Besuch als „Schande der Demokratie“ – Trudeau im EU-Parlament

24. März 2022von 3.7 Minuten Lesezeit

Am Mittwoch gastierte Justin Trudeau im EU-Parlament. Anders als 2017 dürfte die PR-Tour kein uneingeschränkter Erfolg gewesen sein. Einige EU-Parlamentarier kritisierten den kanadischen Premierminister mit scharfen Worten. Er nutze „diktatorische Methoden“ und sei eine „Schande“ für die Demokratie.

„Kanada, einst ein Symbol für die moderne Welt, wurde ein Symbol für die Verletzung der Bürgerrechte“, Sätze wie diese durfte sich Justin Trudeau am Mittwoch im EU-Parlament anhören. Dieser Satz kam vom kroatischen Abgeordneten und Anwalt Mislav Kolakušić. Der unabhängige EU-Parlamentarier kämpft schon länger gegen die Covid-Politik Brüssels.

Trudeau warnt vor Populismus

Trudeau selbst warnte dagegen bei seiner Rede vor der Zunahme „zynischer Populisten“ und meinte damit keinesfalls sich selbst. Gemeint sind Politiker, die den „Freedom Convoy“, gegen den Trudeau das Kriegsrecht aktiviert hatte, unterstützten. Die Politiker und das gesellschaftliche Klima, welches Bürger mit „echten Ängsten“ gegen das System aufbringen würde, bedeute für Trudeau eine „wachsende Gefahr für die Demokratie“.

Trudeau gilt als Vorzeige-Politiker des Mainstreams. Kanadas Einwanderungspolitik gilt ebenso als Vorbild in Europa wie seine Diversitypolitik oder die Klimapläne. In der Covid-Politik ist Trudeau mit seinem Land führend in der Welt – was das Ausmaß der Beschränkungen betrifft. Menschen, ob geimpft oder nicht geimpft, haben mit konkreten Restriktionen und konkreten Staatsmaßnahmen hinein in ihr Privatleben zu kämpfen. Diese autoritären Eingriffe gelten aber als „alternativlos“ und werden von den Leitmedien gelobt anstatt kritisiert.

Als neue Gefahr für die Demokratie machte Trudeau bei seiner Rede Wladimir Putin aus. Putin und sein Angriff auf die Ukraine ist für Trudeau ein Verstoß gegen das Völkerrecht. Seine Armee töte Zivilisten in Wohngebäuden und Krankenhäuser.

Scharfe Kritik

Es war Trudeaus zweite Rede im EU-Parlament nach 2017. Damals wollte er die EU nach der Wahl Trumps und dem Brexit aufmuntern. Diesmal warnte er Europa, doch er wurde auch nicht mehr so herzlich empfangen wie 2017.

Am deutlichsten war wohl die deutsche Christine Anderson. Die AfD-Politikerin ist seit 2019 im EU-Parlament und Teil der lagerübergreifenden Koalition aus Parlamentariern, die gegen das Covid-Zertifikat und die Covid-Politik lautstark protestieren.

Sie sagte zu Trudeau: „Sie sind eine Schande für jede Demokratie. Bitte ersparen Sie uns ihre Gegenwart.“ Es wäre mehr angebracht gewesen mit Trudeau die „Verletzung von Menschenrechten, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit“ zu debattieren. Er habe die eigene Bevölkerung verfolgt, kriminalisiert und als „Terroristen“ bezeichnet, weil diese es gewagt hätten, gegen das „pervertierte Konzept von Demokratie“, dem Trudeau anhängt, aufzustehen. Einem solchen Politiker sollte überhaupt nicht erlaubt sein „in diesem Haus zu sprechen“.

Doch die AfDlerin war nicht die Einzige mit heftiger Kritik. Eben auch der Kroate Mislav Kolakušić. Er meinte, dass Trudeau auf den Grundrechten herumtrampele. „Wir beobachten, wie Sie mit Pferden Frauen treten, wie Sie die Bankkonten von Bürgern blockieren“, dass sie weder Miete noch Medizin für ihre Kinder zahlen können. Auch wenn Trudeau glaube, dass dies eine „liberale Methode“ sein würde, „für viele Menschen auf der Welt, sind das diktatorische Methoden“.

