Corona Tests: Genauigkeit unbekannt

Gegenüber früheren Jahren mit mehr oder weniger schweren Grippewellen unterscheidet sich die Corona Epidemie vor allem dadurch, dass breitflächig und massenhaft Tests zur Erkennung des Virus durchgeführt werden. Nach den Ergebnissen des PCR-Tests werden Personen in Quarantäne geschickt und die Maßnahmen von Regionen und Ländern gesteuert bis hin zur Verhängung von Lockdowns. Man sollte meinen, dass die Tests genau sind und deren Genauigkeit auch bekannt ist. Dem scheint nicht so zu sein.

Bisher wird der PCR-Test als der Goldstandard bezeichnet, mit dem selbst kleinste Mengen von Viren gefunden und erkannt werden werden können. Aber just über diese Genauigkeit gibt es offenbar keine zuverlässigen Angaben. Insbesondere in Situationen, wo es nur einen geringen Anteil von Infektionen gibt, ist die Gefahr von falsch-positiven Ergebnissen groß und damit von überzogenen Maßnahmen.

So errechnet man den Anteil falsch-positiver und falsch-negativer Ergebnisse

In der Slowakei gab es bei dem kürzlich durchgeführten Massentests einen Prozentsatz von 0,7 bis 1 Prozent positive Ergebnisse, in manchen Regionen fiel der Anteil aber auf 0,2 Prozent. Ist der Test zu 99 Prozent genau, erkennt also mit 99-prozentiger Sicherheit negative Proben als negativ und positive als positiv.

Hat man nur 0,2 Prozent Infizierte in einer Bevölkerung, so sind bei der Genauigkeit des Tests von 99 Prozent von den positiven Ergebnissen immerhin noch 83 Prozent falsch-positiv. Selbst wenn die Genauigkeit der Erkennung virenfreier Proben auf 99,9 Prozent steigt, sind noch immer 33 Prozent falsch-positiv. Leicht auszurechnen mit diesem Webtool.

Das gilt selbstverständlich nur für Personen ohne Symptome. Liegen Symptome vor, dann steigt die sogenannte Vortestwahrscheinlichkeit und die Chance auf falsch-positive Ergebnisse nimmt drastisch ab. Das ist auch der Grund warum Experten dazu raten, die Verfügung von Tests in die Hände von Ärzten zu legen und sie von der Anwesenheit von klinischen Symptomen abhängig zu machen.

Das sagt das Ärzteblatt

Aber selbst dann besteht noch immer die Gefahr falscher Ergebnisse, wenn die Tests nicht genau sind. Das deutsche Ärzteblatt zeigt einige Beispiele in seiner Ausgabe Nr 24 vom 12. Juni. Nach einem Artikel im British Medical Journal schreibt das Ärzteblatt, dass „der RT-PCR-Test eine Sensitivität von 70% und eine Spezifität von 95 % aufweist. Sars-CoV-2-Prävalenz 3 % (z. B. Hausarztpraxis): Richtig positiv getestet werden 21 von 30 infizierten Personen, falsch negativ sind damit 9 Ergebnisse. Richtig als gesund erkannt werden 921 von 970 Personen, falsch positiv bleiben 49. Der positive Vorhersagewert errechnet sich als Quotient aus der Zahl der richtig positiv Getesteten (21) und der Summe aller Personen mit positivem Testergebnis (21 + 49 = 70). Er ist mit 0,30 erschreckend gering – 70 % der als positiv getesteten Personen sind gar nicht positiv, ihnen wird aber Quarantäne verordnet. Der negative Vorhersagewert als Quotient aus der Zahl der richtig negativ Getesteten 921 und der Summe aller Personen mit negativem Testergebnis (921 + 9 = 930) ist hingegen 0,99, also sehr gut.“

Wir sehen also, dass die Genauigkeit des Tests eine ganz große Rolle spielt da die Ergebnisse massiv in die Lebenssituation von einzelnen Menschen und ganzen Nationen beeinflusst. Und es gibt dazu eine Reihe von Studien. Zum Beispiel in Eurosurveillance veröffentlicht sind mit einem anderen Coronavirus versetze Proben zu 97,1 Prozent korrekt als negativ erkannt und solche ohne Viren zu 97,3 Prozent.

