Die Funktion von T-Zellen und Antikörpern im Immunsystem

Über das Immunsystem gibt es Lehrbücher und seine Funktionen und Komponenten sind ziemlich gut erforscht. Es scheint aber so zu sein, dass dies alles nochmals neu für das Corona Virus bewiesen werden muss. Für Virologen und Politiker ist das offenbar alles völlig unbekannt, und selbst bei Ärzten scheint es Wissenslücken zu geben. Im März hat dieser Blog mit 1,1 Millionen Views einen neuen Rekord erzielt und vorige Woche mit 463.000 Views gab es auch ein Allzeithoch. Deshalb für alle neuen wunderbaren Leserinnen und Leser ein Überblick über Studien und frühere Berichte.

Immunität ist messbar sowohl durch Antikörper als auch noch sicherer durch T-Zellen. Immune Personen können in der Regel nicht mehr zum Infektionsgeschehen beitragen. Sie können, so sie Immunität durch normale Infektion erlangt haben, nach dem Stand der Wissenschaft keine andere Personen mehr anstecken oder Viren übertragen, da sie vom Immunsystem sofort beseitigt werden. Dies deshalb, weil diese Immunität bereits in den oberen Atemwegen wirksam ist, also dort wo die Viren in den Körper kommen. Impfungen in den Oberarm-Muskel ergeben aber keine sterile Immunität, sondern schützen in erster Linie vor Erkrankung.

So funktioniert die Abwehr

Das Immunsystem bekämpft Eindringlinge, deshalb kann man es mit einer militärischen Struktur vergleichen. Aus den Reihen der T-Zellen kommt der Kommandostab, das Ergänzungskommando, die schweren Waffen und ein Teil des Meldewesens. Wir sehen, die T-Zellen können bereits eine vollständige Kampfeinheit bilden. Die Antikörper entsprechen dagegen den Schützen, die bei Bedarf erzeugt oder eingezogen werden.

Tritt eine Bedrohung auf, so tritt zunächst die stets kampfbereite Streitmacht von T-Zellen und zu deren Unterstützungseinheiten, die vor allem in den Schleimhäuten in Mund, Nase und Rachenraum vorhandenen Antikörper in Aktion, von denen es drei Sorten gibt, nämlich IgA, IgM und IgG. In aller Regel reicht diese Abwehr aus. Hilfreich sind auch die „Stacheldraht-Hindernisse“ in Form der Nasenhärchen, die Wassergräben der Tränenflüssigkeit und andere passive Abwehrmechanismen wie die Hautbarriere.

Diese Abwehr kann durchaus auch ausreichen um das oder die Coronaviren aber auch alle anderen Viren abzuwehren, solange sie nicht in größerer Zahl auftreten. Wir wissen von vielen Studien, dass mit Infizierten eng zusammenlebende Personen keineswegs sicher angesteckt werden. Auf Kreuzfahrtschiffen hat man festgestellt, dass bei in einer Kabine wohnenden Paaren häufig nur eines der beiden infiziert war.

Entwicklung der Immunabwehr ohne echte Infektion

Auch in Haushalten ist in Studien festgestellt worden, dass keine Ansteckung der wahrscheinlichere Fall ist. Wobei dies von der Zahl der übertragenen Viren abhängt. Es ist erst der Kampf des Immunsystems, der Symptome verursacht. Je mehr Viren im Körper produziert werden, umso heftiger der Kampf und umso stärker die Symptome. Wessen Körper mehr Viren produziert, kann auch mehr übertragen.

Forscher der Karolinska Universität, die für die Nobelpreis Vergabe zuständig ist, fanden schon sehr frühzeitig heraus, dass doppelt so viele Menschen nur T-Zellen entwickeln als die, die auch Antikörper haben. Eine neue Studie belegt nun neuerlich, dass selbst Kontakt zu Infizierten ohne eigene nachweisbare Infektion genügt um diese Immunabwehr zu entwickeln.

Enge Kontaktpersonen, die SARS-CoV-2-exponiert sind, sind häufig sowohl PCR-negativ als auch Antikörper-negativ, was darauf hindeutet, dass SARS-CoV-2 keine erfolgreiche Infektion bei diesen Personen etablieren konnte, vermutlich aufgrund ihrer Exposition gegenüber einer begrenzten Anzahl von Viruspartikeln oder einer kurzen Expositionszeit. Die Analyse der Proben von 69 solcher engen Kontakte zeigte jedoch das Vorhandensein einer SARS-CoV-2-spezifischen Gedächtnis-T-Zell-Immunität. Eine ähnliche Beobachtung wurde während der MERS-Epidemie berichtet, wo Hochrisikopersonen (z. B. Kamelarbeiter), die PCR-negativ und Antikörper-negativ waren, ebenfalls signifikante Mengen an MERS-CoV-spezifischen Gedächtnis-T-Zellen entwickelten.

