehen.

  6. Judith Panther 16. Dezember 2022 at 17:15Antworten

    Über die Finanzaktivitäten von FIFA, Pharmaindustrie, Banken oder Kirche
    wissen wir mittlerweile fast alles. Selbst über die finanziellen Verflechtungen der Mafia gibt es keine großen Geheimnisse mehr. Doch kaum jemand hat auch nur den blassesten Schimmer, in welchen Kanälen die Abermilliarden versickern, die jedes Jahr ins wohl teuerste Gesundheitssystem der
    Welt fließen – und Freunde der Nacht, wir reden hier von Summen, bei denen selbst die Kirche vom Glauben abfallen und ein Mafioso ehrfürchtig in die Knie gehen würde:
    Im Jahr 2021 waren es insgesamt knapp 280 Milliarden (Quelle: statista)
    750.000.000 pro Tag,
    Pi mal Daumen 10 Euro an jedem einzelnen Tag, von jedem einzelnen von 80 Millionen Bürgern vom Säugling bis zum Greis. Und ein stattliches Viertel davon gehen ausschließlich für Gehälter und Pensionen drauf, deren Höhe denen der Öffi-Vorstände an Obszönität in nichts nachstehen.
    Der Hausarzt erhält davon pro Kassenpatient etwa 12,50 Euro im Monat. Obszön wenig.
    Wo bleibt der Rest?
    Kaum jemand hat eine Ahnung, was Krankenkassen und KVen mit diesen gigantischen Summen anstellen. Nur wieder die beklemmende Gewissheit, daß die Mischung aus Macht und Moneten bisher noch immer zu Mißbrauch, Korruption und Betrug geführt hat, umso sicherer, wenn es keine
    Kontrolle gibt. Und die gibt es faktisch nicht.
    Erinnern wir uns doch nur an die Schamlosigkeit, mit der der frühere Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Andreas „die Fleischmütze“ Köhler sich kurz vor seiner Pensionierung noch einen saftigen Zuschlag zu seinem Gehalt genehmigt hatte, um seine Pensionsansprüche zu maximieren.
    Kein Geringerer als der damalige Gesundheitsminister, Daniel Bahr hatte den vor Gier schwer Atmenden auf die Seite ziehen und ihm auf die Griffel hauen müssen, nachdem alle Kritik an ihm abgetropft war wie Schweiß von der Stirn beim gierigen Geldscheffeln.
    Hat aber nicht viel genützt.
    stern(dot)de/wirtschaft/news/ex-aerzte-boss-andreas-koehler–geld-fuers-nichtstun-6835722

    Weitere Informationen zur Frage “Wer oder was ist die KV” u.a. hier:

    spiegel/kassenaerzte-im-sumpf-der-intrigen
    univadis(dot)e/viewarticle/ex-kbv-chef-falschaussage-vor-gericht
    univadis(dot)de/viewarticle/im-namen-des-volkes-ex-kbv-chef-koehler-verurteilt
    univadis(dot)de/viewarticle/spionage-in-der-kbv
    tagesspiegel(dot)de/wirtschaft/gesundheit-transparency-milliarden-schaeden-durch-korruption
    aerztezeitung(dot)e/politik_gesellschaft/berufspolitik/article/536118/bayern-plant-zerschlagung-des-kv-monopols
    aerztezeitung(dot)de/politik_gesellschaft/article/536093/ende-des-kv-monopols-freiheit-Aerzte
    deutschlandfunk(dot)de/kassenaerztliche-bundesvereinigung-es-droht-die.zwangsverwaltung
    welt.de/wirtschaft/article144512077/So-leidet-Deutschland-unter-dem-Aerzte-Kartell
    medizin-edv.de/modules/AMS/article.php?storyid=3387 KBV verunsichert Medizin-IT-Anbieter
    Schieflage beim Wettbewerb, brisanter Interessenkonflikt
    nokzeit.de/2013/03/04/harsche-kritik-an-der-kassenaerztlichen-vereinigung/
    Mehr Rechenbeispiele und Anekdoten, die vom unermüdlichen Bestreben der KVen zeugen,
    “sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden” finden sich u.a. in den Büchern von Dr. med. Kroll “Die täglichen Erlebnisse des Dr. med. Klever vom Niederrhein”.