Der Ringversuch

Von der deutschen von INSTAND e.V., Gesellschaft zur Förderung der Qualitätssicherung in medizinischen Laboratorien, wurden ebenfalls Daten bei erhoben. Die aktuellste Auswertung nach Tests in 463 Laboratorien vom 3. Juni zeigt, dass von drei mit Viren versetzten Proben 98,9% bis 99,7% korrekt als positiv erkannt wurden, eine sehr stark verdünnte Probe nur mehr zu 93%. Bei den Proben, die keine SARS-Cov-2 Viren enthielten, waren zwischen 97,8% und 98,6% der Ergebnisse korrekt negativ, aber eben zwischen 2,2% und 1,4% falsch-positiv.

Diese Werte wurden in der Vergangenheit gerne für die Berechnung der Anteile falsch-negativer und falsch-positiver Ergebnisse herangezogen. Und da kommt es eben bei Personen ohne Symptomen häufig zu falsch-positiven Ergebnissen, wie wir es zuletzt bei Fußballern in Österreich und Deutschland erlebt haben.

Reagiert hat darauf die INSTAND mit einer Stellungnahme vom 29. September und schreibt:

Die im Ringversuch dargestellten Erfolgsquoten (richtige Ergebnisse in Prozent) erlauben keine generellen Aussagen zur Spezifität sowie zur Sensitivität der in den Laboratorien verwendeten Teste. Das betrifft sowohl die analytische als auch klinische Sensitivität bzw. Spezifität der angewendeten Teste.

Für die Bestimmung der analytischen Spezifität der einzelnen Teste wären definierte Studienbedingungen mit Mehrfachbestimmungen einer Vielzahl von Kontrollproben in den Laboratorien nötig. Für die Ermittlung der klinischen Spezifität sind der Einsatz definierter klinischer Proben und der Vergleich verschiedener Methoden notwendig.

Im Klartext bedeutet das, dass man keine Ahnung hat, wie genau die Tests sind. Unterschrieben ist das Dokument von einer Reihe von Professoren von INSTAND, dem RKI, der Gesellschaft für Virologie und den Erfindern des Tests Christian Drosten und Victor Corman. Also werden Entscheidungen auf Grund von Testergebnissen getroffen, über deren Genauigkeit keine Aussage getroffen werden kann.

Gericht: PCR Test unzuverlässig

Kein Wunder, dass portugiesische Gerichte Quarantänebescheide auf Grund von PCR-Tests aufheben und diese Tests grundsätzlich als unzuverlässig bezeichnen:

Auf der Grundlage der derzeit verfügbaren wissenschaftlichen Beweise ist dieser Test [der RT-PCR-Test] an und für sich nicht in der Lage, zweifelsfrei festzustellen, ob die Positivität tatsächlich einer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus entspricht, und zwar aus mehreren Gründen, von denen zwei von vorrangiger Bedeutung sind: Die Zuverlässigkeit des Tests hängt von der Anzahl der verwendeten Zyklen ab; die Zuverlässigkeit des Tests hängt von der vorhandenen Viruslast ab.

Unter Berufung auf Jaafar et al. (2020; https://doi.org/10.1093/cid/ciaa1491) kommt das Gericht zu dem Schluss, dass „wenn eine Person durch PCR als positiv getestet wird, wenn ein Schwellenwert von 35 Zyklen oder höher verwendet wird (wie es in den meisten Labors in Europa und den USA die Regel ist), die Wahrscheinlichkeit, dass diese Person infiziert ist, <3% beträgt und die Wahrscheinlichkeit, dass das Ergebnis ein falsches Positiv ist, 97% beträgt“. Das Gericht stellt ferner fest, dass der Schwellenwert für die Zyklen, der für die derzeit in Portugal durchgeführten PCR-Tests verwendet wird, unbekannt ist.