Verkehrung der Umstände

Dies waren nur zwei schärfste Kritiken an Trudeau. Auffallend war, dass nach jeder substanziellen Kritik an Trudeau etwa die Hälfte der Abgeordneten zustimmend applaudierten. Der Rückhalt im EU-Parlament für Trudeau ist also keinesfalls überwältigend.

Cristian Terhes, der rumänische Abgeordnete, der die Gruppe der EU-Parlamentarier gegen die Covid-Politik anführt, weigerte sich überhaupt an Trudeaus Auftritt teilzunehmen. Er hinterließ Trudeau aber eine Nachricht per Facebook:

„Der Unterschied zwischen Demokratie und Tyrannei ist nicht durch die geografische Lage der politischen Führer gegeben, sondern durch die Werte, die diese fördern.

Der ‚Westen‘ ist nicht ein Raum der Freiheit als geographischer Ort, sondern als eine Zivilisation, als Ergebnis der Tatsache, dass auf der Grundlage der jüdisch-christlichen Werte entwickelt“ wurde, und „baute eine Gesellschaft und ein staatliches System, das in der Mitte den Menschen hat.“

Lesenswert ist der Kommentar eines Kanadiers, an Europa gerichtet, anlässlich des Besuchs des Premierministers: „Trudeau versucht, die Definition von Demokratie zu ändern. Er geht in die EU und erklärt, dass seine diktatorischen Maßnahmen der Demokratie in Kanada helfen sollen. Er versucht, dem ganzen Land vorzugaukeln, dass seine Maßnahmen tatsächlich ‚demokratisch‘ sind.“

Trudeau ist heute beim NATO-Gipfel.

Bild wikicommons

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13 Kommentare

  1. Andreas I. 25. März 2022 at 19:35Antworten

    Wobei bekanntlich die EU selber zwar ein Parlament hat, aber die Entscheidungen von EU-Kommissaren getroffen werden, also EU und Demokratie … naja

  2. Harald Eitzinger 25. März 2022 at 15:05Antworten

    Dieser Schwab-Jünger Trudeau hat genau das vorgezeigt, was uns bei Vollendung des Great Reset blühen wird. Blöd nur, dass vielleicht die Völker beginnen nachzudenken, ob ein solches Szenario erstrebenswert ist und ich hoffe sehr, dass genug aufstehen und dem ein Ende setzen!

  3. Werner 24. März 2022 at 22:02Antworten

    Slobodan Covjek
    24. März 2022 at 18:19Antworten

    Wie haben die österreichischen EU-Parlamentarier reagiert? Wie hat Herr Karas reagiert? Und Herr Schieder?

    Alle außer dem Kroatischen Palametarier und der AFD Parlamerntarierin hat die Rede Trudeaus gefallen.
    Einstimmiger Konsens ( ausgenommenm die Beiden)
    Was haben siue den erwartet ?

  4. Kurt R. 24. März 2022 at 21:20Antworten

    Ich vermute, daß sich die Edtstadlerin das Video von diesem Justy-Auftritt nächtens „reinzieht“ und dabei in einen wollüstigen Great-Reset-Taumel fällt!

  5. Michael R 24. März 2022 at 20:51Antworten

    Herr Trudeau beklagt, Putins Armee töte Zivilisten in Wohngebäuden und Krankenhäusern. Wenn das so ist, ist das schlimm. Aber Herr Trudeau hat, wie die meisten Politiker des „Westens“, ein schlechtes Gedächtnis, wenn er sich an die Kriegsverbrechen der NATO vor genau 23 Jahren in Jugoslawien nicht mehr erinnern kann. Bei Beginn des völkerrechtswidrigen NATO Angriffs auf Jugoslawien war er immerhin schon 27, also kein Kind mehr. Würde ich ihm begegnen, würde ich sein Gedächtnis mit ein paar Details auffrischen:

    《 Heute vor 22 Jahren begannen die fast drei Monate andauernden, illegalen Nato-Bombardierungen Jugoslawiens, welche tausende Opfer forderte.
    Am 24. März 1999 war in großen Teilen der Bundesrepublik Jugoslawien (SRJ) das Heulen von hunderten Sirenen zu hören, um die Bevölkerung vor den Luftangriffen zu warnen.
    Insgesamt 78 Tage, bis zum 10. Juni, dauerten die Angriffe an. Einheiten aus 19 Ländern nahmen an diesem Einsatz teil.

