Die gute Nachricht des Tages

29. Mai 2026von 6,8 Minuten Lesezeit

Wir schauen uns heute das Für und Wider von einer Meldung an, und finden heraus, warum Meldungen erfreulich sein können, auch wenn die Auslöser die falschen waren. Wer kennt es nicht: Man studiert das Steckenpferd des Professors und bereitet sich gezielt darauf vor, und wenn man in der Lage ist, bei der mündlichen Prüfung das Thema zu aktivieren, hat man schon gewonnen.

Der Hauptgrund für die historische Entwässerung von Mooren war die Gewinnung von landwirtschaftlicher Nutzfläche und Brennstoff. Krankheiten spielten eine sekundäre, aber willkommene Rolle. Aber bei der Trockenlegung wurde ähnlich wie bei Flussbegradigungen Veränderungen angestoßen, welche letztlich für eine Gesellschaft negativ sind. Schauen wir uns das im Detail an.

Landwirtschaft und Bodenverbesserung (Hauptgrund)

Nutzflächenknappheit: Mit dem Bevölkerungswachstum im Mittelalter und der Frühen Neuzeit stieg der Bedarf an Getreide- und Weideflächen drastisch.

Landwirtschaftliche Gründe sind obsolet geworden. Dank moderner Agrartechnologie, gezielter Düngung und optimierter Nutzpflanzen erzeugen wir heute auf einem Bruchteil der Fläche ein Vielfaches der damaligen Erntemengen. Im Gegensatz zum 18. Jahrhundert leidet Europa heute nicht mehr unter einer chronischen Unterversorgung, sondern kämpft strukturell eher mit Agrarüberschüssen. Langfristig führt die Entwässerung dazu, dass der Torf an der Luft verrottet. Der Boden sackt unaufhaltsam ab (oft um einen Zentimeter pro Jahr), verliert seine Fruchtbarkeit und wird für die Landwirtschaft unbrauchbar.

Torf als Energieträger: Trockengelegte Moore erlaubten den großflächigen Abbau von Torf, der über Jahrhunderte das primäre Heizmaterial für Haushalte und Fabriken war.

Torf hat einen sehr geringen Heizwert im Vergleich zu modernen Energieträgern und hinterlässt riesige Mengen Asche. In Zeiten von Wärmepumpen, Solarenergie, Windkraft und Biomasse ist die Verbrennung von fossilem Torf technologisch komplett rückständig und wirtschaftlich unrentabel.

Die Rolle von Krankheiten (Nebeneffekt)

  • Sumpffieber (Malaria): Bis in das 19. Jahrhundert war die Malaria (auch „Marschenfieber„) in Mitteleuropa, besonders in feuchten Küsten- und Moorregionen, weit verbreitet.

Die Ausrottung der Malaria in Mitteleuropa im 20. Jahrhundert gelang schlussendlich durch den gezielten Einsatz von Insektiziden, Medikamenten und verbesserten hygienischen Wohnverhältnissen.

  • Miasma-Theorie: Vor der Entdeckung von Bakterien glaubte man, dass „schlechte Luft“ (Miasmen) aus den Sümpfen Krankheiten verursacht.

Keine Miasmen-Theorie mehr: Die Wissenschaft hat bewiesen, dass nicht „schlechte Moorluft“ krank macht, sondern Krankheitserreger wie Viren und Bakterien.

  • Gesundung der Bevölkerung: Die Trockenlegung entzog den Anopheles-Mücken den Lebensraum, wodurch die Malaria in Europa erfolgreich zurückgedrängt wurde.

In einem intakten, lebendigen Moor gibt es so viele natürliche Fressfeinde (wie Libellen, Wasserkäfer und Amphibien), dass sich Stechmücken dort oft weniger stark vermehren als in künstlichen Regentonnen oder überdüngten Agrargräben.

Forstwirtschaft und Infrastruktur

  • Wegebau: Moore waren natürliche Barrieren, die für den Bau von sicheren Handelsstraßen und späteren Bahnlinien trockengelegt werden mussten.

Heute müssen Moore für Straßen oder Schienenwege nicht mehr großflächig entwässert und damit zerstört werden. Moderne Ingenieure nutzen stattdessen Pfahlgründungen, Brückenkonstruktionen oder leichte Baumaterialien, um den nassen Untergrund stabil zu überqueren.

Nun wurden 1,3 Milliarden Euro für den Moorschutz bewilligt

Die Europäische Union hat offiziell grünes Licht für ein massives Klimaschutzprogramm in Deutschland gegeben. Moorbesitzer erhalten bis zu 1,3 Milliarden Euro an Beihilfen, wenn sie entwässerte Moore wieder vernässen. Da intakte Moore zu den effektivsten natürlichen CO₂-Speichern der Erde gehören, sollen durch diese Maßnahme bis zum Jahr 2045 rund 28 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente eingespart werden.

