Insider Robert Barnes: So ticken Trump und seine Regierung wirklich

11. Juni 2026von 3,5 Minuten Lesezeit

Ein Interview von Ex-Oberstleutnant Daniel Davis mit dem Verfassungsrechtler und früheren Trump-Berater Robert Barnes liefert ein schonungsloses Bild der inneren Abläufe im Weißen Haus. Er erklärt, warum es trotz wiederholter Verhandlungsfortschritte immer wieder zum Abbruch und zur Bombardierung kommt.

Robert Barnes, der Trump 2020 noch persönlich als Anwalt beraten hat, zeichnet ein ernüchterndes Porträt. Der Trump von heute sei nicht mehr der Trump von 2020. Damals sei er rational, informationshungrig und zu echter Planung fähig gewesen. Heute dominiere Angst sein Handeln – und eine bemerkenswerte Fähigkeit zur Selbsttäuschung („confabulation“). Trump operiere wie ein Kleinkind, das von wechselnden Ängsten getrieben werde: Mal fürchtet er einen wirtschaftlichen Kollaps, mal den Zorn des Israel-Lobby und von Fox News, mal, wie Obama oder Jimmy Carter dazustehen. Barnes:

„Think of Trump as a toddler driven and motivated by fear, and you’ll be able to predict and actually persuade him accordingly.“
(Stellen Sie sich Trump als ein Kleinkind vor, das von Angst getrieben und motiviert wird, dann können Sie sein Verhalten vorhersagen und ihn entsprechend beeinflussen.)

Dieses Wechselbad der Emotionen erklärt die absurden Widersprüche der letzten Wochen und Monate. Laut CNN hat Trump seit Anfang April 38-mal öffentlich behauptet, ein Deal mit Iran stehe kurz bevor. Vizepräsident JD Vance wurde mehrfach losgeschickt, um die Öffentlichkeit auf einen baldigen Abschluss einzustimmen – nur damit Trump kurz darauf wieder mit neuen Bombenangriffen droht oder diese sogar ausführt.

Hin-und-Her als Regierungsstil

Barnes berichtet von mindestens sechs bis sieben Gelegenheiten, bei denen ein Memorandum of Understanding oder sogar ein fertiger Deal bereits ausgehandelt war. Iran forderte zunehmend keine bloßen Unterschriften mehr, sondern sichtbare Schritte: Geld freigeben, Schiffe durchlassen, Truppen abziehen. Jedes Mal habe Trump zugestimmt – und dann im letzten Moment zurückgerudert.

Der Grund? Kritik aus dem pro-israelischen Lager und von Hardlinern wie Lindsey Graham, Mike Pompeo oder den üblichen „Fake-Generale“ im Fernsehen. Trump ertrage diese Kritik nicht. Die Angst vor dem Vorwurf, „schwächer als Obama“ zu sein, überwiege offenbar selbst die Angst vor einem regionalen Krieg mit katastrophalen wirtschaftlichen Folgen.

Vance gegen Trump

Besonders aufschlussreich ist das Verhältnis zu JD Vance. Während Vance konsequent auf einen Deal drängt, der das iranische Atomprogramm langfristig eindämmt und gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile für die USA bringen soll, torpediert Trump diese Bemühungen öffentlich – teilweise sogar, während Vance live im Fernsehen für den Deal wirbt. Barnes spricht offen von bewusster Demütigung innerhalb des Machtzirkels.

Die Iraner haben mittlerweile gelernt, den Worten Trumps wenig Gewicht beizumessen und stattdessen auf konkrete Taten zu bestehen. Kein Wunder.

Keine Strategie, sondern emotionale Achterbahn

Netanyahu sitzt laut Barnes in einer Zwickmühle: Er braucht den Krieg, um politisch zu überleben. Trump hingegen ist in Israel populärer als Netanyahu selbst. Theoretisch hätte Trump enorme Hebelwirkung. Praktisch blockiert jedoch die Angst vor der Israel-Lobby und deren medialen Armen jede klare Friedenslinie.

Das Gespräch zeigt: Es gibt keine kohärente „Trump-Doktrin“. Es gibt einen Präsidenten, dessen Entscheidungen von der jeweils dominanten Angst des Tages bestimmt werden – verstärkt durch Berater, die ihm nach dem Mund reden, und eine Medienblase (Fox & Co.), die jede Abweichung vom harten Kurs als Schwäche brandmarkt.

Wer auf rationale Realpolitik der Supermacht USA hofft, wird enttäuscht. Die aktuelle US-Regierung funktioniert weniger wie eine strategische Führungsmacht, sondern eher wie ein emotional labiler Entscheidungsträger, der von wechselnden Furchtimpulsen gesteuert wird.

Ob daraus nun doch noch ein (wackeliger) Deal oder eine gefährliche Eskalation wird, hängt weniger von geopolitischen Realitäten ab als davon, welcher Angst Trump morgen früh als Erstes auf Twitter begegnet.

