Paradoxon Japan: wenige Corona Sterbefälle dank sehr alter Bevölkerung

Wir wissen, dass weltweit das Durchschnittsalter der Todesfälle bei Covid-19 über 80 Jahren liegt. In Japan beträgt der Anteil der über 65-Jährigen 29%, der höchste Wert weltweit, es gibt 2,3 Millionen zwischen 90 bis 100 Jahren und 73.000 sind sogar älter als 100. In Japan gibt es trotz dieser starken Überalterung der Gesellschaft gerade einmal 4 Tote pro Million, zum Vergleich in Österreich sind es 68, in Deutschland 87 und in der Schweiz gar 209. Und all das obwohl in Japan ähnlich liberale Maßnahmen gelten wie in Schweden.

Das Paradoxon ist rasch erklärt, denn neben dem Durchschnittsalter der Todesfälle von über 80 – das übrigens der normalen Mortalität entspricht – wissen wir auch, dass 99 Prozent davon an mindestens einer meist jedoch mehreren Vorerkrankungen leiden. Und diese Vorerkrankungen sind fast alle auf die Ernährung zurückzuführen, nämlich Übergewicht, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Herzkrankheiten und Krebs. Haben die alten und sehr alten Japanerinnen und Japaner alles nicht, sonst würden sie nämlich nicht so alt werden.

Der etwas andere Weg in Japan

Aber hat Japan nicht so massive Probleme mit der Überlastung des Gesundheitssystems? Nach europäischen Maßstäben überhaupt nicht, denn sie kommen mit 5 Intensivbetten pro 100.000 Einwohnern aus, gegenüber 33 in Deutschland und 29 in Österreich. Was zu Überlastungen führte war, dass jeder Infizierte, nämlich sogar auch die, die nie Symptome zeigten, zur Quarantäne ins Spital gebracht wurden. Undenkbar in Europa.

Gestern war es der Webseite des öffentlich-rechtlichen TV Sender NHK World sogar eine Schlagzeile wert, dass nun 2000 Virus-Träger zu Hause in Quarantäne gegangen sind. Japan kommt dem Normalzustand wie in Europa näher.

Gesunde Ernährung führt zu starkem Immunsystem

Was sind also die Gründe, warum die Menschen in Japan so alt werden und dabei gesund bleiben und auch Coronavirus Infektionen offenbar mühelos überstehen? Die klassische japanische Ernährung, wie sie die ältere Generation ein Leben lang genossen hat, ist reich an Vitaminen, Protein, Jod und anderen Mikronährstoffen. Sie besteht aus Reis, Gemüse, Algen und häufig Fisch. Reis ist im asiatischen Raum ein tägliches Grundnahrungsmittel, in europäischen Ländern und Nordamerika sind es Weißmehlprodukte. Vitamine sind bei Reis und Getreide in den Kornhüllen lokalisiert. Deren Entfernung begünstigt massive Vitamindefizite.

Die Folge dieser gesunden Ernährung ist ein starkes Immunsystem, das mit Viren, Bakterien und Krankheiten rasch fertig wird. Süßigkeiten und Weißmehl waren nie Bestandteil der japanischen Küche, Übergewicht zumindest bei der älteren Bevölkerung daher ebenfalls nahezu unbekannt. In jüngerer beginnt sich die Ernährung allerdings etwas zu anderen, in Städten wie Tokio oder Kyoto findet man Wiener Mehlspeisen, Kaffehäuser und Pizzerien.

Ein anderer Faktor ist die geringere Luftverschmutzung im Vergleich zu den Industriegebieten am asiatischen Festland wie in China oder Korea. Damit ist zumindest dieser Faktor deutlich reduziert.
Unter dem Strich hat Japan also wenig Todesfälle, weil die ältere Bevölkerung dank gesunder Ernährung kaum unter Erkrankungen leidet und über ein starkes Immunsystem verfügt.

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