Falscher Grund aber richtige Wirkung

Sümpfe und Moore – im Fachjargon zusammenfassend als Feuchtgebiete bezeichnet – erfüllen fundamentale ökologische und ökonomische Funktionen. Wenn man den Aspekt der CO₂-Speicherung komplett ausblendet, bleiben hochrelevante, existenzsichernde Gründe übrig, warum diese Ökosysteme für den Menschen unverzichtbar sind.

Hochwasser- und Katastrophenschutz (Das „Schwamm-Prinzip“)

Feuchtgebiete wirken in der Landschaft wie gigantische, natürliche Rückhaltebecken.

  • Verzögerung von Hochwasserspitzen: Bei Starkregen oder Schneeschmelze nehmen Sümpfe enorme Wassermengen in kürzester Zeit auf. Die torfigen Böden und die dichte Vegetation saugen das Wasser auf und halten es wie ein Schwamm. Statt dass die Wassermassen sofort in die Flüsse schießen und flussabwärts gelegene Städte überschwemmen, wird das Wasser im Sumpf zwischengespeichert.
  • Gedrosselte Abgabe: Das gespeicherte Wasser wird erst Wochen oder Monate später – und vor allem sehr langsam – wieder an die Umgebung abgegeben. Das flacht die gefährlichen Pegelspitzen von Flüssen drastisch ab.
  • Schutz vor Dürren: Was gegen Hochwasser hilft, hilft umgekehrt auch bei Trockenheit. Durch die langsame Wasserabgabe in Trockenperioden sorgen Sümpfe dafür, dass umliegende Bäche und Flüsse nicht komplett austrocknen. Sie stabilisieren den lokalen Wasserhaushalt der gesamten Region.

Hotspots der Artenvielfalt (Biodiversität)

Sümpfe und Moore gehören zu den am dichtesten besiedelten und gleichzeitig am stärksten bedrohten Lebensräumen der Erde. Sie bieten extreme, aber stabile Lebensbedingungen, an die sich hochspezialisierte Arten angepasst haben, die nirgendwo sonst überleben können.

  • Refugien für bedrohte Tierarten: Sie sind unverzichtbare Brut- und Rastplätze für seltene Vogelarten (z. B. Bekassine, Kranich, Rohrweihe). Zudem sind sie die Lebensgrundlage für Amphibien, Libellen und spezialisierte Spinnenarten.
  • Einzigartige Flora: Pflanzen wie der fleischfressende Sonnentau, das Wollgras oder die Orchideenarten der Feuchtwiesen können nur auf diesen nährstoffarmen, aber nassen Böden existieren. Stirbt der Sumpf, sterben diese Arten unwiderruflich aus.
  • Genetisches Reservoir: Die biologische Vielfalt in Feuchtgebieten sichert einen Genpool, der für die evolutionäre Anpassung an zukünftige Umweltveränderungen von unschätzbarem Wert ist.

Wasserreinigung und Trinkwassersicherung (Die „Nieren der Landschaft“)

Feuchtgebiete reinigen das Wasser durch komplexe physikalische, chemische und biologische Prozesse völlig kostenlos.

  • Schadstofffilterung: Wenn verschmutztes Wasser aus der Landwirtschaft oder von Straßen in einen Sumpf fließt, verlangsamt sich die Fließgeschwindigkeit gegen Null. Schwebstoffe und Sedimente sinken zu Boden.
  • Nährstoffabbau: Pflanzen und Mikroorganismen im Sumpf nehmen überschüssige Nährstoffe wie Nitrate und Phosphate (oft aus Düngemitteln) auf und bauen sie um. Sie verhindern so, dass diese Schadstoffe in das tiefere Grundwasser oder in nahegelegene Seen gelangen, wo sie Algenplagen auslösen würden.
  • Grundwasserneubildung: Das gereinigte Wasser versickert über die riesigen Flächen der Feuchtgebiete ganz langsam nach unten und speist die tieferen Grundwasserleiter, aus denen wir unser Trinkwasser gewinnen.

Lokales Mikroklima und Landschaftsästhetik

Abgesehen vom globalen Klima haben Sümpfe einen direkten, spürbaren Einfluss auf das Wetter vor Ort.