    Die NATO-Mitgliedsstaaten versuchten die Befugnis für die Militäraktion vom UN-Sicherheitsrat zu bekommen, wurden aber durch ein Veto Chinas und Russlands gestoppt. Nichtsdestotrotz starteten die Angriffe, welche als humanitäre Intervention bezeichnet wurden, ohne die Zustimmung des zuständigen Organes

    Insgesamt wurden 2.300 Raketen auf 990 Ziele abgefeuert und 14.000 Bomben über jugoslawischen Städten abgeworfen. Auch mehr als 1.000 Kampfflugzeuge, die meisten aus den USA, waren im Einsatz. Während der Bombardierungen wurde auch Munition eingesetzt, welche international geächtet wird: Streubomben, sowie Uranmunition.
    Über die Opferzahlen herrscht bis heute Uneinigkeit, man spricht von 2.000 bis 3.500 Zivilopfern (darunter 88 Kinder), tausenden Verletzten, 200.000 flüchtenden Serben aus dem Kosovo. Ebenso wurden mehr als 300 Schulen, einige Bibliotheken und zwanzig Krankenhäuser zerstört.

    Auch 40.000 Wohnhäuser wurden bei den Angriffen entweder komplett dem Erdboden gleich gemacht, oder aber schwer beschädigt. Auch historische Denkmäler litten unter den Luftangriffen und einige von ihnen wurden sogar komplett zerstört.

    Abgesehen von den menschlichen Opfern wird der Sachschaden durch die NATO-Angriffe auf 120 Milliarden US-Dollar geschätzt. 》

    (aus: „24.03.1999: Illegale NATO-Luftangriffe gegen Jugoslawien“, Kosmo.at)
    (auch sehr lesenswerter Erlebnisbericht: „20 Jahre Nato-Angriff auf Serbien: Örtlich gebombt“, infosperber.ch)

    • Taktgefühl 24. März 2022 at 21:56Antworten

      sniper dot ch ist eine gute Website, um sich die amerikanischen Kriege und Regime-Changes kurz und bündig vor Augen zu führen.

      Der geheime CIA-Krieg in Laos: Über einen Zeitraum von 9 Jahren flog die Air Force alle 8 Minuten einen Angriff. Was die Menschen in Laos angeht: es wurde auf alles geschossen, was sich bewegte. Alles wurde bombardiert, alles wurde verbrannt. Der geheime Krieg in Laos war der schlimmste Luftkrieg der Menschheit. Die USA warfen mehr Bomben über Laos ab, als im 2. Weltkrieg auf Deutschland und Japan zusammen.

      Laos war bis dahin ein verträumtes Königreich gewesen, wo die meisten nicht mal den Namen des Königs kannten. Hinter dem CIA-Angriff steckte nun ausgerechnet John F. Kennedy. Natürlich gibt es keine Sippenhaft für Robert Kennedy.
      Trau, schau, wem

      „Ermittlungen gegen Kriegsverbrecher : USA belegen Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs mit Sanktionen – Washington Seit Jahren wehren sich die USA gegen internationale Ermittlungen zu möglichen Kriegsverbrechen von US-Soldaten. Nun greift die Trump-Regierung zu einer drastischen Maßnahme. Im Streit um mögliche Kriegsverbrecher-Ermittlungen gegen US-Soldaten verhängt die Regierung in Washington Sanktionen gegen die Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), Fatou Bensouda. US-Außenminister Mike Pompeo kündigte am Mittwoch an, möglicher Besitz der Juristin in den USA werde eingefroren.“ rp-online

      Noch was Unpassendes: „ZDF-Doku: US-Soldaten vergewaltigten in Bayern tausende Frauen – München – Eine Doku im ZDF über US-Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg zeigt: GIs erschossen deutsche Gefangene und vergewaltigten tausende Frauen. Übergriffe gab es auch in Bayern… Die Doku bringt erschreckende Fakten ans Tageslicht: Der Vormarsch der US-Armee gegen Hitlers Tyrannei war begleitet von Gräueltaten der GIs… US-Soldaten vergewaltigten 190.000 deutsche Frauen. Die weitaus meisten Vergewaltigungen im besetzten Reich, nämlich 430.000, gehen aber auf das Konto sowjetischer Soldaten.“ Macht das die Sache besser?