Vitamin D: Voraussetzung für die Funktion des Immunsystems

In diesem Zusammenhang möchte ich nochmal auf eine bahnbrechende Arbeit von Prof. Geisler von der Universität Kopenhagen verweisen, die im Jahr 2010 in Nature Immunology erschienen ist. In einem Artikel in ScienceDaily erklärt Geisler wie die Reaktion des Immunsystems auf ein neues Pathogen abläuft:

„Wenn eine T-Zelle einem fremden Krankheitserreger ausgesetzt ist, fährt sie einen Signalgeber oder eine ‚Antenne‘ aus, einen sogenannten Vitamin-D-Rezeptor, mit dem sie nach Vitamin D sucht. Wenn die T-Zellen nicht genügend Vitamin D im Blut finden, werden sie nicht einmal anfangen, sich zu mobilisieren.

T-Zellen, die erfolgreich aktiviert werden, verwandeln sich in einen von zwei Typen von Immunzellen. Sie werden entweder zu Killerzellen, die alle Zellen angreifen und zerstören, die Spuren eines fremden Krankheitserregers tragen, oder sie werden zu Helferzellen, die dem Immunsystem dabei helfen, ein „Gedächtnis“ zu erwerben. Die Helferzellen senden Nachrichten an das Immunsystem und geben Wissen über den Erreger weiter, damit das Immunsystem ihn bei der nächsten Begegnung erkennen und sich an ihn erinnern kann. T-Zellen sind Teil des adaptiven Immunsystems, was bedeutet, dass sie dem Immunsystem beibringen, ständig wechselnde Bedrohungen zu erkennen und sich an diese anzupassen.“

Die Helfer-T-Zellen können ihrerseits wieder regulatorische-T-Zellen sowie B-Zellen erzeugen. Die unterschiedlichen B-Zellen, die Informationen über jeweils verschiedene Teile des Virus erhalten haben, wandern dann in die Lymphknoten und produzieren dort die Antikörper. Die regulatorischen-T-Zellen regeln die Antwort des Immunsystems und schalten sie vor allem wieder ab. Gibt es davon zu wenig, oder sind sie wegen Vitamin D Mangel nicht aktiv, so kommt es zu Autoimmun-Erkrankungen oder zu dem so genannten Zytokinsturm, der die Lunge bei Covid-19 Patienten schwer schädigen kann.

Von den T- und B-Zellen gibt es Speichervarianten, die im Gewebe überleben oder die Information über die Keime im Knochenmark dauerhaft abspeichern und bei Bedarf wieder aktiv werden und die Immunabwehr rasch hochfahren können, inklusive Produktion neuer Antikörper, falls erforderlich.

Studien zur Dauerhaftigkeit der Immunität und zu hohen Wirksamkeit von T-Zellen

Vollkommen falsche Vorstellungen herrschen bei Politik und Virologen über die Dauerhaftigkeit der Immunabwehr.  Diese werden von der Pharmaindustrie massiv gefördert, denn nur wenn man Menschen alle 6 Monate neuerlich impfen kann, macht man riesige Profite. Der Trick, mit dem das erreicht werden soll, sind die falschen Behauptungen, dass nur die Antikörper für Immunität sorgen.

Antikörper verschwinden tatsächlich nach einiger Zeit. Es wäre für den Körper viel zu energieintensiv dauerhaft für alle Arten von Viren und anderen Pathogenen Antikörper im Blut zu erhalten. Außerdem würde das Blut mit der Zeit so dick wie Tomatenmark. Antikörper können jederzeit neu erzeugt werden, entweder direkt durch die im Knochenmark gespeicherten Memory-B-Zellen, oder dadurch dass die Helfer-T-Zellen neue B-Zellen hervor bringen.

Deshalb hier eine Liste von Forschungsergebnissen, die die Dauerhaftigkeit von Immunität nachgewiesen haben.