  • Natürliche Klimaanlage: Durch die permanente Verdunstung des Wassers über der Sumpffläche wird die Umgebungsluft an heißen Sommertagen spürbar abgekühlt. Sie wirken der Entstehung von regionalen Hitzeinseln entgegen.
  • Erhöhung der Luftfeuchtigkeit: Dies schützt umliegende Wälder und landwirtschaftliche Flächen in Dürreperioden vor dem extremen Austrocknen durch den Wind.
  • Tourismus und Naherholung: Historisch als „unheimlich“ gemieden, gelten intakte Moorlandschaften heute als Orte der Stille und Entschleunigung. Sie ziehen sanften Tourismus an (z. B. über Holzstege), was für ländliche Regionen einen erheblichen Wirtschaftsfaktor darstellt.

Fazit

Beim Recherchieren stellt man fest, dass die unterschiedlichsten Fachbereiche am Ende immer wieder auf „das Klima“ zurückgekommen waren, meist schon auf den ersten Seiten ihrer Internetseiten. Und während die Forscher Jahrzehnte vergeblich versucht hatten, die wichtige Funktion der Moore für die moderne Gesellschaft zu erklären, waren sie ungehört geblieben. Aber nun hatten sie alle einen gemeinsamen Hebel: „DAS KLIMA“. Nun erhalten sie endlich die Aufmerksamkeit, die sie aus ganz anderen Gründen schon längst hätten erhalten sollen. „Kannst du einen Feind nicht besiegen, umarme ihn.“

Ein kleiner Nachteil ist damit verbunden. Weil immer mehr Bereiche diese Funktion des „Klimaschutzes“ erkennen, wird insgesamt das Thema zementiert. Denn niemand möchte darauf verzichten, die Vorteile der Aufmerksamkeit zu verlieren. Aber wenn die Gelder geflossen, und/oder die Maßnahmen durchgeführt wurden, wird dieser Faktor auch wieder verschwinden.

Bild: Titelbild der BUND-Seite zu Moore

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9 Kommentare

  1. Vortex 30. Mai 2026 um 1:46 Uhr - Antworten

    David gegen Goliath oder wie ein juristischer Experte als Einzelperson* gegen ein krankes System antritt …

    tinyurl.com/4ds6sw2r

  2. Pet van de Werft 29. Mai 2026 um 14:12 Uhr - Antworten

    Herr Mischka, es ist Ihr Wohnzimmer hier auf tkp und deswegen können Sie meine Kommentare freischalten wann Sie wollen oder es lassen. Und Sie können selbstverständlich Artikel über etwas schreiben, wo Sie weit weg von wohnen.

    Das Artikel Foto ist laut Google Bildersuche im Hohen Venn in Belgien aufgenommem. Dies liegt im Grenzgebiet Eupen/Aachen/Monschau.
    Ich wohne nicht weit von dort und sage deshalb folgendes:
    1. Die Natur lässt dort zu Hauf Bäume wachsen (z.B. Birke als Pionierbaum), die dann von Menschen gefällt werden, sodass der optische Eindruck einer Karstlandschaft entstehen soll bzw. erhalten bleibt. Ich habe dafür eigene Fotobeweise.
    2. Das Venn wird künstlich vergrößert, indem bestehender intakter Wald, gesunde Bäume, abgetötet wird. Danach kommen die Raupen und Bagger und es wird alles umgestaltet sodass es wie eine Karstlandschaft wirkt.
    ->Das Hohe Venn ist ein Beispiel von extrem ideologisch denkenden Menschen.

    Wald ist das, was die Natur selber schafft, wenn man sie lässt. Wald kann wegen der Beschattung und deswegen offenporigem Boden an heissen Tagen viel mehr Wasser versickern lassen und wegen Humusanteil im Boden auch speichern.

    Unweit der Autobahn Namur-Bastogne (halbe Strecke zwischen Brüssel und Luxemburg) hat man auch eine Karstlandschaft „gebaut“, mit Raupen, die allen humösen Oberboden weggeschoben haben. Ich habe Fotos davon gemacht. Diese Karstlandschaft erinnert an die Graslandschaften in den Black Mountains in South Dakota/USA, und ist selbstverständlich für die Zutritt gewöhnlicher Menschen gesperrt. Ausser für die elitären Jäger aus Brüssel/Luxemburg, die sich dort ein gut abgelegenes, gigantisches Jagdhaus gebaut haben. Dieser Naturumbau wird gefördert von der EU laut Schildern.

    • Jochen Mitschka 29. Mai 2026 um 14:44 Uhr - Antworten

      Danke für den Kommentar. Aber ihre Kritik ist doch im Gegenteil ein Votum FÜR die Renaturierung, für die Wiederherstellung von Mooren, oder verstehe ich das falsch?

      • Pet van de Werft 30. Mai 2026 um 13:23 Uhr

        Danke für die Möglichkeit des Austauschs.