    Wenn sich jetzt aber herausstellt, daß die KVen dem großen Abschlachten ungerührt zugesehen oder sich auch noch für´s Wegsehen haben schmieren lassen, statt die Bevölkerung, die Behörden und ihre Vertragsärzte zu warnen – dann geht mein Wunsch vielleicht doch noch in Erfüllung, diese Kriminelle Vereinigung sterben zu sehen. 

  7. magerbaer 16. Dezember 2022 at 15:19Antworten

    Bei diesem Thema können noch weitere Überraschungen möglich sein und nach weiterer Aufklärung fordern. Michael Klein von Sciencefiles.org hat dazu jedenfalls folgenden Beitrag erstellt:
    https://sciencefiles.org/2022/12/16/afd-daten-wer-betruegt-aerzte-die-kassenaerztliche-bundesvereinigung-oder-das-zentralinstitut-fuer-die-kassenaerztliche-versorgung/#respond

  8. Dr. med. Veronika Rampold 16. Dezember 2022 at 15:09Antworten

    Gottlob war ich nie Kassenärztin.
    „KV“ hiess für mich „langsamer Tod durch Bürokratiefolter“ drum mied ich diese Sklaverei und rechnete nur privat ab. Das machte schon Arbeit genug.

    Bürokratie ist immer Nährboden für Filz, und je komplizierter, desto besser wächst darauf dieses Unkraut.
    Mal sehen, wann bz. des KV-Filzes die Motorsense kommt.

    • Peter Ruzsicska 16. Dezember 2022 at 15:46Antworten

      Leider soll es auch Leute geben, welche sich was anderes wie Kassenärzte nicht leisten können…
      Das Problem liegt auch nicht nur daher leider tiefer…

  9. Eliane Zimmermann 16. Dezember 2022 at 13:40Antworten

    Es ist gut so, dass zunehmend Geheimpapiere und Korrespondenzen heraus geklagt werden! Ich musste bei diesen geschilderte Machenschaften an meine Jahre in Deutschland denken, als ich privat versichert wurde. da ich ganz gute medizinische Kenntnisse habe, fiel mir zweimal be Rechnungen von ärztlichen Leistungen auf, dass diese nicht der Behandlung entsprachen, es waren etliche Extras abgerechnet worden. Beide Male meldete ich es meiner Privatkasse, das Schulterzücken war durch das Telefonkabel spürbar! Macht nix, wir erstatten trotzdem alles, was soll’s.

    Besonders heftig fand ich den „kleinen Betrug“ bei der Geburt meines ersten Kindes: Es sei angeblich ein Not-Kaiserschnitt gemacht worden, da mein Baby angeblich kurz vor der Asphyxie stand. Dabei war diese Maßnahme eine fast zu gemütliche Entscheidung, es dauerte gefühlt ewig, bis ich in den OP-Saal gerollt wurde, es war also weder schnell, noch hektisch, noch war jemals die Rede von einer Bedrohung für mein Kind. Mit solchen Zusätzen auf Rechnungen, die Patienten entweder nicht verstehen (wollen) oder nicht mitbekommen haben könnten, kann ganz bestimmt auch ein Riesen-Reibach gemacht werden.

    Inzwischen lebe ich seit 22 Jahren in Irland, bin nicht krankenversichert, sollte mal etwas passieren, habe ich entsprechende Ersparnisse, da ich dieses nicht an diese Kraken bezahlte Geld nicht ausgegeben habe. Ich war in 22 Jahren einmal beim „Hausarzt“ (über 15 Jahre her, circa 45 €, Sinusitis plus Rezept für Antibiotikum) und für meine beiden Augen jeweils mal ein paar Stunden im KH, um den grauen Star, der mich viel zu früh erwischte, zu entfernen. Alles andere habe ich bislang mit eigenem Wissen und Können hinbekommen.