1. Die Veröffentlichung der MedUni Innsbruck sagt schon im Titel:

„Corona – Antikörperstudien belegen konstante, stabile Immunität“

dass die Beschränkung auf 6 Monate nicht durch Wissenschaft gedeckt ist:

„Eine an der Innsbrucker Universitätsklinik durchgeführte Studie kommt zum Schluss, dass Corona-Genesene eine stabile Langzeitimmunität aufweisen. Die Ergebnisse decken sich mit internationalen Erkenntnissen. Es bestehe ferner kein Grund zur Sorge vor einer abermaligen Infektion, Mutationen oder einer Übertragung durch Immune, erklärte Studienleiter Florian Deisenhammer im APA Interview.“

2. MedUni Innsbruck Folgestudie in Ischgl: „Immunität auch nach acht Monaten stabil“

„Nach einer ersten Antikörper-Studie der Medizin Uni Innsbruck in der Gemeinde Ischgl im April des vergangenen Jahres, wurde die Immunantwort der Ischglerinnen und Ischgler im November erneut getestet. Die Beteiligung an der Folgestudie war abermals hoch. Die gute Nachricht: Bei knapp 90 Prozent jener StudienteilnehmerInnen, die schon im April einen positiven Antikörpernachweis hatten, konnten auch acht Monate nach den ersten Infektionen Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen werden.“

3. Die US Behörde CDC geht ebenfalls von langfristiger Immunität durch eine Infektion aus. Auf der Seite der US-Behörde CDC liest sich das so:

„Wenn eine Person zum ersten Mal mit dem Virus infiziert wird, das COVID-19 verursacht, kann es mehrere Tage oder Wochen dauern, bis ihr Körper alle Instrumente zur Keimbekämpfung hergestellt und eingesetzt hat, die zur Überwindung der Infektion erforderlich sind.

Der Körper behält einige wenige T-Lymphozyten, so genannte Gedächtniszellen, die schnell in Aktion treten, wenn der Körper erneut mit dem gleichen Virus konfrontiert wird. Wenn die bekannten Antigene erkannt werden, produzieren B-Lymphozyten Antikörper, um sie anzugreifen.“

4. Eine Studie des La Jolla Institute of Immunology in Kalifornien verfolgte die Entwicklung des Immungedächtnisses über 8 Monate und stellte anhaltende Immunität fest.

Unsere Daten deuten darauf hin, dass die Immunantwort da ist – und sie bleibt“, sagt Professor Alessandro Sette, der die Studie gemeinsam mit Professor Shane Crotty, und Research Assistant Professor Daniela Weiskopf am La Jolla Institute for Immunology (LJI) leitete. (Crotty erläutert:

Wir haben Antikörper, Gedächtnis-B-Zellen, Helfer-T-Zellen und Killer-T-Zellen alle gleichzeitig gemessen. Soweit wir wissen, ist dies die größte Studie, die jemals bei einer akuten Infektion alle vier Komponenten des Immungedächtnisses gemessen hat.“

Sette erklärt, dass ein Rückgang der Antikörper ganz normal ist.

Natürlich nimmt die Immunantwort mit der Zeit bis zu einem gewissen Grad ab, aber das ist normal. Das ist es, was Immunantworten tun. Sie haben eine erste Phase des Hochlaufens, und nach dieser fantastischen Ausdehnung zieht sich die Immunantwort schließlich etwas zusammen und erreicht einen stabilen Zustand.“

5. Eine Forschungsarbeit, die am 27. Januar 2021 in Cell Reports Medicine veröffentlicht wurde, ist die bisher detaillierteste Analyse, welche Proteine auf SARS-CoV-2 die stärksten Reaktionen der „Helfer“-CD4+ T-Zellen und der „Killer“-CD8+ T-Zellen des Immunsystems stimulieren. Für die neue Studie untersuchten die Forscher T-Zellen von 100 Menschen, die sich von einer SARS-CoV-2-Infektion erholt hatten. Anschließend nahmen sie die genetische Sequenz des Virus unter die Lupe, um die Epitope zu definieren, die diese T-Zellen tatsächlich erkennen würden.

Ihre Analyse ergab, dass nicht alle Teile des Virus bei allen Menschen die gleiche starke Immunantwort auslösen. Tatsächlich können T-Zellen Dutzende von Epitopen auf SARS-CoV-2 erkennen, und diese immundominanten Stellen ändern sich auch von Person zu Person. Im Durchschnitt hatte jeder Studienteilnehmer die Fähigkeit, etwa 17 CD8+ T-Zellen-Epitope und 19 CD4+ T-Zellen-Epitope zu erkennen. Eine Klartext Erklärung der Wissenschaftler findet sich hier.