Hier ist das ins Deutsche übersetzte Transkript des Gesprächs: 

Robert Barnes: Shifting Goal Posts with Iran War – DE

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇

https://www.flickr.com/people/126057486@N04, Public domain, via Wikimedia Commons

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12 Kommentare

  1. Varus 12. Juni 2026 um 15:58 Uhr - Antworten

    Es gibt keine kohärente „Trump-Doktrin“. Es gibt einen Präsidenten, dessen Entscheidungen von der jeweils dominanten Angst des Tages bestimmt werden – verstärkt durch Berater, die ihm nach dem Mund reden, und eine Medienblase (Fox & Co.), die jede Abweichung vom harten Kurs als Schwäche brandmarkt.

    Das liest und hört man in unabhängigen Medien schon länger, dennoch bleiben Hardcore-Trump-Fans beim Glauben. Und auch wenn ÖRR ebenso Trump kritisiert, wie doof ist es, am ÖRR zu kleben und stets irgendwie das Gegenteil anzunehmen – ohne die Wirklichkeit sehen und verstehen zu wollen?

    Noch ein Beleg für kognitive Katastrophe in Westeuropa… falls man noch weitere braucht.

  2. Daisy 11. Juni 2026 um 20:19 Uhr - Antworten

    Des is nimma zum aushoidn…
    Macht er das wirklich nur wegen der Börsenkurse?
    Zuerst droht er, die Insel Kharg mit Bodentruppen anzugreifen usw. Jetzt Headline: „Trump cancels strikes on Iran, says deal signing will be announced shortly….“

    Ist ja irre.

    • Daisy 11. Juni 2026 um 20:22 Uhr - Antworten

      „Auf der Grundlage der Tatsache, dass die Gespräche mit der Islamischen Republik Iran auf die höchste Ebene der iranischen Führung gebracht und genehmigt wurden, habe ich als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika die geplanten Angriffe und Bombenanschläge gegen den Iran heute Abend abgesagt“. Diskussionen und letzte Punkte wurden sowohl konzeptionell als auch sehr detailliert von allen Beteiligten gebilligt, darunter den Vereinigten Staaten, Israel, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, der Türkei, Pakistan, Bahrain, Kuwait, Jordanien, Ägypten und anderen. Die Marineblockade bleibt in vollem Umfang in Kraft und wirksam, bis diese Transaktion abgeschlossen ist. — Zeit und Ort der Unterzeichnung werden in Kürze bekannt gegeben“, schrieb Trump in einem Beitrag auf Truth Social.“

      Als nächstes erklärt der Iran, er wisse von nix…

    • Daisy 12. Juni 2026 um 6:55 Uhr - Antworten

      Der Sprecher des iranischen Außenministeriums hat erklärt, dass wichtige Abschnitte einer möglichen Vereinbarung zur Beendigung des verhängten Krieges kurz vor dem Abschluss stehen.
      Offenbar haben Pakistan & Co sich dafür eingesetzt.

  3. Konrad Kugler 11. Juni 2026 um 14:45 Uhr - Antworten

    Donald Trump ist eigentlich ein Konservativer, die Beweise stehen da. Aber er ist auch ein US-Amerikaner und als solcher steht er unter der Fuchtel Netanjahus. Wer liebt schon Kennedysierung? [Dank nach oben!]

  4. Glass Steagall Act 11. Juni 2026 um 11:31 Uhr - Antworten

    Zumindest lässt sich mit dem Hin- und Her wunderbar viel Geld an den Märkten scheffeln! Jedes Mal wenn Trump etwas auf Social Media postet, gibt es hohe prozentuale Veränderungen beim Öl, Gas, Rüstungsaktien, Edelmetallen usw., die von ihm, seiner Familie und weiteren Kongressmitgliedern genau zum richtigen Zeitpunkt genutzt werden! Sie alle positionieren sich mit Millioneninvestitionen, 15 bis 30 Minuten vor jedem Trump-Posting! Eine Kongressabgeordnete setzte sogar 250 Million ein! Mit Sprüchen wie „Ich machen den Iran dem Erdboden gleich“ und „Morgen gibt es Frieden“ ändert er die Märkte absichtlich, denn sie sind alle vorher genau im richtigen Zeitpunkt investiert! Hier geht es teilweise um mehrere Hundertmillionen US-Dollar! Mit einem Deal wird man sofort zum Multimillionär! Der Krieg als Bereicherung von Einzelpersonen! Da gilt man schon einmal gern als „verrückt“ oder als „Kleinkind“.

  5. OMS 11. Juni 2026 um 11:02 Uhr - Antworten

    Trump muss Angst haben! Die Lobbyverbände, welche ihn zum Präsidenten machten würden ihn auch zu jeder Zeit kennedyren. Wer seine Seele für einen Posten verkauft, darf sich vor dem Teufel fürchten! Mit Enthauptungsschägen kennt sich die Geheimdienste ja bestens aus! Also hüpft der Donald wie ein Clown oder Zirkuspferd durch die Manage und lässt sich von den Lobbyisten treiben!