      Wir lügen uns gegenseitig an und jeder weiß, daß der andere lügt.

      Unsere besten Freunde? Ami go home!

  6. anamcara 24. März 2022 at 20:43Antworten

    Hier die Videos der Parlamentarier zu der Kritik an Trudeau.

    https://www.globalresearch.ca/trudeau-very-angry-labelled-a-dictator-at-the-european-parliament/5775275

  7. Hans im Glück 24. März 2022 at 18:49Antworten

    Allmählich landen wir in der McCarthy Ära. Ich darf aus einem Artikel bei achgut zitieren:

    Darf man Schostakowitschs „Leningrader Sinfonie“ noch spielen?
    In seiner siebten Sinfonie verarbeitete Schostakowitsch die Belagerung Leningrads durch die Wehrmacht. Jetzt droht dem Stück die Zensur, denn nach Russlands Überfall auf die Ukraine sei ausgerechnet dieses Werk „unpassend“

    „Doch jetzt droht der „Leningrader“ abermals das Verdikt (westlicher) Kulturzensoren. Nach Russlands Überfall auf die Ukraine sei ausgerechnet dieses Werk „unpassend“, liest man in den Feuilletons. In München, Hamburg und Paris sollte die „Siebte“ im Mai von den Münchner Philharmonikern unter Waleri Gergiew interpretiert werden. Nachdem Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter den Dirigenten wegen seiner Nähe zum Putin-Regime feuerte, wurde auch das Werk gefeuert und unter dem Einspringer Daniele Gatti durch Schostakowitschs „Fünfte“ ersetzt, wobei, so ein Sprecher des Orchesters, die Tatsache im Vordergrund gestanden habe, dass Gatti diese Sinfonie gerade einstudiert habe und angeblich keine Zeit für die Erarbeitung einer anderen Sinfonie zur Verfügung stehe.“

    Wir sind im Stadium der Bücherverbrennungen angekommen. Bald brennen Menschen!

    • Harald Eitzinger 24. März 2022 at 19:43Antworten

      Dem ist nichts hinzuzufügen, ein Armutszeugnis des sogenannten Wertewestens (Eigendefinition)!

    • Andreas I. 25. März 2022 at 18:30Antworten

      Hallo,
      deutscher Umgang mit deutscher Geschichte:
      Kritik an Israels Besatzungspolitik ist gaaanz pöööhse wegen der deutschen Vergangenheit, aber Werke russischer Komponisten (gar speziell zur Belagerung Leningrads) zu verbieten, das ist GUT.

      Aber naja:
      „Ein Philharmoniker ist ein Stgaatsmusiker,
      der Pension kriegt, wenn er nicht mehr gut gefällt.
      Aber was für ~tiker ist ein Politiker,
      woher kommt er und was will er auif der Welt?“
      Georg Kreisler
      (Und übrigens blieb Georg Kreisler bis zu seinem Tod USA-Staatsbürger, weil die Auskunft Österreichs an ihn war, er bekäme die österreichische Staatsbürgerschaft ohne weiteres wieder, wenn er sie beantrage. Das ist dann halt österreichischer Umgang mit österreicher Geschichte, aber Georg Kreisler war ein Künstler mit Rückgrat, ein integrer Mensch.)

  8. Slobodan Covjek 24. März 2022 at 18:19Antworten

    Wie haben die österreichischen EU-Parlamentarier reagiert? Wie hat Herr Karas reagiert? Und Herr Schieder?

    • Sir Som 24. März 2022 at 18:51Antworten

      Ich vermute, die Frage erübrigt sich bei diesen beiden Systemmarionetten…

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