Unter Berufung auf Surkova et al. (2020; https://www.thelancet.com/journals/lanres/article/PIIS2213-2600(20)30453-7/fulltext) stellt das Gericht weiter fest, dass jeder diagnostische Test im Kontext der tatsächlichen Krankheitswahrscheinlichkeit interpretiert werden muss, wie sie vor der Durchführung des Tests selbst eingeschätzt wird, und äußert die Meinung, dass „in der gegenwärtigen epidemiologischen Landschaft die Wahrscheinlichkeit zunimmt, dass Covid-19-Tests falsch positive Ergebnisse liefern, was erhebliche Auswirkungen auf den Einzelnen, das Gesundheitssystem und die Gesellschaft hat“.

Antigen Schnelltests nicht besser

Nach den Massentests in der Slowakei will auch Österreichs Bundeskanzler Kurz alle Österreicher testen lassen. Das geht nur mit einem der Antigen-Schnelltest. Über deren Genauigkeit gibt es allerdings noch mehr Skepsis.

So berichtet medmedia: In einer Übersichtsarbeit des unabhängigen Wissenschafter-Netzwerks „Cochrane“ haben sich Forscher mit Corona-Schnelltests beschäftigt – darunter auch Antigentests. Derartige Verfahren schnitten demnach „nicht sonderlich gut ab. Antigen-Schnelltests übersahen 20 bis 70 Prozent der Infizierten je nach Qualität, Verfahren und Umsetzung“, heißt es in einer Aussendung der Donau-Universität Krems. Skeptisch zu Massentestungen auf Antigen-Basis zeigte sich in den vergangenen Tagen bereits Gerald Gartlehner, Direktor von „Cochrane Österreich“. Die Wissenschafter haben unter bestimmten Annahmen, was die Genauigkeit des verwendeten Tests und die Dunkelziffer Infizierter hierzulande betrifft, Berechnungen für Österreich angestellt. Würden fünf Millionen symptomfreie Österreicher mit Antigentests getestet, könne man mit rund 100.000 falsch positiven Ergebnissen rechnen. Gleichzeitig würden voraussichtlich rund 6.000 tatsächlich Infizierte übersehen. „Einmalige Massentests an der gesunden Bevölkerung sind fragwürdig“, sagt Gartlehner.“

Ähnliches empfand kürzlich auch Tesla Chef Elon Musk der an einem Tag vier Mal getestet wurde und zwei positive sowie zwei negative Ergebnisse erhielt.

Zum Abschluss noch eine Aussage des zuständigen Ministeriums

Auf der FAQ Seite des österreichischen Gesundheitsministerium findet sich folgende interessante Aussage zu PCR Tests:

„Ein PCR-Test sollte nur bei Krankheitszeichen zur Klärung der Ursache durchgeführt werden, bei einer gesunden Person hat ein PCR-Test nur eine sehr begrenzte Aussagekraft.“

Portugiesisches Berufungsgericht hält PCR-Tests für unzuverlässig und hebt Quarantäne auf