6. Noch weiter zurück reicht die Immunität bei Rekonvalszenten nach SARS-1. Einer Studie aus Singapur hat bemerkenswerte Ergebnisse zur Immunität durch T-Zellen gebracht. Man fand T-Zellen gegen SARS-CoV-2 bei 100% der von COVID-19 genesenen Patienten (36/36 Patienten). Darüber hinaus hatten 23/23 Patienten, die 17 Jahre nach der Genesung von einer SARS-CoV-1-Infektion untersucht wurden, immer noch reaktive T-Zellen für SARS-CoV-1. Wichtig ist, dass diese Zellen auch auf SARS-CoV-2 reagierten.

7. In einer Studie in Stockholm durch die Karolinksa Universität, die bekanntlich den Medizin Nobelpreis vergibt, wurden sowohl Antikörper als auch T-Zellen untersucht. Marcus Buggert, Assistenzprofessor am Zentrum für Infektionsmedizin des Karolinska Institutet, und einer von den Hauptautoren des Papiers, erklärte dazu:Dank fortschrittlicher Analysen konnten wir jetzt die T-Zell-Reaktion während und nach einer COVID-19-Infektion detailliert abbilden. Unsere Ergebnisse zeigen, dass ungefähr doppelt so viele Menschen eine T-Zell-Immunität entwickelt haben wie diejenigen, in denen wir Antikörper nachweisen können.“

Die Ko-Autorin Soo Aleman erläutert die Ergebnisse hier im Interview zum nachhören

Die Studienergebnisse werden auch in dem deutschsprachigen Artikel „Robuste T-Zell-Antwort schützt vor SARS-CoV-2-Re-Infektion“ erläutert.

8. Der österreichische Professor für Vakzinologie an der Icahn School of Medicin at Mount Sinai Florian Krammer schreibt in einigen Tweets (https://twitter.com/florian_krammer/status/1310427192195772417 ) und in einer Studie:

„… Impfstoffe werden intramuskulär/als Injektion verabreicht. Dieser Weg ist gut geeignet, um IgG zu induzieren, das in den unteren Atemwegen vorherrscht und zum Schutz der Lunge beiträgt, was großartig ist.

Diese injizierten Impfstoffe sind jedoch schlechte Induktoren von Schleimhautantikörpern im oberen Respirationstrakt, der größtenteils durch sekretorisches IgA1 geschützt ist. Dies könnte zu einer Immunität führen, die die Lunge schützt (milde/keine Erkrankung), aber dennoch eine Infektion und möglicherweise Weiterübertragung des Virus [nicht verhindert]

Natürliche Infektionen oder abgeschwächte Lebendimpfstoffe induzieren Schleimhautimmunität, und abgeschwächte Lebendimpfstoffe könnten die sterilisierende Immunität in den oberen Atemwegen wesentlich besser induzieren.“

Also sagt auch Krammer, dass Infektion eine komplettere Immunität schafft als Impfungen. Und dass diese klassischen Impfstoffe den besten Schutz bieten, nur noch übertroffen von Immunität nach einer natürlichen Infektion.

9. Einer Forschergruppe geleitet von Privatdozentin Juliane Walz in der Klinischen Kooperationseinheit Translationale Immunologie (KKE) am Universitätsklinikum Tübingen und der Abteilung für Immunologie des Tübinger Interfakultären Instituts für Zellbiologie ist es gelungen, Details der T-Zellantwort gegen SARS-CoV-2 aufzuklären. Für die in der Fachzeitschrift Nature Immunology publizierte Arbeit wurden insgesamt mehr als 180 Probanden nach überstandener COVID-19-Erkrankung untersucht. Die im Rahmen der Studie identifizierten T-Zell-Epitope ermöglichten den Nachweis, dass bei 100 Prozent der Patienten nach Infektion T-Zell-Immunantworten gegen SARS-CoV-2 erfolgt sind. Dies traf auch auf Patienten zu, bei denen keine Antikörper nachweisbar waren!

10. Der Labormediziner Dr. Ralf Kirkamm erklärt in einem Video zu seiner Infektion und den Mechanismen der Immunität:

Die T-Zellen steuern die Stärke der Immunreaktion durch Erzeugung von Zytokinen um die Antwort je nach Viruslast zu erhöhen oder zu unterdrücken.

