Von der Leyen zensiert sich für Kiew

1. Dezember 2022von 2,9 Minuten Lesezeit

Von der Leyen sprach am Mittwoch von „100.000 toten ukrainischen Soldaten“. Nach Empörung aus Kiew zensierte sich die EU-Präsidentin selbst.

Ursula von der Leyen hat was gesagt, was Selenski nicht gefällt. Am Mittwoch lud die EU-Kommissionspräsidentin auf Twitter eine Rede hoch, auf der sie von „100.000 toten ukrainischen Soldaten“ gesprochen hatte. Außerdem seien 20.000 Zivilisten gestorben. Doch schnell wurde das Stück gelöscht und erneut hochgeladen. Diesmal aber ohne den brisanten Teil zu den militärischen Verlusten der ukrainischen Armee.

Empört reagierte umgehend die Ukraine. Selenski-Sprecher Serhij Nykyforow sagte sofort, dass nur Selenski, der Verteidigungsminister oder der Oberbefehlshaber der Armee belastbare Zahlen hätten. Oleksii Arestovich behauptete danach, dass die Verluste bei 10.000 Mann liegen würde. Vor einigen Monaten sprach die Ukraine von 9.000 Toten. Diese Behauptung darf man also sicherlich in die Kategorie Kriegsmärchen einordnen.

Da das Internet aber bekanntlich nicht vergisst, wurde die Stelle vielfach gesichert.

Wie hoch die Verluste auf beiden Seiten sind, darüber gibt es seit Monaten wilde Spekulation. Beide Seiten schreiben lieber über die Verluste der Gegenseite als über die eigenen. US-General Mark Milley schätzte die ukrainischen Verluste an Toten und Verwundeten vor einigen Wochen ebenfalls auf rund 100.000 Soldaten. In diese Richtung korrigierte sich auch die EU-Kommission danach. Das offizielle Russland sprecht ebenfalls von etwas mehr als Zehntausend gefallenen Soldaten. Auch hier muss man annehmen, dass die Verluste weitaus höher sind.

Die Aussage der EU-Präsidentin sorgte jedenfalls für enormes Echo. So zeigte sich nicht nur Kiew empört, sondern viele EU-Bürger störten sich auch erheblich an der entlarvenden Selbstzensur. Russland nützte diese ebenso umgehend.

Russische Fortschritte

Dimitri Medwedew kommentierte etwa, dass die USA der EU eine „auf den Deckel“ gegeben haben. Durch die Löschung zeige die EU wieder einmal, dass sie nicht selbständig handeln würde, sondern „der 51. Staat der Vereinigten Staaten“ sei. Möglich aber durchaus auch, dass von der Leyen schlicht auf die ukrainische Empörung reagiert hat. Nicht umsonst hat man gegenwärtig das Gefühl, dass die Identität der EU kaum mehr von jener der Ukraine zu unterscheiden ist. So darf Brüssel Kiew offenbar keinesfalls verstimmen. Was Selenski geheim halten will, darf auch von der Leyen nicht gesagt werden. Die Herren Brüssels – so hat es den Anschein – sitzen in Kiew. Die Herren Kiews wiederum in Washington. (Eine ausführliche und sehr lesenswerte Analyse hat Professor Martin Schneider heute auf TKP veröffentlicht.)

Am Schlachtfeld macht die russische Armee aktuell Fortschritte im Donbass. Südlich von Bakhmut, eine 70.000 Einwohnerstadt 80 Kilometer nördlich von Donezk, wurden strategisch wichtige Positionen, die seit Monaten umkämpft sind, erobert. Die Stadt ist ein wesentlicher Eckpfeiler der „Festung Donbass“, die von der Ukraine in den letzten acht Jahren – finanziert und unterstützt durch die USA und der NATO – aufgebaut wurde.

Russische Kanäle berichten, dass der ukrainische Rückzug aus der Umgebung Bakhmut mit erheblichen Verlusten einhergeht. So hätten sich die Verluste im Laufe der Woche verzehnfacht. Statt zehn gefallenen und Verwundeten Soldaten pro Tag an diesem Frontabschnitt sei dort die Zahl nun dreistellig.

Bild President.gov.uaMeeting of the President of Ukraine with the President of the European Commission and the High Representative of the EU for Foreign Affairs and Security Policy 18CC BY 4.0

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14 Kommentare

  1. Goldberg 2. Dezember 2022 at 11:55Antworten

    Es wird seit Jahren wilde Spekulation geführt. Pandemie oder Krieg. Egal ist das Prinzip der Führung. Die von der Leyen ist eine korrupte und lügt sobald sie den Mund aufmacht und verdient dabei viel zu viel Geld während wir den Euro zum X.ten-Mal umdrehen müssen bevor wir den schweren Herzens abgeben an der Kasse.
    Ein sinnloser Krieg mit vielen Opfern und Schaden. Weltweit. Politik geht anders. Uschi geh in die Küche und lasse den Unsinn sein!