Das sagt das Ministerium zum PCR Test bei Gesunden: nicht aussagekräftig

Warum die derzeitige PCR-Teststrategie für Eindämmung ungeeignet ist

Drei Ursachen warum PCR-Tests falsche Ergebnisse produzieren

Bild von Belova59 auf Pixabay

8 Kommentare zu „Corona Tests: Genauigkeit unbekannt

  1. Zu den Antigen(schnell)tests:
    Lt Herstellerangaben (zB.www.nadal-test.com) liegt die Spezifität bei >99,9%!!! Das heißt, die „Schwäche“ der Antigentsts liegt in der SENSIVITÄT! (nadal: 97,56%). Das dürfte meines Wissens generell das Problem der Antigentests sein. Daraus ergibt sich, dass sich die von Ihnen angeführten Zahlen bei 5 Mio Tests genau umgekehrt verhalten: ca 6.000 falsch positive und ca 100.000 falsch negative! Das hat offensichtlich auch Herr Gartlehner verwechselt. Der oa Hersteller empfiehlt – konsequenter Weise – auch das Nachtesten mit PCR bei NEGATIVEN Antigentestresultaten. Im Widerspruch zu solchen Herstellerangaben ist allerdings die Vorgehensweise des Gesundheitsministeriums: demzufolge müssen die positiven Anitgentestergebnisse mittles PCR „kontrolliert“ werden. Das hat meiner Meinung aber nur mit dem Meldesystem zu tun: Durch den „offiziellen“ PCR Test bei positivem Antigentest wird die peinliche Situation vermieden, dass mehr „Fälle“ aufreten, als insgesamt offiziell durchgeführte Tests. Außerdem scheint nur die PCR für einen Absonderungsbescheid ausreichend zu sein.

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    1. Sie rechnen da falsch. Bei 5,6 Mio Tests in der Slowakei gab es 51.200 positive Ergebnisse, das entspricht einer kumulierten Prävalenz von 0,91%. Bei von Ihnen zitierten Genauigkeit gibt es 10% falsch-positive, also 5120, aber nur eine Wahrscheinlichkeit von 0,0220578%, dass einer der negativen Ergebnisse falsch-negativ war, das sind insgesamt 1224 Ergebnisse. Einfach selbst nachrechnen mit dem im Artikel verlinkten Webtool.

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      1. Wenn ich einen Test einsetze, der mehr als 99,9% Spezifität aufweist, habe ich bei 5 Mio Tests weniger als 5000 falsch positive. Wenn dieser Test eine Sensitivität von 97,56% aufweist, habe ich ca. 122.000 falsch negative Resultate. Da fährt die Eisenbahn drüber! DIESE Rechnung ist unabhängig von der Prävalenz. Letztere spielt erst für die Berechnung eine Rolle, mit welcher Wahrscheinlichkeit die erhaltenen insgesamt 5 Mio Resultate richtig sind.

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      2. Sie verstehen nicht wie das richtig gerechnet wird. Die von Ihnen zitierten Prozentsätze beziehen sich auch Prävalenz 100%, also sicher positive bzw negative Proben. Die Prävalenz hat aber einen sehr großen Einfluss.
        Da Sie es mir nicht glauben, eine Erklärung vom Deutschen Ärzteblatt Nr 24 vom 12. Juni2020 (https://www.aerzteblatt.de/archiv/214370/PCR-Tests-auf-SARS-CoV-2-Ergebnisse-richtig-interpretieren):
        „Um den starken Einfluss der geschätzten Prävalenz auf den Vorhersagewert deutlich zu machen, seien Prävalenzen von SARS-CoV-2-Infektionen von 3 %, 20 % und 80 % gegenübergestellt: Unter 1 000 Personen würde es in diesen Fällen 30, 200 oder 800 Infizierte geben. Die Autoren im BMJ mutmaßen, das der RT-PCR-Test eine Sensitivität von 70 % und eine Spezifität von 95 % aufweist. Sars-CoV-2-Prävalenz 3 % (z. B. Hausarztpraxis): Richtig positiv getestet werden 21 von 30 infizierten Personen, falsch negativ sind damit 9 Ergebnisse. Richtig als gesund erkannt werden 921 von 970 Personen, falsch positiv bleiben 49. Der positive Vorhersagewert errechnet sich als Quotient aus der Zahl der richtig positiv Getesteten (21) und der Summe aller Personen mit positivem Testergebnis (21 + 49 = 70). Er ist mit 0,30 erschreckend gering – 70 % der als positiv getesteten Personen sind gar nicht positiv, ihnen wird aber Quarantäne verordnet. Der negative Vorhersagewert als Quotient aus der Zahl der richtig negativ Getesteten 921 und der Summe aller Personen mit negativem Testergebnis (921 + 9 = 930) ist hingegen 0,99, also sehr gut.“

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