T-Zellen sind an der Differenzierung von Plasmablasten zu Plasmazellen und der damit verbundenen Antikörperproduktion (humorale Immunantwort) beteiligt.

Der Nachweis von reaktiven T-Zellen (Effektorzellen) gegen einen Erreger, wie zum Beispiel SARS-Cov-2, weist auf den Kontakt und somit auf eine akute oder zurückliegende Infektion hin, unabhängig ob Antikörper gebildet wurden.

Man kann mit dem Test auf T-Zellen sehr einfach erkennen, ob es Immunität durch eine SARS-Cov-2 Infektion gab und ob auch eine Infektion durch eine der anderen Erkältungs-Coronaviren geschehen ist. In dem gezeigten Befund ist eindeutig zu sehen, dass Immunität vorliegt.

Kirkamm sagt:

Wenn ich irgendwo hinreisen möchte, dann zwingt mich diese träge Gesetzgebung immer noch zum Beispiel in Quarantäne zu gehen oder nochmal einen Corona-PCR-Test zu machen. Also Ressourcen, die verschwendet werden, weil letztendlich die Verwaltung hinterherhinkt hinter diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen oder die sie gar nicht wahrnimmt, weil keine Experten dort sitzen. Dabei ist eine Immunität einfach gegeben.“

Und Kirkamm kommt noch zu einem anderen wichtigen Thema für alle, die schon eine Infektion durchlaufen haben:

Die, die die Wild-Infektion durchgemacht haben, werden sich natürlich auch nicht impfen wollen. Ich möchte auch keinen Impfpass, aber ich möchte natürlich trotzdem zum Beispiel bei der Lufthansa einsteigen können, nach Amerika oder sonst wohin reisen und meine Urlaubsreise machen können. Da wird der Immunitätsnachweis sehr wichtig sein.“

Und weiter:

Ich bin extrem gespannt, wann diese große, große Gruppe von Menschen Berücksichtigung findet, die eine Infektion durchgemacht hat und dann natürliche Immunität entwickelt hat.“

11. Einen ausgezeichneten Überblick über den Stand der Forschung ist in einem in mehreren medizinischen Fachmagazinen publizierten Beitrag zu finden. Marc Hellerstein (University of California, Berkley) geht auf die Rolle von T-Zellen und Antikörpern in der Immunabwehr ein. Er äußert immunologische Bedenken gegen die Verwendung der Antikörperantwort als alleinige Messgröße für die schützende Immunität bei Coronavirus-Infektionen.

Die Antikörperreaktion ist kein guter Marker für eine Coronavirus-Infektion. T-Zell-Antworten waren bessere Marker als Antikörper-Antworten nach einer natürlichen Coronavirus-Infektion. Bei SARS hatten nur 50 % der Überlebenden nach 3 Jahren nachweisbare Antikörper und keiner hatte nach 6 Jahren Antikörper oder B-Zell-Antworten auf SARS-CoV-1, während virusspezifische T-Zellen noch nach 17 Jahren vorhanden waren.

12. MERS-Überlebende mit höheren Antikörperspiegeln hatten im Vergleich zu Probanden ohne nachweisbare Antikörper längere Aufenthalte auf der Intensivstation und benötigten mehr Unterstützung durch das Beatmungsgerät, während bei genesenen Patienten mit weniger schwerer Erkrankung höhere virusspezifische T-Zell-Zahlen ohne nachweisbare Antikörper beobachtet wurden.

Die Autoren der Studie vermuten deshalb, dass T-Zellen das Virus schnell beseitigen, was den Schweregrad der Erkrankung, die Exposition gegenüber dem Virus und die Stärke der Antikörperantwort reduziert. Höhere IgG-Spiegel gegen das Spike-Protein während der akuten Infektion wurden bei SARS-Patienten beobachtet, die anschließend starben, was mit einer stärkeren klinischen Lungenschädigung verbunden war, verglichen mit SARS-Patienten, die sich anschließend erholten.

Übersetzt: Entwickelten Patienten rasch eine starke T-Zellen-Antwort, dann wurden sie auch rasch gesund, Antikörper waren gar nicht mehr erforderlich.

13. eine am 1. März 2021 erschienene Studie zeigt, dass Personen, die keine Symptome entwickeln eine wesentlich stärkere und hochfunktionellere T-Zellen-Abwehr haben als Personen, die Symptome entwickeln. Verglichen wurden 85 asymptomatische Personen mit 75 an Covid-19 Erkrankten in Singapur. Antikörper spielen bei Asymptomatischen keine Rolle. Infektiosität ist daher nicht gegeben, Maskenpflicht sinnwidrig.