  6. Patient Null 11. Juni 2026 um 9:43 Uhr - Antworten

    Irgendwann ist man denke ich auch tatsächlich zu alt für den Job. Aus dem Biden Desaster hat man nichts gelernt. Dabei hat man sich damals immer über die Sowjetunion lustig gemacht mit den alten Staatschefs.

    Kritik aus dem pro-israelischen Lager und von Hardlinern

    Mein Reden, denke er hat sich in den ganzen Iran Krieg hineinmanövrieren lassen.

  7. Jurgen 11. Juni 2026 um 9:40 Uhr - Antworten

    Das ist alles Blödsinn, weil Trump nicht der Drahtzieher ist, sondern nur die Marionette, die die Verträge abzuzeichnen hat, um das amerikanische Steuergeld umzuleiten. Wenn die Amerikaner schlauer wären, würden Sie alle nicht mehr arbeiten gehen. Dann könnten sie zuschauen wie schnell das englische (Finanz-)System zusammen stürzt und neu anfangen.

  8. Daisy 11. Juni 2026 um 8:52 Uhr - Antworten

    Ja, das ist wohl die treffendste Analyse dieses „Zustandes“.
    Es gibt einen Präsidenten, dessen Entscheidungen von der jeweils dominanten Angst des Tages bestimmt werden – verstärkt durch Berater, die ihm nach dem Mund reden,…
    So war das auch schon im Bezug auf die Ukraine-Friedensverhandlungen. Schon damals sagte man, es kommt darauf an, wer zuletzt bei ihm schleimt…dieses dauernde Hin und Her hat den Ukraine-Konflikt verlängert. Er hätte ihn in der Tat sofort beenden können. Und mittlerweile ist es wirklich unerträglich.

    Ceterum censeo…Trump soll aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten und seinen Vice ranlassen.
    Mittlerweile haben die „Falken“ das Sagen. Alle MAGA-Leute sind raus. Dies bedeutet auch für den Ukraine-Konflikt nichts Gutes.
    Trump hat gut begonnen, alle seine Kritik war richtig, aber er ist dem Gegenwind nicht gewachsen.

    • Varus 12. Juni 2026 um 16:04 Uhr - Antworten

      Trump soll aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten und seinen Vice ranlassen.

      Wenn Vance wirklich besser wäre, hätte ihn Trump vermutlich nicht in seiner Umgebung geduldet. Mir ist klar, dass die Verfassung nur das vorsieht – als Gedankenspiel könnte ich schon grübeln, welchen Konservativen ich nehmen würde, wenn ich es alleine per Ukaz entscheiden dürfte. Paul Craig Roberts, inzwischen etwas alt? Colonel McGregor, den Trump 1.0 zum Botschafter in Buntschland machen wollte? Auf jeden Fall einen Trump-Kritiker; keinen aus dem aktuellen Rest-Team.

      OK, bei derartiger Machtfülle würde ich vermutlich eh die Union in 50 Einzelstaaten auflösen mit Verbot, je wieder zu fusionieren – wie D-Buntschland und Ö-Buntschland nach WK II.

      • Daisy 12. Juni 2026 um 19:15 Uhr

        Ja, aber dass der Vice übernimmt, ist realistisch. Er war gegen den Iran-Krieg, weswegen er schon etwas in Ungnade gefallen ist. Und er ist jünger und nicht gaga. Es gäbe dann wohl dieses Hin und Her nicht mehr. Ich muss sagen, das ist mittlerweile so schlimm, dass ich denke, es ist total geisteskrank. Immer erzählt er was von seinen Erfolgen und dass der Iran komplett zerstört und besiegt sei. Es ist einfach nicht normal. Und dabei singt er so…:-)

        Dass irgendwer diesen kaputten Laden noch einmal reparieren wird können, ist wohl unrealistisch. Amerika ist hin. Vance könnte es evtl. noch schaffen.
        Rubio ist ein „Falke“.
        Sie wissen ja, ich hasse Amerika nicht und ich möchte daher nicht, dass es zerstôrt wird…

        Naja, vielleicht schafft er den Ausstieg aus der Iran-Sache mit einem Deal und tritt dann zurück. Das wäre das Vernünftigste. Seine Lebenswerk und alle guten Dinge, wie seinen Kampf gegen die Windmühlen und Wokeismus, hat er sich nun restlos kaputtgemacht, nur wegen diesem Gummizellenanwärter da unten. Traurig.

        Auch der Ukraine-Konflikt entwickelt sich nicht gut. Trump hat alles vermasselt. Was nicht heißt, dass die EU und Russland nichts dafür könnten, aber Trump hätte es in der Hand gehabt.

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