  2. wellenreiten 2. Dezember 2022 at 10:03Antworten

    Fräulein Rottenmeier hat weniger demokratische Legitimation als Herr Putin.

  3. Vietato Fumare 1. Dezember 2022 at 21:32Antworten

    Wie schon an anderer Stelle angemerkt: Die Zeiten ändern sich eben Früher suchten Pilger heilige Stätten auf. Bezeichnend, dass in unseren unheiligen Zeiten heute alles von Rang und Namen in kurzen Abständen zu diesem Unheiligen pilgert – in ein Land, wo Nationalismus in seiner hässlichsten Form blüht und zu einem mediengemachten Scheinheiligen, der jede Woche die Mächtigen der westlichen Welt durchtelefoniert und sie zu nichts weniger überreden will als zum Dritten Weltkrieg, also zur Auslöschung der gesamten Zivilisation.

  4. Pierre 1. Dezember 2022 at 20:27Antworten

    Von der Leyen ist eine ultra-korrupte, nicht gewählte Marionette. Aber hier hat sie womöglich (ausnahmsweise) einmal die Wahrheit gesagt.

    Es ist eine Schande, dass (auf beiden Seiten) soviele ihr Leben verlieren und noch viel mehr verkrüppelt, traumatisiert, enteignet und entwurzelt werden, nur weil Uncle Sam das so will.

    Und die EU macht auch noch Alles mit und macht sich dabei selbst wirtschaftlich kaputt, es ist einfach nur schlimm.

  5. niklant 1. Dezember 2022 at 19:45Antworten

    Jetzt hat Atombomben-Uschi sich mal selbst verraten! Als Nationalsozialistin wettert sie mit Falschmeldungen (Im Auge ihres Führers Selenski) gegen ihre Genossen in der Ukraine! Obwohl die meisten Meldungen in den Medien eh nur zugunsten der Ukraine zurecht gelogen werden, versucht sie immer noch ihren Amerikanischen Krieg herbei zu Steuern! Die EU als Lachnummer für den Osten und als a….lecker der Amis.

    • Harald Eitzinger 1. Dezember 2022 at 19:58Antworten

      Vielleicht ist an der ersten Meldung doch ein Quentchen Wahrheit dran und es geht trotz der Waffenlieferungen aus 40(!)westlichen Ländern doch nicht so gut voran, denn gelogen wird in jedem Krieg! Serbien wäre damals beim Nato-Überfall 1999 froh über so viel Militärhilfe gewesen.

  6. Idaho 1. Dezember 2022 at 17:42Antworten

    Man erinnere sich an Russlands Forderungen für Waffenstillstand zu BEGINN des Krieges:
    – Unabhängige Ost-Ukraine (wie in Minsk II eigentlich schon festgelegt)
    – kein NATO Beitritt der Ukraine
    War es das wert?
    Man wird es erst in ein paar Jahren öffentlich besprechen wenn die Propaganda nachgelassen hat und die wirklichen Schäden bekannt werden … (wie eben bei Covid auch)
    Noch dazu die Tatsache dass UK/US Verhandlungen zwischen Russland und Ukraine im April verhindert haben.

    • suedtiroler 1. Dezember 2022 at 19:25Antworten

      der deutsche General a.D. Kujat hat in einem Interview gesagt, der Krieg hätte im April beendet werden können, die Russen hätten sich wieder auf die Linien vom 23.02. zurückgezogen. Bedingung war nur Neutralität der Ukraine und die Unabhängigkeit der 2 Oblaste im Donbass und die Krim (die ohnehin verloren sind).

      Der Westen hat das verhindert. Boris Johnson und andere sind damals panisch nach Kiev gereist und haben die Ukraine vom Frieden abgehalten.
      Das Ergebnis sehen wir jetzt: hohe Verluste, unglaubliche Zerstörungen, ruinierter Staat und noch mehr Gebiete verloren!
      Aber jemand profitiert von der Lage ganz sicher.
      Cui bono?