14. T-Zellen, die als Reaktion auf eine Infektion mit der ursprünglichen Version des neuartigen Coronavirus gebildet werden, wirken auch gegen drei der angeblich besorgniserregenden neuen Virusvarianten zu, so eine am 30. März 2021 veröffentlichte US-Laborstudie.

Unsere Daten sowie die Ergebnisse anderer Gruppen zeigen, dass die T-Zell-Antwort auf COVID-19 bei Personen, die mit den ursprünglichen Virusvarianten infiziert sind, die wichtigsten neuen Varianten, die in Großbritannien, Südafrika und Brasilien identifiziert wurden, vollständig erkennen“, sagte Andrew Redd vom NIAID und der Johns Hopkins University School of Medicine, der die Studie leitete.

15. Eine langlebige Immunität durch T-Zellen wurde auch bei mir labormedizinisch ermittelt. Eine Infektion zu Silvester 2019 führte zu milden Erkältungssymptomen. Ein Antikörpertest am 24. April ergab noch ein positives, wenn auch nur grenzwertiges Ergebnis. Ein Test auf spezifische T-Zellen zeigte am 12. November 2020 noch eine starke Immunreaktion. Mehr dazu habe ich hier beschrieben.

Immunität in Österreich

Ischgl-Studie legt Durchseuchung von rund 30 Prozent nahe, schreibt die APA schon am 25.2.2021:

Allerberger, Leiter der Abteilung für Öffentliche Gesundheit der AGES, hat sich im parlamentarischen Gesundheitsausschuss auf diese Daten bezogen: Nehme man die bis zum 23. Februar verzeichneten, mit Covid-19 in Zusammenhang stehenden Todesfälle her (8.317 Menschen laut „AGES Dashboard COVID19“) und geht davon aus, dass es sich dabei um jene 0,26 Prozent handelt, die die Tiroler Studie nahelegt, kommt man hochgerechnet in etwa auf über drei Millionen Österreicher, die bisher vermutlich eine symptomatische oder asymptomatische Covid-19-Erkrankung durchgemacht haben. Vorsichtig geschätzt, entspräche dies rund 30 Prozent der Gesamtbevölkerung.“

Zur angeblich erhöhten Übertragungsrate von Varianten wie B.1.1.7

Die behauptete höhere Übertragungsrate ist Modellierungen entnommen, die keine realen Daten verwendet haben, sondern nur Annahmen. Eine Studie, die die tatsächliche Übertragungsrate durch Auswertung von tatsächlichen Infektionen in England untersucht hat, kommt zum Schluss das die Übertragungsrate nur um 6% höher ist. Damit lässt sich keine Verschärfung der Maßnahmen rechtfertigen. Abgesehen davon ist die Variante auch in Österreich schon seit etwa Oktober nachgewiesen worden, ohne dass dies jetzt nennenswerten Einfluss gehabt hätte, da nach Anfang November die bestätigten Fälle kontinuierlich zurückgegangen sind, trotz erheblich vermehrter Testungen. Der Wiener Stadtrat Hacker äußerte am 16.1.2021 die Vermutung, dass die neue Variante schon länger in Österreich vorhanden sei. Der Rückgang der Fallzahlen ist davon jedenfalls nicht betroffen, wie die Daten der AGES zeigen.

International gibt derzeit keine stichhaltigen Beweise dafür, dass neue Varianten per se ansteckender oder infektiöser sind, und vermutete höhere Viruslasten wurden bereits widerlegt. Auch andere Symptome wurden nicht gefunden. Die Tatsache, dass die Übertragung im Winter höher ist als im Sommer und Frühjahr, war zu erwarten.

Es gibt keine Hinweise darauf, dass Maßnahmen wie Lockdowns oder Gesichtsmasken besser oder schlechter gegen die neuen Varianten wirken. An mehreren Orten, die von neuen Varianten betroffen sind, wurde aber bereits ein Rückgang der Neuinfektionen beobachtet (z. B. in Österreich, Dänemark, der Schweiz, Irland und in Großbritannien selbst).

Die Tatsache, dass die ACE2-Rezeptor-Affinität bei neuen Varianten höher ist, bedeutet nicht, dass ihre Virulenz oder Infektiosität höher sein muss wie Prof. Shane Crotty vom La Jolla Institute for Immunology berichtet. Sie kann genauso gut niedriger oder unverändert sein.