    • Dr. med. Veronika Rampold 16. Dezember 2022 at 15:16Antworten

      Dazu fällt mir ein, dass ich in meinem ersten Jahr als Ärztin, in einer Kassenpraxis, 1992, ständig vom ärztlichen Chef und den Helferinnen dazu angehalten wurde, die EBM-und GOÄ- „Ziffern“ (standardisierte Abrechnungsposten) „großzügiger“ anzusetzen, als ich es mit meinem Christenkindergewissen es für angemessen hielt. Wo ich etwa bei einem Privatpatienten (GOÄ) nur Beratung und Kurzuntersuchung gemacht hatte, sollte ich eine größere Untersuchung nebst Zehnminutenberatung ansetzen, falls der Patient diesen Monat noch nicht da gewesen war.
      Mir kam es obszön vor, mich mit solch kleinlichem Abgreifen abgeben zu sollen. Aber anscheinend war es so Usus…
      Mir wäre es lieber gewesen, mit Geldkram, z. B. welche Ziffern anzusetzen seien, gäben sich nur die „Schreibdamen“ ab und der Arzt könnte in Ruhe an seine Kranken denken. Das hat er immerhin studiert.

  10. Doc Sarah 16. Dezember 2022 at 13:22Antworten

    sehr gute zusammenfassung, die ich gerne meinen patient*innen zum lesen empfehle. danke dafür !
    was mir in dem artikel fehlt, ist die verdeutlichung, dass die kassen ein „gesamtbudget“ zur verfügung stellen, dass aus den versicherungsbeiträgen genommen wird, aber niemand genau sagt, wieviel prozent der gesamteinnahmen eigentlich in dieses budget für die konkrete patientenversorgung fliessen… anfang 2000 waren das etwas mehr als 25% … der rest versickert bei den kassen für werbung , personal- und verwaltungskosten, versicherungsfremde leistungen etc….

    • Doc Gerhard 16. Dezember 2022 at 17:50Antworten

      Doc Sarah, bei allem Respekt, das, was Sie Schreiben ist falsch und ein ausgemachter Blödsinn. Die genauen Zahlen für Deutschland können Sie der Internetseite des Bundesgesundheitsministeriums entnehmen. Wenn Sie ein wenig nachgedacht hätten, dann wäre Ihnen aufgefallen, dass es neben der ambulanten Versorgung, die stationäre Versorgung gibt, die Versorgung mit Arzneimitteln, mit Heil- und Hilfsmitteln usw. Insgesamt wurden 2021 285 Milliarden Euro ausgegeben, davon ca. 44 für die ambulante und ca. 86 für die Stationäre Versorgung. Die Ausgaben für die Verwaltung, Sach- und Personalkosten, betrugen 11,67 Milliarden, also etwa 4% der Ausgaben. Die Zahlen finden Sie hier https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Statistiken/GKV/Kennzahlen_Daten/KF2022Bund_Juni_2022.pdf

    • asisi1 17. Dezember 2022 at 9:19Antworten

      Wie sie es schon richtig bemerkt haben, es soll auch keiner genau wissen, wohin das Geld geht. Dafür werden immer mehr angebliche Verteiler dazwischen geschaltet. Und diese müssen finanziert werden und das ist extrem teuer. Eine richtige Kontrolle ist auch von der Politik nicht gewollt.
      Ich habe 5 Jahre im Gesundheitswesen gearbeitet und könnte hier ellenlange Seiten über Betrügereien schreiben. Was auch seit x Jahren vertuscht werden muss, sind die Kosten für die Zugereisten. Und diese sind extrem hoch, da alle die hierher kommen einen sogenannten “Gesundheits Nachholbederf” haben!

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