        Renaturierung von Industriebrache macht Sinn, genauso wie ein Flächennutzungsplan, der durchgehende Wald-, Hecken- oder Wassergesätigte Wiesenflächen schafft.
        Ich bin entschiedener Gegner der EU Renaturierungsmaßnahmen in bestehenden Waldgebieten. Beispiele dazu: Reserve biologique integrale de Lutzelhardt-Adelsberg (in den franz. Nordvogesen), ein EU Projekt, wurden in einem Waldgebiet die Eichen Mutterbäume gefällt. Jahresringzählung 100 Jahre plus. Ziel war Schaffung von Totholz… Nicht ein normal denkender Mensch, auch nur mit geringster Selbstachtung, würde das tun.
        Reserve biologique dirigee de Guebwiller in den franz. Hochvogesen wurde für Wanderer während 8 Monaten im Jahr gesperrt wegen Renaturierung (also gänzlich ohne Präsenz von Menschen), und damit das auch wirkt, wird das Gebiet von Kameras und vlt. noch mehr überwacht, auch mitten im Wald.

        Der Wegebau im Wald ist das Problem wegen der dadurch entstandenen Wasserführung in Gräben und Röhren. Man kann halt nur einmal das Wasser im Wald halten, wenn es weg ist , ist es weg. (Das sagen auch ganz viele Förster…). In Frankreich wird da schon viel gemacht, in Deutschland wie in Belgien gar nichts.
        Wir brauchen keine Moore, wir brauchen Wald, der das Wasser aufnimmt. Wasserhaltiger Wald verdunstet viel Wasser (die Bäume machen das, nicht der Boden!), was wiederrum für gleichbleibende Niederschläge führt.
        Jeder, der einmal in Skandinavien im Wald unterwegs war, weiss wie vollgesogen der Boden dort ist (ok, keine große Kunst, bei so viel Regen und dem dünnen Oberboden auf dem Granitsockel). Alles mit Bäumen bewachsen. Im Baltikum genauso. In Kanada in Ontario/Saskatchan genauso. In Kanada nennt man es einfach swamp, riesen sumpfige Wälder (dort allerdings auch wegen der Entwässerung Richtung Norden in noch zugefrorenen Flüssen).

        Sie erkennen, worauf ich hinaus will? Bäume sorgen für Wasserspeicherung, Bäume sorgen für Verdunstung. Mit der Verdunstung kommen gleichbleibene! Niederschläge.

        Das Hohe Venn und all die Karstlandschaften sind am Ende schon in frühen Zeiten menschgemacht. Die Natur macht es jedenfalls freiwillig nicht so.

        Reserve biologique dirigee de champ de feu in den franz. Nordvogesen ist ein Beispiel dafür, eine Karstlandschaft, weil Schafsbeweidung jegliche Entstehung von Wald verhindert. Da kommt kein Baumkeimling hoch.

        Ich habe von alldem Fotos und mehr Informationen, falls jemand mal einen Artikel schreiben will.

  3. Gabriele 29. Mai 2026 um 11:56 Uhr - Antworten

    Schutz der Moore ist unbedingt nötig – dazu gehört auch abgeschafft, dass noch immer so viele Blumenerden Torf enthalten. Ich bin auch gern für „Renaturierung“, solange es am Ende Sinn für die Natur ergibt und nicht direkt Menschen wieder schädigt – vielleicht wird der EU ja noch passieren, dass sie unabsichtlich viel zu viel richtig macht…
    Da möchte man dem Spruch glauben, dass möglicherweise alle Wege nach Rom führen.

  4. PeKaSa 29. Mai 2026 um 11:11 Uhr - Antworten

    „(Keine Miasmen-Theorie mehr:) Die Wissenschaft hat bewiesen, dass nicht „schlechte Moorluft“ krank macht, sondern Krankheitserreger wie Viren und Bakterien.“
    Ach ja, hat „die Wissenschaft“ das bewiesen? Bislang ist mir nur bekannt, dass spätestens seit Koch und Pasteur solche Behauptungen ohne Nachweise als Wissenschaft ausgegeben werden.

    • rudifluegl 29. Mai 2026 um 17:02 Uhr - Antworten

      Petenkofer, Virchow, Bechamp haben gezeigt was Indikatoren von krankmachenden Lebensweisen sind.
      Und die superschlauen Experten „berühmen“ sich nach wie vor durch Symptombekämfung!

      • rudifluegl 29. Mai 2026 um 17:03 Uhr

        Pettenk……

  5. Patient Null 29. Mai 2026 um 9:57 Uhr - Antworten

    Ja ist schon crazy wenn ausnahmsweise aus den falschen Gründen auch mal das richtige getan wird.

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