Die Tatsache, dass eine neue Variante eine ältere Variante teilweise ersetzt, erfordert keine höhere Ansteckungsfähigkeit oder Infektiosität. Dieser Effekt ist von früheren Sars-Cov-2-Varianten und auch von saisonalen Influenzaviren bekannt.


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22 Kommentare zu „Die Funktion von T-Zellen und Antikörpern im Immunsystem

  1. Thema T-Zellen: schon lange bekannt, lernt man schon im Medizinstudium. Offenbar wollen sich die Regierungsexperten nicht daran erinnern, so sie medizinisch gebildet sind. Die Modellierer lernen es nicht. Beim Vitamin D dagegen bin ich skeptisch, ob die Bedeutung nicht überbewertet wird in den letzten Jahren. Spontan fällt mir dazu immer ein, dass in allen südlichen Ländern die Bevölkerungen genügend Vit D haben, gerade dort sind aber Infektionskrankheiten weit verbreitet, wenn auch nicht Covid.

    1. Ich lebe in einem südlichen Land. Die meisten leben unter Kunstlicht, die Fensterläden immer fest geschlossen. An den Strand geht man ’nur‘ im Sommer und dann nur eingecremt.

      Zum anderen sind Infektionskrankheiten oftmals Armutskrankheiten. Zugang zu sauberem Wasser, Zugang zu echter Nahrung, Zugang zu Wissen über sinnvolle Hygiene. Diese Grundbedingungen werden gerade auch noch gegen die Wand gefahren …

    2. Einen sehr informativen und ausführlichen Beitrag/Vortrag zu Vitamin D gibt es von Prof. Jörg Spitz aus dem Jahr 2018, also noch vor der Corona-Apokalypse. Sehr interessant, da sehr verständlich und für jeden Einzelnen leicht umzusetzen. Äußerst gute eigene Erfahrungen.

    3. Sind sie Sicher?

      Sie betrachten nur eine Seite der Münze.

      Ernährung, Sozioökonomische Verhältnisse (in südlichen Ländern gibt es keinen bezahlten Urlaub, nur Stress, Ängste)

      Vor die Eroberung und Kolonisierung durch die Europäer, waren diese Menschen gesunder!

      Leider diese myopische Einsicht der Mediziner hat uns gebracht wo wir sind! 🙁

      Die Gute alte Griechen haben der Mensch und Umgebung als Ganzes betrachtet!

      Nach dem Motto die Sonne ist die Quelle des Lebens!
      Mehr Sonne = Mehr Leben!

  2. Bis auf den beliebten Vergleich der Immunantwort mit ‚militärischen Strukturen‘ alles schön verständlich dargestellt: wie (fast) immer. Kein Wunder dass dieser Blog zur täglichen Lektüre Vieler gehört. Echte Qualität macht Lesefreude und LeserInnen! Herzlichen Glückwunsch also! Und bor allem auch : Danke!

    Und zum Vergleich. Es ist meiner Meinung nach wichtig, nach und nach Systeme zu erkennen und zu verstehen, in Systemen zu denken und damit auch die ‚eigentliche‘ Bedeutung von Begriffen wie ‚biologisch‘ oder ‚Leben‘.
    Aktion und Reaktion oder, wie im Beispiel Angriff und Verteidigung sind letztendlich lineare Abläufe. Das Immunsystem kann man zwar in einzelne ‚Antworten‘ zerlegen, wenn man mag, wird dadurch aber immer ein mutiliertes Bild des Ganzen erhalten. Weder tritt im realem Leben nur ein Virus ‚auf einmal‘ auf, noch trifft es auf ein noch ‚unbenutztes‘ Immunsystem, noch bekommt es eine einzige Antwort, noch ‚wartet‘ der nächste Erreger schön brav bis der vorangegangene ‚erlegt‘ wurde …
    Die Rückkopplungen, Redundanzen, bypässe und adhoc-Varianten möglicher Reaktionen sind derart mannigfach, dass … es verständlich ist, wenn man es linear vereinfachen möchte!
    Das könnte letztendlich auch unser Vorteil gegenüber der (linear gedachten) gentechnischen Impfung sein. Natur schafft sich nicht ab.