      • Henri Brunner 5. Dezember 2022 at 23:53

        Cui bono – wem nützt es ?
        Natürlich in erster Linie dem militärischen Komplex, aber nicht nur.
        Nachdem ja bis Februar alle zusammen am liebsten das Militär komplett abschaffen wollten, grassiert nun der Militarismus – sagen wir mal, der Tele-Militarismus – wovon die europäischen Armeen natürlich profitieren werden, indem sie wieder mehr Zulauf und Rechtfertigung haben.
        Ich finde das sogar gut, denn ich (als Schweizer) war immer für eine starke und in der Gesellschaft verankerte Armee, welche auch gesellschaftliche (und ja, auch erzieherische!) Aufgaben hat – mit der neulichen Kriegslüsternheit vor allem der Deutschen kann ich aber nichts anfangen.
        Tele-Militarismus: sterben sollen sie, die Russen, die Ukrainer – aber abwarten, wenn die wahnsinnigen deutschen Politiker ebenfalls in den Krieg eintreten (was ich denen absolut zuraue) und die ersten Leichensäcke zurückkommen ……

  7. baltiMOre ravens 1. Dezember 2022 at 17:37Antworten

    Jetzt stellt sich natürlich die Frage: wer kämpft derzeit noch aller für die Ukraine? Die eigene Armee dürfte mittlerweile aufgerieben sein.

    Wir wissen von polnischen Soldaten, ISIS-Kämpfern, Amis und Rumänen.

    Auch falls ich noch wen vergessen habe, sieht es nicht gut aus gegen eine neu formierte und massiv Aufgestockte 700.000-Mann-Truppe der Russen. So viel freiwillige Kriegsgeile wird man auf der Welt nicht finden, die sich für ein korruptes Regime verheizen lassen, das der Lakai eines noch viel korrupteren Regimes ist.

  8. Glass Steagall Act 1. Dezember 2022 at 17:03Antworten

    Egal wieviele Tote auf ukrainischer Seite entstanden sind, die meisten sind die Folge westlicher Politik, weil man den Widerstand immer wieder geschürt hat und weiteres Brennholz in den Ofen geworfen hat. Gerade von der Leyen darf sich eine Kriegshetzerin nennen! Aber da ist sie in bester Gesellschaft in Brüssel.

    Hat eigentlich irgendwann einmal ein Politiker uns Bürger gefragt, ob wir mit der Unterstützung (Waffen und Geld) der Ukraine einverstanden sind? Nein, man hat es einfach über unsere Köpfe hinweg entschieden. Gleichzeitig hat man den Ukrainern eingeredet, wenn sie ihr Land nur lange genug im Widerstand halten, gibt’s zur Belohnung eine Eingliederung in die EU. Das kommt alles aus der Märchenwelt der NATO.

    • Henri Brunner 6. Dezember 2022 at 0:01Antworten

      Täuschen Sie sich nicht – lesen Sie Leserbriefe in anderen Medien, Sie werden erstaunt (und erschreckt) sein, wieviele am liebsten ein Mehrfaches an Geld und Waffen in die Ukraine senden würden.
      z.B. die Schweiz weigert sich, Munition zu liefern, gibt auch nicht die Erlaubnis, vorhandene in die Ukraine zu senden – strikt gemäss Gesetz, übrigens, (worauf ich als Schweizer ein bischen Stolz bin: dass bei uns die Gesetze eingehalten werden), welches Lieferungen in Kriegsgegenden verbietet und welches alle, insbesondere die Linken, immer gut fanden, ja das sogar noch mehr einschränken wollten.
      Und nun, plötzlich, wollen viele (Schweizer) am liebsten das Gesetz vergessen, alles für die Ukraine. Eine Schande! Man merkt schon, dass diese Leute einfach nicht wissen, was einen Rechtsstaat ausmacht und was ihn von einem Unrechtsstaat unterscheidet. Ein Bildungsproblem.

  9. Franz M 1. Dezember 2022 at 16:41Antworten

    Mich überrascht, daß die Urschl voll der Lügen etwas sagt, das der Schneekönig von Kiev noch nicht weiß. Nicht nur die nachbarschaftliche Stellung im System des WerteWestens, auch die gleiche Religion des Korruptionismus würde doch erwarten lassen, daß die Herr- und Damenschaften sich einander nicht nur gut kennen, sondern auch ähnlich machen.

  10. suedtiroler 1. Dezember 2022 at 16:33Antworten

    wörtlich sagt sie „mehr als 100.000“.
    man kann wohl von bis zu 150.000 gefallenen Soldaten ausgehen und bei einem Verhältnis von ca. 1:3 bei Toten zu Verwundeten würde das nochmals ca. 400.000 Verwundete ausmachen.
    Kein Wunder wieso die Ukraine und der Westen alle Zahlen zensieren.

    Die USA/Europa werden den Krieg wahrhaftig bis zum letzten Ukrainer führen, das stelte letztens sogar der Bundesheeroberst Markus Reisner ernüchtert fest.

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