  3. Super Darstellung. Aber Corona Ende 2019 können Sie vergessen. Das war eine Erkältung. Die später gemessenen T-Zellen waren kreuzreaktive T-Zellen von einem der anderen humanen CoVs. Wenn Sie bis heute nie messbare Antikörper hatten, hatten Sie ziemlich sicher noch kein Corona. Die Stunde der Wahrheit steht Ihnen also noch bevor 🙂

    1. Ohne die
      Kreuz- Immunität wären vielmehr Leute verstorben.
      Die Immunität ist ein zentrales Thema, das gefällt mir an TKP so! Danke Herr Mayer für Ihre Arbeit, Sie machen alles richtig!

    2. Wenn schon von Abwasserproben September 2019 Corona AK nachgewiesen wurden, warum soll das nicht möglich sein? Gerade in der Zeit Oktober-Dezember 2019 hatten viele meiner Arbeitskollegen schwere Lungenentzündungen. Leider konnte ich niemand von diesen Kollegen überzeugen mal auf Antikörper zu schauen bevor sich alle impfen haben lassen.

    3. Das mit den angeblichen Abwasserproben von 2019 waren ein paar einzelne Falschpositive oder Verschmutzung. Wenn sich Corona in einem Ort wirklich verbreitet, sieht das im Abwasser ganz anders aus. Lungenentzündungen gab es schon immer. Ohne Antikörpernachweis wertlos.

      „Kreuz-Immunität“ durch andere CoVs bietet keinen Schutz. Gab Studien dazu, fanden alle keinen Einfluss auf schwere Verläufe.

  4. Ich befürchte, dass ein positiver T-Zellen-Test in keinem amtlichen Immunitätsnachweis berücksichtigt wird,
    wenn niemand für den Wert „langlebig“ eine konkrete Gültigkeitsdauer definiert.

  5. HERR MAYER IST EIN HELD UND VORBILD!

    Wieder ein Zeichen dafür was ein Einzelkämpfer mit dem Willen, Wissen und Intelligenz erreichen kann.

    Sogar andere Medien referenzieren auf seine Beiträge

    Wir brauchen mehr Herr Mayers

  6. Woran man ebenfals merkt das etwas nicht stimmt bzw der Drang den Impfstoff loszuwerden bzw dran zu verdienen,ist Folgender in Deutschland.
    Die Ärtzte sollen Immune tatsächlich impfen!!!
    Aber nur einmal..
    Anweisung von oben.
    Unglaublich

  7. Noch einmal zu den Kreuzimmunitäten. Es gibt sehr wohl eine Studie von der Charité Berlin (Juni 2020 Andreas Thiehl), die festgestellt hat, daß Leute, die die anderen vier Corona-Viren hatten ( OC43, 229E, NL63, HKU1), keine schweren Corona-Erkrankungen hatten, d.h. diese gehörten zu den 85 % in der Bevölkerung die Corona als normale Erkältung merken. Hierzu läuft aktuell seit Sept. 2020 die Corona Cross-Studie, eine Folgestudie, die 1000 Leute genau diesbezüglich untersucht. Außerdem kann man auch die T-Zellen auf diese Corona-Erkältungsviren einzeln testen lassen und auf SARS-CoV-2, und es gibt hier sehr wohl Unterschiede. Wenn man den T-Zellen-Test, dann sollte man ihn gleich so machen, d.h. Influenza-T-Zellen,alle vier Corona-Erkältungsviren T-Zellen und natürlich den SARS-CoV-2, dann weiß man bestens Bescheid. Und noch einmal: auch wenn man stärker coronakrank war (mit Lungenbeteiligung) muß man keine IgG’s bilden, wenn man vorher schon die anderen Corona-Erkältungen hatte und ein gutes Immunsystem hat.

  8. Besten Dank für die immer wieder sehr interessanten Beiträge. Wertvoll v.a. auch durch die Verlinkung der Originalartikel! Interessant an der Stelle auch folgende Feststellung einer Schweizer Studie aus dem Sommer: Ein guter Teil der infizierten Personen hat demnach lediglich in den oberen Atemwegen nachweisbar spezifische SARS-CoV-2-Antikörper. (Journal of Allergy and Clinical Immunology doi: 10.1016/j.jaci.2020.10.040 bzw. https://www.pharmazeutische-zeitung.de/iga-antikoerper-und-der-covid-19-verlauf-118400/) Diese werden jedoch ebenfalls nicht erfasst, seltener wohl noch als die T-Zell-Immunität. Die Studie bestätigt quasi einige der o.g. Aussagen. Interessant wäre nun noch, das Verhältnis T-Zell-Immunität zu AK in oberen Atemwegen zu erfassen.

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